Das Fahrrad-Blog

Getriebe für Fahrräder

Von 4. Januar 2013 um 11:02 Uhr

© Pinion

Lange Zeit galt die Rohloff-Schaltung als die Königin unter den Nabenschaltungen. Im Gegensatz zu Kettenschaltungen ist ihr Gehäuse gekapselt und damit wartungsarm. Vor ein paar Monaten hat sie nun Konkurrenz bekommen. Zwei junge Entwickler haben mit dem Pinion P1.18. ein Getriebe fürs Fahrrad auf dem Niveau eines Autogetriebes auf den Markt gebracht. Die ersten Räder mit diesem Getriebe sind bereits ausgeliefert.

Die Anleihe in der Autobranche lag für die beiden Entwickler nahe. Schließlich haben sich Christoph Lermen (Diplom-Ingenieur) und Michael Schmitz (Wirtschafts-Ingenieur) als Werksstudenten in der Getriebeabteilung bei Porsche kennengelernt. Die beiden interessierten sich nicht nur für Motoren, sondern fuhren auch gern Mountainbike. Und noch eines teilten sie: ihre Unzufriedenheit mit der Kettenschaltung. In ihren Augen eine völlig veraltete Technik.

Vier Jahre lang haben die beiden Modelle entwickelt, verworfen, überarbeitet und schließlich produziert. Sie hatten Glück. Nach einigen Anläufen haben sie einen Investor gefunden, der mehr Mentor war als Geldgeber und sich mit der Technik auskannte. Er ließ sie in Ruhe arbeiten – und seit einigen Monaten werden Räder mit dem Pinion-Getriebe ausgeliefert.

© Pinion

Die Stuttgarter haben zwei Teilgetriebe mit drei und sechs Gängen hintereinander geschaltet. So erhält das Getriebe 18 echte Gänge. Kettenschaltungen haben bis zu 27 Gänge, aber es überschneiden sich viele Schaltstufen und so stehen effektiv nur 14 zur Verfügung, wie bei der Rohloff-Schaltung. Das Gesamtübersetzungsverhältnis ist im Pinion-Getriebe mit 636 Prozent höher als bei allen Kettenschaltungen; das heißt, vom kleinsten bis zum größten Gang steht eine größere Bandbreite zur Verfügung.

Eine weitere Besonderheit des Konzepts: Anders als herkömmliche Schaltungen ist das Getriebe von Pinion nicht in der Fahrradnabe untergebracht, sondern sitzt direkt im Tretlager. Damit ist es optimal platziert: tief im Rahmen und ziemlich genau in der Fahrzeugmitte. Das ist gut für die Fahreigenschaften. Denn das zusätzliche Gewicht im Hinterrad entfällt. Die Fahrdynamik wird von der Schaltung praktisch gar nicht mehr beeinflusst.

Einen extremen Belastungstest hat sie schon bestanden: Ein befreundeter Extremradler fuhr mit dem Getriebe im Himalaja-Gebirge: 1.500 Kilometer weit, 24.000 Höhenmeter über die Strecke. Das Getriebe arbeitete wie ein Uhrwerk.

Die Pinion-Erfinder Christoph Lermen (rechts) und Michael Schmitz © Pinion

Leser-Kommentare
  1. 1.

    1. Frage: Wo kann man ein Rad mit dieser Schaltung kaufen?
    2. Frage: Was kostet die Schaltung?

    Vielen Dank

    • 5. Januar 2013 um 17:26 Uhr
    • Herbert Skrawek
  2. 2.

    tolle idee, jedoch im gegensatz zur rohloff eher extrem teurer luxus, der nicht mal eben an einem vorhandenen rahmen angebaut werden kann. fuer weltreisende extremoutdoorer mitsicherheit nicht ganz uninteressant.

    • 7. Januar 2013 um 11:00 Uhr
    • joe
  3. 3.

    @ Herbert Skrawek
    Hallo Herr Skrawek,
    hier finden Sie die Liste der Hersteller, die zurzeit Räder mit Pinion-Getriebe verkaufen: http://pinion.eu/discover-pinion/bicycle-frame-manufacturers/
    Die Schaltung ist teurer als die Rohloffnabe. Das sagt der Hersteller: “Das P1.18 ist zur Zeit nur in Kombination mit einem Fahrrad oder Fahrradrahmen eines Fahrradherstellers (Pinion Partner) erhältlich (OEM). Der jeweilige Pinion Partner legt den empfohlenen Verkaufspreis (EVP) seines Pinion Modells fest.”
    Auf der Eurobike nannte mir ein Händler als groben Richtwert für ein Rad mit Pinion-Getriebe: Es ist in etwa 500 Euro teurer als mit Rohloffschaltung-Ausstattung

    • 7. Januar 2013 um 11:52 Uhr
    • Andrea Reidl
  4. 4.

