Das Fahrrad-Blog

Brauchen wir noch die Dynamopflicht?

Von 9. Januar 2013 um 12:37 Uhr

© ADFC / Oliver Tjaden

Das Bundesverkehrsministerium lässt zurzeit prüfen, ob es die Dynamopflicht für Fahrräder lockern oder sogar komplett abschaffen soll.  Laut Straßenverkehrs-Zulassungsordnung muss jedes Fahrrad einen Dynamo besitzen.  Ein Batterielicht am Rad reicht nicht aus. Ausnahmen gibt es für Rennräder. Die Vorschrift ist einmalig in Europa, dabei hat Deutschland die höchsten Sicherheitsstandards für Fahrräder.

Was haben wir eigentlich von der 75 Jahre alten Vorschrift? Schließlich sind schon jetzt bereits viele Velofahrer mit Akkuleuchten unterwegs.

Die Regelung hat auch Vorteile. Das wirkt vielleicht kleinkariert, aber: Wer im Fachhandel ein City- oder Trekkingrad kauft, steht nachts garantiert nicht im Dunkeln. Die Lichtanlage gehört zur Pflichtausstattung, ein Plus an Komfort. “Mittlerweile sind etwa 80 Prozent der verkauften Räder mit Nabendynamos ausgestattet”, sagt Stephan Schreyer, Sprecher vom Zweirad-Industrie-Verband (ZIV). In EU-Ländern ohne diesen Zwang werden Velos laut ZIV auch ohne Lichtanlage angeboten.

Deshalb ist der Verbraucherschutz für ADFC-Verkehrsexperte Roland Huhn ein wichtiges Argument für eine Dynamopflicht. Denn selbst ein Aldi-Rad für 250 Euro sei in Deutschland bereits mit Nabendynamo ausgestattet. In Österreich liege stattdessen im Karton ein Batterielicht dabei.

Dennoch ist es höchste Zeit, das Gesetz zu überarbeiten. In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Technik der Batterieleuchten enorm verbessert. LEDs in Verbindung mit hochwertigen Akkus leuchten heller als manche Fahrradlampe, die von einem Seitenläuferdynamo betrieben wird – und das über viele Stunden. Viele Radfahrer sind damit bereits unterwegs.

Geradezu absurd ist es, dass Elektrofahrräder nach geltendem Recht zurzeit noch einen zusätzlichen Dynamo brauchen. Schließlich versorgt ihr Motor die Lichtanlage verlässlich mit Strom.

Zudem sei erstaunlich, so Huhn, dass nicht die Hersteller von E-Bikes die treibende Kraft für eine Gesetzesänderung seien, sondern Sportler. Sie haben im Verkehrsministerium um eine Ausweitung des Gesetzes gebeten. Mountainbikes und Crossräder gelten zwar als Sportgeräte wie Rennräder, für sie gilt aber deren Ausnahmegenehmigung für Batterielampen nicht. Sie sind ebenso im Straßenverkehr unterwegs, passen aber in keine bekannte Regelung. Das wollten ihre Fahrer ändern. Für sie macht die Batteriebeleuchtung Sinn.

Auf langen Strecken ist der Nabendynamo inzwischen unschlagbar – sowohl aus finanziellen Gründen, wie unter Umweltaspekten. Für Alltagsradler hat die bestehende Praxis aus Beleuchtungspflicht und Kulanz der Polizei zurzeit noch die meisten Vorteile. Viele Beamte lassen bei Kontrollen funktionierende Akkuleuchten ebenso gelten wie muskelbetriebene Lichtanlagen.

Ob die Regierung einen Weg findet, die Dynamopflicht beizubehalten und das Gesetz sinnvoll zu erweitern, wird sich im Frühjahr zeigen. Dann will das Verkehrsministerium den Entwurf für die zukünftige Regelung vorlegen. Man darf gespannt sein.

Kategorien: Allgemein, Recht
Leser-Kommentare
  1. 81.

    Das Problem mit den akkubetriebenen Frontlichtern ist, dass viele entweder zu dunkel oder einfach viel zu hell sind. Auch sind die meisten Befestigungslösungen unzureichend, wodurch die Lichter ständig verrutschen und so der Gegenverkehr geblendet wird. Akkuleuchten werden schnell geklaut, müssen also ständig vom Fahrrad genommen werden, dadurch vergisst man sie aber auch leicht wieder vor der nächsten Fahrt. Außerdem müssen die Akkus regelmäßig nachgeladen werden. Mir ist das alles zu umständlich und einfach nicht alltagstauglich genug.

    Die Kombination Nabendynamo/LED/zweipolig ist hingegen quasi wartungsfrei, immer betriebsbereit, richtig eingestellt und die Leuchtkraft ist für den Straßenverkehr mehr als ausreichend. Man sieht, wird gesehen und blendet niemanden.

    Meiner Meinung nach gehört Akkubeleuchtung an Sportgeräte (MTBs auf der Waldautobahn etc.) und ist für den alltäglichen Straßenverkehr nur bedingt tauglich.

    • 10. Januar 2013 um 14:32 Uhr
    • R. Rat
  2. 82.

