Das Fahrrad-Blog

Das 500-Euro-Rad

Von 26. Juli 2013 um 09:16 Uhr

Sie möchte sich ein neues Cityrad für 500 Euro kaufen, erzählte kürzlich eine Bekannte. Mit dem Betrag trifft sie genau den Durchschnittswert, den Deutsche für ihr Neurad ausgeben. Aber reicht das? Was bekommt man dafür und worauf muss man achten?

Vor jedem Fahrradkauf muss man sich genau überlegen, wofür und wie oft man das Rad nutzen möchte. Wer im Flachland wohnt, dem reicht die Dreigangschaltung eher als demjenigen, der in der süddeutschen Kleinstadt wohnt. Wer mit dem Rad täglich zur Arbeit fährt, braucht ein robusteres Rad als derjenige, der damit nur am Wochenende fünf Kilometer zum Frühstück mit Freunden fährt. Aber unabhängig vom Einsatzzweck gilt: Ein Fahrrad muss passen wie ein guter Schuh. Ist das nicht der Fall, fährt man nach einiger Zeit noch nicht mal mehr damit zum Bäcker.

Für ein solides Cityrad gibt man nach Expertenmeinung etwa 900 Euro aus. Dann sind Schaltung, Bremse und Licht robust und gut verarbeitet, und man kann davon ausgehen, dass auch Kleinteile wie Schrauben und Züge aus hochwertigem Material bestehen und nicht innerhalb kürzester Zeit rosten.

“Geh in ein Fahrradgeschäft, lass dich beraten und vor allem fahre Räder aller Preisklassen Probe”, riet ich meiner Bekannten. Die praktische Erfahrung ist oft hilfreicher als theoretische Vorträge. Im direkten Vergleich spürt man schnell die Unterschiede beim Schalten, Bremsen und Fahren und erfährt buchstäblich mögliche Vorzüge und Nachteile.

Als ich meine Bekannte das nächste Mal traf, hatte sie einige Räder getestet. Ihr Favorit war aus dem Rennen, weil er sich “so seltsam fuhr” und sie hatte ihr Budget auf 750 Euro aufgestockt, “weil die Räder solider verarbeitet waren”.

Allerdings verzweifelte sie an den Verkäufern im Fachhandel. Der eine beriet sie überhaupt nicht, und der andere verunsicherte sie mit Aussagen wie “Fahrräder halten heutzutage sowieso nur noch zwei, drei Jahre.” Doch eine vernünftige Beratung ist entscheidend. Schließlich hilft der Fahrradhändler nicht nur bei der Suche nach dem passenden Rad, er stellt mit dem Kunden auch später die individuelle Sitzposition ein. Die entscheidet letztlich über den Fahrkomfort. Einen Bericht dazu gibt es hier.

Allen, die frustriert oder orientierungslos sind bei der Suche nach einem Fachhändler, rät David Koßmann, Herausgeber des Fahrstil-Magazins und ehemaliger Mitarbeiter eines Fahrradladens, einen VSF-Laden aufzusuchen. VSF steht für Verbund Service und Fahrrad und ist ein Branchenverband, dem mehr als 300 Fahrradfachgeschäfte, Hersteller und Dienstleister angehören. Der VSF vergibt auch das All-right-Siegel, das bewährte Komponenten kennzeichnet. “Diese Händler legen in der Regel Wert auf gute Beratung”, meint Koßmann.

Wer mit einem 500-Euro-Budget ein Neurad sucht, muss laut Koßmann allerdings intensiv suchen. Er rät, den Fachhändler zunächst nach Vorjahresmodellen fragen. Die haben nicht die aktuelle Modefarbe, seien deshalb häufig im Preis reduziert. Außerdem sind teurere Räder häufig mit Komponenten auf gleichem Qualitätsniveau ausgestattet. Günstigere Modelle werden von dem Großhändler dagegen mit ein oder zwei hochwertigen Komponenten als Blickfang ausgestattet. Andere Teile seien dann minderwertiger. Wichtig sei, dass Schaltung, Bremsen und Bauteile wie Kurbeln von einem Hersteller sind, sagt Koßmann.

Neben dem Vorjahresmodell sei eine weitere Möglichkeit, sich mit einem Experten aus dem Bekanntenkreis auf dem Gebrauchtmarkt umzusehen, sagt Koßmann. Dort bekomme man für das gleiche Geld ein höherwertiges Rad.

Meine Bekannte sucht weiterhin. Sie hat sich den Fahrradkauf leichter vorgestellt. Ihr Fazit: “Für Laien ist es ganz schön schwierig, die Qualitätsunterschiede der Räder zu erkennen und einzuschätzen.”

Kategorien: Allgemein, Räder
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Beim Autokauf können manche alle Motorvarianten runterbeten, beim Fahrradkauf kapitulieren nicht Wenige. Das Thema Fahrrad ist nicht weniger komplex als das Thema Auto. Was bei Fahrrädern teilweise an Schund verkauft wird; unglaublich. 200 Euro vollgefederte “Mountain”bikes, 500 Euro E-Räder. *Schüttel*

  2. 2.

