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Viel Spott für Helm-Kampagne mit Darth Vader

 
Die dunkle Seite am Fahrradhelm
© Initiative clevere Städte

Darth Vader und Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) machen seit ein paar Wochen gemeinsame Sache. Beim Nationalen Radverkehrskongress wurde der Bösewicht aus der Star-Wars-Kinosaga als das, nun ja, Gesicht für Dobrindts neue Helmkampagne vorgestellt. In sechs großen Städten wurde Darth Vader in Originalgröße plakatiert mit dem Slogan: „Die Saga geht weiter: Dank Helm. Gilt in jeder Galaxie. Und auf dem Fahrrad.“ Kaum waren die Plakate trocken, begannen die Kritiker zu spotten und sie zu bekritzeln – kein Wunder.

Mehr Aufsehen wäre Dobrindt gewiss gewesen, wenn er selbst als Radfahrer mit Helm auf dem Plakat erschienen wäre. Damit hätte er alle Menschen überrascht, die sich politisch oder wissenschaftlich mit dem Thema Radfahren beschäftigen. Denn wo immer es ums urbane Radeln geht, glänzt der Minister durch Abwesenheit.

Er besuchte weder die Eurobike im vergangenen Jahr noch den vierten Nationalen Radverkehrskongress in Potsdam. Radfahren scheint den Minister nicht wirklich zu interessieren. Neue Medien dagegen schon. So war Dobrindt 2014 und 2015 bei der Verleihung des Deutschen Computerspielpreises, um selbst die Trophäe zu überreichen. Die Verknüpfung mit digitaler Infrastruktur und Elektromobilität liegt ihm auch beim geplanten Radweg Deutsche Einheit, der von Bonn nach Berlin führen soll, am Herzen.

Natürlich ist auch die Darth-Vader-Kampagne mit sozialen Netzwerken verknüpft. Wer sich oder seine Freunde mit dem Plakat fotografiert und das Bild twittert (#dankhelm), nimmt an einem Gewinnspiel teil.

Verdienter Spott

Spöttern und Aktivisten hätte der Minister keinen größeren Gefallen tun können. Gleich nach Kampagnenstart hat die Initiative Clevere Städte blankgezogen und das obere Foto über Twitter verbreitet. Die Lastenrad-Experten vom VCD haben auch gleich die Chance ergriffen und das Plakat in ihrem Sinne umgedeutet.

© VCD
© VCD

In Bonn hängen offenbar diverse überklebte Plakate mit Texten wie: „Ich habe Schuppen, dank Helm“, „Ich bin ein Monster, dank Helm“ oder „Ich bin Single, dank Helm“. Die andere Variante ist: „Gilt in jeder Galaxie. Und beim Treppensteigen“, „… unter der Dusche“, „… bei der Hausarbeit“ oder: „… im Auto“. Die Fotos davon findet man hier auf der Website von Copenhagenize.

Den Spott hat sich der Minister verdient. Es ist ein Witz, sich den größten Weltraumschurken der Filmgeschichte für eine Imagekampagne zu wählen. Wer Darth Vader aus den Filmen kennt, stellt niemals die Verbindung her zu Helmtragen und Sicherheit im Straßenverkehr. Die Vorstellung allein ist schon absurd. „Das Imperium radelt zurück“?!?

Die Kampagne bringt auch keine neuen Aspekte in die Helmdiskussion. Im Grunde ist sie nur abschreckend und zeigt das Gegenteil von dem, was Radfahren in geeigneten Städten eigentlich ist: nämlich leicht und unbeschwert.

Herr Dobrindt, machen Sie’s wie Boris Johnson

Ein Blick in Länder mit hohem Radverkehrsanteil zeigt: Radfahren in Städten wie Groningen, Kopenhagen und Amsterdam funktioniert zwanglos. Es steht für ein gutes Miteinander auf den Radwegen. In diesen Städten wird nicht zwangsläufig viel Helm getragen – im Gegenteil, die Mehrheit radelt oben ohne.

Die Wahlfreiheit besteht hierzulande glücklicherweise auch. Jeder kann gute Gründe anführen, warum er oder sie einen Helm trägt oder warum gerade nicht. Die Entscheidung trifft jeder Erwachsene für sich, je nach Vorhaben, Rad, Strecke und Tempo.

Die Helmkampagne des Verkehrsministeriums ist kurios. Sie zeigt, dass sich die Entscheider nicht mit dem Thema auseinandersetzen und anscheinend selbst jahrelang nicht mit dem Rad unterwegs waren. Einen schlechteren Botschafter als Darth Vader gibt es kaum.

