Das Fahrrad-Blog

Elektrofahrräder sind der Motor der Branche

Von 28. August 2013 um 11:41 Uhr
Diesen Bluelabel Charger von Riese und Mülle wird es als Straßenversion oder als Mountainbike geben © Riese und Müller

Bluelabel Charger von Riese und Müller, © Riese und Müller

Lange hat die Branche darauf gewartet, dass ein Verkehrsminister die Weltleitmesse Eurobike eröffnet. Jetzt übernimmt das sogar die Bundeskanzlerin. Heute um 14 Uhr eröffnet Angela Merkel offiziell die Eurobike. Ob das kalkulierter Wahlkampf ist oder ein Besuch mit Signalwirkung, muss sich noch zeigen. Klar ist, der Branche geht es gut – trotz kaltem Frühjahr und negativen Schlagzeilen. Einen entscheidenden Beitrag zu dem Erfolg leisten weiterhin die Elektroräder, die immer wieder neu interpretiert werden.

In der Entwicklung der Elektrofahrräder ist viel Bewegung. Jetzt hat mit Riese und Müller der erste Premiumhersteller erklärt: Ab kommendem Jahr bauen wir nur noch E-Bikes und Falträder.

Das Unternehmen aus Weiterstadt ist mit dem Birdy-Faltrad groß geworden. Nach und nach hat es vollgefederte City-, Touren- und Cargobikes in seine Palette aufgenommen und ab 2008 die Modelle auch mit Motor ausgestattet.

Auch ein E-Birdy gab es mal. Das war jedoch ein Flop – im Gegensatz zu den anderen Elektromodellen. “Bei den Falträdern müssen wir über E-Mobilität noch mal neu nachdenken”, gibt Tobias Spindler, der Pressesprecher von Riese und Müller, zu. Denn die Vorteile eines Faltrads, leicht und schnell zu sein, werden durch Akku und Motor aufgehoben. Ansonsten sieht das Unternehmen bei den Elektrorädern zukünftig den größten Entwicklungsspielraum.

Die steigenden Verkaufszahlen geben dem Hersteller recht. Während es jedes Jahr gerade mal ein paar Tausend Elektroautos auf den Markt schaffen, knackten die E-Bikes und Pedelecs längst gemeinsam die Millionenmarke. Und ein Ende der Entwicklung ist nicht absehbar. Im Gegenteil. Auf einem kurzen Messerundgang und beim Demoday zeigte sich deutlich: Mit ihren neuen vielseitigen und raffinierten Rädern spricht die Branche nun auch eindeutig jüngere Fahrer an. Das Image des Elektrofahrrads als Rentner-Velo ist längst passé.

Den Designern und Produktentwicklern eröffnet sich mit der Motorisierung ein interessantes Spielfeld. Im Gegensatz zu den Autoherstellern, die bei ihren Elektrofahrzeugen abspecken müssen, motzen die Fahrradhersteller ihre puristischen Fahrzeuge auf. Heraus kommen dabei extravagante Mountainbikes wie das Xduro Nduro von Haibike oder Räder mit einer aufgeräumten Optik wie der Bluelabel Charger von Riese und Müller, den es kommendes Jahr als Straßenversion oder als Mountainbike geben wird.

Das e-Mountainbike XDURO NDURO mit eigenwilliger Rahmenform © Gregor-Bresser/ pd-f.de

Das E-Mountainbike Xduro Nduro mit eigenwilliger Rahmenform © Gregor-Bresser/ pd-f.de

Aber auch hier gilt: Über Geschmack lässt sich wunderbar streiten. Ein Rennrad, das als schnelles Pedelec mit Motor, Rückspiegel und Nummernschild auf dem Messegelände steht, provoziert förmlich die Diskussion über seine Existenz. Schließlich will der überzeugte Rennradfahrer schwitzen, kämpfen, Leistung bringen, und das mit dem eigenen Antrieb statt mit Kraft aus der Konserve. Aber genau die Streitgespräche über Sinn und Unsinn von Ideen und Konzepten treiben das Thema E-Mobilität voran.

