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Nordostpassage: Gastanker in Tabuzone

Von 26. November 2012 um 18:16 Uhr

Die BBC meldet, dass erstmals ein Gastanker eine Abkürzung durchs Nordpolarmeer gewählt hat. Ob River, ein Tanker mit rund 150.000 Kubikmetern Gas an Bord, ist unterwegs vom Flüssiggas-Terminal Hammerfest in Nordnorwegen nach Japan. Statt, wie normal, den Weg durch den Suezkanal und an Indien vorbei zu wählen, fährt das Schiff entlang der russischen Küste nach Japan. Das spart Zeit und Geld, schließlich ist diese Passage rund 8.000 Kilometer kürzer als die Suez-Route.

Es ist das erste Mal, dass ein Gastanker diese Strecke fährt – und damit ein Tabu bricht. Bislang interessieren sich vor allem Containerreedereien und Massengutfrachter für die Strecke. Immer wieder gibt es Berichte darüber, dass Handelsschiffe die Strecke nutzen, weil das Nordpolarmeer wegen des Klimawandels immer öfter eisfrei ist.

Nun geht es um heiklere Fracht an Bord. Der russische Gaskonzern Gazprom schickt Flüssiggas durch die Passage. Umweltschützer warnen vor Schiffsunglücken in der sensiblen Polarregion. Sie befürchten, dass dem Gastanker in Kürze schon der erste Öltanker folgen könnte. “Wir verfolgen diese Entwicklung mit großer Sorge”, sagt Greenpeace-Experte Jörg Feddern. Während sich die Crew, so der BBC-Bericht, vor allem darüber freut, Eisbären in freier Natur zu sichten, verweist Feddern auf mögliche Schiffsunfälle und austretendes Schweröl.

Er legt damit den Finger in die Wunde, denn bislang ist die Region regulatorisch noch Wilder Westen. Die Internationale Maritime Organisation (IMO) hat bislang nur für die Südpolarregion Richtlinien verabschiedet. Hier dürfen Schiffe nicht mit Schweröl als Treibstoff unterwegs sein. Diese zähe Pampe ist ein Abfallprodukt aus den Raffinerien und würde bei einem Unfall die Polarregion aus dem ökologischen Gleichgewicht bringen. Für den Nordpol aber gibt es noch keine entsprechenden Vorgaben. Zwar entwickelt die IMO zurzeit einen Polarcode. Er bezieht sich aber auf technische Bedingungen ans Schiff, die Frage “Schweröl als Treibstoff” rührt er nicht an. Und seine Verabschiedung wird wohl noch Jahre dauern.

Das Verrückte an der Erstdurchquerung des Gastankers: Sie ist die Folge des Gasbooms in den USA. Das Flüssiggas-Terminal in Hammerfest war ursprünglich geplant, damit Norwegen Unmengen Flüssiggas (LNG) in die USA exportieren kann. Nun erschließen sich die USA selbst ihre Gasreserven – und irgendwo muss das LNG ja hin. Traditionell schon immer ein Abnehmer, kauft Japan jetzt die Mengen. Sicher, unter Klimaschutzaspekten ist Erdgas immer noch besser, als Kohle zu verbrennen. Aber die Fahrt des LNG-Tankers zeigt: Diese Entwicklung hat möglicherweise Kollateralschäden.

Leser-Kommentare
  1. 1.

    Die Menschheit legt es einfach darauf an. Wir sind wie Süchtige, Energie-Junkies die wissen, dass der nächste Schuss nach hinten los gehen kann, dass es tödlich enden wird. Aber wir finden immer wieder gute Gründe, Selbstbetrug, warum wir das tun müssen. Und wenn die tief verletzten Venen schon einmal offen sind, dann können wir noch schmerzfreier unseren vermeindlichen Lebenssaft in sie hineinpressen. Und sie werden immer offener, bis wir verbluten. Aber das dauert ja noch. Und “hoffentlich” werden wir uns noch viele Lust bringende Schüsse und Fahrten gönnen dürfen. Einen Junkie interessiert das Ende nur selten, um seine Kinder kümmert er sich ohnehin nicht.

