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Stromtrassen für die Energiewende: großes Interesse am Bürgernetz

 

Die Idee ist ja simpel: Warum sollen sich Bürger nicht nur finanziell an Windrädern beteiligen, sondern nicht auch an Stromleitungen? Bürgernetz lautet die Idee, über die wir bei ZEIT ONLINE ja schon öfter berichtet haben. Die Arge Netz, ein Zusammenschluss von Windparkbetreibern, und das Stromnetzunternehmen Tennet wollen in Schleswig-Holstein das erste Bürgernetz Deutschlands realisieren.

Stromtrassenbau bei Bützow nahe Rostock © Sean Gallup/Getty Images
Stromtrassenbau bei Bützow nahe Rostock © Sean Gallup/Getty Images

Bei Friesen (und Dithmarschern, wie ich gelernt habe) stößt die Idee auf eine überraschend große Nachfrage: Mehr als 100 Personen haben in den vergangenen Wochen ernsthaftes Interesse bekundet, teilweise sogar schon konkrete Euro-Beträge als Beteiligung genannt. Und dass, obwohl das Bürgernetz noch gar nicht beworben wird. „Die Zustimmung ist enorm, täglich melden sich Leute bei uns und wollen mitmachen“, sagt Arge-Geschäftsführer Martin Grundmann.

Mindestens fünf Prozent Rendite schweben Grundmann und Bundesumweltminister Peter Altmaier vor. Der Minister unterstützt die Idee und hat eine Beteiligung von rund 500 Euro ins Spiel gebracht. Die Rendite ist nicht unrealistisch, schließlich können die Netzbetreiber, dank Bundesnetzagentur, mit Garantierenditen von neun Prozent kalkulieren.

Schon bis zum Jahresende will Grundmann eine Gesellschaft gegründet haben, die das Geld einsammelt. Wie es dann weitergeht, ist noch unklar. Es gibt zwei Möglichkeiten. Entweder wird eine eigene regionale Netzgesellschaft gegründet, welche die Stromleitungen baut und an der sich die Bürger beteiligen. Oder die Beteiligungsgesellschaft erwirbt direkt Anteile an Tennet und erhöht so das Eigenkapital des Stromnetzbetreibers.

Mehr Charme hat allerdings die erste Variante, da die Bürger sich wirklich an der Stromleitung auf ihrem eigenen Acker beteiligen könnten. Schließlich ist das Projekt ja deswegen in aller Munde, weil es die Akzeptanz der Bürger zum Stromleitungsausbau fördern soll. Noch ist die Arge Netz in Verhandlungen mit Tennet. Der Netzbetreiber teilt mit, dass er zurzeit die „rechtlichen und regulatorischen Fragen kläre“.

Grundmann kann es nicht schnell genug gehen. Schon im kommenden Jahr will er am liebsten den ersten Bürgernetzfonds auf den Weg gebracht haben. 2015 soll mit dem Bau der ersten Trasse begonnen werden. Zwei Jahre später könnte der erste Bürgerstrom fließen. Und vielleicht auch nach Niedersachsen. Dort interessieren sich inzwischen auch die ersten Kommunen für die Idee des Bürgernetzes.

 

52 Kommentare

  1.   bluepoint

    Wer bezahlt denn die zu erwartende Rendite?
    Es wird so langsam Zeit, dass das Volk aufsteht gegen die Volksenteigner und Totengräber Deutschlands und auch gegen die Propagandisten und Steigbügelhalter der sogen. „Energiewende“.


  2. Die Rendite dürfte wohl aus den Durchleitungsentgelten entstehen, die die Stromerzeuger dem Netzbetreiber zahlen müssen.

    Klingt nach einer sinnvollen Investition. Millionenfach besser jedenfalls, als fast zinsfreie Kredite an Tennet, um den Netzausbau zu „fördern“.

  3.   jochen rattig

    Friesen wohnen in Friesland und Schleswiger und Holsteiner in…na?