Ein Nackenschlag für die Branche war der schlechte E-Bike-Test der Stiftung Warentest im Juni. 50 Millionen Euro Verlust soll er laut ZIV verursacht haben. Die Zahlen setzen sich zusammen aus Sonderaktionen der Händler und nicht verkauften Rädern. Das entspricht in etwa 20.000 E-Bikes, die infolge des Tests weniger verkauft wurden.

Die Testergebnisse wurden von der Branche infrage gestellt, hinterfragt, nachgeprüft und mit der Stiftung Warentest (Stiwa) diskutiert. Noch gibt es nicht für alle zufriedenstellende Resultate. Aber wie am Dienstag das Onlinenachrichtenmagazin Velobiz meldete, hat die Stiwa sich nun in einem Punkt offiziell korrigiert. Sie hatte in ihrem Test die elektromagnetische Strahlung einiger Modelle bemängelt. Das Kalkhoff-Modell Impulse Premium i8R und das Pegasus-Modell Premio E8 sollte den Funk von Rettungsdiensten stören. In einer überarbeiteten Onlineversion heißt es nun laut Velobiz: “Die Fahrräder (…) überschreiten zwar die gesetzlichen Grenzwerte für funkstörende Beeinflussungen, eine Störung der Funkdienste von Polizei, Feuerwehr und Krankenwagen erscheint allerdings unwahrscheinlich, wie sich im Nachhinein herausgestellt hat.”

Über die Reaktion der Firma Flyer, deren Produkte wegen angeblichen Rahmenbruchs kritisiert wurden, berichte ich in den kommenden Tagen.

 

 

Kategorien: Allgemein
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Wer sich genauer mit der Bilanz der E-Bikes befasst, stellt fest, es sind ausgesprochene Umweltsäue. Wer braucht schon wirklich eines von all denen, die es sich gekauft haben und kaufen werden? Wo macht das Sinn? Der Motor am Bike ist vor allem eins: Ein Umsatzmotor.

    • 28. August 2013 um 19:05 Uhr
    • Peptonio
  2. 2.

    @1 Geht es auch etwas weniger vulgaer? – Mir ist jeder Kilometer, den die betagten Herrschaften am sonnigen Samstagnachmittag mit ihren neuen Raedern herumgondeln lieber, als fuehren Sie in ihrem Automobil spazieren.
    Uebrigens, was macht der Typ oben auf Bild den wilden Mann? Wenn ich mit dem Bergradel durchs Gelaende pflastern will, kann ich auf Elektrogedoens erst recht gut verzichten.

    • 28. August 2013 um 19:51 Uhr
    • dick hendrix
  3. 3.

    Rennrad und Mountainbike mit E-Motor -das ist so,als wollte man sich mit alkoholfreiem Doppelwachholder besaufen!

    • 28. August 2013 um 20:43 Uhr
    • Kladow
  4. 4.

    Und bei allen Gutmenschengejole und deren geistigen Blähungen die nur wenige weitere Gesellen interessieren ist der Trend der e Bikes nicht aufzuhalten und man mag es kaum glauben sie dienen nicht nur der Fortbewegung und des Transportes sondern sie machen einfach Spaß ,,, so etwas Böses aber,.

    • 28. August 2013 um 20:50 Uhr
    • Dr.Dr.
  5. 5.

    Ich fahre seit 5 Jahren und 40.000 km mit dem Pedelec zur Arbeit. Es ist das geniale Verkehrsmittel.

