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Moderiese Zara verzichtet auf Schadstoffe

Von 30. November 2012 um 08:54 Uhr
© Teresa Novotny / Greenpeace

© Teresa Novotny / Greenpeace

Das ist mal eine gute Nachricht. Das Modeunternehmen Zara, das zu der spanischen Kette Inditex gehört, hat Greenpeace zugesichert, bis zum Jahr 2020 alle umwelt- und gesundheitsschädlichen Chemikalien aus der Produktion zu verbannen. Bis zum Frühjahr kommenden Jahres will das Unternehmen außerdem veröffentlichen, welche Risiko-Chemikalien die Zulieferer verwenden, darunter 40 Firmen aus China – und zwar in welchen Mengen, an welchen Standorten und in welchem Jahr. Zudem sichert Zara zu, in den kommenden Jahren auf PFC zu verzichten. Diese Chemikalien machen unter anderem Textilien wasserabweisend – und gelten langfristig als gesundheitsschädlich.

Als einen “Meilenstein für saubere Textilproduktion” und eine “Transparenz-Revolution” bezeichnet Greenpeace die Entscheidung von Zara. Dass da etwas dran ist,  zeigen allein die Marktdaten von Inditex: Der Konzern ist die größte Modekette der Welt, rund 850 Millionen Tonnen Textilien verkauft der Konzern weltweit im Jahr. In Deutschland sind vor allem die Töchter Zara und Massimo Dutti bekannt. Mehr als 5.600 Filialen betreibt das Unternehmen auf der ganzen Welt. Inditex erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen Umsatz von 13,8 Milliarden Euro.

Greenpeace legt nun Wert darauf, dass es die Konsumenten selbst waren, die den Modekonzern zum Einlenken bewegt haben. Diese wollten eben keine giftigen Chemikalien in ihrer Kleidung.

Das ist sicherlich richtig. Greenpeace hatte in Kinder-Jeans von Zara krebserregende Amine festgestellt. Zugleich betont die Organisation, dass das Tragen der Zara-Kleidung keine unmittelbar gesundheitlichen Folgen habe.

Der weit wichtigere Erfolg der internationalen Detox-Kampagne ist jedoch der Schutz der Arbeiter und der Umwelt in den Produktionsländern. Der Brand in der Textilfabrik in Bangladesch am vergangenen Wochenende hat erneut einen Einblick in die Nähstuben dieser Branche gewährt – und die teilweise katastrophalen Umstände deutlich gemacht. Gerade die Textilindustrie ist extrem wasserintensiv, sauberes Trinkwasser wird in den Herstellungsländern immer knapper. Allein in China hat ein Drittel der Bevölkerung keinen Zugang dazu. Die Textilproduktion gilt dort als einer der größten Verschmutzer der Gewässer.

Wenn die Textilwirtschaft aufgrund von Kampagnen wie nun von Greenpeace umdenkt, dann mag das wichtig für die Käufer hierzulande sein. Aber es ist ebenso ein großer Erfolg für die Umwelt und die Gesundheit der Arbeiter in Asien und anderswo. Nun müssen nur noch andere Ketten wie Benetton, Esprit und Victoria´s Secret folgen.

Leser-Kommentare
  1. 1.

    Klingt auf jeden fall schon einmal gut. Die Frage ist bloß ob es eingehalten wird oder nur eine kurzfristige PR Aktion ist. 2020 will tell.

    • 30. November 2012 um 09:49 Uhr
    • Frank
  2. 2.

    Gut, aber bis 2020 ist ja wirklich ein bischen zu lange…

    • 30. November 2012 um 11:17 Uhr
    • joachim
  3. 3.

    Hallo Frank
    sicher, Skepsis ist geboten. Aber kommendes Frühjahr soll es ja schon einen ersten Transparenzbericht geben. Warten wir den mal ab, oder?
    Besten Gruß
    Marlies Uken

  4. 4.