  4.   wd

    Die Rendite zahlt der kleine Mann.
    Verdienen tut der Landbesitzer über die unverschämte Pacht, die Gemeinde an den unverschämten Konzessionsabgaben und der Betreiber (der auch die Betriebs- und Instandsetzungskosten bezahlt und auch eine staatliche Gewinngarantie bekommt). Bezahlen werden es die kleinen Stromkunden, die in ihrer Unwissenheit dann etwas von den Gewinnen der bösen Konzerne faseln.


  5. Meine Wette…

    Nicht ein einziger der Kommentatoren, die Hier jetzt gegen die „Abzocke“, den „Irrsinn“, die „Enteignung“, „Veruntreuung“ usw. jammern wird in 20 Jahren sagen wir hätten zu viele Erneuerbare aufgebaut.

    Im Gegenteil. Staaten die jetzt meinen in 20 Jahen, preiswerte, einfach zu fördernde und in ausreichender Menge verfügbare fossile Energierohstoffe zu haben, werden bei Kerzenlicht und Holzfeuer, neidisch auf Staaten Blicken, die jetzt die scheinbar teuren Erneuerbaren Netzte aufgebaut haben.

    Selbst wenn es mit den Speichern nicht klappen würde…

    Besser bei Wind und Sonne Strom haben, als dann als importland nichts mehr zu bekommen.

  6.   Erwin

    20 Jahre soll das gehen? Schauen Sie sich mal an, wer u.a. Eigentümer der Netze ist. Da haben wir so illustre Unternehmungen wie Commerzbank, ERGO und ärztliche Versorgungswerke. Fachkompetenz sieht irgenwie anders aus. Das Einzige was die wollen ist Rendite. Sofern es beim Betreiber selbst noch Fachleute in der Führungsetage gibt – was ich hoffe, aus gutem Grund jedoch bezweifle – wird eben durchregiert. Ansonsten ist ohnehin Abzocke angesagt. Der hiesige Grundversorger war im vergangene Jahr auch der Meinung, er müsste mich – mal wieder – bescheissen, hat sich dabei – mal wieder – zu dämlich angestellt (ich bin da gar kein Kunde). Knapp ein Jahr später, nach Einschaltung des Eichamtes und der Androhung einer Anzeige wegen Betruges mussten die – mal wieder – klein beigegeben. Das die jetzigen Netzbetreiber und Versorger befähigt, willens und in der Lage sind, die „Energiewende“ zu stemmen, glaube ich nicht. Im Übrigen Holzfeuer werden unsere „grünen“ Freunde schon zu verhindern wissen. Auf der anderen Seite: Holz ist ein schnell nachwachsender Energieträger…

  7.   Felefon

    @#4:

    Sie übersehen, daß unsere europäischen Nachbarn den Ausbau der Kernenergie forcieren.

    Sie übersehen auch, daß unsere europäischen Nachbarn bereits möglicherweise Maßnahmen gegen die deutsche Zwangseinspeisung hochsubventionierten Zufallsstroms ergreifen.

    Ich denke, in 20 Jahren wird in Europa keiner mehr einen Pfifferling für sinnlose PV-Anlagen oder Winddrehdinger verschwenden.

    Auch das Fischer/Schröder-sche Gas-Imperium ist eine Katze ohne Maus.

    Die US-Amerikaner, die wir gemäß des früheren Außenministers Fischer allerdings „nicht zu kritisieren hatten“ denken gerade großflächig um und werden mit ihrer Shale-gas-technolgie den globalen Markt noch einmal umorientieren.

    Wie die Stromversorgung in Deutschland und Europa in 20 Jahren aussehen wird – darauf bin ich genaiso gespannt wie Sie.

  8.   Felefon

    Die neue „Volksaktie“ ????

    Ich sage nur TELEKOM.

  9.   Tom Schülke

    Felefon,

    Sie haben eine Meinung zur Energieversorgung, aber Ihr Hintergrundwissen ist wie bei den meisten Bürgern geprägt, von den Jubelmeldungen der Energiekonzerne, die , wer möchte es Ihnen vergelten, an der Börse gerne mal ein bischen die passenden Zahlen streuen.

