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Strafzölle sind nur ein vermeintlicher Erfolg für Solarworld

Von 8. Mai 2013 um 13:50 Uhr

So, Solarworld war offenbar erfolgreich. Seit Monaten hat der Bonner Solarstromkonzern sowohl hinter den Kulissen in Brüssel, aber auch ganz öffentlich über die Lobbyorganisation EU Pro Sun sich für Strafzölle auf chinesische Solarmodule ausgesprochen. Der Vorwurf: China subventioniere seine Solarindustrie über günstige Kredite. Nur so könnten die chinesischen Hersteller auf dem europäischen Markt Fuß fassen. Die deutsche Solarindustrie könne bei diesem run to the bottom nicht mehr mithalten. Jüngste Beispiele: die insolventen Firmen Solon und Q-Cells.

Nun hat die EU-Komission, so berichten es übereinstimmend die Nachrichtenagenturen, sich entschieden, Strafzölle auf Solaranlagen zu verlangen.

Im Schnitt sollen sie bei rund 46 Prozent liegen. Es wäre, schaut man sich den Wert der importierten Module aus China an, mit 21 Milliarden Euro das größte Anti-Dumping-Verfahren, das Brüssel bislang eingeleitet hat. Die Kommission hat grünes Licht gegeben, nun muss sie noch die Mitgliedsstaaten fragen. Daher gibt’s noch kein offizielles Statement.

Nun könnte man sagen: Stimmt, macht doch Sinn. Wenn die Chinesen ihre Module in Europa verramschen, nur um einen Fuß in die Tür zu bekommen, dann muss man die Module eben künstlich teurer machen. Und die EU ist ja nicht allein. Auch die USA haben bereits Strafzölle von im Schnitt 30 Prozent eingeführt. Und der Markt ist nicht eingebrochen, wie die Gegner der Strafzölle warnen. Im Gegenteil: Im vergangenen Jahr ist die installierte Leistung um 76 Prozent gestiegen im Vergleich zu 2011. Und die Modulpreise sind sogar gesunken, um fast ein Drittel. Ein Zeichen, dass höhere Zölle nicht zwangsläufig zu höheren Preise führen, wie die Zollgegner behaupten.

Auch wenn das alles für Zölle spricht: Trotzdem beschleicht mich ein Unbehagen. Die ersten Kommentatoren sprechen bereits von einem Handelskrieg der EU mit China. Und das kann Europa – und vor allem die Erneuerbare-Energien-Branche – zurzeit kaum vertragen. Gute Handelsbeziehungen sind wichtig. Die Kultur von Strafzöllen und Handelsbarrieren sollte doch eher abgebaut werden.

Und das heißt für die europäische Solarbranche: Sie muss mit Produkten und Innovation überzeugen. Ja, der Kunde schaut auf den Preis. Aber wenn die Produkte einfach besser sind als die der Konkurrenz, wenn es Ansprechpartner vor Ort gibt, dann braucht es auch keinen Importzoll. Und gerade bei einem solchen Massenprodukt wie einem Solarmodul muss auch den europäischen Herstellern klar sein, dass ein Importzoll wenig an den strukturellen Problemen der Branche löst. Und die Retourkutsche aus China könnte prompt kommen.

Und vielleicht lohnt sich auch noch mal ein zweiter Blick nach China. So gut geht es der dortigen Solarbranche auch nicht mehr, das Pampern durch die Regierung hat auch ihre Grenzen. Der chinesische Hersteller Suntech Power ist insolvent. Und auch LDK Solar, einst als Retter aus China für den Konstanzer Spezialisten Sunways gefeiert, steht nicht mehr gut da.

Leser-Kommentare
  1. 1.

    Es geht bei Strafzöllen nicht um praktische Fragen wie das Vermeiden von Handelsspannungen, sondern ums Prinzip. Das haben Strafen so an sich. Sonst würden sie Space Shuttle heißen.

    • 8. Mai 2013 um 18:03 Uhr
    • k1000
  2. 2.

    ” Ja, der Kunde schaut auf den Preis.”

    Aber wenn ein Preisvorteil auch durch Lohndumping und Ausbeutung der Arbeiter erreicht wird, das ist unethisch.

    Ausserdem: wenn wir einen Gemeinsamen Markt haben, dann sollten wir ihn auch schützen!

  3. 3.

    Die Argumentation klingt auf den ersten Blick einleuchtend, vernachlässigt aber eine wesentliche Tatsache: Um auf dem deutschen Markt erfolgreich zu sein, ist nicht mehr Qualität das entscheidende Kriterium. Stattdessen muss das Produkt primär billig sein.
    Ferner teile ich die Auffassung, daß gute Handelsbeziehungen wichtig sind. Wenn aber durch Subventionen einseitig gegen diese guten Sitten verstoßen wird, muss eine entsprechende Reaktion erfolgen; anderenfalls fühlt sich der Handelspartner erst recht nicht mehr an diese Regeln gebunden.

