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Geld verdienen mit der Energiewende

 

Heute passiert Großes in der Provinz. In Heide/Holstein hat der Stromnetzbetreiber Tennet zusammen mit Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) ein Pilotprojekt gestartet: Deutschlands erste Bürgeranleihe fürs Stromnetz. Erstmals können sich die Anwohner aus der Region an einer Stromleitung finanziell beteiligen. Der niederländische Mutterkonzern wird dafür eigens die “Bürgeranleihe Westküstenleitung” begeben.

Die Verzinsung ist nicht schlecht – vor allem, weil Tagesgeldkonten gerade nur maue Zinsen bieten. In den ersten Jahren gewährt Tennet drei Prozent jährlich. Mindestens 1.000 Euro müssen die Anleger investieren. Die Laufzeit ist unbegrenzt, man kann jederzeit aussteigen. Tennet verspricht, das Projekt mindestens zehn Jahre lang zu verfolgen und nicht zu kündigen. Nur damit es klar ist: Wer mitmacht, ersteht keine Besitzanteile direkt an Tennet, sondern gewährt dem Konzern lediglich ein Darlehen, daher nennt man das Hybridanleihe.

ZEIT ONLINE hat die Bürgerleitung an der Westküste in Schleswig-Holstein bereits öfter mit Artikeln begleitet, mehrmals waren wir vor Ort. Klar war immer: Damit die Bürger ihr Okay zu der 150 Kilometer langen Höchstspannungsleitung an der Nordseeküste geben, über die vor allem Windstrom nach Süddeutschland abtransportiert werden soll, müssen sie finanziell profitieren. Nun hat man sich in gewisser Weise das Erfolgsprinzip bei den Bürgerwindparks abgeschaut: Die Bürger investieren in ihr Windrad vor der Haustür – respektive in die Stromleitung – bekommen eine jährliche Vergütung und akzeptieren so das Energieprojekt. Cash for acceptance, könnte man sagen.

Tennet hat einen finanziellen Anreiz in die Anleihe eingebaut, damit alle Anteilszeichner möglichst still halten mit Klagen (auch wenn Tennet betont, dass natürlich jeder Kläger gegen die Stromleitung auch Anteile zeichnen kann). Im Verkaufsprospekt heißt es:

Wenn sich der Baubeginn verzögert, wird die Rendite länger bei 3 % liegen und erst später – nämlich zu Baubeginn – auf 5 % ansteigen.

Die fünf Prozent sind allerdings immer noch weniger, als die Bundesnetzagentur den Stromnetzbetreibern als Rendite aufs Eigenkapital gewährt: Die liegt nämlich bei bis zu neun Prozent. Nun gut, verständlich, dass Tennet so eine attraktive Verzinsung nicht eins zu eins weiterreichen will an die Friesen und Dithmarscher.

Mal schauen, ob die Bürgeranleihe funktioniert. Bis Ende August können die rund 160.000 Haushalte aus der Region Anteile zeichnen. Tennet beschränkt den Investorenkreis auf die Anwohner, die tatsächlich betroffen sind. Insgesamt rechnet das Unternehmen damit, rund 15 Prozent der Investitionssumme einzusammeln. Das sind gut 30 Millionen Euro, wenn man 200 Millionen Euro Investitionskosten für die Westtrasse veranschlagt. Ein Betrag, über den sich Tennet sicherlich freuen wird. Und wenn der Bau dann noch umso schneller geht, ist die Freude sicherlich größer.

17 Kommentare


  1. […] Heute passiert Großes in der Provinz. In Heide/Holstein hat der Stromnetzbetreiber Tennet zusammen mit Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) ein …blog.zeit.de/…/2013/…/geld-verdienen-mit-der-energiewende/ […]

  2.   shtok

    Viel Spass dabei, eine Hybridanleihe ist nachrangig und kann zum Totalverlust führen.
    Eine Anleihe ist übrigens kein Darlehen, sondern ein verbrieftes Wertpapier. Sollte man wissen wenn man auch für den Wirtschaftsteil schreibt.

    Empfehle jedem sich den Prospekt anzuschauen, http://buergerleitung.tennet.eu/fileadmin/tennet/Downloads/Prospectus_final.pdf besonders den Pkt. Rückzahlung

    Hier die Aussage der Autorin
    “Die Laufzeit ist unbegrenzt, man kann jederzeit aussteigen. ”

    Aussage des Prospektes der in Deutsch ist und den die Autorin augescheinlich nicht gelesen hat

    “Die Anleihe hat keine feste Laufzeit, und die Emittentin ist nicht zur Rückzahlung an einem bestimmten Termin verpflichtet.”

    “Die Teilschuldverschreibungen haben keine feste Laufzeit. Die Gläubiger haben kein Recht, die Teilschuldverschreibungen
    zur Rückzahlung zu kündigen”

    Dazu kann sich nun jeder selber seinen Teil denken.

