Das Fahrrad-Blog

Gut gepolstert auf den Sattel

Von 7. August 2013 um 10:33 Uhr
© Vaude

© Vaude

Freiwillig hätte ich mir die Fahrradhose nie ausgesucht. Aber sie war Teil eines Polstertests und lag mit zwei weiteren in einem Karton: ein kurze, eine wadenlange – und ein Einteiler. Ein Body. Unpraktischer geht es nicht, und unvorteilhaft ist er noch dazu. Glaubte ich jedenfalls.

Bis zu dem Zeitpunkt hatte ich mich kaum mit Hosenpolstern beschäftigt. Die Fahrradhose sollte eines haben, nicht zu dünn sein, sich aber auch nicht nach Windel anfühlen und sie sollte vor allem passen. Aber Gerolf Meyer vom Pressedienst Fahrrad meint dazu: “Fahrradpolster werden häufig unterschätzt. Sie bilden die Kontaktfläche zwischen Fahrradsattel und Hinterteil und müssen jede Bewegung reibungsfrei mitmachen.”

Ist die Radhose also eine unterschätzte Größe beim Radfahren? Auf die Suche nach dem richtigen Sattel verwendet man Stunden, manchmal Tage. Man fährt ihn ausgiebig Probe, testet verschiedene Modelle und horcht stets auf die Reaktionen seines Hinterteils. Anscheinend muss man der Hose mehr Zeit schenken, um mehr Fahrkomfort zu erhalten.

Bei Vaude gibt es drei Kategorien von Hosenpolstern, und die setzt man je nach Länge der Fahrzeiten ein. Pro Carbon ist für lange Touren gedacht, die Radhose hat ein zwölf Millimeter dickes Sitzpolster aus drei unterschiedlich dichten Schaumstoffen. Advanced Cycling ist für mittlere Touren geeignet. Ihr Sitzpolster ist zehn Millimeter dick und besteht aus zwei unterschiedlich dichten Schaumstoffe. Für kürzere Touren reicht Active Cycling mit einem acht Millimeter dicken Sitzpolster, das aus einer Schaumstoffschicht besteht.

Polster für die Kurzstrecke: active cyling © Vaude

Polster für die Kurzstrecke: Active Cyling © Vaude

 

Polster für die Mitteldistanz: advanced cycling © Vaude

Polster für die Mitteldistanz: Advanced Cycling © Vaude

Polster für die Langstrecke: pro carbon © Vaude

Polster für die Langstrecke: Pro Carbon © Vaude

Die Einteilung nach Tourlänge ist üblich. So gehen auch andere Hosenhersteller wie Mavic, Pearl Izumi oder Shimano vor. Je nach Marke heißen die Polster nur anders. Bei Gore beispielsweise Ozon Lady, Power Lady oder Xenon Lady.

Für meine Mallorca-Reise hatte ich die drei Hosen eingepackt. Wir wollten Rennrad fahren, eine Woche lang, möglichst den ganzen Tag. Meinen Sattel habe ich mitgebracht, der ist eingefahren und komfortabel. Bereits beim bloßen Drucktest mit der Hand ist der Unterschied der Hosen spürbar. Das einlagige Active-Polster lässt sich zwischen Daumen und Zeigefinger leicht zusammendrücken. Dagegen trifft man beim Pro-Carbon-Polster, selbst wenn man Daumen und Zeigefinger kräftig zusammendrückt, kaum die gegenüberliegende Fingerkuppe.

Am ersten Tag wählte ich den Einteiler für mittlere Touren. Am Abend ging es meinem Hintern prima. Im Gegensatz zu den Waden und meiner rechten Schulter hätte mein Hinterteil noch ewig weiterfahren können. Das ergeht mir in meiner aktuellen Markenhose anders.

Nach der guten Erfahrung bleibe ich die Woche über bei dem Einteiler. Fünf Tage fahre ich mit der Hose, von etwa morgens zehn bis abends sieben im Sattel (von den Pausen abgesehen). Er ist mein neues Lieblingsstück, wegen des Polsters – aber auch, weil er so gut sitzt.

Die beiden anderen Hosen habe ich später zu Hause getestet. Die kurze Pro Pants für die Langstrecke ist zwar noch komfortabler am Po, aber sitzt bei mir nicht so gut am Bein wie die beiden anderen – obwohl es dieselbe Größe ist.

Mein Fazit: Nicht nur auf den Sattel, sondern auch auf das Polster kommt es an. Es lohnt sich zu prüfen, wie die Hose sitzt und das Polster wirkt. Vor allem wenn man länger unterwegs ist, sind das Faktoren, die über Freude oder Frust entscheiden. Bei kurzen Ausfahrten werden die meisten auch mit einem dünnen Sitzpolster zurechtkommen.

Leser-Kommentare
  1. 1.

    Es gibt auch noch andere Firmen als Vaude!
    Wer Radlerhosen mit Sitzpolster benützt sollte sich auch Gedanken über die “Gesäßcreme”(Sitzcreme) machen und die darausfolgenden erweiterten Hygieneanforderungen.
    Aber Basis ist der Sattel, ich fahre seit ewigen Zeiten nur noch Vollledersättel, die kann man auch in der Spannung einstellen. Wer auch noch eine Beckenfehlstellung hat, die hier auch auftauchen kann, wird zusätzliche Fragen haben.
    Von den “Bauunterschieden” Mann/Frau will ich hier gar nicht erst anfangen.
    Im Fachgeschäft gibt es hier gute Annäherungsmethoden, aber am Schluß findet man die Antwort auf dem Rad!

