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Zwist um Ökosiegel für Zuchtfisch

 

Der WWF hat ein neues Siegel für Fische aus Unterwasserfarmen entwickelt, das Aquaculture Stewardship Council (ASC). Es soll nachhaltige Fischzucht auszeichnen. Bereits jetzt gibt es das Marine Stewardship Council (MSC), das auf vielen Fischverpackungen im Supermarkt klebt. Es gilt jedoch nur für Meeresfisch. Die Supermärkte drängen auf das zweite Zeichen, denn die einst als blaue Revolution gepriesene Aquakultur ist in Verruf geraten.

Umweltschützer monieren allerdings, das Zeichen des WWF tauge wenig. Statt eherner Vorgaben gebe es wachsweiche Empfehlungen, damit möglichst viel Zuchtfisch als nachhaltig geadelt werden könne.

Zugleich steht fest, dass sich der Verbraucher sich klare und einfache Siegel an Produkten wünscht, um eine gute Entscheidung fällen zu können. Und Fisch steht inzwischen häufig auf dem Speiseplan. Das geben die Meere aber nicht her. Egal wie viel Kabeljau, Lachs oder Shrimps gefangen wird, es ist zu wenig, um den wachsenden Appetit zu stillen. Der Verzehr ist mit rund 17 Kilogramm pro Kopf so hoch wie nie zuvor, wie aus dem aktuellen Weltfischereibericht hervorgeht. Fast die Hälfte davon kommt bereits aus Fischzucht. Aquakulturen müssen zunehmend den Bedarf decken, da die Fischbestände nach Jahrzehnten der Überfischung in einem beklagenswerten Zustand sind.

Zuletzt nahm die Produktionsmenge jährlich um rund sieben Prozent zu. Die Versprechung der Aquakultur ist verlockend: Statt Fische zu fangen, könne man sie züchten und ihre Artgenossen im Meer in Ruhe lassen. Das zweifeln Naturschützer aber bereits seit langem an. Aquakultur sei keine Lösung, sondern eher ein Grund für die Überfischung. Für die Mast der Fische braucht man Futter. Und das werde aus Wildfisch hergestellt. Für ein Kilo Lachs werden bis zu fünf Kilo wild gefangener Fisch verfüttert. Weitere Kritik: Typisch sei die Zerstörung küstennaher Lebensräume wie Mangrovenwälder etwa für Shrimpszuchten, das Fangen von wildem Jungfisch, um die Farmen aufzufüllen oder der Eintrag von Chemikalien und Antibiotika aus den Käfigen, Bassins und Netzen ins Meer.

„Aquakultur ist nur dann eine Alternative zu Wildfisch, wenn sie umweltfreundlich betrieben wird“, bestätigt WWF-Fischereiexpertin Heike Vesper. Deshalb habe der WWF das neue Zeichen speziell für Zuchtfisch angeschoben. Unterstützt wird der ASC von Handelskonzernen wie Metro oder Edeka. ASC-Fische sollen demnächst in jedem namhaften Supermarkt zu finden sein.

Inzwischen liegen die ersten Standards für Pangasius und Tilapia vor, zwei der mengenmäßig bedeutsamsten Zuchtfische. In Deutschland zählt der billige, weiße Pangasius zu den Top Fünf der beliebtesten Speisefische. Die Regeln für Lachs, Shrimps und Forelle folgen Mitte des Jahres. Parallel wird ein Logo entwickelt.

Aber wie hoch ist die Messlatte, die der ASC an sein Zeichen anlegt? Vom WWF als starker Stimme im Naturschutz erwarten die Verbraucher zu Recht viel. An der Güte der WWF-Wimpels entzündet sich aber momentan Streit.

Naturland, die ein eigenes Bio-Siegel für Aquakultur verwenden, bemängeln, dass die Umweltstandards zu niedrig seien und wichtige Fragen wie die Besatzdichte, also die Intensität des Farmens, nicht geregelt seien. „Wenn zu viele Fische auf zu dichtem Raum gehalten und gemästet werden, ähnelt das der Käfighaltung von Hühnern“, sagt Naturland-Fischexperte Stefan Bergleiter. Dafür sollte es kein Prädikat geben. Allzu lax geregelt sei auch, was gefüttert werde und mit welchen Medikamenten die Fische behandelt werden dürften. All das wird bei den Ökozuchten von Naturland definitiv schärfer gehandhabt.

Auch Greenpeace lässt kein gutes Haar an der WWF-Plakette. Das Siegel werde analog zum MSC schon im Planungsprozess vergeben, obwohl die Fischerei noch gar nicht nachhaltig sei. „Das ist so, als würde jemand schon als schlank bezeichnet, obwohl er noch 25 Kilo Übergewicht hat“, kritisiert Thilo Maack von Greenpeace. Vorschusslorbeeren seien in einem derart veritablen Wirtschaftszweig, wo es um sehr viel Geld gehe, keine gute Idee.