  3.   wd

    Und wer zahlt die Rendite?
    Der kleine Bürger! Er bezahlt durch die EEG-Abgabe, höhere Netzgebühren und höhere Preise.
    Und wenn jetzt wieder die Leier von der befreiten Industrie bekommt: Teurerer Nahverkehr (sofern elektrisch betrieben) und Arbeitslosigkeit (sofern die Hochöfen mit Strom betrieben werden und im internationalen Konkurrenzkampf sowieso schon kurz vor der Pleite sind).
    Freuen können sich Reiche, die nur von Zinsen (nur 25% Steuer) leben wollen und ihr Geld nicht zurückbrauchen oder Landwirte, denen die Pacht für das Land der Masten die tägliche Arbeit erspart, weil sie von der Pacht besser leben können.
    Ironie (und Wahrheit?) aus

  4.   wd

    Eigentlich war meine Zuschrift überflüssig
    Die Überschrift „Geld verdienen mit der Energiewende“ sagt doch eigentlich schon alles.
    Beispiel: Statt Nahrungsmittel Mais für Biogas zur Verstromung produzieren. Die Subvention ist sicher. Die Bürger kleinerer Städte wundern sich zwar, wenn sie in der umgebenden Natur ihres Heimatortes spazieren gehen aber beziehen womöglich noch ihren Strom von den örtlichen Stadtwerken, die auch noch den Nutzen für die Region hervorheben. (Nutzen: Höheres Einkommen der Landwirte durch Subventionen und diese sollen es in den Geschäften der Region ausgeben.)
    Leider kommen habe ich nur Gedanken an Profiteure bei diesem Thema. Sie wollen mit der Angst und dem Unwissen Vieler ein Geschäft machen.

  5.   shtok

    Nachtrag, da der Emitent in den Niederlanden sitzt werden auch dort die Steuern fällig, siehe Propsekt und es gilt im Zweifelsfall niederländisches Recht, wenn es zu Streitigkeiten kommt.

  6.   wd

    Mal sehen,
    ob Herr Loomann von der FAZ die Anlage beurteilt.
    Alleine ein Prozentsatz von 5% bei nur 25% Steuern ist doch für die langfristige Alteranlage sensationell, wenn man das Geld nicht zurückbraucht. Und vielleicht kann man den Goldesel bei außergewöhnlichem Geldbedarf auch noch an Andere verkaufen oder weitere Anteile während der Ansparphase zur Altersvorsorge hinzu kaufen?
    Vorläufiges Fazit: Der kleine Bürger wird verarscht und ausgebeutet.


  7. […] ZEIT ONLINE hat die Bürgerleitung an der Westküste in SchleswigHolstein … mit der Energiewende « Grüne Geschäfte Blogs « Wie Sie Online Geld verdienen …blog.zeit.de/…/2013/…/geld-verdienen-mit-der-energiewende/ […]

  8.   WO

    Ich verstehe diese Kommentare nicht, es geht hier um eine gesicherte Stromversorgung für den Industriestandort Deutschland und es wird versucht die Bürger daran zu beteiligen. Die Leitungen werden für Alle gebaut. Wenn es in dem Tempo mit dem Netzausbau weitergeht, schaffen wir die Energiewende nie.Ist es besser wieder Atomkraftwerke zu bauen ?
    Oder es kommt so weit wie beim Hochwasserschutz, bei dem die letzten 10 Jahre zu wenig passiert ist und die Ortschaften wieder abgesoffen sind, genauso kann es bei dem gebremsten Netzausbau dazu kommen, dass wir irgendwann im Dunkeln sitzen.


  9. Aus der Sicht der Befürworter ist die neue Leitung notwendig, um vor allem Windstrom nach Süddeutschland abzutransportieren. Und deshalb steht es so in der ZEIT.

    Wahr ist, daß die neue Leitung ausschließlich der Windindustrie nutzt. Niemand sonst braucht sie.
    Wahr ist auch, daß noch niemand die Großverbraucher im Westen und Süden benannt hat, die angeblich so dringend auf den Windstrom aus dem Norden warten. Audi? BASF? Daimler? John Deere? Dazu würde ich gerne lesen (vielleicht sogar in der ZEIT), was Konzernchefs und Betriebsratsvorsitzende von der Idee halten, die Betriebsabläufe am norddeutschen Wetter auszurichten.

    Diese „Bürgerleitung“ ist so unnütz und überflüssig wie das gesamte Erneuerbare Gedöns an Land und auf See.

  10.   Wupert

    Ich habe leider den Eindruck, dass immer nur die anderen Geld mit der Energiewende verdienen!

    Wo bitte schön Fr. Unken, verdient denn nun der normale Durchschnittsverdiener und Mieter an der Energiewende?

    Wir haben kein Häusle für Solarzellen, kein Ackerland für Windräder und wir wohnen nochnichtmal an den Trassen, so dass man ein wenig von der üppigen Rendite abbekommt, wenn dort eine Hochspannungsleitung gebaut wird.

    Uns wurden doch sinkende Strompreise versprochen und blühende ökologische Landschaften mit Millionen von Arbeitsplätzen!

    Was hat also Otto-Normalverbraucher von der Energiewende? Was ist jetzt soviel besser als vor dem Atomausstieg? Was bitte Fr. Unken?

    Außer immer mehr steigenden Stromkosten offenbar nicht viel.