Das Fahrrad-Blog
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Forschung

Bike-Sharing ist ein Zukunftsmarkt

Von 8. September 2014 um 15:06 Uhr

In Zukunft werden nicht nur Autos und Parkplätze, sondern auch Fahrräder geteilt. Dieser Markt bietet viel Wachstumspotenzial, das stellen die Verfasser der Roland-Berger-Marktstudie “Shared Mobility“ fest und rechnen bis 2020 mit jährlichen Zuwachsraten beim Bike-Sharing von 20 Prozent.

Das Fahrrad zu teilen – solche Systeme gibt es in einigen Städten heute bereits. In Aachen soll im Herbst „Velocity Aachen“ starten. Das Ziel ist es, dort ein Pedelec-Verleihsystem mit 1000 Pedelecs an 100 Stationen zu installieren. In den kommenden Wochen beginnt die Testphase mit ausgewählten Nutzern und vier Stationen.

Die Autoren der Berger-Studie sehen vier Trends, die dafür sorgen, dass die Menschen ihr Verhaltensmuster ändern: Ressourcenknappheit, Konsumkultur, Digitalisierung und Demografie.

Deutschland ist ein rohstoffarmes Land. Hier wie in anderen Ländern werden die knapper werdenden Rohstoffe die Energiepreise in den kommenden Jahren weiter in die Höhe treiben und so die Nachfrage nach effizienten und kostengünstigen Mobilitätsdienstleistungen und Technologien weiter steigern. Und in Zukunft werden noch mehr Menschen in Städten leben. Aber hier fehlt nicht nur der Raum, um die Verkehrsinfrastrukturen wesentlich zu erweitern, sondern auch das Geld, um in neue und teure Infrastrukturen zu investieren. Und auch vielen Privathaushalten fehlt das Geld, da die Finanzkrise das Wirtschaftswachstum spürbar verlangsamt hat. Vor diesem Hintergrund wird laut der Roland-Berger-Studie die Praxis des Teilens von Dingen ein fester Bestandteil der wirtschaftlichen Gleichung werden.

Wandel der Konsumkultur

Bereits heute können sich in der industrialisierten Welt laut den Verfassern der Studie fast 60 Prozent der Autobesitzer vorstellen, ein Fahrzeug zu teilen. Das heißt nicht, dass die Menschen grundsätzlich weniger Auto fahren. Sie wollen es nur nicht mehr besitzen. Sie nutzen lieber die Dienste wie Car-Sharing oder Nachbarschaftsauto.

Bike-Sharing ist im Vergleich zu Car-Sharing noch eine recht junge Entwicklung. Es gab ein paar Versuche mit freien Systemen im vergangenen Jahrhundert, die aber alle recht schnell scheiterten, weil viele Räder gestohlen wurden. Seit Beginn des 21. Jahrhunderts breitet sich das Konzept in Deutschland über große Anbieter wie die Deutsche Bahn und Nextbike zügig aus. Der Markt ist aber noch ausbaufähig, in Europa und in den USA. 2007 wurden in den Vereinigten Staaten die ersten Leihstationen eingeführt. Mittlerweile kann man sich in über 30 Städten Räder leihen, weitere sollen folgen. Allein in Chicago registrieren die Betreiber von Divy Bikes in diesem Jahr jeden Monat mehr als 100 Neuanmeldungen.

Digitalisierung

Wichtige Impulsgeber beim Fahrradverleih sind die vielen Innovationen im Bereich der Kommunikationstechnologie. Neben dem organisierten Verleih, der dadurch einfacher wird, wird sich laut der Studie auch ein Markt an privaten Fahrrad-Verleihern entwickeln, die ähnlich der Schlafmöglichkeiten beim Coach-Surfing, Fremden ihre privaten Räder zur Verfügung stellen.

Neue Technologien machen das erst möglich, etwa das elektronisch Fahrradschloss Bitlock, das übers Smartphone bedient wird. Mithilfe der dazugehörigen App kann der Besitzer Freunden und Bekannten erlauben, sein Fahrrad zu nutzen. Über die App kann er auch definieren, wo sie das Rad wieder abstellen müssen. Auf diese Weise kann jeder Fahrradbesitzer eine Art privaten Fahrradverleih oder Bikesharing einrichten.

