Das Fahrrad-Blog

Der typische E-Radfahrer ist …

Von 28. Februar 2013 um 11:26 Uhr

… männlich und über 50. Er ersetzt mit dem Elektrofahrrad im Alltag viele Autofahrten und fährt bedeutend weitere Strecken als mit einem herkömmlichen Fahrrad.

Das sind einige der zentralen Ergebnisse einer Online-Umfrage des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) unter Elektroradfahrern. Sie ist Teil des Projekt “Besser E-Rad kaufen”, finanziert vom Umweltbundesamt und dem Bundesumweltministerium. Der VCD wollte herausfinden, welche Potenziale im E-Rad stecken. Die Ergebnisse hat der Verkehrsclub heute vorgestellt.

Die Umfrage ist nicht repräsentativ. Interessant ist sie dennoch. Denn die Mehrzahl der Ergebnisse deckt sich mit vielen Grundannahmen des VCD. 506 Leute haben an der Umfrage teilgenommen, über 80 Prozent der Teilnehmer waren Männer, fast dreiviertel von ihnen sind älter als 50.

Die Altersstruktur spiegelt zurzeit noch wieder, wo das E-Bike seine Wurzeln hat. Nämlich im Rehabereich und als Rentnerfahrzeug. Mit den Elektrorädern hat die ältere Generation seinerzeit einen Trend gesetzt, den die Jüngeren nun seit ein paar Jahren aufgreifen.

Noch haben die Älteren Vorsprung. Zurzeit sind 41 Prozent der elektrisch Radelnden über 60 Jahre alt, der Anteil der 40- bis 59-Jährigen liegt bei 50 Prozent. Die Gruppe der E-Radler unter 40 macht nur rund 9 Prozent aus.

Der Anteil der Jüngeren wird in den kommenden Jahren wahrscheinlich steigen, denn die Branche bringt immer mehr elektrifizierte Mountainbikes, Lasten- und Cityräder auf den Markt, die auch für jüngere Fahrer und Familien interessant sind.

Es zeigt sich: Wer ein E-Rad hat, der nutzt es auch. 60 Prozent der Besitzer fahren damit nahezu täglich. Ein Fünftel der Fahrer ersetzen damit ausschließlich Autofahrten. Etwa die Hälfte der Umfrageteilnehmer fährt mit dem Pedelec zur Arbeit. Natürlich wird es auch in der Freizeit und für Alltagswege genutzt. Dabei sind die zurückgelegten Strecken relativ groß.

Rund jeder Zweite gibt an, Strecken von mehr als 30 Kilometern Länge zu fahren. Diese Distanz hat den VCD-Projektleiter Wasilis von Rauch überrascht. Er hatte deutlich kürzere Werte erwartet. Aber wenn man davon ausgeht, dass fitte Rentner im Sommer damit Tagesausflüge unternehmen, kann man sich gut vorstellen, dass eine Akkuladung mit 50 Kilometer Reichweite nicht immer ausreicht. Vor diesem Hintergrund ist der in der Umfrage genannte Wunsch nach mehr Akkuleistung durchaus nachvollziehbar. Zudem finden fast zwei Drittel der Umfrageteilnehmer die E-Bikes zu schwer.

Zwar geben viele Umfrageteilnehmer an, die Räder sollten günstiger werden, aber sie sind bereit, relativ hohe Preise zu bezahlen. Rund 450 Euro geben die Deutschen für ein Durchschnittsrad aus. 46 Prozent der Teilnehmer haben zwischen 1.500 und 2.500 Euro für ihre motorisierten Räder bezahlt. Das ist viel, liegt aber in der Spanne, die für ein solides Rad realistisch ist.

26 Prozent der Radfahrer waren bereit, noch tiefer in die Tasche zu greifen. Sie haben zwischen 2.500 bis 3.500 Euro für ihr Elektrorad bezahlt. 11 Prozent haben sogar mehr als 3.500 Euro ausgegeben. Sie kaufen es fast ausschließlich im Fachhandel (92 Prozent). So gesehen sind Elektroradfahrer eine interessante Zielgruppe für Fahrradhändler.

Die Käufer erwarten aber auch Service und eine gute Beratung. Beides scheint zu stimmen. 99 Prozent der Fahrer sind mit ihrem E-Bike zufrieden, drei Viertel der Fahrer würden sich sogar dasselbe Rad wieder kaufen. Für viele Nutzer schließt das E-Bike die Lücke zwischen Auto und Fahrrad. “Das Auto wird ersetzt und die Leute fahren damit weiter als mit dem Fahrrad”, sagt von Rauch.

Gleichgültig ob Rückenwind aus dem Akku oder Radeln per Muskelkraft, in diesen Punkten sind sich alle Radfahrer einig: Die Infrastruktur sollte verbessert werden und es sollte mehr Abstellmöglichkeiten für die Räder geben.