WWF-Fischexpertin Heike Vesper bestreitet, dass das Siegel vergeben wird, bevor alle Umweltauflagen umgesetzt seien. Und auch Besatzdichten seien festgelegt. Sie gesteht allerdings zu, dass für den ASC Kompromisse gemacht worden seien. Und natürlich sei Bio immer besser. Aber davon sei einfach zu wenig da.

Der Handel diskutiert zur Zeit, ob man nicht selber nachlegen solle und Nachbesserungen fordern als sich für einen wachsweichen Standard prügeln zu lassen. Auf die Händler, die Umweltstandards für Fisch nach oben nachjustieren wollten, wartet der WWF nach eigenen Angaben gerne.

14 Kommentare


  1. Wie schon an anderer Stelle kommentiert: ASC scheint mir lediglich ein „me-too“-Siegel zu sein, das der Legitimierung der Industrie dient. Warum übernimmt der WWF nicht gleich die Naturland-Biostandards als „Messlatte“? Natürlich hieße das dann auch, den Fischkonsum drastisch herunterzufahren, der in den letzten Jahren sowieso viel zu stark gestiegen ist. Weniger ist auch in diesem Fall mehr.

  2.   Mesa

    Das mit der nachhaltigen Fischzucht ist auch so ein Blödsinn. Neulich noch gesehen, dass man z.B bei diesen Thunfischfarmen in Skandinavien mehr Fisch als Nahrungsmittel verfüttert als man dann am Ende vom Thunfisch bekommt. Daher haben wir dann zwar mehr Thunfisch, aber dafür sind dann eben woanders die Bestände überfischt. Das Problem wird nur verschoben, aber nicht gelöst. Daher sollten wir Menschen mal lieber auf Bequemlichkeit und unnötige Gaumenfreuden verzichten und nicht die FOLGEN unseres Problems bekämpfen, sondern die URSACHEN !

  3.   Mesa

    Das mit der nachhaltigen Fischzucht ist auch so ein Blödsinn. Neulich noch gesehen, dass man z.B bei diesen Thunfischfarmen in Skandinavien mehr Fisch als Nahrungsmittel verfüttert als man dann am Ende vom Thunfisch bekommt. Daher haben wir dann zwar mehr Thunfisch, aber dafür sind dann eben woanders die Bestände überfischt. Das Problem wird nur verschoben, aber nicht gelöst. Daher sollten wir Menschen mal lieber auf Bequemlichkeit und unnötige Gaumenfreuden verzichten und nicht die FOLGEN unseres Problems bekämpfen, sondern die URSACHEN!

  4.   Voce

    Ohne zu wissen was sich genau hinter diesem Siegel an Anforderungen verbirgt, finde ich das WWF Siegel für Fische aus Unterwasserfarmen gut, denn jeder kleine Schritt bedeutet ein weiteres Vorankommen auf dem Weg hin zu einer schliesslich echten nachhaltigen Fischproduktion in Unterwasserfarmen.


  5. […] plant deshalb ein Siegel für nachhaltige Fischzucht, bloggt Kirsten Brodde. Original Artikel: Nachhaltigkeit: Neues Ökosiegel für Zuchtfisch sorgt für Streit Hier […]

  6.   pilly

    …vor Allem gibt es in Skandinavien auch Thunfischfarmen..


  7. Zwist um Ökosiegel für Zuchtfisch « Grüne Geschäfte…

    Der WWF hat ein neues Siegel für Fische aus Unterwasserfarmen entwickelt, das Aquaculture Stewardship Council (ASC). Es soll nachhaltige Fischzucht auszeichnen. Bereits jetzt gibt es das Marine Stewardship Council (MSC), das auf vielen Fischverpackunge…


  8. Zwist um Ökosiegel für Zuchtfisch « Grüne Geschäfte…

    Der WWF hat ein neues Siegel für Fische aus Unterwasserfarmen entwickelt, das Aquaculture Stewardship Council (ASC). Es soll nachhaltige Fischzucht auszeichnen. Bereits jetzt gibt es das Marine Stewardship Council (MSC), das auf vielen Fischverpackunge…


  9. […] schon lange nicht mehr die nachhaltige Alternative zur Überfischung der Meere dar. Jetzt hat der WWF ein neues Siegel für Zuchtfische entwickelt – und wird dafür von Umweltschützern kritisiert. Das neue Zeichen sei nicht streng genug und […]