Der Hintergedanke für Hersteller wie Bitlock war, dass ein Verkehrsmittel über viele Stunden ungenutzt in der Stadt parkt. „Städte investieren Millionen Dollar in Bikesharing-Systeme mit Stationen, dabei sind so viele andere Fahrräder an normalen Ständern auf der Straße angeschlossen“, sagte Bitlock-Gründer Mehrdad Majzoobi dem US-IT-Nachrichtenangebot Cnet . „Warum können wir nicht einfach irgendwo ein Rad schnappen und damit losfahren?”

Demographie

Bereits heute lebt mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten. Experten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) erwarten, dass 2050 zwei Drittel aller Menschen in Städten leben. Gefragt sind laut der Studie deshalb intelligente, kohlenstoffarme Mobilitätslösungen. Gerade im Hinblick auf die wachsende Zahl der Ein-Personenhaushalte und die höhere Lebenserwartung wird nach Meinung der Experten die Nachfrage nach individuellen Mobilitätsdienstleistungen weiter steigen.

Wir befinden uns also mitten in der Entwicklung, die die Studie beschreibt. Ein häufiger Trugschluss ist, dass das Teilen von Fahrzeugen Verzicht bedeutet. Dabei ist insbesondere in der Großstadt meistens genau das Gegenteil der Fall.

Eurobike: Es ist angerichtet

Von 29. August 2014 um 13:46 Uhr
© Reidl

© Reidl

Fahrräder, Motoren, Radklamotten, Vorträge – und Stau. Die Eurobike hat sich warmgelaufen und ihren vertrauten Trott gefunden. Morgens schieben sich die Besucher in schier endlosen Autoschlangen zum Messegelände in Friedrichshafen, um sich dann schnell auf die Hallen zu verteilen oder aufs Freigelände zu strömen.

Hier kann man alles probefahren, was die Entwickler in den vergangenen Monaten ausgetüftelt haben. Es immer wieder aufschlussreich, verwandte Produkte im direkten Vergleich zu fahren. Besonders bei den Motoren spürt man eklatante Unterschiede.

Testparcour der Eurobike für Elektrofahrräder © Reidl

Testparcours der Eurobike für Elektrofahrräder © Reidl

Ein leises Surren ist bei den meisten Mittelmotoren Usus. Einige vibrieren zudem leicht oder regeln bei 25 km/h abrupt ab. Anders verhält sich der neue Mittelmotor des Automobilzulieferers Brose. Er ist zunächst einmal nahezu lautlos und vibriert nicht. Vor allem aber unterstützt der Motor kraftvoll und sehr gleichmäßig, das übliche Ruckeln durch das ständige Unterstützen und Abregeln bei 25 km/h entfällt komplett. Das Brose-System vermittelt eine Idee davon, wie unterschiedlich Fahren mit Motorunterstützung ausfallen kann.

Der neue Motor von Brose © Reidl

Der neue Motor von Brose © Reidl

Die Entwickler von Pedelecs und herkömmlichen Fahrrädern suchen auch intensiv nach Alternativen, um die Räder sicher abzuschließen. Das Start-up You Mo zum Beispiel sichert seine Cruiser wie Motorräder, nämlich per Lenkerschloss. Die Firma Klever kombiniert ein integriertes Rahmenschlosses am Vorderrad mit einer elektronischen Sicherung. Das Display des Elektrofahrrads kann man abnehmen. Steckt man es in die Tasche, blockiert automatisch das Hinterrad, wenn jemand das Rad wegschieben will. Die Kombination aus Rahmenschloss und Display ist allerdings nur gedacht für den kurzen Stopp beim Bäcker.

Diebstahlschutz mechanisch und elektronisch bei dem Klever-Rad © Reidl

Diebstahlschutz mechanisch und elektronisch bei dem Klever-Rad © Reidl

Die Fahrradortung per GPS hat spätestens im Juli einige Hersteller aufhorchen lassen. Damals ging die Meldung durch die Medien, dass der Besitzer eines Stromer ST2 sein gestohlenes Bike genau auf diesem Weg wieder gefunden hatte. Es war ihm in der Nacht gestohlen worden. Da er die ST2-App noch nicht auf seinem Smartphone aktiviert hatte, suchte sein Händler über die App das Rad. Bereits am nächsten Morgen orteten die beiden es in einem Industriegebiet und informierten die Polizei. Die Beamten fanden das Rad in einem Container neben weiteren gestohlenen Rädern. Stromer zeigt das Elektrorad mit der GPS-Technik auch auf der Eurobike.

