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Solarförderung: Der Deckel ist da

Von 28. Juni 2012 um 12:28 Uhr

Irgendwie hing die Idee ja schon seit Monaten in der Luft. Aber dass sich gestern Abend der Vermittlungsausschuss zwischen Bundesrat und Bundestag darauf geeinigt hat, ist doch eine kleine Sensation: Erstmals führt die Bundesregierung für die Förderung einer Öko-Technologie einen Deckel ein. Wenn Solaranlagen mit einer Kapazität von insgesamt 52 Gigawatt in Deutschland am Netz sind, wird Schluss sein mit der Förderung durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG).

Mal kurz ein paar Zahlen zur Einordnung: Zurzeit sind in Deutschland Solaranlagen mit rund 28 Gigawatt am Netz. Es fehlen also noch 24 Gigawatt für das Ziel der Bundesregierung. Der zuständige Minister Peter Altmaier (CDU), der den Kompromiss gestern in Berlin als “Paradigmenwechsel” bezeichnete, plant weiterhin mit einem jährlichen Zubau von etwa 2,5 bis 3,5 GW – falls es nicht zu unvorhersehbaren Booms kommt. Das bedeutet also, dass Solarstrom  noch etwa sechs bis sieben Jahre lang weiterhin gefördert wird (Aber Achtung: Immer unter der Annahme, dass der Zubau nicht wieder bei 7,5 GW wie im vergangenen Jahr liegt, sondern nur halb so stark ausfällt).

Ist das wahrscheinlich? Schwer zu sagen. Die Fördersätze sind ja in den vergangenen Jahren schon stark gefallen. Die Schlussverkaufspanik könnte zudem ein wenig gedämpft worden sein, da die Kürzung rückwirkend schon ab dem 1. April gelten soll.

Quelle: BSW

Quelle: BSW

Dass Solarstrom auch in den kommenden Jahren der Kostentreiber der EEG-Umlage sein wird, dagegen verwehrt sich (wenig überraschend) der Bundesverband der Solarwirtschaft. Zu – salopp gesagt – “Höchstförderzeiten” im Jahr 2005 hätte jeder Haushalt rund zwei Euro im Monat dafür zahlen müssen, damit sich der Anteil Solarstrom am deutschen Strommix um einen Prozentpunkt erhöht. Bei den aktuellen Fördersätzen, die eben zusammengestrichen wurden, werden es in diesem Jahr nur noch 60 Cent sein.

Spannend wird, finde ich, ob Solar und Offshore-Windenergie gerade die Rollen tauschen. Bislang hatte Solarstrom immer den Ruf des Kostentreibers, wegen der hohen EEG-Förderung. Schaut man sich allerdings den Ausbau der Windenergie auf See und die Folgekosten an (Netzausbau, Haftungsfragen etc), so könnte vielleicht bald Offshore-Wind diesen Titel übernehmen.

 

 

Leser-Kommentare
  1. 1.

    Hier die Einschätzung eines Windkraftinvestors:

    Ob Solarstrom weiter der Kostentreiber im EEG bleibt, hängt von der jährlichen Zubaumenge ab. Bleibt diese bei den von Altmaier gewünschen 2 bis 3 GW, dürften die Kosten im Rahmen bleiben. Denn diese Menge wird auch mit Offshore-Wind pro Jahr zugebaut (die Vergütungssätze sind vergleichbar hoch, wenn man die über 20 Jahre durchschnittliche Vergütung betrachtet und bei PV einen Durchschnittswert über die verschiedenen Anlagengrößen bildet. Offshore-Windkraftanlagen bekommen – je nach Standort – deutlich weniger als 20 Jahre die hohe Vergütung).

    Der Bundesverband Solarwirtschaft hat berechnet, jedes Gigawatt Solarzubau erhöht die EEG-Umlage um 0,035 Cent/kWh. Also rechnen wir nach der Kürzung jetzt mal mit 0,025 Cent/kWh (es dürften eher etwas mehr sein). Über 20 Jahre gerechnet und umgelegt auf den nichtprivilegierten Letztverbrauch von rund 400 TWh bedeutet dies über die Förderdauer von 20 Jahren gerechnet: 2 Milliarden Euro Mehrkosten für die Stromverbraucher für jedes nach der Kürzung installiertes Gigawatt Solarstromleistung (verteilt auf 100 Mio. pro Jahr).

