Das Fahrrad-Blog

Zellen fahren gerne Fahrrad

Von 26. Dezember 2012 um 08:03 Uhr

Professor Martin Halle © pd-f.de / Gregor Bresser

Radfahren ist gesund. Aber wie sehr genau? Dazu hat Martin Halle, Professor an der Technischen Universität München, im Rahmen einer ADFC-Veranstaltung zum Nationalen Radverkehrsplan einen interessanten Kurzvortrag gehalten.

“Ötzi und seine Verwandten hatten zu ihrer Zeit einen Aktionsradius von etwa 25 Kilometern”, erklärte Halle. Der zivilisierte Mensch sei dagegen ein ziemlicher Nesthocker. Er bewegt sich im Alltag aus eigener Kraft gerade noch in einem Umkreis von 800 Metern. Beim Sporttreiben ist das Gefälle ähnlich hoch. 50 Prozent der Deutschen fahren laut Halle mehrmals pro Woche Rad. Die anderen machen gar nichts.

Das ist ungesund, denn Körperzellen lieben laut Halle Sport. Er zeigt in seinem Vortrag: Training bringt enorm viel. Wer aktiv ist, senkt sein Risiko für Herzkreislauferkrankungen um 25 bis 50 Prozent. Das gilt auch für ältere Menschen, Menschen mit Übergewicht und mit hohen Cholesterinwerten sowie für Raucher.

Wer jeden Tag 40 Minuten moderat pedaliert, lebt gesünder und erhöht seine erwartete Lebensdauer (Halle selber spricht von “Reduktion der Sterblichkeit”) um 20 Prozent. Noch stärker wird dieser Effekt bei intensivem Training. Täglich 30 Minuten davon sollen das Leben sogar um 40 Prozent verlängern. Noch mehr Training bringt aber nichts – außer Spaß. Den Effekt könne man nicht mehr weiter ausbauen, sagte der Münchner Professor.

Martin Halle hat zu dem Thema dieses Buch geschrieben:
Zellen fahren gerne Fahrrad: Mit gesunden Gefäßen länger jung bleiben, Mosaik Verlag 2012, 19,99 Euro.

Kategorien: Forschung
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Und mindestens 80% der Bevölkerung in Deutschland könnten das mühelos in den Alltag integrieren. Weniger Autoverkehr und Energieverbrauch wären die Folge. Die Kfz-Industrie versucht allerdings, diese Erkenntnis mit allen Mitteln zu unterdrücken. Desinformation, Werbung und dem Totschlagsargument, dass jeder achte Arbeitnehmer in der Autoindustrie arbeitet.

  2. 2.

    Radfahren hat eine Chance, wenn es zum Modesport wird. Man muss es mögen, man muss es wollen. Es muss “in” sein. Das ist ein weiter Weg.

    In Kopenhagen fahren auf manchen Straßen 90% der Leute mit dem Fahrrad. Hier fahren auf vielen Straßen mehr als 90% der Leute allein im Auto zur Arbeit…

    Eingekauft wird in Deutschland oft im Laden in weniger als 500 m Entfernung im 5-, 6-, 7- oder gar 9-Sitzer-Wagen. Brötchen holt die Mehrzahl der Leute mit dem Auto, das über 1000 kg wiegt.

    Sportler fahren oft wie selbstverständlich zum Startpunkt ihres Trainings (laufen, radfahren und schwimmen) mit dem Auto – warum ist das so?

    • 30. Dezember 2012 um 17:14 Uhr
    • Hellmut Böttner
  3. 3.

    Warum das so ist? Joggen möchte der Sportler eben im Wald und nicht entlang der Hauptverkehrsadern seiner Stadt. Die Lunge mag nun mal reinen Sauerstoff…
    ES ist die pure Gewohnheit. Ebenso kann es pure Gewohnheit sein, alles mit dem Rad oder zu Fuß erledigen, resp. längere Distanzen mit dem ÖPNV zu bewältigen. Eine gewisse Knappheit an Resourcen hat in unserem sechsköfigen Haushalt ein ökologisch nachhaltiges Potential entfacht. So geht es also auch. Und nach einem Jahr verspürt man auch keine Komforteinbuße mehr.

    • 14. Januar 2013 um 15:15 Uhr
    • Christian
  4. Kommentar zum Thema

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