Das Fahrrad-Blog
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Infrastruktur

Gelungene Werbung für den Fahrradhelm

Von 18. Juli 2014 um 09:41 Uhr

Eine sehr sympathische Werbekampagne für den Fahrradhelm veranstaltete vergangene Woche die Stadt Karlsruhe. Bürgermeister Michael Obert und die Schauspielerin Lisa Schlegel vom Badischen Staatstheater hielten gemeinsam auf der Straße Radfahrer an, die oben ohne unterwegs waren. Sie haben sich bei den Karlsruhern bedankt, dass sie das Rad benutzen, und ihnen einen Helm geschenkt. Das machten die beiden sehr humorvoll und ohne erhobenen Zeigefinger. Das folgende Video zeigt die Aktion:

Die Stadt will mit der Kampagne unter dem Motto “Tu’s aus Liebe!” die Zahl der schwer verletzten Radfahrer ein Viertel zu senken. Radfahrern soll das Tragen des Helms näher gebracht werden, zugleich wirbt die Kampagne für den Schulterblick. Derartige Kampagnen sollte es öfter zu unterschiedlichen Fahrradthemen geben.

Bike-Sharing jetzt auch für Kids

Von 20. Juni 2014 um 10:33 Uhr
© P'tit Vélib

© P’tit Vélib

Die französische Hauptstadt legt einen neuen Standard vor: Vélib’, das Pariser Bike-Sharing-System, gibt es jetzt auch für Kinder. Räder in vier verschiedenen Größen stellt der Anbieter dem Nachwuchs seit Mittwoch zur Verfügung. P’tit Vélib’ heißt die Ergänzung für die Kleinen. Der Bürgermeister von Paris will damit bereits die Kleinsten an das umweltfreundliche Verkehrsmittel gewöhnen.

Die Kinderfahrräder erinnern mit ihrem grauen Styling an ihre erwachsenen Pendants. Zurzeit kann man rund 300 Räder an fünf verschiedenen Standorten mieten. Diese liegen in Parks oder an Uferpromenaden, wo die Kinder entspannt Radfahren können. Weitere Leihstationen werden voraussichtlich noch in diesem Jahr eröffnet. Die Mietpreise sind mit vier Euro (eine Stunde) bis 15 Euro (ein Tag) für ein Kinderrad ziemlich hoch.

Das Modell P’tit Vélib’ ist noch ausbaufähig. Familien sind mit ihren Kindern in fremden Städten oft benachteiligt. Ob sie nun zum Sightseeing kommen oder am Wochenende zum Einkaufsbummel – während es für die Eltern Räder gibt, haben die Kinder keine Chance auf ein Leihrad. Dabei ist man damit auch als Familie viel einfacher unterwegs und hat meist viel mehr Spaß als in der S- oder U-Bahn. Langsam wäre es an der Zeit, auch Kinder- oder Jugendräder in Bike-Sharing-Systeme zu integrieren. Der Bedarf ist da und wächst stetig.

20.000 Radfahrer bei der Hamburger Sternfahrt

Von 17. Juni 2014 um 11:23 Uhr
Köhlbrandbrücke: Einmal im Jahr für Radfahrer frei © Reidl

Köhlbrandbrücke: Ein Mal im Jahr für Radfahrer frei © Reidl

“Wir wollen nicht schieben, wir wollen fahren”,  sagt der Mann auf dem Trekkingrad, grinst und steigt ab. Aber an fahren ist gerade nicht zu denken. Hunderte von Radfahrern bewegen sich in einem scheinbar nicht endenden Tross auf den Peak der Köhlbrandbrücke zu. Die Stimmung ist gut an diesem Sonntagmittag, obwohl alle immer wieder absteigen müssen, die Alten auf ihren E-Bikes wie die Jungen auf ihren Reiserädern und Choppern, und selbst die, die Singlespeed fahren. Jeder genießt die Freiheit, hier zu sein. Denn normalerweise ist die 53 Meter hohe Brücke, die sich eindrucksvoll über den Hamburger Hafen spannt, für Fußgänger und Radfahrer gesperrt.

An diesem Sonntag ist es mal anders: Anstelle der 30.000 Pkws und Lastwagen, die hier täglich entlang rollen, sind heute nur Radfahrer unterwegs. Mehr als 20.000 ambitionierte Kinder und Erwachsene haben sich vormittags an etwa 60 Standorten rund um Hamburg getroffen, um gemeinsam ins Zentrum zu radeln. Auch meine Familie wollte dabei sein und hat es beinahe nicht geschafft.