    Bei Wind Offshore sind die Vergütungssätze wie erläutert unter dem Strich ähnlich, die bis 2020 zugebauten Mengen allerdings sehr gut abschätzbar (zumindest der Maximalwert). Die Zubaumengen sind weit geringer als bei PV, allerdings ist die Volllaststundenzahl viel höher (ein Vorteil von Offshore gegenüber der viel stärker schwankenden PV-Erzeugung). Rechnet man die Volllaststundenzahl hinein und berücksichtigt ganz grob mal auch die weiteren Kosten des
    Offshore-Ausbaus (insbes. Netzanbindung) dürfte man – ohne dass ich dies jetzt im Details ausgerechnet habe – ungefähr zu dem Ergebnis kommen:

    Erhalten tatsächlich wie von Altmaier gewünscht 2012 und in den Folgejahren nur jährlich rund 3.000 MW PV jeweils 20jährige Subventionszusagen, entspricht dies ungefähr den Kosten des im selben Zeitraums stattfindenden Offshore-Zubaus.

    Das Risiko liegt darin, dass z.B. 2012 schon 10 GW PV zugebaut werden oder in den Folgejahren viel mehr als von Altmeier gewünscht. Dann hätte PV in 2012 schon so viel finanzielle Förderressourcen gebunden, wie Offshore erst in einigen Jahren in Anspruch genommen hätte. Auf der anderen Seite gibt es dieses Risiko nicht: dass dreimal so viel Offshore bis 2020 zugebaut wird wie geplant, ist nach derzeitigem Stand auszuschließen.

    Dieses ganze Dilemma hat uns einzig und allein schwarz-gelb eingebrockt. Schwarz-Gelb hätte jederzeit seit Regierungsantritt den Solarzubau ähnlich gestalten können wie den Offshore-Zubau: zumindest für Anlagen auf Gewerbedächern und Freiflächenanlagen hätte man eine Antragspflicht einführen können und es wären jeweils nur pro Jahr 2.000 MW genehmigt worden (plus erfahrungsgemäß rund 500 MW Kleinanlagen ohne Antragspflicht). Dann wären die Kosten im Rahmen geblieben. Doch Schwarz-Gelb hat stets (auch dieses Mal) die Solarförderung ohne irgendwelche Sicherheitsschleusen nach oben ausgestattet. Das Kostenrisiko durch PV bleibt dadurch unbegrenzt. Ein Schelm, wer denkt, diese in der schwarz-gelben Regierungszeit ausufernden Solarsubventionen hätten irgendetwas zu tun mit den immensen Parteispenden, welche die Solarlobby an die Politik zahlt.
    Klar ist jedenfalls: das EEG hätte seit 2009 jederzeit von schwarz-gelb geändert werden können, sofern schwarz-gelb die schwarzen und gelben Länderminister (welche über den Bundesrat Einfluss nehmen können) von ihrem Vorhaben überzeugt hätten. Aber was rede ich: schwarz-gelb hatte noch nicht mal auf Bundesebene den Vorstoß gegen die mächtige Solarlobby gewagt, die Kosten durch die Einführung einer Antragspflicht im Rahmen zu halten. Jetzt für die aufernden EEG-Kosten die Windkraftbranche in Haftung zu nehmen, ist nicht fair. Wenn PV schon über 100 Mrd. Euro Kosten verursacht hat, was als erwiesen gelten kann, steht die selbe Summe auch der Windbranche. Und wie können ziemlich sicher sein: Wind offshore wird diese Summen nicht in Anspruch nehmen müssen.

    • 28. Juni 2012 um 14:44 Uhr
    • Sieler Es
  2. 2.

    @Sieler Es

    Ehrlich gesagt verstehe ich nicht, welches Risiko Sie meinen?! Selbst wenn in diesem Jahr 10 GW Solarleistung zugebaut werden sollten (was ich persönlich bezweifle), dann würde sich nach denen von Ihnen richtig zitierten Zahlen c.p. der Strompreis nur um ca. 0,3 Cent/ kWh (inkl. MwSt.) erhöhen. Als “Kostenexplosion” kann man das wohl kaum bezeichnen?!

