Bundesregierung will professioneller nach Endlager für Atommüll suchen
Bislang gestaltet sich die Suche nach einem Endlager für Atommüll äußerst kompliziert: Gorleben wird seit Jahrzehnten untersucht – mit heftigem Widerstand der Bevölkerung vor Ort. Im Zuge der Energiewende will die Bundesregierung die Endlagersuche jetzt mit mehr Struktur angehen: In einem “Erstentwurf zum Standortauswahlgesetz”, der ZEIT ONLINE vorliegt, schlägt sie ein geordnetes Verfahren für die Suche nach einem Endlager vor.
Die wichtigsten Punkte sind:
- Neugründung eines “Bundesinstituts für Endlagerung”: Das Institut soll politisch unabhängig sein und wissenschaftliche Kriterien für die Standortauswahl erarbeiten: Inwiefern lässt sich der Atommüll noch über Tage lagern, welche Gesteinsformationen kämen für ein unterirdisches Lager in Frage, wie steht es um die Rückholbarkeit, ist diese nötig? Regelmäßig soll es die Öffentlichkeit informieren. Am Ende trifft es die Vorauswahl für die Entscheidung von Bundestag und Bundesrat über den endgültigen Standort:
“Das Bundesinstitut entscheidet auf Grundlage der durchgeführten Langzeitsicherheitsanalysen, unter Berückcksichtigung der Ergebnisse der Öffentlichkeitsbeteiligung und nach vorheriger Stellungnahme der Ethikkommission, welcher Standort die bestmögliche Sicherheit gewährleistet und schlägt nach erneuter Anhörung der betroffenen Grundstückseigentümer und Gemeinden vor, an welchem Standort der Vorhabenträger die Planfeststellung nach § 9b Atomgesetz beantragen soll (Standortvorschlag).”
- Neugründung einer “Ethikkommission Sichere Entsorgung”: Die Ethikkommission soll Stellungnahmen zu den möglichen Standorten abgeben und den Prozess beratend begleiten. Sie soll ein gesellschaftliches, kein Fachgremium sein, ähnlich wie die “Töpfer-Kommission” zum Atomausstieg.
- Öffentlichkeitsbeteiligung: Gleich ein komplettes Kapitel widmet der Gesetzentwurf der Öffentlichkeitsbeteiligung. Die Öffentlichkeit solle frühzeitig, umfassend und systematisch über die Endlagersuche informiert werden. Auch ausländische Behörden sollen informiert werden, wenn ein Standort nur 50 Kilometer von einer Grenze entfernt ist .
Was ist nun von dem Entwurf zu halten? Auf den ersten Blick lässt sich sagen: nicht schlecht, nun kommt es auf die Details an. Entscheidend wird natürlich der Kriterienkatalog sein, den das Bundesinstitut erarbeiten soll. Und werden Bundestag und Bundesrat tatsächlich dem Standortauswahlgesetz zustimmen, wenn die Kriterien für den möglichen Standort noch gar nicht feststehen? Wie unabhängig wird das Bundesinstitut am Ende tatsächlich sein – und braucht es überhaupt eine weitere Behörde, wenn doch bereits das Bundesamt für Strahlenschutz viel Expertise hat? Was ist zudem mit Gorleben? Hier laviert der Entwurf, ob das Endlager in Niedersachsen vom Tisch ist oder nicht und ob es einen Erkundungsstopp gibt.
Das Wort “Erstentwurf” ist groß über die insgesamt 21 Seiten gedruckt. Mal schauen, wie viele Versionen es noch geben wird. Bis zum Sommer will die Regierung das Gesetz verabschieden, allerdings betont sie, dass man sich nicht unter einen Zeitdruck setzen wolle.
[...] Die schwarz-gelbe Koalition will die Suche nach einem Atom-Endlager professioneller organisieren. Doch viele Details sind weiter unklar, bloggt Marlies Uken. mehr lesen: Atommüll: Bundesregierung will professioneller nach Endlager suchen… [...]
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Im Prinzip gebe ich Ihnen recht. Aber ein Endlager wird immer gebraucht werden. Wir haben ja schon aufgearbeitete Kokillen die irgendwo gelagert werden müssen. Selbst wenn das Partitioning funktionieren wird (von dem ich 100% überzeugt bin) ist es wahrscheinlich zu kostspielig diese Kokillen wieder aufzuarbeiten. Eine Lagerung dieser muss nicht rückholbar sein, und nur eine Lagerung von ein paar tausend Jahre ist nötig.
Das Partitioning UND die Transmutation wird funktionieren. Und auch Deutschland wird dies machen wenn nur ein kleiner Funke von Verstand vorhanden ist.
Sinnlos ist es jetzt ein Endlager zu suchen und auf sinnlos lange Lagerzeiten und riesigem Volumen zu spezifizieren indem man dann Brennstäbe zwischenlagert um diese dann wieder für Partitioning herauszuholen und um dann wieder Rückstände einlagert die nur eine sichere Lagerung von ein paar hundert Jahren benötigen.
Von diesem Gesichtspunkt bin ich voll mit Ihnen. Man sollte die Fortschritte in der Nukleartechnik abwarten und sicher zwischenlagern und dann eine sinnvolle Spezifikation erstellen. Die derzeitige Zwischenlagerung hat Sicherheitslücken, das muss man einggestehen.
Die technischen Anforderungen an das Endlager sind aber auf der einen Seite schon durch die vorhandenen Kokillen gegeben. Man muss nur das Volumen realistisch abschätzen. Man soll aber beim Volumen abwarten, denn es ist sehr wahrscheinlich dass Deutschland gezwungen wird wieder AKWs zu bauen und betreiben.
Leider wird man in Deutschland gekreuzigt wenn man nur Partitioning und Transmutation erwähnt geschweige neue AKWs.
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@Optimist 32: “Man sollte die Fortschritte in der Nukleartechnik abwarten”
Ich bin Ingenieur – und teile als solcher Ihr Grundvertrauen in die Fähigkeiten von Ingenieuren. Andererseits setzt meine Erfahrung dem Vertrauen, dass diese Fähigkeiten bald zu handgreiflichen Ergebnissen führen, Grenzen. (Die Nuklearwirtschaft hat uns schon in den Siebzigern “versprochen”, dass binnen zehn Jahren Fusionsreaktoren alle unsere Energie- und Entsorgungsprobleme lösen würden.)
Lassen Sie uns die Fortschritte in der Nukleartechnik abwarten und dann – wenn die Entsorgungsfrage geklärt ist – über den Wiedereinstieg in die Atomkraft diskutieren, einverstanden?
Die großtechnische Erzeugung von Giften, die (ohne Übertreibung) das Potenzial besitzen, unsere Erde für Menschen über Generationen unbewohnbar zu machen, lässt sich nicht mit dem vagen Vertrauen auf die deutsche Ingenieurskunst rechtfertigen.
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