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Wenn Solarworld eine Zukunft hat, dann wohl nur im Ausland

Von 25. Januar 2013 um 17:55 Uhr
Solarworld-Chef Frank Asbeck, © Oliver Berg/dpa

Solarworld-Chef Frank Asbeck, © Oliver Berg/dpa

An dieser Stelle leiste ich heute einmal Übersetzungshilfe bei der jüngsten Ad-hoc-Mitteilung von Solarworld, Deutschlands letztem ernst zu nehmenden Solarunternehmen. Das Unternehmen spricht davon, dass “gravierende Einschnitte bei den Verbindlichkeiten der Gesellschaft, insbesondere den ausgegebenen Anleihen und Schuldscheindarlehen notwendig” seien. Zugleich gehe Solarworld aber davon aus, dass es “eine überwiegende Wahrscheinlichkeit” gebe, dass die Restrukturierung klappe und es eine “positive Fortführungsprognose” gebe.

Das heißt im Klartext: Es steht so schlecht um Solarworld, dass die Anteilseigner und Kreditgeber eventuell einen Schuldenschnitt in Kauf nehmen müssen. Solarworld-Chef Frank Asbeck betont zwar, dass es nicht um eine Insolvenz gehe. Aber was sonst soll sich hinter dem Wort “Fortführungsprognose” in Kombination mit “überwiegende Wahrscheinlichkeit” verbergen?

Auf jeden Fall ist die Lage so angespannt, dass das Unternehmen schon im vergangenen Jahr Stellen gestrichen hat, auf Kurzarbeit umstellen musste und offenbar jetzt auch Lohneinbußen für die Mitarbeiter im Gespräch sind.

Dass sogar ein so großes Unternehmen wie Solarworld ins Taumeln gerät, liegt vor allem am Preisverfall für die Solarmodule. Deutschland setzt zwar fast exzessiv auf Solarstrom. Aber die verbauten Module kommen vor allem aus Asien. Asbeck wettert schon seit Monaten gegen China und unterstellt der Regierung in Peking gezielte Dumpingpolitik (weswegen die USA schon jetzt Importzölle auf chinesische Solarmodule eingeführt haben und die EU es erwägt). Inzwischen sitzt Solarworld auf Schulden von mehr als einer Milliarde Euro. Und das Vertrauen der Anleger ist weg: Nach den jüngsten Meldungen brachen die Solarworld-Anleihen auf ein Viertel ihres Nennwerts ein.

Was tun? Das Problem ist: Die Fertigung eines Massenprodukts wie Solarzellen ist in China beziehungsweise Asien einfach günstiger zu haben als hier. Noch setzt Asbeck auf Durchhalteparolen und auf “deutsche Qualität”. Aber ob das Solarwirten am Ende so wichtig ist, wenn es um die Rendite ihrer Anlage geht und es vielleicht kurzfristig günstiger ist, auf ein chinesisches Billig-Modul zu setzen?

Die Entwicklung in der gesamten Solarbranche, die Insolvenzen von ehemaligen Prestigefirmen wie Q-Cells, Sovello, der deutschen First Solar zeigen gerade, dass die Fertigung von Solarzellen in Deutschland offenbar keine Zukunft hat. Es wäre eine riesige Überraschung, wenn gerade Solarworld sich erfolgreich gegen diese Entwicklung stemmen könnte.

Dabei ist es ja nicht so, dass Solarworld nur in Bonn und dem sächsischen Produktionsstandort Freiberg vor sich hinwerkelt. Der Konzern mit seinen rund 2.500 Mitarbeitern ist im Ausland präsent, in Singapur, in den USA, selbst in Südafrika. Jetzt aber kommt es darauf an, sich smarter aufzustellen, wenn man in dem Preiskampf überleben will. Und das wird wohl heißen: Vielleicht können Forschung und Entwicklung in Europa bleiben. Aber Produktion und Fertigung wandern wohl dorthin, wo es vor allem günstig ist. Und das heißt: nach Asien.

Leser-Kommentare
  1. 1.

    …Deutschlands letztem ernst zu nehmenden Solarunternehmen….

    Dazu gehört IMHO auch noch SMA SOLAR mit 4.000-5.000 Mitarbeitern, die gegenüber allen anderen Solarunternehmen noch im vergleich recht gut dastehen.

    • 25. Januar 2013 um 18:58 Uhr
    • Sebastian
  2. 2.