    Allein die jetzt angekündigte Erhöhung von RWE beträgt 1,79 Cent/ kWh, obwohl die EEG-Umlage nur um 0,06 Cent/ kWh teurer wurde. Die Kostenrisiken liegen wohl ganz offensichtlich wo anders?!

    • 28. Juni 2012 um 15:28 Uhr
    • Nicolo
  3. 3.

    Diese “Deckel” ist ein Placebo. Die Herrschaften hoffen bekanntlich, daß sich Solarstrom bis dahin “allein” trägt. In Wahrheit heißt das: er wird, ganz ohne Einspeisevergütung, indirekt fleißig weitersubventioniert werden.

    Jede normale Kilowattstunde Strom, dh. jede aus dem Netz gezogene, ist hochgradig mit Abgaben belastet. Umsatzsteuer, Stromsteuer, Netzentgelte, rasant steigende EEG-Umlage machen inzwischen 75% des Strompreises aus. Tja, und “selbst erzeugter” Strom ist von all diesen lästigen Umlagen befreit. Nur deshalb wird der sich “rechnen”.

    In ein paar Jahren werden Solaranlagenbesitzer sich mit großen Batterieanlagen ausgerüstet haben, um nur noch möglichst wenig Strom aus dem öffentlichen Netz ziehen zu müssen. Ihre Anlage wird sich “lohnen”, weil sie sich nicht nur den Strombezug selbst, sondern vor allem die oben genannten, 75% “Nebenkosten” ersparen. Auf Kosten ihrer Nachbarn.

    Werden die Kosten für Netze und (weiterlaufende alte) EEG-Subventionen nämlich auf weniger Kilowattstunden umgelegt, weil die Solaranlagenbauer ja davon befreit sind – dann steigen diese Umlagen für alle Übrigen. Gerade bei der EEG-Umlage ist das ein Treppenwitz: je teuerer die Subvention, umso interessanter wird es, sich von ihr abzukoppeln. Meine Solaranlage zahlen damit zwangsläufig immer die anderen. Und je mehr die Umlage steigt, um so mehr lohnt sich meine Solaranlage… ein verruchter Teufelskreis der Subventionitis.

    Daß sich Vater Staat auch die wegfallenden Strom- und Umsatzsteuern anderer Stelle wieder wird holen müssen, sei am Rande vermerkt. Es geht, auch hier, auf Kosten der Gemeinschaft.

    Die ganze Schnapsidee lebt natürlich von einem hohen Eigenverbrauch. Eigentlich muß ein Solarmüller so um die 80% seines Stroms aus dem Netz ziehen, weil seine Erzeugung eine ganz andere Lastkurve fährt als sein Verbrauch. Solange das so ist, braucht er die Einspeisevergütung. Aber Rettung naht! Unsere irren Politiker ermuntern ihn über die Subventionitis, sich eine riesige Batterie anzuschaffen. Zwar käme kein Mensch käme auf die Idee, die Stromspitzen im Gesamtnetz durch Batterien aufzufangen. Die Kosten für diese Speichertechnik sind gewaltig, die Lebensdauer arg begrenzt, die Umweltbelastung durch Chemikalien verheerend.

    Statt desssen werden wir nun also viele kleine Batterien subventionieren. Die Spanier haben ihre Krise, weil sie in nutzlose Wohnungen mitten in der Pampa investiert haben. Wir investieren in ebenso nutzlose Batterien. Es ist zum Haare raufen.

    • 28. Juni 2012 um 15:36 Uhr
    • rijukan
  4. 4.

    Interessant, dass in der Kommentarfunktion unter diesem Blogeintrag nicht nur mein Name bereits voreingetragen ist, sondern auch eine mir nicht bekannte Emailadresse (user-277565@community.zeit.de – darf ich die künftig für Korrespondenz nutzen?) und auch die Spam-Abwehr-Frage (“wieviel ist 5×7?”) bereits mit korrektem Ergebnis (35) ausgefüllt wurde – und all das, obwohl ich derzeit nicht bei zeit.de angemeldet bin ..!

    Ja, ich weiss, was Cookies sind, und dass das alles vermutlich nicht erschiene, wenn ich sie aus meinem Browser-Cache löschte. Doch irgendwas scheint hier technisch nicht zu laufen wie geplant.