    “Der Konzern ist die größte Modekette der Welt, rund 850 Millionen Tonnen Textilien verkauft der Konzern weltweit im Jahr. [...]
    Greenpeace legt nun Wert darauf, dass es die Konsumenten selbst waren, die den Modekonzern zum Einlenken bewegt haben. Diese wollten eben keine giftigen Chemikalien in ihrer Kleidung.”

    Greenpeace-Spin. Man finde den Fehler.

    Angst-Kampagnen sind abzulehnen. Krebserregende Stoffe bei Kindern, ohne diese wirklich nachweisbar zu gefährden? Einfach widerlich, diese Instrumentalisierung von Urängsten. Fakt: Das Leben an sich ist bereits krebserregend, es bleibt ein Risiko selbst bei Aufenthalt im Freien nur im ABC-Anzug (der zur Herstellung übrigens der chemischen Industrie bedarf). Die Frage ist also eher, ob die Benutzung von Chemikalien mehr positiven als negativen Effekt hat. Und die ist eben längst nicht so einfach beantwortet. Wir benutzen diese Chemikalien (“Gift”!) ja nicht grundlos.

    Auch wenn ich die Bemühungen um Verwendung schonenderer Mittel begrüße, gibt es Grenzen. Z.B. da, wo suggeriert wird, es ginge ohne etwas, ohne den Grund verstanden zu haben. Ich mag wasserabweisende Kleidung, hier regnets viel. Muss ich wohl demnächst ausgiebigst zu Hause einsprühen. Und natürlich werde ich meine Kleidung auch in Zukunft nicht nur mit Wasser und mechanisch waschen.

    • 30. November 2012 um 11:31 Uhr
    • MrWho
  5. 5.

    Wir Konsumenten (also Sie, meine Familie und ich und die meisten Leser hier) sind es, die dem schönen Schein der Werbeindustrie folgen und gedankenlos das nehmen, was dargeboten wird. Wir alle finden es schick, praktisch und bequem, die neuesten Trends mitzunehmen. Dabei wissen wir oft gar nicht, oder blenden es aus, welche Folgen unser Konsum in den Herstellungsländern zur Folge hat. Wir selber sind daher verantwortlich, handeln aber nicht entsprechend (ich schliesse mich da ausdrücklich ein). Da wir also die Macht (eigentlich auch Pflicht) des Verbrauchers nicht nutzen, finde ich es vorbildlich, dass eine Organisation wie Greenpeace den Hebel genau an der richtigen Stelle ansetzt, um eine Veränderung zu bewirken. Denn es geht vielfach auch anders. Und was passiert, wenn nichst getan wird, sieht man an dem gigantischen Plastikmüllstrudel im Ozean, oder bei allen sonstigen Umweltsünden, die einzig durch unser Konsumverhalten ausgelöst werden. Also mein Bravo an Greenpeace und weiter so!

    • 30. November 2012 um 12:16 Uhr
    • Oeyn@ktiv
  6. 6.

    “Einfach widerlich, diese Instrumentalisierung von Urängsten.”

    Dann haben Sie sicherlich nichts dagegen, in den betreffenden Fabriken zu arbeiten, dort zu wohnen oder auf Wasser aus den entsprechenden Flüssen angewiesen zu sein. Aber keine Sorge, das Gift ist nicht aus der Welt, es erreicht auch Sie.

    Einfach widerlich, nur seine eigene kleine Welt zu sehen und nichteinmal den Tellerrand wahrzunehmen, geschweige denn darüber hinaus.

  7. 7.

    Zahlen falsch?

    Umsatz=13,8 Milliarden
    Menge=850 Mio. Tonnen = 0,85 Milliarden Tonnen
    >>
    Umsatz/Tonne=16 EUR/Tonne=1,6 Cent / kg

    da kann etwas nicht stimmen

    • 30. November 2012 um 13:17 Uhr
    • zeitkom
  8. 8.

    Toller Schritt in die richtige Richtung!

    • 30. November 2012 um 13:25 Uhr
    • Lea
  9. Kommentar zum Thema

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