    Ganz im ernst.

    Ihr Glaube an das Shalegas in den USA ist um es ganz klar zu Formulieren vollständig verfehlt. Warum ?

    Weil die Daten die ständig und ständig in der Boulevardpresse über diese Gasvorräte wiederholt wird schlicht vereinfachtend, veraltet und in der Form wie wir sie erhalten einfach Falsch sind.

    „Die Behauptung, dass unter den USA genug Erdgas für die nächsten 100 Jahre lagern, entstammt einem Bericht, der im April 2011 durch das Potential Gas Committee, einer Organisation bestehend aus Erdöl-Ingenieuren und Geowissenschaftlern, veröffentlicht wurde“

    In diesem Bericht einer nicht ganz neutralen Organisation, wurden die sehr optimistischen Schätzungen der gesamten möglicherweise in Amerika im Boden befindlichen Ressourcen, sprich der nachgewiesenen Reserven, zuzüglich der wahrscheinlichen Reserven und der spekulativen Reserven zusammengefasst.

    Bei gleichbleibendem Verbrauch, kommt man dabei auf 100 Jahre Gas…

    Allerdings wäre das So, als würden Sie zur Bank gehen und sagen, mein gesichertes Einkommen, zuzüglich der wahrscheinlichen Gehaltserhöhungen zuzüglich der spekulativ möglicherweise möglichen Einkommenszugewinne macht mich nächstes Jahr zum Millionär…

    Und genau diese Zahl schwirrt nun in der Presse und in den Köpfen um.

    Nachgewiesene Reserven reichen bei linearem USA verbrauch für 10 !!! nicht 100 Jahre.

    Wahrscheinlcihe Reserven reichen für 20!!! Jahre.

    Allerdings erreichen auch die Gasreserven bei der Förderung einen Höhepunkt deutlich vor dem Versiegen der Gasquelle, so dass wir in 10-15 Jahren mit einem Rückgang des Frackinggasbooms in den USA rechnen müssen..

    Sie wollen es nun genauer haben ?

    Bitte lesen Sie mal diesen Link.. von einem Geologen der Association for the Studies of Peak Oil and Peak GAs ( ASPO )..

    http://www.peak-oil.com/2012/11/what-the-frack/

    Seien Sie versichert.. Beim Öl sieht es ähnlich aus.

  10.   Tom Schülke

    Felefon,

    Noch ein Nachtrag zur Kernenergie..

    Ich bin nicht dagegen, Kraftwerke der 4. Generation zu realisieren… das könnte ein Weg aus der Sackgasse der Energieversorgung sein die uns droht, wenngleich uns das nicht das Öl ersetzen würde.

    Doch wenn Sie auf Kraftwerke alter Bauart verweisen, muß ihnen klar sein, dass die kernkraft weltweit lediglich einen Anteil von 6% am Energiemarkt hat.

    Sollten wir Planen damit die schwindenden Öl und GAs, sowie Kohlereserven auch nur teilweise zu substituieren, werden wir die Vorräte in weniger als 20 Jahren vollständig erschöpft haben.

    Es geht alles darum, rechtzeitig , vor dem Rückgang der weltweiten Nettoenergieversorgung, ausreichend Ersatzkapazitäten aufzubauen. Und das werden Vorrangig EE sein müssen.

    Gelingt uns dieses nicht, läuft die Gesellschaft in eine gefährliche Falle, da zum Aufbau von EE ersatzstrukturen gigantische Energiemengen notwendig sind, die genau dann aber fehlen werden.

    Dieses ist gravierend und fließt nur selten in unsere Überlegungen ein, da alle Welt nur in Monetären denkbahnen denkt, aber übersieht, dass nach einem Peak Oil , Energie das nadelöhr ist.

    Hier die genaue Erklärung…

    http://www.peak-oil.com/2012/07/die-energiefalle/