Das Urbanbike "Commuter" von Canyon © Reidl

Das Urbanbike Commuter von Canyon © Reidl

Aber auch Entwickler von rein muskelbetriebenen Rädern treibt das Thema Diebstahlschutz um. Canyon hat bei seinem neuen Urbanbike Commuter die Schrauben für die Sattelstütze und das Laufrad mit einem besonderen Mechanismus gesichert. Die Schrauben können nur gelöst werden, wenn das Rad auf dem Kopf steht. So soll verhindert werden, dass Diebe sie abmontieren.

In dem Getümmel von Rädern, Griffen, Kleidung und Körben stolpert man immer wieder über kleine Besonderheiten. Sehr praktisch fand ich diesen Träger fürs Laufrad, der am Kinderfahrradanhänger befestigt wird. Jürgen Arnold von Kid’s Touring hat ihn erfunden, patentiert und verkauft ihn nun.

 Halterung fürs Laufrad © Reidl

Halterung fürs Laufrad © Reidl

Ebenso sinnvoll ist das Reha-Trike Scorpion plus 20 von HP Velotechnik. Für das Modell haben seine Entwickler einen Eurobike-Award erhalten. Der Rahmen des Scorpion ist deutlich höher und breiter als bei den übrigen Modellen. Auf Wunsch können die Kunden für das Fahrzeug ergonomisch konstruierte Fußhalter, Handablagen oder eine einhändig bedienbare Gehhilfen-Arretierung bestellen. Der Knüller ist allerdings der Rückwärtsgang. Per Knopfdruck kann man das Fahrzeug mit geringer Geschwindigkeit rückwärts rollen lassen. Das erleichtert Menschen mit Einschränkungen das Wenden ungemein.

Scorpion mit Halterung für Gehhilfe © Kay Tkatzik / pdf

Scorpion mit Halterung für Gehhilfe © Kay Tkatzik / pdf

Auf der Teststrecke fielen die Trikes von HP Velotechnik in diesen Tagen immer wieder auf. Zum einen, weil sie schnell und wendig unterwegs waren, zum anderen haben ihre Fahrer gehupt. Damit machten sie sich den Weg frei. Ob sie einfach eine Hupe in der Tasche hatten oder die Hupe serienmäßig am Cockpit befestigt ist, erfahre ich heute.

Am morgigen Sonnabend steht die Eurobike dem breiten Publikum offen. Die Messe öffnet um 9.00 Uhr, die Hallen schließen um 18.00 Uhr. Die Tageskarte kostet 14 Euro (im Vorverkauf 12 Euro); Kinder (6 bis 14 Jahre), Schüler, Studenten, Rentner und Behinderte zahlen 10 Euro.

Lkw-Fahrer: Blind an der Kreuzung

Von 18. August 2014 um 11:05 Uhr

Der tote Winkel ihrer Außenspiegel ist für Lastwagenfahrer riesig. Eine Vorstellung vom Ausmaß des toten Winkels gibt dieses Video. Transport of London – die Organisation, die das Verkehrssystem in London organisiert – hat es vor einigen Jahren im Zuge einer Sicherheitskampagne ins Netz gestellt. Aktuell ist es immer noch.

Das Video zeigt sehr eindrucksvoll, wie gefährdet Radfahrer an Kreuzungen sind. Der ADFC fordert seit Langem die generelle Ausstattung von Lastwagen mit Assistenzsystemen. Die Technik ist da: Abbiege- und Bremsassistent warnen Lkw-Fahrer vor Radfahrern oder Fußgängern, die sie im rechten Seitenraum übersehen könnten.

In den Niederlanden gibt es als weiteres Sicherheitssystem einen sogenannten black spot mirror. Das ist ein konvexer Spiegel, der unter dem Grünlicht einer Ampelanlage montiert wird. Er soll den toten Winkel aufheben. Während der Lkw-Fahrer das Ampellicht beobachtet, sieht er automatisch auch die Radfahrer, die parallel neben dem Laster stehen. In Deutschland hat Münster diese Spiegel an gefährlichen Kreuzungen installiert.

Kategorien: Film, Forschung