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CO2 ist doch nicht der Superdünger

Von 28. Februar 2013 um 19:16 Uhr
Vertrocknete Maiskolben in Colorado, Sommer 2012, © John Moore/Getty Images

Vertrocknete Maiskolben in Colorado, Sommer 2012, © John Moore/Getty Images

Dieses Working Paper ist mal eine komprimierte Analyse: Auf gerade einmal zwölf Seiten räumen Frank Ackerman und Elisabeth A. Stanton mit einigen Glaubenssätzen über die Folgen des Klimawandels für die Agrarwirtschaft auf. Ackerman ist Umweltökonom an der Tufts-Universität in Massachusetts/USA und hat bis vor Kurzem für das Stockholm Environment Institute gearbeitet.

Konsens ist, dass der Klimawandel sich auf die Produktivität in der Landwirtschaft auswirkt. Wie genau, das ist allerdings unklar. Bisher war die Lehre recht optimistisch: Mehr Kohlendioxid in der Atmosphäre fördert das Wachstum. Schließlich werden Pflanzen besser mit Co2 versorgt, dem Stoff also, den sie für die Photosynthese brauchen. Außerdem verlängern sich durch längere Wärmeperioden die Anbauphasen gerade in höheren Regionen.

Doch so einfach ist es nicht, schreiben die Wissenschaftler.

Neue Forschungsergebnisse zeigten, dass CO2 nicht zwangsläufig der perfekte Dünger sei. Der Grund: Nicht alle Pflanzen reagieren ähnlich darauf. Das hängt mit der Aufnahmefähigkeit von Co2 zusammen, die bei Mais, Zuckerrohr und Hirse schlechter sei als bei Weizen, Soja und Reis. Bislang galt unter den Wissenschaftlern die Formel, dass sich die Erträge im Schnitt um neun Prozent steigern lassen, wenn die CO2-Konzentrationen in der Atmosphäre von 385 ppm (das war das Niveau vor ein paar Jahren) auf 550 ppm steigen. Das sei aber keineswegs ausgemacht, schreiben die Autoren. Außerdem ist unklar, ob es nicht auch einen Sättigungseffekt bei Pflanzen gibt.

Zudem haben natürlich jede Dürre und jedes andere Wetterextrem einen immensen Einfluss auf die Erträge. Erst Recht, wenn die Hitze kommt: Die beiden Wissenschaftler verweisen auf eine Studie, die feststellt: Herrschen für 24 Stunden statt 29 Grad Celsius plötzlich 40 Grad, gehen die Erträge eines Maisfeldes insgesamt um sieben Prozent zurück.

Außerdem verknappt der Klimawandel das Wasser. Dort, wo es heute schon trocken ist, wird es noch trockener – und vice versa. Für die Landwirtschaft ist das entscheidend, denn in manchen Gebieten, etwa in den USA, ist die Agrarwirtschaft einer der größten Wasserverbraucher. Was es heißt, wenn die Dürre kommt, konnten die USA im vergangenen Sommer erleben.

Was folgt aus der Studie? Die Autoren betonen, dass die Landwirtschaft komplett anders funktioniere als etwa eine Autofabrik. Geht dort der Stahl aus, kann man ihn vielleicht durch Aluminium oder Carbon ersetzen. Die Substitution, unter Ökonomen oft die Paradelösung, sei eben in der Landwirtschaft nicht möglich:

“It (agriculture, muk) involves natural processes that frequently require fixed proportions of nutrients, temperatures, precipitation, and other conditions. Ecosystems don’t make bargains with their suppliers, and don’t generally switch to making the same plants out of different inputs.”

Die Forscher setzen daher kurzfristig auf Biotechnologie, um robustere Pflanzen zu züchten, die besser auf den Klimawandel reagieren. Aber ist das wirklich das Allheilmittel? Entscheidender scheint mir ihre Forderung zu sein, so schnell wie möglich die CO2-Emissionen zu reduzieren.

Kategorien: Agrar, Essen, Klima
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Wer hat denn behauptet, dass CO2 der Superdünger sei?
    Beweise liebe Wissenschaftler oder stellen Sie sich eine Hypothese selber auf um sie zu widelegen.
    So ein Schmarren – es muss schon ganz schlimm um die Klimaalarmisten stehen und sie ihre Felle wegschwimmen sehen.
    CO2 ist nun mal in der Luft und es schadest der Erde nicht, wenn es dort auch durch den Menschen etwas mehr wird.
    Die lezten 15 Jahre keine “Erderwärmung” mehr trotz CO2-Anstieg! Wenn das kein Beweis ist Ihr Deppen.
    Und außerdem, zuallererst wählen wir nach deren Gründung die Partei “Alternative für Deutschland” – im september 2013 dann über 5% – ach der BTW 2017 können Sie sich Frau Uken ein anderes Betätigungsfeld suchen.
    Da bin ich ganz sicher!

