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Sommerhitze treibt den Strompreis

Von 26. Juli 2013 um 15:14 Uhr

Hier in Berlin sind es aktuell 30 Grad Celsius, ein perfekter Einstieg ins Wochenende. Nein, ich werde jetzt garantiert nicht über die Hitze jammern. Stattdessen war ich kurz auf der Internetseite der Leipziger Strombörse. Und da gibt es einige ganz spannende Entwicklungen zu entdecken: Der Börsenstrompreis auf dem Spotmarkt, der die kurzfristigen Entwicklungen abzeichnet, zieht nämlich seit ein paar Tagen kräftig an. Am Donnerstag kostete die Megawattstunde mehr als 51 Euro, so viel wie seit Ende Mai nicht mehr.

Warum das so ist, zeigt folgende Grafik von Agora Energiewende, einem Berliner Think Tank.

Sie haben die Daten der EEX und den Übertragungsnetzbetreibern grafisch aufbereitet. Daran sieht man: Deutschland erlebt gerade schönsten Sonnenschein (viele gelbe Kegel über Tag) und eine Windflaute (wenig Blaues). Den Großteil der Stromnachfrage decken zurzeit also konventionelle Kraftwerke.

Stromangebot und Nachfrage © Agora Energiewende

Stromangebot und Nachfrage © Agora Energiewende

Die Windproduktion liegt laut EEX bei gerade einmal rund 500 Megawatt. Für Tobias Federico, Geschäftsführer von Energy Brainpool, ist das sehr wenig: “4.000 Megawatt wären normal”, sagt er.

Und nun wird der Strompreis natürlich durch Angebot und Nachfrage gebildet: Die Nachfrage ist wegen des hohen Kühlbedarfs relativ hoch (wobei die Ferienzeit ein wenig dämpfend wirkt). Auf der anderen Seite ist das Angebot zumindest an Ökostrom nicht gerade richtig groß: Es ist zwar heiß, aber nicht unbedingt sonnig. Eigentlich sind in Deutschland rund Solaranlagen mit 32.000 Megawatt Leistung installiert. Laut EEX werden aber aktuell nur etwa 14.000 Megawatt eingespeist, also nur die Hälfte.

Warum? Den Solaranlagen ist es einfach zu heiß. Je heißer es wird, desto schlechter arbeitet eine Solaranlage, sie mag es eben sonnig, aber nicht zu heiß.

Auf eine Zahl werden die Stromkonzerne nun in den kommenden Tagen besonders schauen: die Wassertemperatur der Flüsse. Denn ob AKW oder Kohlekraftwerk: Die Meiler müssen gekühlt werden. Und irgendwann sind Elbe oder Rhein einfach zu warm, 28 Grad gilt als Grenzmarke. Dann müssen die Betreiber in der Regel ihre Kraftwerke noch besser kühlen oder eben zurückfahren. Noch aber ist Federico gelassen: “Wir haben keine Versorgungsengpässe”, sagt er. Die Elbe ist aktuell 23 Grad warm.

Kategorien: Allgemein
Leser-Kommentare
  1. 1.

    [...] Zum Original: Grüne Geschäfte: Sommer lässt den Strompreis steigen [...]

  2. 2.

    Ich finde das hochinteressant, mehr davon! Das zeigt mE 2 Dinge:
    1. Ist es richtig gut, dass wir *jetzt* (hoffentlich rechtzeitig) solche learnings haben, und zB die photovoltaik-anlagen in der richtung optimieren koennen.
    2. Das Geld fuers EEG, trotz zuvieler Ausnahmen dank schwarzgelber Vetternwirtschaft ist gut in unsre Zukunft investiert.

    Der Energieverbrauch wird sicher weiter wachsen und muss es auch, wenn wir an unserem Lebensstandard weiter schrauben wollen. Fossilen Brennstoffe sind definitiv endlich, die Details dazu sind nebensaechlich.

    • 26. Juli 2013 um 17:08 Uhr
    • zonk
  3. 3.

    Den Großteil der Stromnachfrage decken zurzeit also konventionelle Kraftwerke. Richtig.
    So ist das heute. Und besonders heute nacht. Aber auch morgen früh. Und nächste Woche.

    Die Kraftwerke sind und bleiben das Rückgrat der Stromversorgung in Deutschland. Fast 70000 Megawatt installierter Nennleistung aus Wind, Sonne und Agrargas kommen über den Status unnützer Ökodekoration nicht hinaus.

  4. 4.

    “Die Windproduktion liegt laut EEX bei gerade einmal rund 500 Megawatt. Für Tobias Federico, Geschäftsführer von Energy Brainpool, ist das sehr wenig: “4.000 Megawatt wären normal”, sagt er.”

    Wenn wir viel mehr Solarmodule hätten, könnten wir mit dem erzeugten Strom die Windmühlen betreiben und deren erzeugter Wind würde das Land und die Solarmodule kühlen, die dann mehr Strom liefern würden, mit denen wir die Windmühlen betreiben könnten.

  5. 5.

    Da haben Sie am falschen Tag bei der EEX nachgesehen! Am Montag (und die ganze vorherige Woche) lag die Solareinspeisung in der Spitze über 20 GW.

    • 26. Juli 2013 um 19:32 Uhr
    • Thiemo Nagel
  6. 6.

    Haben die Kraftwerke Kühltürme, so sind sie von der Wassertemperatur des Flusses oder Kanals nicht besonders betroffen. Die würde nur der Wasserstand treffen. Dass ein Kanal austrocknet habe ich noch nie gehört.
    Liege ich falsch?

    • 26. Juli 2013 um 19:39 Uhr
    • wd
  7. 7.

    mich würde jetzt mal interessieren, wie sich die aktuelle strompreislage auf die eeg-umalge auswirkt. immerhin richtet diese sich ja nach der differenz aus börsenstrompreis und einspeisevergütung. wenn diese differenz nun geringer ausfällt als gedacht, müsste die einspeisevergütung ja eigentlich auch sinken und damit letztlich der strompreis für den endkunden genauso teuer sein, wie ohne hitzebedingte solarstromeinbußen.

    @Helmut Erb
    ich gebe ihnen recht, dass der derzeitige stromverbrauch nicht zu 100% aus erneuerbaren energien gedeckt werden kann.
    was eben gerne mal außer acht gelassen wird, weil es sich letztendlich für niemanden in rein wirtschaftlicher hinsicht rentiert, ist dass wir massiv strom und energie einsparen müssen und auch können. allerdings bietet da das eeg leider eher kontraproduktive anreize.
    ohne senkung des strombedarfs kann eine ernstgemeinte energiewende nicht gelingen!

    • 26. Juli 2013 um 19:50 Uhr
    • KuchenMitKaese
  8. 8.

    “Und nun wird der Strompreis natürlich durch Angebot und Nachfrage gebildet”

    Ich muss lachen.

    Ja, ganz bestimmt über Angebot und Nachfrage. Wenn wir Kunden 2 Wochen lang weniger Strom verbrauchen, wird günstiger Abgerechnet. Oder teurer? Oder bleibt der Preis gleich?

    Wir verbrauchen übrigens kontinuierlich weniger Wasser. Deswegen steigt der Preis auch kontinuierlich.

  9. Kommentar zum Thema

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