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Offshorewindenergie: Neuer Wirbel um Stromnetzbetreiber Tennet

Von 15. August 2012 um 13:37 Uhr

Die armen Niederländer, möchte man fast sagen. Tennet, der Stromkonzern aus Arnheim, der unter anderem in Deutschland für den Anschluss der Offshorewindparks in der Nordsee sorgen muss, steht erneut im Fokus. Jetzt wurde bekannt, dass der Offshorewindpark-Betreiber Windreich den Stromnetzbetreiber erstmals vor der Bundesnetzagentur verklagt hat, weil Tennet die Steckdose auf See nicht pünktlich liefern kann. Im Raum stehen Schadensersatzforderungen in Millionenhöhe.

Die Klage ist brisant, denn gerade eben hat die Bundesregierung den Referentenentwurf vorlegt, der genau solche  Haftungsfragen für Offshorewindparks klären soll. Weil bislang unklar ist, wer eigentlich zahlt, wenn ein Offshorewindpark seinen Strom nicht ins Netz einspeisen kann, verzögert sich der Ausbau der Windenergie gerade immens, halten Windparkbetreiber ihre Investitionen zurück.

Der aktuelle Vorschlag der Regierung sieht vor, dass der Stromnetzbetreiber (also in diesem Fall Tennet) an den Windparkbetreiber 90 Prozent der entgangenen Vergütung aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz zahlen muss. “Aber wir wollen natürlich Erlöse aus produziertem Strom un

Leser-Kommentare
  1. 1.

    Da drängt sich die Frage auf: Wie viel on-shore-Wind- und Solar-Anlagen in Verbindung mit dezentralen Stromspeichern könnte man für eine Anschub-Finanzierung von besagten 15 Milliarden (!) EUR errichten?Nach meiner Überzeugung kämen beim Verbraucher mit dieser Politik schneller mehr grüne kWh an als mit dem monomanen Off-Shore-Aktionismus, der ja nur die Vormachtstellung der zentralen Versorger zementieren soll! Und einen Großteil der angeblich unverzichtbaren Strom-Trassen (nützen ja auch nur den großen Vier) würde man auch einsparen…

    • 15. August 2012 um 17:41 Uhr
    • Dr. Riedel
  2. 2.

    Wenn es sich hier um eine benötigte Summe von 15 Milliarden handelt, sind “Schadensersatz” “in Millionenhöhe” nicht zunächst sehr beunruhigend. Auch ist es erstaunlich bei einem so ungeprüften Technologieeinsatz, dass die Verträge Konventionalstrafen erlauben bzw Schadensersatz nicht ausschließen. Das wäre hoch spekulativ.

    • 15. August 2012 um 18:10 Uhr
    • joG
  3. 3.

    Lieber Dr. Riedel, zentrale vs. dezentrale Strukturen lassen sich immer gut diskutieren. Allerdings schliessen sich beide nicht aus, wie oft behauptet wird. Wir benötigen On- und Offshore-Wind genauso wie PV. Setzt sich am Ölmarkt die Gewissheit durch, dass wir Peak Oil bereits erreicht haben, wird sich das knappe Gut Öl massiv verteuern, ebenso Gas und später die Kohle (die wir wegen des Klimawandels nicht stärker nutzen sollten). Wir werden uns über jedes installierte Windrad und jede PV-Anlage noch freuen…

    • 15. August 2012 um 18:37 Uhr
    • fs
  4. 4.

    Der durch die Verzögerung geschädigte Betreiber des Projektes heißt WindMW. Meerwind ist der Name des Windparks und ein geschützter Markenname des Projektinitiators.
    Die Verzögerung ist auch im Zusammenfassung mit einem Positionspapier der Bundesnetzagentur zu sehen.

    • 15. August 2012 um 21:13 Uhr
    • Offshoreexperte
  5. 5.

    Warum hat hier Tennet eigentlich ein Monopol – ist das Knowhow patentrechtlich geschützt in deren Händen, oder haben die einen Deal gemacht mit allen Beteiligten? Normalweise kann man Verträge bei nicht erfolgter Nachbesserung auch kündigen.