    • 1. März 2013 um 14:15 Uhr
    • blaufisch
  2. 2.

    Sehe ich auch so wie blaufisch. Was noch dazu kommt, es kann bis jetzt keiner sicher beweisen, dass der Mensch mit seinem Co2-Ausstoss tatsächlich so viel am Klimageschehen bewirken kann. Mutmassungen, Modelle, Spekulationen. Aber Hauptsache ein Heer von Wissenschaftlern und Artikelschreibern, steht deswegen ständig in Lohn und Brot.

  3. 3.

    Jetzt wird alles mobilisiert, schließlich geht es um den Endsieg der Ökoideologie!

    Hast Du heute schon nachhaltig die Umwelt geschont?

    Mir wird schlecht….

    • 1. März 2013 um 17:04 Uhr
    • Willi Stock
  4. 4.

    Hat man da u.U. CO2 mit N2 verwechselt???

  5. 5.

    Hallo Monaco Franze und alle lieben Mitdiskutanten,
    haben Sie denn mal einen Blick in das Paper geworfen? Schauen Sie mal, Seite 4:

    “In the 1990s, it was common to project that the initial stages of climate change would bring net benefits to global agriculture (e.g., Mendelsohn et al. 1994). As late as 2001, the U.S. Global Change Research Program still anticipated that U.S. agriculture would experience yield increases due to climate change throughout this century (Reilly et al. 2001). Warmer weather was expected to bring longer growing seasons in northern areas, and plants everywhere were expected to benefit from carbon fertilization. Since plants grow by absorbing carbon dioxide (CO2) from the air, higher CO2 concentrations might act as a fertilizer, speeding the growth process.”

    Viele Grüße
    Marlies Uken

  6. 6.

    CO² als “Superdünger” zu bezeichnen ist mir neu. Beim Studium wurden solche Thesen nie erwähnt. Allerdings ist CO² sicherlich auch nicht die Hauptursache für den Klimawandel.

    • 1. März 2013 um 17:22 Uhr
    • gw1200
  7. 7.

    Der Kohlenstoff jeder Pflanze dieser Welt entstammt dem CO2!

    • 1. März 2013 um 17:29 Uhr
    • anin
  8. 8.

    Der Autor hätte auch etwas besser den Zusammenhang zwischen der CO2 Aufnahmefähigkeit der Pflanzen und den limitierenden Faktoren der Nährstoffkonzentration im Boden erklären können. Denn je nach Ökozone, spielt entweder z.B. der Phosporgehalt oder der Stickstoffgehalt eine stärkere Rolle als die CO2 Konzentration in der Luft. Diese Stoffe können nur in bestimmten Formen von den Pflanzen aufgenommen werden und sind nur in begrenzen Mengen in Böden verfügbar. Obwohl höhere atmosphärische Konzentration an CO2 sicherlich zu einer höheren NPP bei vielen Pflanzenarten führt, geschieht dies nur bis zu einem bestimmten Grad. Aber andererseits ist es richtig, dass die Stärke und Frequenz extremer Wetterereignisse, die im Vergleich zu einem globalen Trend in der Erderwärmung viel schwieriger zu prognostizieren sind, sich insgesamt verheerender auf die landwirtschaftliche Produktion auswirken, als bspw. eine höhere durchschnittliche Lufttemperatur, da bei der letzteren man davon ausgeht, dass viele Pflanzen diese Veränderungen besser adoptieren können als Hitzeperioden oder Stürme etc. Ich kann ausserdem nicht nachvollziehen, dass einige Kommentatoren hier offensichtlich ohne jegliche Vorkenntnisse so einen Dünpfiff von sich geben. Ich lege diesen Menschen ans Herz sich damit näher auseinanderzusetzen. Dann werden einigen die Augen aufgehen, und Sie werden Ihre Freizeit danach anders gestalten.

    • 1. März 2013 um 17:50 Uhr
    • 0.3GtC
  9. Kommentar zum Thema

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