  6. 6.

    als Radfahrer der schnelleren Sorte sehe ich Pedelecs mit Hoffnung und Sorge. Hoffnung, weil Städteplaner jetzt Ampelphasen auf Pedelec-Speed abstimmen können, was mir zugute käme, Zudem können Radwege nicht mehr auf knapp 15km/h ausgelegt werden. Da man mit etwas Leiden 10km/h drüber kommt, wäre dann auf Radwegen endlich nicht mehr bei 30 Schluß…

    die Sorge, die man haben muss, ist, dass Pedelecfahrer sich ihre Geschwindigkeit nicht erarbeiten müssen und sich eh für die Schnellsten halten. Soetwas fördert KFZ-Fahrer-ähnliche Rücksichtslosigkeit. Und die passt nur schlecht auf enge Radwege. Es ist zum Glück noch selten, aber der eine oder andere Pedelecer hat sich schon an der Kreuzung vor mich geschoben um dann bei 25 schlapp zu machen und ich dahinter ohne Überholmöglichkeit.

    mEn sollten Pedelecs grundsätzlich so ausgelegt werden, dass maximal die Hälfte der Leistung aus der Batterie kommen darf. Ansonsten sollten sie regulär als KFZ (aka e-Bike) gelten und entsprechend behandelt werden. Das würde auch viele Exzesse verhindern.

  7. 7.

    @Peptonio: Sie haben natürlich Recht. Die mit den Pedelecs und E-Bikes sind die wahren Umweltverschmutzer.

    Sie haben mich überzeugt. Ich werde jetzt wieder mehr Autofahren. Der Umwelt zuliebe.

    • 29. August 2013 um 11:14 Uhr
    • ChibaCityBlues
  8. 8.

    Rennrad + Pedelec ist nur auf den ersten Blick ein Oxymoron. Wenn man mal drüber nachdenkt, ist es sinnvoll. Der größte Nachteil eines Pedelec ist sein Gewicht – wenn man das Pedelec als Rennrad ausführt, kompensiert man das zumindest zu einem kleinen Teil. Außerdem würde sich ein bestimmtes Konzept geradezu als Rennrad anbieten – ob es das schon gibt, weiß ich noch nicht, aber ich würde so etwas kaufen. Ich lege es mal kurz dar:

    Ein Rennrad-Pedelec mit recht kleinem (daher auch leichtem) Akku und 25 km/h Motor (also “normales” Pedelec, kein s-Pedelec). Dazu eine große Übersetzung. Dieses Pedelec wäre ausdrücklich NICHT für unsportliche Menschen gedacht sondern als “Boost” für Langstreckenfahrer. Mit einem Rennrad fährt ein leidlich trainierter Mensch in der Ebene problemlos über 25 km/h. Wenn man erstmal dieses Tempo hat, ist das Gewicht des Fahrrades auch egal, da kommt es vor allem auf Roll- und Windwiderstand an (durch die Rennradbauweise minimiert). Der Motor kann sich also bei 25 km/h abschalten und man rollt dann mit dem E-Rennrad fast genauso wie mit einem normalen Rennrad.

    Der Clou kommt nun beim Beschleunigen und bei Bergen. Der Motor unterstüzt in diesen Fällen. Beim Beschleunigen kann mit einem relativ großen Gang angefahren werden, man kann also “Schaltfaul” fahren und die Übersetzung voll auf höhere Geschwindigkeiten auslegen. Das steigert die Effizienz im “normalen” Reisebereich von sagen wir mal 28 bis 35 km/h. Und durch den Zusatzmotor bei Steigungen kann man die zusätzliche Elektroenergie genau dann nutzen, wenn man sie wirklich braucht: Als Zusatzhilfe um die wirklich steilen Berge zu “glätten”. Da der Motor beim größten Teil der Reise gar nicht benötigt wird (beim Fahren in der Ebene) ist diese Art der Fortbewegung extrem energieeffizient. Durch Rekuperation könnte man den Akku dann bei der irgendwann folgenden Abfahrt sogar wieder laden.

    Dieses Gefährt wäre für mich die ultimative Langstreckenwaffe. Bei einem Gewicht von unter 20 kg könnte man damit 100 km und mehr mit einem 30er Schnitt fahren, auch als nur leidlich trainierter Hobbyfahrer. Ach, ein Traum… :-)

    • 29. August 2013 um 11:36 Uhr
    • porph
  9. Kommentar zum Thema

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