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Unsere durstige Mode

Von 13. Juni 2013 um 13:51 Uhr

Die Zahlenliebhaber des Statistischen Bundesamts haben sich in diesen Tagen ein ungewöhnliches Thema vorgenommen. Wie viel Wasser steckt in unserer Kleidung? Nach Brandkatastrophen in Bangladesch und teilweise unerträglichen Arbeitsbedingungen ist es ein weiterer Aspekt, um über Mode und unseren Konsum noch einmal nachzudenken.

Erstmals haben die Statistiker nun umfassend berechnet, wie viel Wasser wir eigentlich indirekt importieren, wenn wir Kleidung kaufen, die aus dem Ausland stammt (und wer bei H&M shoppt, der weiß, dass der Großteil importiert wird). Dafür haben sie sich die Wasserbilanz von Baumwoll-Kleidung und die Handelsstatistiken angeschaut.

Wasserherkunft © Statistisches Bundesamt

Wasserherkunft © Statistisches Bundesamt

Die Fachleute kommen für das Jahr 2010 auf einen Nettoimport von 6.371 Millionen Kubikmetern Wasser. Um das einmal einzuordnen: Das ist mehr als doppelt so viel, wie alle privaten Haushalte in Deutschland in dem Jahr verbraucht haben, fürs Kochen, Duschen oder Waschen, so die Statistiker. Unsere T-Shirts und Jeans, sie sind wahnsinnig durstig.

Der Wasserverbrauch ist deshalb wichtig, weil Wasser in den Produktionsländern ein knappes Gut ist. Je nach Standort müssen die Baumwollplantagen sehr stark künstlich bewässert werden (dieses Wasser nennt man “blaues Wasser”, im Unterschied zum natürlichen “grünem” Wasser, dem Regenwasser).

Ganz anschaulich zeigt das diese Grafik: Indien kann seine durstigen Baumwollpflanzen vor allem mit Regenwasser versorgen, Usbekistan zapft dagegen Grundwasser, Flüsse und Seen an. Rund 8.500 Liter sind nötig, um ein Kilo Biobaumwollfasern herzustellen.

Welche Folgen das hat, zeigt bekanntlich der Aral-See in Usbekistan, einst der viertgrößte Binnensee der Welt. Er ist inzwischen zu großen Teilen eine Salzsteppe – wegen der massiven Wasserentnahme für die Baumwolle, die dort auch “weißes Gold” genannt wird.

Was tun? Der Klassiker wäre Mode aus Biobaumwolle zu kaufen. Doch bei der Wasserbilanz hilft das kaum weiter, bei Bio geht es vor allem darum, wie die Pflanzen angebaut werden, wie viel Dünger und Pestizide nötig sind. Auch die Biobaumwolle ist durstig. Allerdings gibt es natürlich unterschiedliche Arten der Bewässerung. Überschwemmung der Felder oder gezieltes Bewässern. Davon weiß der Käufer allerdings kaum etwas, selbst wenn er bei H&M zum T-Shirt aus Biobaumwolle greift.

Kategorien: Agrar, Konsum, Nachhaltigkeit
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Wenns in Usbekistan kein Wasser mehr gibt, wird es auch keine Baumwollplantagen mehr geben. Problem gelöst. Die Zeit wird dieses Problem schon von selbst lösen.

    Aber mal ernsthaft, was wären denn die Alternativen? T-Shirts aus Usbekistan boykottieren? Klasse Idee, das wird die Armut in den Ländern verringern. Klamotten flicken anstatt wegschmeißen? Die Leute möcht ich sehen die bei T-shirtpreisen von 3-4 ihre Klamotten flicken.

  2. 2.

    auf der Hauptseite ist der Link zu wp-admin angegeben, was natürlich nicht funktioniert
    http://blog.zeit.de/gruenegeschaefte/wp-admin/post.php?post=5865&action=edit&message=10
    es wäre schön, wenn das korrigiert werden könnte
    Grüße

    • 13. Juni 2013 um 20:29 Uhr
    • nemo ignorat
  3. 3.

    nun ein Kommentar zum Blogeintrag. Erst einmal danke dafür, das ist ein Thema, dass man nicht oft genug in die Öffentlichkeit rücken kann. Und die Antwort auf die Frage was man tun kann ist relativ einfach: weniger kaufen.
    Ist mir schon klar, will keiner hören, aber darauf läuft es letztendlich hinaus. Ressourcen können wir nur schonen, indem wir sie einfach nicht benutzen. Alternativ dazu kann man 2nd hand kaufen. Ist nicht optimal, aber manchmal braucht man tatsächlich etwas Neues. Dann gäbe es noch die Möglichkeit vorhandene Kleidung umzuändern.Aus vorhandenen Stoffen neue Kleidung nähen. Und sich vor allen Dingen zu überlegen, wieviele Jeans und T-Shirts man wirklich braucht.

    • 13. Juni 2013 um 20:35 Uhr
    • nemo ignorat
  4. 4.

    Hallo nemo ignorat
    hoppla, ja, da musste noch ein Link freigeschaltet werden. Herzlichen Dank für den Hinweis.
    Viele Grüße
    Marlies Uken

  5. 5.

    Und in welcher Zeitung wurde gegen den Export gebrauchte Kleidung nach Afrika polemisiert, weil so die “afrikanische Textilindustrie” kaputt geht? Es wurde sogar aufgerufen Kleidung zu zerschneiden bevor man die in den Altkeidercontainer tut.

    Wer es tut, produziert Hunger.

  6. 6.

    Netter Artikel aber leider nichts wirklich neues. Interessant ist auch der Wasserverbrauch und die Verschmuzung durch das Färben der Baumwolle. Auch hier is Bio nicht wirklich besser als das zeug von KiK und Co.

    Neue technologien wie das färben mit CO2 könnten das aber drastisch ändern. Hier noch eine Arbeit zu dem Thema, für die die es interessiert (Auf Englisch) Besonders das erste Kapitel ist eine gute Zusammenfassung der jetzigen Problematik.

    repository.tudelft.nl/assets/uuid:97359885-381c-4708-8d99-5d6cdf55874d/Cid_2005.pdf

    • 14. Juni 2013 um 00:37 Uhr
    • Ruben Menke
  7. 7.

    Wie schreibt Frau Uken?

    “und wer bei H&M shoppt, der weiß, dass der Großteil importiert wird”

    Genau.

    Und wer bei TIK, C&A etc shoppt auch.

    Nur die Käufer in den Schickimickiläden, die brauchen sich darüber keine Gedanken zu machen.

    Qualifizierter Artikel, Frau Uken.
    Und

  8. 8.

    …H&M Textilien sind ja zum Glück meist aus Polyester. Das ist ein Erdölprodukt.

    • 14. Juni 2013 um 01:09 Uhr
    • Wissibesser
  9. Kommentar zum Thema

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