Das Fahrrad-Blog

Greenwheel in der Warteschleife

Von 24. April 2013 um 12:08 Uhr
Entwickler Michael Lin mit dem Greenwheel © pd-f.de / Gregor Bresser

Entwickler Michael Lin mit dem Greenwheel © pd-f.de / Gregor Bresser

Kommt das Greenwheel noch in Serie auf den Markt? Zwei Mal hieß es schon: Nächstes Jahr ist es soweit – dann kommt das Hinterrad, das aus nahezu jedem x-beliebigen Fahrrad ein E-Bike macht. Dafür sollte das gesamte System von Motor, Akku, Steuerelektronik und Sensoren in der Radnabe integriert werden. Der Clou des Konzepts: Die Elektronik soll per App gesteuert werden, neue Funktionen sollen theoretisch über eine App nachgerüstet werden können.

Jetzt hat aber George Merachtsakis von MTB-Cycletech, der Ziehvater des Projekts, nach vier Jahren Entwicklungsarbeit einen Schlussstrich gezogen und die Zusammenarbeit mit dem Entwickler Michael Lin vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) beendet.

Dabei fing alles so vielversprechend an. Zur Klimakonferenz 2009 in Kopenhagen hatte das MIT das so genannte Copenhagen Wheel entwickelt. Ursprünglich war es gedacht als einfacher Nachrüstsatz. Die Idee war, Fahrräder mit dem Copenhagen Wheel zu einem E-Bike umbauen zu können. Einige Zeit nach der Konferenz wurden Lin und der Schweizer High-End-Anbieter MTB-Cycletech Partner. Aus dem roten Copenhagen Wheel wurde das grüne Greenwheel.

Seitdem feilten der Patentinhaber Lin und MTB-Cycletech an einem kompletten Rad mit dem Greenwheel-Antrieb, das sie auf den Namen E-Jalopy tauften. Es sollte deutlich mehr können als andere Elektrofahrräder. Das Ziel: das erste serienmäßige E-Bike zu bauen, das eine Vernetzung mit Social-Media-Diensten bietet. Die Möglichkeiten, die so ein E-Bike haben sollte, sieht man hier in dem Video. Eine Idee war, Sensoren im Lenker zu integrieren, die Kohlenmonoxid, Feinstaub und Pollen messen sollten, um dem Fahrer die gesündeste Route anzuzeigen. Für Allergiker eine durchaus nützliche Information.

Doch bis heute hakt es laut Merachtsakis an der Umsetzung. Auch in diesem Jahr gibt es kein serienfähiges E-Jalopy. Merachtsakis glaubt nicht mehr an die Umsetzung der Idee – zudem sei das Greenwheel mit einem 250-Watt-Motor (24 Volt) weit weg vom heutigen Stand der Technik.

Tatsächlich verstärkt sich der Eindruck, dass der technische Fortschritt das Greenwheel-Projekt längst überholt hat. Wer elektrisch unterstützt radeln will, findet ein passendes Rad sicherlich zu einem Preis unter den rund 3.000 Euro, die für das E-Jalopy veranschlagt wurden. Außerdem kann man einige diskutierte Dienste, die das Rad bereitstellen sollte, bereits via Smartphone-Apps oder mit einer simplen Mail lösen. Ein Beispiel war, Straßenschäden fotografieren zu können und direkt an die zuständige Behörde zu melden. Wer ein Smartphone besitzt, kann sofort alle nötigen Infos per Mail an die Gemeinde senden, vorausgesetzt sie besitzt eine entsprechende Meldestelle.

Michael Lin hält jedoch am Greenwheel fest und wird bald mit dem Schweizer Butch Gaudy einen neuen Partner haben. Die beiden kennen sich gut. Gaudy arbeitete viele Jahre bei MTB-Cycletech, er war dort unter anderem Senior-Designer, hat Designpreise erhalten und galt als Visionär der Schweizer Mountainbike-Szene. Im vergangenem Jahr hat er das Unternehmen verlassen. Etwa ab Mitte Mai soll man auf seiner Webseite www.ftw.ch erfahren können, wie es mit dem Greenwheel-Projekt weitergeht.

Kategorien: E-Bike, Forschung
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Das Konzept ist genial, die Umsetzung hakt leider. Ich hatte auch schon etwas vom Copenhagen – Wheel gelesen, aber nie konkret was gesehen.
    Bei dem Preis dürfte das allerdings mehr als fraglich bleiben, ob es jemals in Serie gehen wird.
    Interessanter finde ich da die Nachrüstsätze von Bionix –

    http://www.elektrofahrrad-shop.com/Umbausaetze-zum-Elektrorad/Nachruestsatz-BionX::85.html

    die den selben Effekt haben.

    • 26. April 2013 um 15:21 Uhr
    • Jens Schwoon
  2. 2.

    Das Konzept wurde in der Zwischenzeit weiter entwickelt.
    1) Die bluetooth-Verbindung zu allen Smartphones funktioniert (no-phone-no-go Funktion etc) jetzt, war nicht so einfach zu lösen, alle reden davon und wenige wissen wovon sie reden.
    2) Alles, auch der Controller ist jetzt im Hinterrad. Das war weniger schwierig aber bedingte 1).
    3) Der Sensor ist noch nicht fertig. Der sollte auch im Gehäuse sein. Das ist !E!X!T!R!E!M! schwierig zu bewerkstelligen. Das Ganze ist auch nicht einfach, weil es in diesem Bereich am meisten angemeldete Patente gibt, die vieles verhindern. Immerhin haben wir nun eine Idee.

    will keep you posted.

    butch

    p.s.
    BIONX ist etwas ganz anderes, es ist näher bei einem Dynamo als beim GreenWheel.

    • 30. April 2013 um 12:03 Uhr
    • butch gaudy
  3. 3.

    Hey Butch,

    echt tolle Sache an der Du da dran bist!!! Gelegentlich schau ich mal nach und hoffe, dass es Neuigkeiten zu dem Laufrad gibt. Jetzt, wo ich den Artikel und Deinen Kommentar gelesen habe, schöpfe ich neue Hoffnung :)

    Vielleicht würde Crowdfunding die Entwicklung des GreenWheels beschleunigen – denn Geld ist bekanntlich Zeit …nur ein gut gemeinter Tipp! ;)

    Keep it up!

    • 24. Mai 2013 um 11:17 Uhr
    • Patrick Zipp
  4. Kommentar zum Thema

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