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Schokolade und Kinderarbeit

Von 24. Mai 2012 um 18:19 Uhr

Ja, ich gestehe: Auch ich kann Schokolade nicht widerstehen, Favoriten sind sämliche Kombinationen mit Espressosplittern. Als ich allerdings die aktuelle Studie des Südwind-Instituts zur Wertschöpfungskette Schokolade durchgelesen habe, wurde mir doch ein bisschen anders. Detailliert hat die NGO einmal die Lieferantenkette im weltweiten Kakaohandel analysiert und aufgeschrieben, wer eigentlich die wichtigsten Player sind und wer wo profitiert. Es ist ein kleiner Krimi.

Mehr als 5,5 Millionen Kakaobauern leben weltweit zurzeit vom Anbau der Kakaopflanzen. Das größte Problem ist die Armut, denn die Erlöse aus dem Verkauf reichen in der Regel kaum aus, die Familien dauerhaft zu ernähren. Ein ausführliches Kapitel widmet der Bericht daher dem Thema Kinderarbeit.

Südwind zitiert eine Studie aus dem Jahr 2009, nach der allein in der Elfenbeinküste mehr als 260.000 Kinder in der Kakaobranche arbeiten – und zwar unter Umständen, die internationalen Konventionen gegen Kinderarbeit widersprechen. Südwind schreibt:

“Immer wieder gibt es Berichte, dass aus den Nachbarländern Mali und Burkina Faso Kinder an Kakaobauern in der Elfenbeinküste verkauft werden. Genaue Zahlen liegen nicht vor, doch vermutlich arbeiten viele Tausend Kinder unter sklavenähnlichen Bedingungen auf den Kakaoplantagen.”

Südwind zieht aus der Studie die Forderung nach höheren Preisen für die Kakaobauern. Weil der Kostenanteil des Kakaos an der Schokolade so gering ist, seien höhere Preise für die Kakaobauern leicht umzusetzen und würden kaum Preissteigerungen für die Kunden (also für mich) nach sich ziehen:

“Die Analyse belegt, dass eine Verbesserung der Situation in den Kakaogebieten nur zu sehr geringen Preiserhöhungen in der Produktionskette führen würde. Eine durchschnittliche Tafel Vollmilchschokolade enthält lediglich Kakao im Wert von rund sechs Cent, und bei den derzeitigen Zertifizierungsansätzen liegt der Aufpreis für Schokolade aus nachhaltiger Produktion derzeit bei rund einem Cent pro Tafel.”

Nun könnte man sagen: Ja, wie schön, ist aber alles weit weg. Doch es gibt dazu ganz aktuelle Entwicklungen in Deutschland. Mitte Juni wird sich in Deutschland das Forum nachhaltiger Kakao gründen, mit dem Ziel, den Anteil nachhaltig produzierten Kakaos in Schokolade zu steigern. Selbst Unternehmen wie Rewe, Mars und der Bundesverband der Süßwarenindustrie sowie die zuständigen Fachministerien machen mit.

Es könnte der erste Schritt zu fair gehandelter Schokolade für die Masse sein.

Kategorien: Essen, Konsum, Nachhaltigkeit
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Ich halte ehrlich gesagt nichts von der Fair-Trade-Idee. Man müsste die größten Kakao-Abnehmer dazu zwingen, die Produktionsbedingungen zu überwachen und höhere Preise zu bezahlen. In der Computerbranche klappt das ja auch. Fairtrade ist der berühmte Tropfen auf den heißen Stein.

    • 24. Mai 2012 um 19:58 Uhr
    • Thomas
  2. 2.

    Gute Doku dazu in der NDR Mediathek(bei ARD auch vorhanden)
    http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/45_min/videos/minuten257.html

    Gut das ich keine Schokolade esse, allerdings sind fast alle Nahrungsmittel die von den grossen Nahrungsmittel-Konzernen die ich nicht nennen brauche alle mit ähnlichen Nachteilen behaftet sind. Man landet bei der Debatte ebend flott dort das unser Wohlstand auch zum grossen Teil auf Ausbeutung gewisser anderer Länder begründet ist. Naja nichts neues, bin ja weiterhin für eine komplette Systemreform(Finanzsektor gleich mit) was natürlich Wohlstandsverzicht für alle bedeuten würde und somit nie kommt solange wir weiter ausbeuen können. Also weiter wie bisher.
    (Fair Trade ist auch nur Heuchelei fürs Gewissen)

    • 24. Mai 2012 um 20:07 Uhr
    • SuR_LK
  3. 3.

    Fair-Trade macht die Bonzen reich. Nix anderes.

    Wenn die Kinder nicht arbeiten wollen, dann sollten sie besser Landwirtschaft und Häuslebauen studieren. (Teile gestrichen, bitte bleiben Sie sachlich, Gruesse M. Uken)

  4. 4.

    Dass Kinder verkauft werden (müssen), ist der eigentliche Skandal. Dass Kinder nicht lernen können, ist ein Skandal. Für meinen Teil habe ich auf meinem elterlichen Hof ab dem 13. Lebensjahr regelmäßig mitarbeiten müssen. Dennoch habe habe ich am Ende ein Studium abschließen können. Früher war das normal und das ist es woanders auch noch. Meine Kinder werden ebenfalls lernen welchen Wert das Geld hat. Allerdings nicht so, wie ich es gelernt habe.

    • 24. Mai 2012 um 20:56 Uhr
    • Georg Luigs
  5. 5.

    Generell befriedigt der profitorientierte Produzent ja nur die Nachfrage. Durch den Kauf von Fair Trade Produkten zwingt man den Produzenten auf die Wünsche des Konsumenten einzugehen. So bietet sich die Möglichkeit den Markt zu Formen. Da leider nicht genug Konsumenten Wert auf fair gehandelte Produkte legen, wären strengere Richtlinien und Gesetze jedoch wünschenswert, da sie schneller zu ethisch und fair hergestellten Produkten führen.

    • 24. Mai 2012 um 21:05 Uhr
    • Gast
  6. 6.

    @ “Türken sind offensichtlich asozial”: Ihr Kommentar ist einfach nur peinlich und zeugt von homophober Beschränktheit. Und dass bei solch einem Kommentar zwar Teile gestrichen werden, aber ein solch fremdenfeindlicher Name erhalten bleiben darf ist einfach unglaublich.

    • 24. Mai 2012 um 21:29 Uhr
    • Peter Lustig
  7. 7.

    Hallo Peter Lustig
    Danke fuer den Hinweis, ich bin unterwegs und hatte in der mobilen Version den Titel nicht gesehen. Beste Gruesse M. Uken

  8. 8.

    Fair TRade ist keineswegs nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Das Fairtrade-Angebot in etlichen Supermärkten ist deutlich größer als noch vor ein paar Jahren. Selbst die Discounter springen auf den Zug mit auf.

    Die Konsumenten haben es in der Hand. Wenn die Nachfrage steigt, dann steigt auch das Angebot.

    • 24. Mai 2012 um 23:10 Uhr
    • Max Vogel
  9. Kommentar zum Thema

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