    Hi Sebastian
    das stimmt, gebe ich gerne Recht. Aber hier geht´s ja um die Modulhersteller.
    Beste Grüße und schönes Wochenende
    Marlies Uken

  3. 3.

    Der Klartext ist vollkommen richtig. Selbst wenn man hier außerhalb der Insolvenz gestalten will, ist das vom Zustand des Unternehmens und von den beabsichtigten Maßnahmen her sehr nahe dran. Die “Positive Fortführungsprognose” muss man ja auch nicht als wahrscheinlich (!) behaupten, wenn alles in Bilanz und GuV klar ist.
    Oder anders gesagt, wenn man auf Sicht zahlungsfähig wäre und bliebe, warum sollte man sich dann bei unstrittigen Verpflichtungen um einen Schuldenschnitt bemühen und warum sollten die Gläubiger in dem Fall verzichten?
    Wenns schief geht, muss man dann sogar sehr zügig zum Amtsgericht, weil man ja durch die Vergleichsgespräche deutlich signalisiert, wo man steht.

  4. 4.

    Dank der Unfähigkeit von Schwarzgelb!

    Übrigens wird bei QCells in Freiberg (bisher) weitergearbeitet, nur unter anderen Eigentümern. Die Asiaten wissen im Gegensatz zu unserer Bundesregierung welche Industrie Zukunft hat.

    Da ändert auch nichts daran daß selbst wenn die Module aus Fernost kommen immer noch 70% der Wertschöpfung einer PV-Anlage in Dtl erfolgt.

    • 25. Januar 2013 um 19:34 Uhr
    • achimvr
  5. 5.

    Nie wurde in Deutschland und weltweit mehr Photovoltaik installiert als 2013, trotz Kürzung beim EEG. Dies nützt natürlich am Ende gar nichts, wenn die deutschen Firmen einfach international nicht konkurrenzfähig sind.

    Die irrwitzige Förderung der Photovoltaik in Deutschland hat am Ende leider keine Arbeitsplätze geschaffen.

    Trotdem ist die Photovoltaik auch in Deutschland ertragreich, was die Ausbeute in Kilowattstunden anbetrifft. Ein Quadratmeter sind etwa ein Siebtel (0,14) von einem Kilowattpeak und bringt einen Ertrag von 140 Kilowattstunden pro Jahr. Dies ist etwa das hundertfache des Ertrags eines Papsfeldes.

    http://elweb.info/dokuwiki/doku.php?id=berechnung_rapsenergiertrag

    • 25. Januar 2013 um 19:36 Uhr
    • OlbersD
  6. 6.

    Da es in Deutschland immer feindlicher gegenüber Arbeitgebern , wird werden sich solche Meldungen häufen. Die Betriebsräte checken das nicht und stehen am Ende auch mit leerer Lohntüte vor den Trümmern ihres Handelns.

    • 25. Januar 2013 um 19:37 Uhr
    • franz
  7. 7.

    Wieso soll Schwarz-Gelb daran schuld sein?
    Es war Rot-Grün die eine Industrie mit Steuergeldern aufgepumpt haben, wie ein Bodybuilder mit Steroiden seine Muskeln.
    Es war Rot-Grün die gesagt haben das die Jobs der Solarbranche in den nächsten 20 Jahren nicht nach Fernost verlagert werden können, weil man in den Deutschland viel mehr Ingenieurs Knowhow hat als dorthinten.

    Jetzt fällt halt alles auseinander. Die Menschen in Fernost sind klüger als gedacht und die Solarindustrie in Deutschland sogar noch anfälliger als es die Textilindustrie war.

    Solarpanels sind Massenware, da zählt Made in Germany oder deutsche Ingenierskunst nichts. Da kommt es nur auf den puren Preis an und da können und dürfen deutsche Unternehmen nicht mit Fernost konkurrieren und der Staat sollte nicht lebensfähige Industrien auch nicht mit Steuergeldern subventionieren.

    • 25. Januar 2013 um 19:42 Uhr
    • Tutnixzursache II.
  8. 8.

    Jetzt werden also auch die Planwirtschaftlichen Unternehmen wie Solarworld durch globale Konkurrenz in die Pleite getrieben.
    Naja, zumindest die Besitzer von Solaranlagen werden ja weiter über das EEG unterstützt und damit geht auch die Umverteilung von unten nach oben weiter. Die Chinesen wir es freuen.

    • 25. Januar 2013 um 19:45 Uhr
    • elhenk
  9. Kommentar zum Thema

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