    Hinweis der Red.: Im Text sind neben Vaude auch andere Hersteller erwähnt.

    • 7. August 2013 um 14:15 Uhr
    • Jennerwein
  2. 2.

    Nach 10.000km p.a. hat die Polsterfrage kaum noch hohe Priorität.

    • 7. August 2013 um 16:13 Uhr
    • ignorant
  3. 3.

    Aber Sie sind nicht ernsthaft Ihren “Einteiler” wie auf dem Foto gefahren?

    Das Produkt nennt sich in diesem Fall Trägerhose, und sollte trotzdem mit einem Trikot darüber getragen werden. Aber die Trägerhose hat schon Vorteile, durch die Träger liegt das Polster besser am Körper an, und dadurch entsteht weniger Reibung.

    Die Einteilung nach Polsterdicke für verschiedene Fahrtlängen erscheint mir nicht ganz einsichtig. Ich vermute, dass die Hosen sich eher durch die unterschiedliche Verarbeitung auszeichnen….

    • 7. August 2013 um 17:58 Uhr
    • thommy
  4. 4.

    Nachdem im Artikel einige Marken erwähnt wurden, möchte ich die “Hausmarke” vom Rose-Versand empfehlen, die ich aufgrund der hervorragenden Preisleistung seit vielen Jahren fahre. Die Einsteiger-Modelle gibt’s für unter EUR 40.-. Als Vielfahrer nehme ich die etwas höherwertigen Modelle für ca. 60.-, bei denen Polster, Passform und Haltbarkeit besser sind.

    Zwei Tipps bezüglich Rennhosen:
    1. Finger weg von trägerlosen Hosen. Die Dinger sitzen nicht richtig, rutschen während der Fahrt und sind was für Leute, die aufgrund ihrer Körperfülle nicht in Trägerhosen reinpassen.
    2. Finger weg von Hosen aus dem Supermarkt. Die sind höchstens geeignet, wenn sie ein paarmal im Jahr getragen werden.

    Tipps für den Sattelkauf:
    1. Finger weg von Sätteln mit Kunstleder- oder gar Plastikdecke.
    2. Klassische Modelle wie der San Marco Rolls kommen auch bei den Profis wieder in Mode und wurden von den Herstellern neu aufgelegt. Ich fahre selber u.a. den Selle Italia Turbo und den San Marco Regal an meinen Bikes. Diese Sättel bieten deutlich mehr Komfort, als die modernen Leicht-Sättel.

    Tipps für die Pflege des Sitzbereiches:
    1. Unmittelbar vor der Ausfahrt mit einer medizinischen Seife waschen. Also einer Waschlotion, wie sie auch in Krankenhäusern usw. benutzt wird.
    2. Ich habe gute Erfahrungen mit Cremes mit Mikro-Silber gemacht, die unangenehme Haut-Irritationen verhindern. Vor und nach der Fahrt anwenden.

  5. 5.

    Mann, ist das kompliziert …
    Vor 20 Jahren habe ich mir ein stinknormales Peugeot “Herrendrad” mit einer 3×7 Shimano-Schaltung gekauft, habe sommers wie winters jeden Werk-Tag nach Feierabend meinen Sohn in den Kindersitz gepackt und dann ging’s über fünf, sechs Jahre lang 25 Kilometer von Würzburg mainabwärts und wieder zurück. Auf dem ganz normalen Seriensattel, meistens in Jeans und meistens mit Straßenschuhen und das alles ohne Druckstellen oder Blasen; einfach so. Allerdings immer beide behelmt. Die für die heutige selbsternannte Rad-Elite selbstverständliche Überrüstung mit diesem Höschen und jenem Pölsterchen ist so was von übertrieben, wie es nur in unsere Zeit paßt. Als dieses velozipedäre clowneske Overdressing, aufkam, haben wir uns in Biergärten und auf Weinfesten immer köstlichst amüsiert über die bunten Vögel mit ihren hautengen, quietschbunten Kondomen über den Bäuchen, die mit ihren Knubbelschühchen kaum zur Getränkeausgabe watscheln konnten.

  6. 6.

    Wofür ein Polster? Ist alles eine Frage der Kraft in den Beinen. Hat man genügend Kraft braucht man keinen Sattel. Faris al Sultan fährt den Ironman mit Badehose.

    • 7. August 2013 um 21:17 Uhr
    • Lothar Klicker
  7. 7.

    Ein Urologe, als er mich und mein Fahrrad sah:
    An Ihnen kann ich nichts verdienen.
    Ich fahre ein Liegefahrrad.
    So zwischen 4000 und 6000 km p.a.

    • 8. August 2013 um 08:38 Uhr
    • Kurzlieger
  8. 8.

    Ich habe dieselben Erfahrungen gemacht wie Frau Reidl. Jahrelang mit verschiedenen Sätteln experimentiert, aber selbst mit dem passendsten Sattel bekam ich nach sechs, acht Stunden Probleme. Dann habe ich zum Geburtstag eine X-Bionic-Radhose geschenkt bekommen. Hätte mir das sauteure Teil nie selbst gekauft, aber seither schwöre ich darauf: auch nach dem ganzen Tag im Sattel fühlt sich der Hintern noch gut an, will meine anderen Radhosen gar nicht mehr benutzen. Leider hab ich bisher nur eine davon, aber bald hab ich wieder Geburtstag.

    • 8. August 2013 um 09:02 Uhr
    • Nutbush
  9. Kommentar zum Thema

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