    Sollte man die dann nicht lieber pleite gehen lassen und/oder aufkaufen?

  6. 6.

    Herr Riedel. Welchen “überschüssigen” Ökostrom wollen Sie denn speicher? Wisssen Sie immer noch nicht, daß PV nur einen Nettoertrag von 8% übers Jahr hat? Sicher wissen Sie auch nicht, daß es bei WKA onshor 16% sind! Offshore erhoffen sich die Betreiber eine Auslastung von 30% übres Jahr gesehen. Wo nehmen Sie den Ökostrom her, den Sie speichern wollen?N.b. Stromspeichern geht nur mit circa 50% Verlust!!

    • 16. August 2012 um 02:42 Uhr
    • horst Lauterbach
  7. 7.

    Ein bisschen mehr technischer Verstand wäre nicht schlecht.
    So nützen die durchschnittlichen Jahreserzeugungszahlen von H. Lauterbach nichts. Entscheidend ist die maximale Leistung – und da hat die Vattenfalkl schon einmal 1.500€/MWh (das sind 1,50€/kWh) bezahlt, um den Strom loszuwerden.
    Die Wirkungsgrade von Pumpspeicherkraftwerken sind deutlich höher, als 50%, nämlich über 80%. Leider können Pumspeicherkraftwerke nicht sehr viel Energie speichern – zum Ausgleich einer Flaute (Hochdruckwetterlage im Januar) sind sie ungeeignet. Die vielgepriesene Methanisierung hat – da haben Sie Recht – einen miserablen Wirkungsgrad von in Summe nicht viel besser als 25%.
    Zum Peak Oil – kein intelligenter Mensch verstromt Öl. Es gibt allerdings genügend Leute, die wollen unbedingt Gas verstromen – leider gibt es nicht extrem mehr viel Gas als Öl. Kohle gibt es hingegen noch genug. Bei Kosten von 100€/t Steinkohle beträgt der Kohlepreis am Strom ca. 2Ct/kWh. Mit unendlich viel Panik dann den Strom für ca. 20Ct Offshore oder per PV zu erzeugen, kann sich auch nur ein Land leisten, welches 1. sehr reich ist und 2. dessen öffentliche Meinung von Leuten beehrrscht wird, die für die Beherrschung der 4 Grundrechenarten schon ein Mathematikstudium für erforderlich halten.

    • 16. August 2012 um 11:08 Uhr
    • Hugo55
  8. 8.

    Noch ein bisschen Technik:

    noch nirgends auf der Welt wurde Netze gebaut, die ausschließlich mit Umrichtern (d.h. nur mit Elektronik, ohne rotierende Maschinen) betrieben werden. Alle diejenigen, die von Technik keine Ahnung haben (das sind nicht nur Politiker sondern schließt die Geschäftsführer der großen Elektrohersteller ein) halten das offensichtlich für trivial – ist es aber nicht.

    Ein intelleigentes Vorgehen wäre gewesen, erst einmal eine Anlage zu bauen, diese dann zum Laufen zu bringen und aus den Fehlern zu lernen. Tennet wird aber gezwungen, gleich im Dutzend diese Dinger ins Meer zu stellen. Und was ist, wenn das Ganze nicht funktioniert? Dann zahlen entweder die Stromverbraucher oder Tennet ist so schnell Pleite, wie wir garnicht gucken können.

    Wie ich gehört habe, sucht Tennet händeringend Geldgeber, die sich mit Eigenkapital an dem Offshore-Geschäft beteiligen. Nur zu – alle, denen es nicht schnell genug geht, können sich daran beteiligen. Dass Versicherungen sich gerne in einen Onshore-Netzbetreiber einkaufen, kann ich verstehen. Aber so blöd, das Offshore Risiko aufsichzunehmen, sind die – trotz gegenteiliger Meinung einiger Poitiker – wohl doch nicht.

    • 16. August 2012 um 12:01 Uhr
    • Hugo55
  9. Kommentare sind geschlossen.