Das Fahrrad-Blog

Vier Wochen autofrei – und jetzt?

Von 17. Dezember 2012 um 10:13 Uhr

Yuba Mundo mit Lenker an der Sattelstütze und Fußrasten an der Sitzstrebe © JoeBike

Die letzte Woche unserer autofreien Zeit ist um. Der Schnee blieb bis zum Schluss eine echte Herausforderung. Wir Erwachsene hatten uns nach ein paar Tagen daran gewöhnt. So einfach war es bei den Kindern nicht.

Luis manövrierte sich mit Stollenreifen sturzfrei über die Schneeflächen. Ganz anders Smilla. Mit den wechselnden Gegebenheiten aus Eisflächen, Salz-Schnee-Matsch und DIN-A4-breiten Fahrspuren auf dem Radweg war sie überfordert. Darum fährt sie jetzt Bus, jedenfalls zur Schule. Denn ihre Nachmittagstermine kann sie damit nicht erreichen. Die kurzen Distanzen erledigten wir per Schlitten. Das ist mal ganz lustig, aber auf Dauer kann das keine Lösung sein.

Das Lastenrad wird Montag wieder abgeholt. Andernfalls würde ich jetzt Spikemäntel aufziehen. Damit wäre das Transportproblem innerhalb der Stadt gelöst. Wir fahren den Prototypen des blueLABEL TRANSPORTER hybrid. Das erste Serienmodell wird mit leichten Veränderungen auf den Markt kommen. Eine ist so etwas wie ein seitliches Trittbrett. In ähnlicher Form gibt es das bereits beim Yuba Mundo. Ich finde das sehr praktisch, weil es die Einsatzmöglichkeiten noch mal erweitert, wie die Fotos zeigen.

Die Fußreling vergrößert die Transportmöglichkeiten © JoeBike

Abschleppdienst © JoeBike

Für sperrige Waren oder um Kinderräder zu ziehen, ist die Reling extrem praktisch. Auf Wunsch gibt es das Rad mit Lenker an der Sattelstütze sowie einem Polster auf dem Gepäckträger für den Hintermann. Selbst Erwachsene können bei dem Rad hinten Platz nehmen. Man kann spontan Personen plus Gepäck transportieren und spart sich das An- und Abschrauben der Kindersitze.

Würden wir unser Auto verkaufen, würden wir ein Lastenrad anschaffen. Aber der Wagen bleibt. Die vierwöchige Testzeit war motivierend, aber auch ernüchternd. Zukünftig werden wir bestimmt noch öfter das Rad nehmen als zuvor. Aber zurzeit ist unser Fazit: Ohne Auto geht es nicht. Solange die Kinder noch so klein sind, wird der Alltag zeitweise ohne Wagen extrem anstrengend und Besuche bei Freunden oder ein simpler Kinobesuch schnell zum Kraftakt.

Was bleibt, sind viele positive Erfahrungen. Etwa die mit dem Elektrofahrrad. Im Alltag ist es eine große Erleichterung. Die Unterstützung durch den Motor senkt die Hemmschwelle, aufs Rad zu steigen, ungemein. Selbst bei Regen oder wenn man müde ist. Mir ging es oft so, dass ich vor allem abends die ersten 100 Meter mit hoher Unterstützung fuhr und dann den Motor zurückschaltete. Für Pendler, bei Regenwetter oder in Städten mit großen Höhenunterschieden sind Elektroräder eine echte Alternative zum Auto.

Wir sind keine großen Autofahrer. Etwa 7.000 Kilometer fahren wir im Jahr. Für uns wäre ein Mix aus Taxifahrten und dem gesicherten Zugriff auf ein Auto perfekt. Etwa durch Carsharing. Das gibt es noch nicht in Buxtehude. Dabei müsste es eigentlich funktionieren, denn in Aurich funktioniert es auch. Und das hat etwa so viele Einwohner wie Buxtehude.