Unsere Idee war, mit der Bahn von Buxtehude nach Hamburg-Harburg zu fahren und dort zu starten. Die angegebenen 25 Kilometer bis zur Abschlusskundgebung am Museum der Arbeit schaffen die Kinder locker, dachten wir. Aber als wir am Bahnhof ankamen, fuhr der Zug nicht: Bauarbeiten. Nun gab es nur noch eine Möglichkeit: Die ganze Familie muss in die Pedale treten, um die 17 Kilometer nach Finkenwerder in 50 Minuten zu schaffen.

Blauer Himmel, wenig Wind und dicke weiße Wattewolken: Besseres Wetter kann man sich für eine Ausfahrt durchs Alte Land nicht wünschen. Und so kamen uns auf unserem Spurt gen Sternfahrt jede Menge Radausflügler entgegen. Einige Male habe ich innerlich gezuckt – vielleicht lieber doch umkehren? Die Vorstellung, gemächlich auf menschenleeren Straßen durch die Obstwiesen zu gondeln oder durch schattige Wälder über die Geest, war allemal besser, als die Kinder morgens um 11 Uhr zu Höchstleistungen anzutreiben, um pünktlich den Treffpunkt zu erreichen.

Aber eine Sternfahrt ist nun mal kein Sonntagsausflug. Es ist eine Demonstration: für mehr, bessere und vor allem angemessene Radwege. Hamburgs Radwegenetz ist absurd schlecht und in vielen umliegenden kleinen Städten ist es ebenso. Aus diesem Grund schoben sich in verschiedenen Konvois Tausende von Teilnehmern aus allen Himmelsrichtungen gen Zentrum.

Einmal Platz satt bei der Sternfahrt Hamburg © Reidl

Einmal Platz satt bei der Sternfahrt in Hamburg © Reidl

Die Zahl der Radfahrer bei der Hamburger Sternfahrt wächst stetig. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich ihre Zahl verdoppelt. Berlin ist weiterhin Spitzenreiter. Im vergangenen Jahr sind dort mehr als 200.000 Radfahrer auf die Straße gegangen. Allerdings ist ihre Zahl auch immer stark wetterabhängig. Gerade für Eltern, die ihre Kinder dabei haben, ist die Demo-Fahrt durchaus anstrengend und bei gutem Wetter auf jeden Fall besser machbar als bei Kälte oder Regen. Dann nagt das Stop and Go schnell an der Substanz der Kleinen.

Für das Fahren auf dem oftmals recht begrenzten Raum in dem Gedränge müssen sich die Kinder sehr konzentrieren. Sie müssen permanent auf die anderen Radfahrer achten, was nicht immer einfach ist. Viele Radfahrer, die eine kurze Pause am Fahrbahnrand gemacht haben, fuhren auch an diesem Tag ohne Schulterblick los und nötigten ihre Mitfahrer zum Ausweichen. Andere versierte Fahrer schlängelten sich durch Lücken und erschreckten den ein oder anderen Überholten.

Nach vier Stunden auf der Straße war bei unseren Kindern der Punkt erreicht, auszusteigen. Nachdem sie auf dem kurzen Autobahnstück der gesperrten A255 noch gut dahinrollten, war die Luft beim erneuten Stop and Go in Hamburg-Hammerbrook endgültig raus. Mit uns bogen weitere Familien Richtung Bahnhof ab.

Laut Hamburger Abendblatt forderte Rainer Kulla vom Sternfahrt-Veranstalter mobil ohne Auto bei der Abschlusskundgebung mehr Radstreifen an den Straßen, reparierte Radwege und mehr Raum für Radwege.

Wie so oft in solchen Momenten waren sich alle einig: “Die verkehrspolitischen Sprecher aller fünf Bürgerschaftsparteien schlossen sich den Forderungen weitgehend an”, meldete das Abendblatt. “Gemeinsam forderten sie einen Ausbau der Velorouten und eine Ausweitung des Verleihsystems StadtRad.” Was der Senat schlussendlich umsetzt und was nur politische Lippenbekenntnisse bleiben, wird sich zeigen.

Immer wieder Stop and Go © Reidl

Immer wieder Stop and Go © Reidl