Wer daran denkt, sich ein Elektrofahrrad anzuschaffen, kann sich auf der VCD-Seite Besser E-Radkaufen einen guten Überblick verschaffen. Unter Kaufberatung gibt es den Typentest, der nach sieben kurzen Fragen eine solide erste Einschätzung über den passenden Fahrradtyp gibt. In der Rubrik E-Rad-Datenbank kann man die verschiedenen Kriterien eingeben, die das eigene E-Bike erfüllen soll. Infrage kommende Modelle aus 2012 werden angezeigt.

Hinweis: Wir haben den Text nach der Veröffentlichung überarbeitet. Die Altersverteilung war zunächst falsch dargestellt.

Kategorien: E-Bike, Forschung, Umfrage
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Vielen Dank für den Beitrag- seit dem Relaunch der Seite heute sind übrigens -pünktlich zur neuen Saison – alle 2013er Modelle in der Datenbank. Insgesamt über 1400 Räder.

    • 28. Februar 2013 um 15:58 Uhr
    • VCD Besser E-Radkaufen
  2. 2.

    Den Preis eines E-bikes finde ich, verglichen mit herkömmlichen, gut ausgestatteten Rädern nicht zu hoch. Sobald sich der Radius der elektrisch betriebenen Dinger auf entspannte, zuverlässige 200km erhöht, kaufe ich mir sofort so ein Ding. Dann bin ich ziemlich sicher leider auch über 50.

    • 28. Februar 2013 um 16:36 Uhr
    • 3zu2
  3. 3.

    Genau, jetzt zum Frühjahr kommt das Thema wieder auf den Tisch. Alt bekanntes wird wieder aufgewärmt. Aber bringen wir es auf einen Nenner:
    Mit verzückter Mine vom Naturfreund träumen reicht nicht. Die Realität ist Regen, Kälte, Schmutz. Dazwischen gibt es einige Tage Sonnenschein.
    Da sind 3500 € schlecht angelegt.

  4. 4.

    Solange der Mensch Muskelkraft besitzt braucht man kein E-Rad!

  5. 5.

    Genauso wie jedes Frühjahr das Thema wieder auf den Tisch kommt, so kommen auch wieder Argumente wie “Regen, Kälte, Schmutz”, die angeblich gegen ein Fahrrad sprechen. Wenn man sich nur deswegen für 20000 Euro ein Auto kauft, ist das ein ziemlich teurer Regenschirm.
    Wenn ich die Anschaffungs- und Betriebskosten meines Fahrrades (ohne E-) auf die gefahrenen Kilometer umrechne, bin ich nach einem knappen Jahr schon bei unter 50 Cent pro Kilometer. Nach einem weiteren Jahr bin ich dann, keine größeren Reparaturen vorausgesetzt, unter 20 Cent. Mit einem E-Bike müsste mein Arbeitsweg etwas weiter sein, aber dann würde die Kostenrechnung ähnlich ausfallen.

  6. 6.

    Weshalb ein E-Bike? Mit fünfzig hat man noch genügend starke Muskeln, um ein normales Fahrrad ordentlich und lang anhaltend zu bewegen. Das spart 2000 €, fördert die körperliche und physische Gesundheit wesentlich besser als ein E-Bike.
    Ach ja, und das alte herkömmliche Rad ist noch wesentlich Umweltfreundlicher.

  7. 7.

    Ich hätte nicht erwartet, dass es vorwiegend ältere Männer sind, die mit E-Bikes durch die Gegend ziehen. Ich sehe mehr Frauen in dem Alter. Ich habe zwei Unfälle auf Radwegen miterlebt, die wegen überhöhter, oder nicht beherrschter Gesschwindigkeit auf E-Bikes zustande kamen. Ein befreundeter Arzt sagte auch, dass das massiv zunähme.

    • 28. Februar 2013 um 17:29 Uhr
    • mlupus
  8. 8.

    “Zurzeit radeln 41 Prozent der über 60-Jährigen elektrisch” – das deckt sich nun wirklich nicht mit meinen Beobachtungen. Kann es sein, dass die Autorin etwas zu kreativ mit der Mathematik umgeht und in Wirklichkeit eher 41 Prozent der elektrisch Radelnden über 60-jährig sind? Dafür würde auch sprechen, dass die summierten Prozentwerte genau 100 erreichen. Was nun wirklich ein ziemlicher (nicht aber unmöglicher) Zufall wäre, wenn der Anteil der E-Radler für Gesamtaltersgruppen angegeben wären…

    • 28. Februar 2013 um 17:32 Uhr
    • Hans-Werner
  9. Kommentar zum Thema

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