    Ich bin gespannt auf das Ergebnis wenn ich diesen Beitrag nun absende und entschuldige mich im Voraus für das off-topic.

    • 28. Juni 2012 um 15:49 Uhr
    • Ulrich Nehls
  5. 5.

    Die Windräder sind bereits heute gavierend übersubventioniert. Wie könnte es sonst sein, dass den Grundstückseigentümern für ein einziges Windrad (Flächenbedarf 0,4 – 0,7 ha ( 4.000 – 7.000 m²) bei einem guten “windhöfigen” Standort 100.000, in Worten: Einhunderttausend, EURO Pacht, und zwar pro Jahr angeboten wird. Zudem wird den Investoren eine Kapital-Verzinsung von 8% versprochen. Und der Betreiber sackt dann trotz dieser irrsinnigen Zahlungen auch noch ordentliche Gewinne ein.
    Da ist etwas ganz gewaltig oberfaul: kapitalistische Umverteilung in gigantischem Ausmaß auf Kosten der Verbraucher-Habenichtse.
    Und das Ganze wird mit dem Gutmenschen-Klimaschützer-Gehabe verbrämt.

    • 28. Juni 2012 um 15:53 Uhr
    • alemann
  6. 6.

    pv ist die zukunft, denn sie ermöglicht es JEDEM menschen dezentral die einzige unerschöpfliche energiequelle der erde, die sonne unkontrolliert durch monopole und regierungen anzuzapfen und zu nutzen. der überschuss der sonnenenergie verhindert gleichzeitig die möglichkeit der künstlichen verknappung. deshalb muss die pv zur machterhaltung ideologisch bekämpft werden. doch die entwicklung lässt sich zum glück nicht mehr aufhalten (vergleichbar mit der “schwarm”kommunikation durch mobilfunk und internet). strom aus pv wird der erste globale, für die menschheit im überfluss vorhandene und abseits abschotteter machtstrukturen nutzbare “rohstoff” und damit der anfang einer ganz neuen, selbstbestimmten wertschöpfungskette werden. kein “geld” dieser welt kann diesen prozess aufhalten und sich allein die “pfründe” der sonne sichern. ausserdem beglückt uns dieser strahler noch +/- 4,5 mia jahre bevor er alle wird. genug zeit sich nach ersatz umzuschauen.

  7. 7.

    Fukushima war nicht genug!
    Wenn mann das alles so anhört wird es einem speiübel wie den alternativen Energien die Kosten vorgerechnet werden.
    Von den vielen Milliarden für den Betrieb und die Entsorgung der Atommeiler wird kein Wort verloren. Das wird den Verbraucher wohl nicht belasten?
    Eine Fabel und der Atomlobbyei sei dank.

    • 28. Juni 2012 um 16:25 Uhr
    • Schneider
  8. 8.

    ergänzend zur aktuellen situation:

    2012 werden rund 60 GW module gebaut, die produktionskapazitäten liegen dann bei geschätzten 80 GW.

    selbst ich als kleinunternehmer kann mittlerweile module ohne gewährleistung, aber mit voller leistung für 30 cent/Wp netto (50 cent brutto incl. halterung) kaufen. wenn ich den damit erzeugten strom nur verheize, komme ich auf die lebenszeit der module von 25 jahren minus degradation gerechnet auf kosten von 2 cent/kWh, wenn ich ac (“richtigen strom” mit netzwechselrichter) brauche, kostet mich die kWh max. 5 cent. selbst unsere “teure” anlage (modulpreis 1,59 €/kWp, module, wr, untergestell deutsch, eigenerrichtung, selbstfinanzierung ohne zinsdruck) von 2011 > http://commonman.de/wp/?page_id=3144 erzeugt den strom bei 25 jahren laufzeit zu 10 cent/kWh.

    das eeg wird mit dem weiteren preisverfall obsolet, völlig neue formen der nah-/direkt-/tauschvermarktung und nutzung entstehen.

    was uns die natur mit der photosynthese (und ihrem achso miesen wirkungsgrad) vormacht, schafft die intelligenz der menschen auch, die möglichkeit des lebens im überfluss. die sonne schickt uns jeden tag 8000 mal soviel energie, wie wir derzeit verbrauchen. auch das zehnfache geht ihr lachend am a…. vorbei.

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