Das Fahrrad-Blog

Ein Blick ins Tour-Familienalbum

Von 12. Juli 2013 um 11:49 Uhr

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Zehn Jahre hat Tino Pohlmann die Tour de France als Fotograf begleitet. In dem Bildband Captured erzählt er jetzt ihre Geschichte: Die Rundfahrt ist aufregend, etwas größenwahnsinnig, mitunter bestürzend, aber auch phantastisch schön.

Pohlmann liebt die Tour und ihre Protagonisten – die Fahrer natürlich, aber ebenso die Menschen am Wegesrand. Fast gewinnt man bei Captured den Eindruck, man blättere durch ein Familienalbum, mit dem Unterschied, dass in einem Familienalbum nie solch großartige und enttarnende Bilder zu finden sind.

©  "Captured" / Seltmann und Söhne

© “Captured” / Seltmann und Söhne

Pohlmann kennt bei seiner Arbeit keine Distanz. Er ist nah dran an den Fahrern, deren Geschichten er erzählt. Seine Fotos zeigen den Schweiß und die Anstrengung in ihren Gesichtern, ihr Hoffen und Resignieren, den Dreck der Straße, der ihnen am Körper und in den blutenden Wunden klebt. In dem Bildband sucht man vergebens nach den typischen Siegerposen an der Ziellinie. Stattdessen zeigt er, wo sich die Tour überall durchs Land gräbt, und illustriert die permanente Präsenz ihrer Ikonen.

Wie in einem Familienalbum tauchen auf Pohlmanns Fotos die ehemaligen Toursieger auf: Eddy Merckx wie ein Übervater auf einem riesigen Plakat in der Zuschauermenge, Marco Pantani als weißgepinselter Name auf der Straße. Ohne Helden funktioniert die Tour nicht. Den alten, die sich bewährt haben, huldigt das Publikum; die neuen, die noch nach Ehre suchen, schiebt die Zuschauerschaft auf Pohlmanns Bildern auch mal ein paar Meter den Berg hinauf.

©  "Captured" / Seltmann und Söhne

© Captured / Seltmann und Söhne

Überhaupt das Publikum. Das wartet auf Klappstühlen oder in der Wiese sitzend stundenlang auf die Protagonisten – bei jedem Wetter, Alte und Junge, in Dreiergrüppchen oder zu Hunderten in der Menge. Warum sie das tun? Captured vermittelt eine Idee davon: Zuschauer und Peloton brauchen einander. Das wirkt bizarr, aber diesen Zustand transportieren Pohlmanns Bilder auf wunderbare Weise.

©  "Captured" / Seltmann und Söhne

© Captured / Seltmann und Söhne

Ein Familienalbum dokumentiert die wichtigen Etappen in einem Leben. Bei der Tour de France sind das unter anderem die Entscheidungen in den Bergen. Pohlmann ist auch für seine Landschaftsaufnahmen bekannt. Seine Darstellung der Gebirge wirken fast mystisch – etwa die der grünen Hänge am Col du Petit Saint-Bernard. Die Aufnahmen erinnern an die Bilder des Malers Hans-Werner Sahm und gehen weit über die normale Sportfotografie hinaus.

© Captured / Seltmann + Söhne

© Captured / Seltmann und Söhne

Captured ist zum Auftakt der Tour erschienen. Es ist ein wunderbarer Bildband, eine Liebeserklärung an die Fahrer und an das Publikum der Frankreichrundfahrt.

Er ist erschienen im Verlag Seltmann + Söhne und kostet 45 Euro.

 

Kategorien: Buch, Kultur, Leute
Leser-Kommentare
  1. 1.

    … Sie haben sich Ihr Rezensionsexemplar redlich verdient … Aber sagen Sie mal: Hat’s nicht für ein paar mehr PR-PDFs gereicht, daß da so ein nostalgisches Foto herhalten muß?
    Na ja, Herr Seltmann hätte ruhig auch etwas mehr in das Erwerben von Sprachfertigkeit für seine Söhne investieren dürfen, wie die beiden gleichermaßen holprigen “Titel” bezeugen. Gut, daß kein Platz für ein gleichermaßen holpriges “Die Tour de France durch Tino Pohlmann” war. Grauenvoll.

    Gekürzt, bitte bleiben Sie sachlich in Ihrer Kritik.
    Andrea Reidl

  2. 2.

    Zumindest in Form einer Buchrezension erscheint die TdF auf ZEIT-Online.

    • 13. Juli 2013 um 08:29 Uhr
    • Riktam
  3. 3.

    Von Eugen Roth:

    Ein Mensch, der Bücher wo besprochen
    Und liest sie dann nach ein paar Wochen,
    Der freut sich wie ein kleines Kind,
    Wenn sie einbißchen auch so sind.

    Sie, verherte Frau Reidl, haben ausweislich dieser Eulogie noch nicht viele Bücher öffentlich besprochen. Im Gegensatz zu Ihrem sehr ergebenen
    Géo Trouvetou

  4. Kommentar zum Thema

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