Andrea Reidl und ihre Familie sind vier Wochen ohne Auto ausgekommen – in einer Kleinstadt. Hier begleitet sie bloggend ihren Selbstversuch: Teil 1,  Teil 2, Teil 3, Teil 4.

Kategorien: Abgefahren, Räder
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Mein Respekt für diese vier autofreien Wochen in einer komplett auf min. 1 Auto pro Familie abgestimmten Sozial- und Infrastruktur! Es war interessant, die Entwicklung und diesen Test mitzuverfolgen.

    Wie schon mal kommentiert glaube ich, dass sich unsere Gesellschaft hier stark verändern werden wird bzw. muss, wenn wir künftig alle deutlich weniger Auto fahren können (egal ob mit Verbrennungs- oder Elektromotor, es wird weniger werden). Dadurch dürften Öffis am Land besser ausgelastet werden und auch Carsharing sich weiter verbreiten. Jetzt noch die Dienstzeiten viel flexibler gestalten bzw. über den Tag staffeln und viele Verkehrsprobleme könnten abnehmen. Aber mal schauen, mit welchen Lösungen wir aufkommen.

    • 17. Dezember 2012 um 14:51 Uhr
    • maksibec
  2. 2.

    Wir fahren aktuell eigentlich kaum Auto, Kinder mit dem Bus und Eltern mit dem Fahrrad zur Arbeit. Einkaufen geht zu Fuß, dauert eben länger. Aktuell brauchen wir auch weniger als eine Auto Tankfüllung pro Jahr. Allerdings geht es leider auch nicht ganz ohne.

    • 17. Dezember 2012 um 15:39 Uhr
    • M
  3. 3.

    Mit großem Interesse habe ich Ihre Artikel verfolgt. Eine Stadt wie Buxtehude bietet den Vorteil fast alles in Fahrradreichweite zu haben. Den Mut per se auf den Verbrenner zu verzichten finde ich großartig und nachahmenswert. Bleiben Sie dran!

    • 17. Dezember 2012 um 15:41 Uhr
    • Andreas Drath
  4. 4.

    Ganz schön enttäuschend.

    “Ohne Auto geht es nicht”
    - Wie haben die Menschen vor 100 Jahren denn überlebt?

    • 17. Dezember 2012 um 16:02 Uhr
    • ralle
  5. 5.

    “Buxtehude, einer Stadt mit 40.000 Einwohnern”
    Also ich bin Ortsbürgermeister in einem Ort mit 550 Einwohnern. Der Versuch der Familie ist gut und wichtig. Er beweist nämlich: Geht nicht – Gibts nicht. Aber wie ich das bei uns relisieren sollte (z.B.: eine Strecke zur Arbeit 43 KM) weis ich momentan nicht. Ganz abgesehen von den anderen kleinen und großen Problemen auf dem Dorf und der demografischen Entwicklung.
    Aber sehr interessant und teilweise zum Nachmachen erwünscht.

    • 17. Dezember 2012 um 16:05 Uhr
    • Thor
  6. 6.

    Wir leben in Thun, Berneroberland ohne Auto, Carsharing ist für uns eine selbstvertändlichkeit, 1100 Stationen im ganzen Land, wir verzichten seit 6 Monaten auf einen eignen Wagen. Einziger mangel, Spontan zum
    Skilaufen ist ein kraftakt ohne gute kenntnis des ÖV geht es nicht.
    für interessierte http://www.snellebakfiets.nl/

    • 17. Dezember 2012 um 16:08 Uhr
    • dirkson
  7. 7.

    Die Ferien auf Saltkrokan sind vorbei. Luis und Smilla sind wieder in Buxtehude.

  8. 8.

    Ich weiß nicht. Wir kommen schon lange ohne Auto aus. Ohne so teure Schnickschnack-Fahrräder anzuschaffen. Normale tun es doch auch.

    (…)

    Bitte kommentieren Sie respektvoll. Die Red.

  9. Kommentar zum Thema

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