    • 26. November 2012 um 21:22 Uhr
    • infernum
  2. 2.

    “weil das Nordpolarmeer wegen des Klimawandels immer öfter eisfrei ist.”

    Wiki Nordostpassage:
    Im Jahr 2012 soll das Frachtaufkommen wieder auf 5 Millionen Tonnen anwachsen, gegenüber 3 Millionen Tonnen 2011. Damit wäre das Niveau der späten Sowjetzeit wieder erreicht.

    Mit den russischen Atom-Eisbrechern der Arktika-Klasse gibt es immer eine Nordostpassage.

    • 27. November 2012 um 02:19 Uhr
    • BrigiteL
  3. 3.

    es kann genutzt werden, es wird weniger treibstoff verbrannt; jetzt öl über den norden, ja, risiko. und evt. altölverklappung in diesen heiklen gewässern. mit der selbstreinigung in kalten wasser ist das eine sache für sich.
    abwägung: es kann probiert werden unter gesteigerter sicherheit.

  4. 4.

    Die Komet lief ab Juli 1940 mit Hilfe sowjetischer Eisbrecher durch die Nordostpassage in ihren Einsatzraum im Pazifik.

    Die Benutzung der Nordostpassage ist also so neu nicht.

    • 27. November 2012 um 10:10 Uhr
    • ngw16
  5. 5.

    Wieder ein Vorteil der Klimaerwärmung. Eine um 8000km kürzere Strecke
    spart viel Treibstoff und damit CO2.
    Übrigens, das weltweite Erdgasüberangebot wird der deutschen
    “Hochpreisenergiezone” noch zu schaffen machen.
    Die Energiewende wird damit immer weniger wettbewerbsfähig.
    Die Kostenschere zwischen den sog. alternativen Energien und
    den traditionellen Öl, Kohle, Gas, Kernergie öffnet sich immer
    weiter. Zahlen muß den Wohlstandsverlust der deutsche Verbraucher.
    Die Hoffnung der Energiewende , daß sich die Kostenschere durch
    Verteuerung von Öl, Kohle, Gas rasch schließt hat sich als falsch
    erwiesen. Die wahre Energiewende findet in den USA statt. Zum Nutzen
    der amerikanischen Volkswirtschaft.

    • 27. November 2012 um 10:23 Uhr
    • Halapp
  6. 6.

    @Halapp #5: “Wieder ein Vorteil der Klimaerwärmung”
    Stimmt schon, jedes Ereignis kann – je nach Sichtweise – auch Vorteile haben: Auch der Rassenwahn eines Anders Breivik hat letzlich bestimmt dazu beigetragen, dass in Norwegen ein paar hübsche Immobilien frei geworden ist. Der Dissens zwischen Ihnen und mir liegt lediglich darin, dass wir solche “Vorteile” im Verhältnis zur Gefährdung von Menschen und Mitwelt unterschiedlich gewichten.

  7. 7.

    Wow, hier wurde aber nun wirklich krampfhaft und konstruiert nach einem Artikelaufhänger gesucht!

    Selbstverständlich werden die LNG-Tanker auch mit Erdgas betrieben, da man ansonsten das unterwegs zur Kühlung zu verdampfende Gas einfach “wegschmeissen”, also unverbrannt in die Atmosphäre entlassen müsste.
    Von daher ist ein LNG-Tanker aus Umweltgesichtspunkten das Beste, was man sich als Transport(Mittel) in arktischen (und anderen) Gewässern vorstellen kann.
    Dass nun Erdgas ebenso ein Brennstoff wie Erdöl oder Schweröl ist, spielt doch nicht die geringste Geige.

    • 27. November 2012 um 14:33 Uhr
    • Flari
  8. Kommentar zum Thema

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