    Alle Teile von einem Hersteller und am besten noch die teueren Linien ? Das ist mit Verlaub Unfug! Die einzige Baugruppe die dahingehend anfällig ist, bleibt die Schaltung bei welcher die Teile aufeinander abgestimmt sein sollten. Bei den Bremsen können Sie Bremshebel von Hersteller A mit Bremsarmen von Hersteller B und Backen von Hersteller C bunt kombinieren, wie auch am Rest des Fahrades. Auch bei sonstigen Anbauten, ist wildes Mischen kein Problem, da Gewinde, Bohrungen und Maße sandardisiert sind.
    Und jeder Hersteller von Anbauten wird Ihnen zumindest eine Gruppe bieten können mit der sie unter den 500 € bleiben und trotzdem jahrelang keinen Verschleiß oder eine Reperatur einkalkulieren müssen, ausser Sie fahren mehr als 5000 Km im Jahr. Hier werden eher Kleinteile wie Züge oder Bremsschuhe kommen und Sie sich ab und zu genötigt sehen, mal das WD 40 aus dem Schrank zu nehmen.

    • 26. Juli 2013 um 10:37 Uhr
    • fraglich
  3. 3.

    Ausländer machen sich gerne lustig über die Deutschen mit ihrem “top-gear”, outdoor-Zeug vom Feinsten, Fahrräder, die mit Zubehör ausgerüstet sind, der fast soviel wiegt, wie das Fahrrad selbst. Nach zwei Jahren (!) steht das Fahrrad dann tatsächlich nur noch rum und die geplanten Pfunde wurden doch nicht abgearbeitet, die teuersten Bremsen nie gepflegt, die Kette nie angeguckt, das regelmäßige Wechseln von Bremsklötzen als zu teuer aufgeschoben (bis die Felgen angefräst sind), das Fahrrad selten geputzt – und plötzlich steht die “Investition” lästig, häßlich, unsympathisch geworden mit einem Rahmen, der Jahrzehnte halten könnte, am Bahnhof, im öffentlichen Raum an etlichen Fahrradgerüsten aufgegeben rum und raubt Abstellplätze. Ich finde: es gibt viel zu viele Fahrradfriedhöfe, entstanden aus typisch westlichem verwahrlostem Konsumverhalten.

    Oldtimer werden aber auch wieder populär, scheint es, vielleicht auch nur, weils cool ist. Allerdings ist ein modernes Fahrrad mit geringem Gewicht, ohne Gepäckträger, ohne mondäne Seitentaschen, die manchmal mehr kosten als ein paar gute Schuhe, vielleicht sogar ohne Schutzbleche (Spritzwasser bei Regen läßt sich problemlos auswaschen) auch vernünftig und so mindestens 8 kg leichter und fährt sich fast von selbst, wenn man die Reifen ordentlich aufpumpt. Pflegt Eure Räder und kauft nicht ständig neue !

  4. 4.

    Billig-Bikes haben auch ihren Wert. Wegen Diebstahl und Vandalismus und für die Zeitgenossen, die ein Rad fahren wollen, es aber schlecht behandeln

    • 26. Juli 2013 um 10:57 Uhr
    • Gardio
  5. 5.

    Im Grunde ist das ja alles nichts Neues. Interessant ist allerdings die Aussage, dass alle Komponenten am Rad von einem Hersteller stammen sollen. Von einem Fahrradblog, der zudem auch noch einen “Experten” zitiert, hätte ich definitiv mehr Fachwissen und nicht eine derart unqualifizierte Aussage erwartet. Ich fange ja auch nicht an, Artikel übers Häkeln zu schreiben, wenn ich keine Ahnung habe. Das ist zudem auch nicht die erste falsche Information hier. Ein bisschen mehr Hingabe bei der Recherche taete wohl ganz gut.

    • 26. Juli 2013 um 10:59 Uhr
    • inselaffe123
  6. 6.

    Mein Stadt/Land Fahrrad kam genau 499 €, war ein Vorjahresmodell… Die Qualität ist soweit in Ordnung, Schaltung usw natürlich günstige Varianten. Ist aber egal, da ich nur am We mal mit dem Fahrrad fahre und das auch nur bei entsprechendem Wetter. Warum also mehr ausgeben? Eigentlich hätte auch ein Baumarktfahrrad für 150 € gereicht.

  7. 7.

    Die Welt ist voller Fahrräder und die halten (bei etwas Pflege) EWIG …

    Ganz am Anfang sollte man über den Kauf eines gebrauchten Fahrrades zumindest einmal nachdenken: ein gutes Fahrrad gibts manchmal schon für 50 Euro (via Bekannte, Nachbarn, A&V ergo ebay)!

  8. 8.

    Ein solides, und auch nicht ganz billiges, Fahrrad zu kaufen, lohnt sich, denke ich, mindestens für jeden, der kein reiner “Sonnntagsfahrer” ist. Es lohnt sich auch finanziell, denn eine schlechte Gangschaltung, billige Bremsen und Wackelkontakte in der Lichtanlage ständig nachstellen zu lassen, ist auf die Dauer richtig teuer – und wenn man’s selbst macht, kostet es viel Zeit. Genau diese Probleme hat man, wenn man ein Billigrad dann doch irgendwann richtig belastet (eigene Erfahrung…). Mehr Spaß macht das Fahren mit einem guten Rad auch – da äußerst sich vor allem eine gute Gangschaltung (für echte Vielfahrer perfekt ist eine gewisse 14-Gang-Nabenschaltung, da extrem wartungsarm…) und ein stabiler, nicht zu schwerer Rahmen sofort. Was das Ausprobieren betrifft: Aus Erfahrung ist ein Rad mit genau passender Rahmengröße und ein guter Sattel ein Segen, da tut so schnell nichts weh. Deswegen würde ich wirklich nur bei einem Händler kaufen, der in dieser Hinsicht beraten oder sogar genau messen kann!

  9. Kommentar zum Thema

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