Mich hätte eine andere Art der Kampagne pro Radfahren beeindruckt: Dobrindt auf dem Weg zur Arbeit auf dem Fahrrad, gerne auch mit Helm. Und das nicht nur ein paar Minuten lang, während das Foto für ein Werbeplakat geschossen wird, sondern bitte im echten Leben. So wie Boris Johnson. Der Londoner Bürgermeister trägt Helm, wenn er auf dem Fahrrad durch die Metropole fährt. Johnson braucht keine Kampagne. Er investiert das Geld lieber in Infrastruktur – für Radfahrer.

98 Kommentare

  1.   macbookmatthes

    Vielleicht,

    sollte das Ministerium sich lieber den Wahlspruch „wer nichts macht, macht auch nichts falsch“ zu eigen machen?

    http://tinyurl.com/o242rf4

  2.   Sven

    Disney hat das Motiv ja kostenlos zur Verfügung gestellt, wenn Ich das richtig verstanden habe. Das ist ein genialer Marketing Schachzug, wenn man bedenkt, das demnächst weitere Filme aus dem Star Wars Universum kommen und man so Darth Vader nochmal in Erinnerung bringt…

  3.   Motus

    Pah,

    wenn das echte Kerle auf dem Foto wären, müssten sie die Helme nicht festhalten…

  4.   Marco Tullney

    Hat doch funktioniert, jeder labert darüber. Seid der Aids-Kampagne von 1911 dürfte das die erste Kampagne sein, die überhaupt von jemandem bewusst wahrgenommen wird.


  5. Darth Vader und Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) machen seit ein paar Wochen gemeinsame Sache.

    Das die CSU mit der Dunklen Seite der Macht in Verbindung steht, wundert mich irgendwie gar nicht ^^

    „Irgendwann steht der Staat vor meiner Tür und sagt: ‚Bei dem Wetter willst du doch wohl nicht ohne Jacke raus?‘

    Ich habe ja nie geraucht. Aber wenn die den Fahrradhelm zur Pflicht erheben, fange ich damit an. Und dann rauche ich auf dem Fahrrad – ohne Helm!“

    Wer zur Generation Fahrradhelm gehört, befürwortet auch Vorratsdatenspeicherung!

  6.   Sikasuu

    Natürlich hält unser Minister für Digital-Verkehr (ausgeschriebener Name in HEX 0000)..
    .
    nichts vom Radfahren. Da lassen sich ja keine „elektronischen“ Gimmicks anschliessen und ohne Maut auf den Radwegen sind die weder zu überwachen, noch ist das ein Geschäft.
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    Radwege als „Public-private-Partnership (PPP)“ wäre wohl die Lösung.
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    Mit Münzautomaten an jeder roten Ampel und auch nur wenn dem „Vorrang des PKWs“ dabei nicht passiert.
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    Grinst Sikasuu
    .
    Ps. Ein paar Star-Wars „Bilder“ könnte ich mir mir Rädern wohl gut vorstellen: „Sperren des Planeten AUTO durch die Radfahrerföderartion“, die kleinen süssen Baum-Bärchen als kämpfer mit dem Rad… bis zur „Laserschwertluftpumpe“ ;-))

  7.   bleckie

    Darf man überhaupt hierzulande mit einem Helm, der dem Wehrmachtshelm, als Zeichen des Bösens, nachempfunden worden ist, Werbung machen?

  8.   Ben

    Das sich jede Menge Menschen die Kampagne zum Anlass nehmen sie für ihre Zwecke umzudeuten, kreativ abzuändern, sich darüber zu unterhalten bzw. sich mit den (ggf. auch unpraktischen) Aspekten von Radhelmen auseinanderzusetzen zeigt doch, dass hier offensichtlich etwas sehr gut funktioniert: Die Thematik wieder ins Gespräch zu bringen. Ich behaupte Ihr Artikel selbst ist ein Indiz dafür, dass die Kampagne alles andere als ein Reinfall ist – auch wenn sie vielleicht im ersten Moment nicht so wirkt, wie sich der Autor dieses Artikels das vorgestellt hat.

  9.   Dick Hendrix

    Ach wie schoen, das leidige Helm-Thema und Dobrindt als Pate.
    Wird sicher eine Menge traffic im Forum generieren, wenn Weltanschaungen aufeinandertreffen. – Warum eigentlich – ich trage bei ca. 10K KM/Jahr einen Helm, nur bei Ausfahren mit Hund in zugegebenermassen sehr laendlicher Umgebung nicht.

  10.   Finny

    Ich finde die Kampagne klasse! Zeigt sie doch gleich, wie absurd die ganze Helmgeschichte ist: Und sie wirkt so schön abschreckend: nicht nur (ein leichter, kaum spürbarer) Fahrradhelm, sondern gleich eine ganze Rüstung; zum Fahrradfahren!
    Da kommt mir doch der Gedanke, dass der Verantwortliche kreative Kopf dieser Werbeagentur selbst begeisterter Radfahrer und gegen die Helmpflicht ist… Bravo! Schön ausgetrickst!