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Vergütung für Solarstrom: Der Deckel wirkt

Von 30. Oktober 2012 um 18:20 Uhr

Manchmal macht es ja Spaß, in die Tiefen einer Excel-Datei herabzusteigen. Die Zahlen der Bundesnetzagentur zur Installation neuer Solaranlagen sind da wirklich aufschlussreich. Ende Juni hatte die Bundesregierung die Vergütungssätze für Solaranlange neu geregelt. Seitdem deckelt Deutschland, das Land der Energiewende, die Vergütung für Solaranlagen: Bei 52 Gigawatt installierter Leistung wird Schluss sein. Wer dann noch eine Solaranlage ans Netz bringt, kann das gerne tun – Geld von der Allgemeinheit gibt es aber nicht mehr dafür.

Zudem strich die Bundesregierung im Frühjahr die Fördersätze zusammen, unter anderem für große Solarparks. Wer im Januar noch einen großen Solarpark ans Netz nahm, der erhielt noch rund 18 Cent Vergütung für eine eingespeiste Stunde Solarstrom.

Geht die Anlage jetzt im Oktober ans Netz, sind es nur noch 12 Cent. Das mag nach sprichwörtlicher Pfennigfuchserei klingen, aber bei Großanlagen kommen da schnell beachtliche Summen zusammen. Großanlagen rentieren sich also immer seltener.

Der Rotstift der Bundesregierung hatte ja das Ziel, den unkontrollierten Solarboom abzuschwächen. Die Excel-Tabellen der Bundesnetzagentur zeigen, dass das in den vergangenen drei Monaten offenbar funktioniert hat: Wurden im Juni noch 1.791 Megawatt installiert, waren es im Juli nur noch 543 Megwatt und im August  329 Megawatt. Ein stetiger Rückgang.

Nun muss man allerdings sagen, dass der Juni ein wirklicher Ausreißer war. In dem Monat wurden so viele Anlagen ans Netz genommen, weil viele Besitzer noch schnell eine höhere Vergütung kassieren wollten. Ab Juli trat eine niedrigere Vergütungsstufe in Kraft.

Ähnliches könnte jetzt auch im September passieren. Ab Oktober wird die nächste Absenkung in Kraft treten. Mit Spannung erwarten daher die Solarverbände die aktuellen Zahlen für September. Die Bundesnetzagentur wird sie wahrscheinlich in den kommenden Tagen veröffentlichen.

Update 31.10.2012: Am Mittwoch hat die BNA die neusten Zahlen veröffentlicht. Demnach gingen im September 980 Megawatt ans Netz. 

Leser-Kommentare
  1. 1.

    Mit der installierten Leistung könnte man locker alle Haushalte mit Strom versorgen, wenn die Sonne immer scheinen würde. Für die Besserverdieneden tut sie das auch, die die EEG Umlagen kassieren.

    • 31. Oktober 2012 um 07:25 Uhr
    • nimmZeit
  2. 2.

    Der Deckel wirkt!
    Na da haben wir aber nochmal Glueck gehabt, all dieser wild ausufernde Solarstrom. Wie gut dass wir Politiker mit Deckel haben.
    Und Journalisten mit Brett.

    • 31. Oktober 2012 um 07:43 Uhr
    • Peter Braunbach
  3. 3.

    Gut.Jetzt werden demnächst die großen Stromkonzerne Subventioniert, damit diese Ihre Kraftwerke an Netz belassen können, damit sie bei einem Stromüberangebot Blindleistung zur Verfügung stellen oder bei Strommangel wieder am produzieren sind.

    Noch einen netter Nebeneffekt der nahezu Sinnlosen Subvention der Photovoltaik ist die Erschaffung eines künstlichen Marktes den man jetzt hat zusammenbrechen lassen. Nur hängen da wiederum sehr viele Arbeitsplätze und Schicksale dran.

    Ach ja dann noch die EEG Umlage wo die Frau Merkel EXTRA den Bürgern zugesichert hatte , dass die Stromkosten bzw. die Energiewende nicht auf den Schultern der Bevölkerung abgewälzt werden.

    Eine an der Realität orientierte Subventionspolitik, bürgernahe ehrliche Gespräche seitens der Politiker, einbinden Technologie relevanter Unternehmen , sowie eine direkt für die Energiewende zuständiges Ministerium (Zuständigkeit für: Netzausbau, Technologietransfer, Energieeffizienz usw. damit sich der derzeitige Wirtschaftsminister nicht angesprochen fühlt).
    Es kann auch nicht sein dass die Bundesländer im kleinen immer noch ein Mitspracherecht haben während das gesamte deutsche Energiesystem mittlerweile europäischen Charakterzüge annimmt.

    • 31. Oktober 2012 um 07:45 Uhr
    • F.L.O_o
  4. 4.

    Schade. Ich hätte gern ein paar Cent mehr für den Strom gezahlt, damit der “unkontrollierbare Zubau” weitergeht.

    • 31. Oktober 2012 um 08:01 Uhr
    • jkluge
  5. 5.

    “Der Rotstift der Bundesregierung hatte ja das Ziel, den unkontrollierten Solarboom abzuschwächen.”

    ich kann nur sagen, durch die Hintertür zurück zur Atomkraft: https://www.youtube.com/watch?v=dgtJg0GBCjU

  6. 6.

    Die Betreiber von Solaranlagen kassieren keine Umlage, sie erhalten die festgelegte Einspeisevergütung. Die Umlage ergibt sich aus der Differenz zwischen dem Börsenpreis für eine Kilowattstunde und dieser Einspeisevergütung.

    Und die “Besserverdienenden”, die angeblich die armen Menschen in diesem Lande aussaugen, haben viele Möglichkeiten, ihr Geld anzulegen. Sie können auch spanische Staatsanleihen kaufen oder mit Lebensmitteln spekulieren. Ein treffendes Argument speziell gegen die Erneuerbare Energie ist das nicht.

  7. 7.

    Hier wirkt nicht die als Deckel bezeichnete, vom Zubau abhängige Degression, sondern die Sonderkuerzung der Förderung.
    Und wozu einen Bericht unmittelbar vor Bekanntgabe neuer Zahlen??

    • 31. Oktober 2012 um 09:14 Uhr
    • meerwind7
  8. 8.

    Frau Uken, Ihre Behauptung “Großanlagen rentieren sich also immer seltener” lässt sich so pauschal aus den aktuellen Zahlen der BNetzA nicht ableiten. Eher das Gegenteil:

    Kleinstanlagen bis 5 kWp (wie sie typischer Weise auf Einfamilien-Reihenhäusern stehen) liefern in 2012 bisher (bis August) gerade noch 1,2 % der neu installierten Leistung (2009 2,05 %; 2010 1,43 %; 2011 1,74 %). In kleinen Anlagen bis 50 kWp (eine grob geschätzte Grenze für Anlagen auf nicht-gewerblichen Dächern) kamen in 2012 bisher 25,59 % der neu installierten Leistung hinzu (2009 52,47 %; 2010 43,01 %; 2011 35,47 %).

    Durch die ständigen Kürzungen der Einspeisevergütung sind sicher Solaranlagen insgesamt weniger rentabel geworden. Allerdings betrifft das deutlich weniger größere als vor allem kleine (und kleinste) Anlagen.

  9. Kommentar zum Thema

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