    “Geradezu absurd ist es, dass Elektrofahrräder nach geltendem Recht zurzeit noch einen zusätzlichen Dynamo brauchen. Schließlich versorgt ihr Motor die Lichtanlage verlässlich mit Strom.” – Wohlgemerkt: es ist der Motor. Hat da jemand ein Perpetuum Mobile erfunden?

    • 10. Januar 2013 um 16:48 Uhr
    • Robert Klemme
  3. 83.

    ………………….. Ja, wir brauchen Dynamo-Beleuchtungspflicht, weil jeder Mensch jeder Zeit sichtbar seien muss und auch der, der einen dunklen Radfahrer totfährt, damit nicht leben kann. Es ist nicht paranoid, wenn man sagt,:” Traue niemandem im Straßenverkehr. Ich habe schon Blickverkehr gehabt, mit Leuten, die mich trotzdem nachher fast erwischt haben.Jeder Teilnehmer kann jederzeit unkonzentriert sein und seine Eigenen Kinder überfahren, weil bei denen der AKKU leer ist.

    • 11. Januar 2013 um 04:39 Uhr
    • mirido58
  4. 84.

    Das System Dynamo, Klingeldraht- Glühlampe ist einfach aus dem letzten Jahrhundert. Niemand wird heute gezwungen seine Briefe mit einer mechanischen Schreibmaschine zu schreiben oder einen ausreichenden Kohle und Kerzenvorrat für den Winter anzulegen. Es gibt einfach Vorschriften die von der technischen Entwicklung überholt wurden, diese unsinnige Dynamovorschrift gehört dazu.

    • 11. Januar 2013 um 09:53 Uhr
    • Andreas Drath
  5. 85.

    @Zeit
    Könnt ihr in den Zeit-Blogs nicht das gleiche Kommentarlayout wie auf Zeit-Online benutzen? Das ist doch viel besser!

  6. 86.

    Wichtiger als die Dynamopflicht wären die Helligkeit und Blendfreiheit einer Fahrradbeleuchtung. Auf linksgeführten Radwegen werden auch sehr starke Radlampen mit 60 oder mehr Lux vom entgegen stahlenden Scheinwerferlicht der PKW überstrahlt. Das Resultat: Man sieht seinen Weg nicht mehr im Gegenlicht. Wie das Radlicht seine Power bezieht könnte dagegen egal sein und der Forschung und Entwicklung weitere Impulse geben (z.B. die Akkulampe, die sich während der Fahrt laden lässt; Lampen mit Fern- und Abblendlicht). Mit stärkeren Radlampen muss aber auch eine sichere Montage zum Schutz der Blendfreiheit möglich sein. Kaum eine Rad-Werkstatt hat dazu geeignete Meßinstrumente und es wird Pi x Daumen eingestellt.
    Zu guter letzt: Warum dürfen Radfahrer keine Blinkanzeiger zum Richtungswechsel haben, eine Einrichtung, die grade in der Dunkelheit massive Sicherheitsvorteile bietet.

    • 14. Januar 2013 um 14:29 Uhr
    • Christian
  7. 87.

    An einem richtigen MTB hat kein Dynamo platz.

    Ich hab eine LED leuchte die in etwa so stark wie ein Autoscheinwerfer leuchtet oder etwas abgeschwächt(2 Modi Lampe). Betriebsdauer: 8 Stunden volle Leuchtkraft und 14Std im City Modus.

    Aufgrund dessen fühle ich mich nicht “kriminell” weil ich nicht nach Vorschrift fahren kann, ich sehe das ganze umgekehrt, wir haben einfach schlafende Poltiker, die jegliche neue Zeiterscheinung nicht wahrnehmen und viel zu spät darauf reagieren.

    Ich kann nix dafür das wir solche Lahmärsche in der Politik haben, ergo Schuld der Politik.

    Bei der Finanzkrise wurde ja auch schneller gehandelt.

    mfg

    • 15. Januar 2013 um 08:36 Uhr
    • Hickey
  8. 88.

    Nach 50 Jahren mit Rennrad, MTB, Randonneur mit Kinderanhänger und täglich damit im Stadtverkehr: Ohne Dynamopflicht wären die Nabendynamos nicht mittlerweile Standard. Wenn ein Akku unterwegs ohne Vorwarnung plötzlich schlapp macht steht man von 0 auf gleich während der Fahrt ohne Licht da. Ich habe mittlerweile seit 3 Jahren an jedem Rad einen Nabendynamo – Rennrad ausgenommen. Und ich fahre die beste Lampe am Nabendynamo paralell zur Acculeuchte mit 1800 Lumen. Im Winter läuft der Nabendynamo mit Licht generell mit. Und wenn man dann noch die circa 20% sieht die immer noch nachts ohne Licht in dunklen Klamotten unterwegs sind weiß man auch das es eben noch nicht genug Nabendynamos gibt. Wünschenswert wäre allerdings die doppelte Lichtleistung minimum zu erlauben. Die gesetzliche Kastration auf 3 Watt Leistung ist Beihilfe zum Totschlag – die doppelte Lichtleistung wäre möglich und eigentlich auch notwendig.

    • 15. Januar 2013 um 14:41 Uhr
    • simax
  9. Kommentar zum Thema

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