    Bei Patria ist der Preisunterschied zwischen Rohloff und Pinion über 1100 Euro, siehe konfigurator.patria.net (Modell Helios).

    • 8. Januar 2013 um 14:11 Uhr
    • J, Schmidt
  5. 5.

    Dieses Getriebe ist eine feine Sache (die Vorteile sind im Artikel dargestellt) und könnte der Rohloffnabe den Rang ablaufen.

    WENN da nicht der gravierende Nachteil wäre: Es erfordert eben einen speziell konstruierten Rahmen.

    Ich kann mein Rad nicht damit nachrüsten und ich kann es auch nicht zurückrüsten (Wenn sich z.B. der Einsatzbereich ändert).

    Damit ist es eher ein Produkt für eine kleine aber feine Nische. Schade.

    • 10. Januar 2013 um 07:26 Uhr
    • JK
  6. 6.

    Wer bei 27 Gängen einer 3×9-Kettenschaltung nur 14 tatsächlich nutzbare und voneinander verschiedene Gänge hat, sollte entweder sich selber oder seinem Händler auf die Füße treten. Mit ein bisschen Nachdenken kommt man mit einer Kettenschaltung nicht nur auf über 20 sinnvolle Gänge, sondern auch auf feinere Schaltschritte. Angucken kann man sich sowas vorab mit Tools im Netz, z.B. mit dem hier:

    http://www.ritzelrechner.de/#KB=24,44,53&RZ=11,12,14,16,18,21,24,28,32

    Ich will damit nicht sagen, dass die Zahnradgetriebe gegenüber Kettenschaltungen keine Vorteile bieten, aber die liegen meiner Meinung nach woanders. Da sind z.B. das Schalten im Stand, bei niedriger Geschwindigkeit oder über viele Gänge hinweg, die Möglichkeit, das Ganze gegen Dreck und Wasser zu schützen, der Entfall des zweiten Schalthebels und nicht zuletzt auch die fehlende Verzögerung zwischen Betätigung und Gangwechsel.

    • 12. Januar 2013 um 10:47 Uhr
    • Stefan
  7. 7.

    Sehr gut! Wenn das Ding taugt, dann wird es wohl sehr rasch seinen Siegeszug bei den MTB-Fullys antreten und u.a. auch mir einen lang gehegten Wunsch erfüllen und eine Neuanschaffung aufnötigen! Wo bei einem 12kg-Fahrrad der Schwerpunkt sitzt, ist mir vergleichsweise wurscht, aber wenn man einen Großteil des Getriebes der ungefederten Masse zuordnet, dann finde ich das ziemlich unlustig. Auch könnte man dann endlich mal die Kette vernünftig spannen und führen und bräuchte sich keine Gedanken mehr darüber zu machen, wo die wohl hinschlägt, wenn’s mal wieder über ein paar Wurzeln geht. Wäre das gefederte Hinterrad zuerst dagewesen, hätte niemand je eine Kettenschaltung erfunden.

  8. 8.

    Hm, ich trage mich derzeit mit dem Gedanken mir für ein neues Fahrrad eines mit Piniongetriebe und eventuell mit Gates-Riemen zu zulegen. Ich werde aber noch etwas zuwarten, wie die technische und preisliche Entwicklung weitergeht, oft müssen ja div. Kinderkrankheiten der ersten Modelle noch verbessert werden. Aber, wenn sich die Preise für ein einigermaßen brauchbares Trekkingbike mit Pinion eher Richtung 3.000 € als bislang 3.500-5000 bewegen, werde ich wohl “Umsteigen”

    Ich bin kein Technikfreak und war bisher beim geplanten Kauf eher auf Rohloff fixiert – aber nun stellt sich die Frage, warum nicht gleich die Pinion, die ein paar Gänge mehr und einen anderen Schwerpunkt hat.

    Es ist wirklich eine Menge Geld für ein Rad, auch wenn die Preise evtl. noch etwas fallen. Aber ich erhoffe mir einen fast sorglosen Fahr- und Bewegungsspass durchaus auch mal sportlich auf Asphalt sowie im leichten Gelände, am Berg und bei Abfahrten….
    und dies alles (fast) ohne Wartung, viel Putzen etc…nach dem Motto einfach aufsitzen und losfahren……. hoffe ich zumindest.

    Na ja, derzeit knischt meine Kette (Waldwege, Schotterpisten!) und hakelt meine Schaltung, ich bin einfach zu faul zum ständigen warten und Kleinigkeiten zu justieren und zu reparieren.

  9. Kommentar zum Thema

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