  4. 4.

    Hallo Simmias
    danke für Ihre Einschätzungen. Ja, ist wirklich ein komplexes Thema. Und sicher, der Preis ist wichtig, sonst würden ja nicht so viele chinesische Module auf deutschen Dächern landen. Aber vielleicht sollte man trotzdem erstmal auf Verhandlungen setzen.
    Viele Grüße
    Marlies Uken

  5. 5.

    Liebe Frau Uken, ich teile Ihre Meinung nicht – die in chinesischen Firmen mit deutscher (SMA) Technik gefertigten Module sind nicht wesentlich schlechter als deutsche. Auch hier gibt es Garantien für einen maximalen Leistungsverlust von 1% pro Jahr, wie bei hiesigen Firmen.

    Der Unterschied bei den Preisen scheint zu durch niedrigere Löhne und anderweitige Kosten (Umweltauflagen?) zu entstehen, zusammen mit staatlicher direkter Industrieförderung durch verbilligte Kredite.

    Das Überangebot wird sich wohl relativieren, sobald mehr Leute verstehen dass die Anlagenpreise mittlerweile so niedrig sind dass man nicht unbedingt Top-Standorte braucht, und dass die Ausbeute wirklich gut ist.

    Unsere Anlage für 13.000 € (8kW peak) erzeugt doppelt so viel Strom, wie wir für Haushalt und zum Heizen brauchen, natürlich übers Jahr gerechnet. Damit ist die Kilowattstunde bereits billiger als vom Versorger, Speicherproblematik mal ausgenommen.

    In China scheint man offenbar das solare Zeitalter heraufziehen zu sehen, und den Aufbau von Fertigungskapazitäten strategisch auf der Produktionsseite zu unterstützen. Manche sprechen ja von der Schlüsselenergie der Zukunft, und die relativ preiswerte Energie von meinem Dach überzeugt mich auch davon.

    Hier sieht man das regierungssseits nicht so, und krampft um die Nachfrageseite herum. Wenn die weltweite Installation von PV so anzieht wie bei uns, dann wird sich das möglicherweise rächen. ich bin der Meinung, dass wir auch heimische Fertigung brauchen – zugegebenermassen sind meine Module aber aus Asien, da ich mir über die Garantie nicht mehr sicher sein konnte.

    • 8. Mai 2013 um 18:23 Uhr
    • Idefix
  6. 6.

    Ich bin etwas überrascht über Ihre “naive”, besser: praxisferne Argumentation, Frau Uken, weiß ich doch sonst Ihre differenzierte Darstellung zu EE zu schätzen. Gewiss liegt ein Risiko in diesem Prozess. Nicht zuletzt ist es ja mit ein Ziel der sog. Energiewende (wenn sie denn je mit schwarz-gelb kommt) deutsche EE-Technologien so weit nach vorne zu bringen, dass sie zukünftig auch zum Exportschlager taugt. China wäre dann natürlich einer der wichtigsten Märkte. Sprechen Sie doch bitte mit Verkäufern: Bis auf wenige Ausnahmen, gucken alle, Endkunden und Investoren, vor allem auf den Preis, und da betreiben die Chinesen einen ruinösen Kampf. Das dabei auch einige ihrer eigenen Unternehmen auf der Strecke bleiben löst ja nicht das Problem. Die deutsche Solarindustrie hat sich nicht mit Ruhm bekleckert, was die Löhne angeht und hat sich viel zu lange auf Fördergeldern und dem EEG ausgeruht. Aber dennoch gibt es viele gute Gründe (Sie und Simmias haben sie genannt), den europäischen Markt zu schützen.

    • 8. Mai 2013 um 19:09 Uhr
    • cortigiano
  7. 7.

    Kommen Sie mir doch nicht mit ethischen Bedenken. Die haben Sie doch offensichtlich auch nicht, wenn Leute mit miserablem Lohn die Kosten für Solaranlagen von Besserverdienenden über den Strompreis finanzieren.

  8. 8.

    Sie sind ja wohl ein echter ‘Bisounours’ (wie man auf Französisch sagt, also anscheinend ‘Glücksbärchis’ auf Deutsch)…die Verbraucher wollen gute Qualität (original oder kopiert) für billige Preise und dass können die hoch-subventionierten Chinesen auch leisten (klar sind sie insolvent nach ein paar Jahren Massenproduktion ohne jegliche wirtschaftliche Rationalität)…Ein “vogelfreier” Wettbewerb mit einer nicht-freien Wirtschaft ist ein globaler Selbstmord.

    • 8. Mai 2013 um 19:17 Uhr
    • King Arthur
  9. Kommentar zum Thema

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