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Fahrrad-Oldtimer brillant in Szene gesetzt

 
© Peter Rüssmann / One year of bicycles
Monark-Rad © Peter Rüssmann / One year of bicycles

Für die sieben Jungs aus Fjällbacka war der Tag, an dem sie Nicolai Thomas trafen, ein Glückstag. Der Hamburger hatte an der Strandpromenade des schwedischen Küstenstädtchens ihr altes Monark-Rad gesehen. Die Kinder fuhren damit immer zum Strand. Die Pedale fehlten, ebenso die Kotflügel. Den Sattel konnte man nur erahnen und die Felge hatte Rostlöcher. Das Rad war in einem jämmerlichen Zustand. Thomas wollte es trotzdem haben, unbedingt. Gegen zwei Softeis pro Junge und 20 Euro wechselte es seinen Besitzer.

Thomas kannte sich aus mit alten Rädern. Als Jugendlicher hat er sie den niedersächsischen Landwirten in seiner Nachbarschaft für ein paar Mark abgekauft und aufgehübscht. Mit dem Führerschein und seinem ersten Auto verlor er das Interesse an Fahrrädern. Bis er das Monark-Rad in Schweden fand. Zwölf Jahre ist das her. Seitdem sammelt Thomas Fahrrad-Oldtimer, restauriert sie und fährt mit ihnen durch Hamburg und Umgebung. Im Sommer 2013 rief er mit sieben anderen Radfahrern den Altonaer Bicycle Club wieder ins Leben.

Heute ziert das Monark-Rad aus Fjällbacka Thomas‘ ersten Fahrradkalender und sieht aus wie frisch aus der Fabrik. Der Kalender, den er nun mit seinem Freund Peter Rüssmann gestaltet hat, ist eigentlich ein Zufallsprodukt. „Magst du mir mal mein Rad fotografieren?“, fragte Thomas Rüssmann im vergangenen Jahr. Der Fotograf bestellte ihn in sein Studio und war beeindruckt. Es war das erste Mal, dass er Fahrräder fotografierte. So viel Potenzial hatte er bei den Oldtimern nicht erwartet.

Mit Probedrucken der Fotos in Großformat gingen sie in der Szene hausieren. „Viele Leute haben traumhafte Oldtimer, aber sie fahren nie damit“, sagt Thomas. Die Aufnahmen seiner Räder waren die Türöffner zu einigen versteckten Schätzen.

© Peter Rüssmann / One year of bicycles
Opel ZR 3 © Peter Rüssmann / One year of bicycles

Einige der schönen restaurierten Räder zeigt nun der „One year of bicycles“-Kalender. Viele Motive sind auf einem alten Hof in Elmshorn entstanden, etwa 30 Kilometer nordwestlich von Hamburg. Das Ambiente passt zu den Rädern, selbst bei denen, die sehr ungewöhnlich sind. Das gilt insbesondere für das August-Motiv: ein schwarz-gelbes Opel ZR3, das inmitten von unzähligen anderen Rädern seiner Art auf einem alten Heuboden steht. Das Straßenrennrad wurde etwa von 1925/26 bis 1937 gebaut und gilt in Sammlerkreisen als eines der schönsten und erfolgreichsten Rennräder seiner Zeit. Ungewöhnlich ist sein Doppelrahmen, den man auf dem Foto am Unterrohr ganz gut erkennt. Er besteht aus dünnen, parallel angeordneten Rohren, die das Gewicht des Rades von etwa zwölf auf elf Kilogramm reduzierten.

Eher selten in einem Fahrradkalender sind Damenräder – im „One year of bicycles“ sind gleich vier zu sehen. Jedes hat seine eigene Geschichte, die auf den letzten beiden Zusatzblättern im Kalender erzählt wird. Das grüne Panther-Damen-Sportrad aus dem Jahr 1954 etwa wurde auf einem Recyclinghof im letzten Moment vor der Schrottpresse gerettet und wieder hergerichtet.

© Peter Rüssmann / One year of bicycles
© Peter Rüssmann / One year of bicycles

Das Adlerrad aus Frankfurt hatte 1951 eine Imkerin bestellt. Sie wurde allerdings krank und holte es nie ab. Deshalb stand es jahrzehntelang als Deko in dem Laden. Ende der achtziger Jahre nahm es ein Sammler für seine Frau mit auf die Kanalinseln. Sie konnte aber mit dem Eingangrad wenig anfangen. Irgendwann tauschte sie es mit Thomas‘ Frau gegen ein Schweizer Armeerad mit Schaltung. Seitdem rollt das Adlerrad im Sommer durch Hamburg.

Diese Zusatzinfos verleihen den Aufnahmen noch mal einen besonderen Charme. Die hier abgebildeten Fotos werden dem Kalender wenig gerecht. Im Original haben sie eine viel stärkere Brillanz. Ein schönes Weihnachtsgeschenk für Liebhaber von alten Klassikern.

5 Kommentare

  1.   Peter Schwanewilms

    Werter Cyclist,
    Sie müssen – aber vielleicht trage ich da Eulen nach Athen – unbedingt ins „Kunstkabinett“ auf Usedom fahren – natürlich stilvoll.

    http://www.kunstkabinett.de/lyonel-feininger/feininger-auf-usedom.html

    Dort hat der Galerist (fast) alles gesammelt und ausgetellt, was mit Lionel Feiniger und dem Fahrradfahren zu tun hat.
    Feininger war ein begeisterter Fahrradfahrer und hat sowohl in der Gegend um das Bauhaus in Weimar, wo er gewirkt hat, herum, als auch auf Usedom die Landschaft mit dem Fahrrad erkundet und auch zahlreiche Zeichnungen zum Thema Fahrrad gemacht.

    In der Galerie steht ein Original des Fahrradtyps, das Feininger sich extra aus den USA hat liefern lassen: ein Cleveland Ohio.

    Feundlichst

    Peter Schwanewilms/Altona

  2.   Peter Schwanewilms

    Oh, Entschuldigung:
    Werte Cyclistin !!

  3.   nimue14

    Da hätte ich vielleicht noch eine weitere Freude für Sie:
    http://www1.wdr.de/fernsehen/regional/hierundheute/sendungen/ichdrehamrad102.html

    Mit durchgedrehten Grüßen…

  4.   Malin

    Wer die Fahrräder im Original bestaunen oder Nico zu den Fahrrädern ausfragen möchte, kann dies am 11.+12.10. auf der Retrofair in Hamburg tun! http://www.retrofair.de


  5. Genau davon rede ich die ganze Zeit! Sie sind wunderschön! :D

    Danke für den Artikel!