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McDonald’s macht jetzt auf Bio

 

Gerade einmal drei Wochen wird sie im Angebot sein – die, huhuhu, Weltpremiere von McDonald’s. Seit Anfang Oktober bietet die weltweite Fastfood-Kette zumindest in Deutschland einen Burger mit Biofleisch an, den McB. Bio-Fleisch soll endlich da landen, wo es hingehöre: in aller Munde, wirbt die Kette.

Allerdings muss man pingelig sein: Der McB ist kein Bio-Burger, sondern ein ganz normaler 08/15-Burger mit Biofleisch. Tomate, Salat, Gewürzgürkchen und der Rest stammen aus normaler Produktion. Der Burger kostet rund einen Euro mehr als sein konventionelles Pendant. Nach drei Wochen löst der LongMcB als zweiter Bioburger den McB ab – und dann endet schon nach sieben Wochen der Schnupperkurs Bio. Ein Jahr Vorbereitungszeit habe es gebraucht, bis man genug Biorindfleisch aufgetrieben und McDonald’s sie zertifiziert habe, erzählt McDonald’s stolz in zahlreichen Videos.

Ob McDonald’s dann weiterhin auf Biofleisch setzt, das Angebot ausweitet oder wieder einstellt, ist noch nicht entschieden. „Unser Ziel ist es, dauerhaft Burger mit Bio-Rindfleisch auf der Karte zu haben. Am Ende entscheidet aber der Gast, was bei uns passiert, indem er den McB kauft oder eben nicht. Denn natürlich haben wir unsere Planzahlen“, relativiert Deutschland-Chef Holger Beeck das Angebot in einem Interview in der Welt.

„Darf McDonald’s das?“, fragt die Kette frech (und natürlich rhetorisch) in einer großen Werbekampagne.

Im Werbevideo flattert gar ein Biosiegel durchs Bild und landet am Ende an einer McDonald’s-Filiale. Und in einigen Läden sollen die Mitarbeiter inzwischen Schürzen mit dem Spruch „Ich arbeite in einem Bioladen“ tragen, wie der WWF-Blogger Roland Gramling meldet.

Keine Frage: Natürlich dürfen die das. Fragt sich nur: Warum machen die das? Das Unternehmen steht seit Jahren schon mächtig in der Kritik. Beeck gesteht ein, dass man sich „im Erfolg gesonnt“ und nachlässig geworden sei. Jetzt stelle man sich auf geänderte Kundenerwartungen ein (und hat unter anderem auch die Werbeagentur gewechselt). Natürlich macht auch die Konkurrenz McDonald’s zu schaffen. Neue Burgerketten wie Hans im Glück, die ebenfalls auf dem Franchise Konzept basieren und inzwischen schon 39 Filialen in Deutschland besitzen, zeigen, dass Fastfood auch anders geht. Die machen mit ihrem Anspruch, „Premium-Burger“ zu brutzeln, natürlich dem Platzhirschen McDonald’s zu schaffen.

Natürlich hätte man sich diesen ersten zaghaften Schritt schon viel früher gewünscht. Denn McDonald’s ist mit seinem Fleischbedarf eine wirkliche Größe auf dem deutschen Markt. McDonald’s-Chef Beeck sagt sogar, eine Nachfrage in dieser Menge nach Biorindfleisch habe es in Deutschland noch nie gegeben. Der Jahresbedarf der schwächelnden, aber trotzdem noch immer umsatzstarken Kette lag nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr bei beeindruckenden 40.500 Tonnen Rindfleisch. Allein für diese Sieben-Wochen-Aktion benötigt die Kette jetzt „mehrere Hundert Tonnen“ Biorindfleisch, teilt McDonald’s mit. Zurzeit bezieht die Kette das Fleisch von Biohöfen in Deutschland und Österreich, in erster Linie verwendet sie das Fleisch von Milchkühen.

Man stelle sich nur einmal vor, McDonald’s würde komplett auf Bio-Rindfleisch umstellen. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace schätzt, dass die Kette damit der gesamten Biolandwirtschaft einen neuen Aufschwung verpassen könnte. Denn wenn McDonald’s weiterhin das Fleisch von Milchkühen verwendet, hätten konventionelle Landwirte einen weiteren Anreiz auf Bio umzustellen: Für Biomilch erzielt ein Biolandwirt rund 15 Cent mehr je Liter. „Wenn er jetzt auch noch das Fleisch als Bio verkaufen könnte, wäre das wirtschaftlich interessant und würde konventionelle Landwirte motivieren“, so Greenpeace-Fachfrau Stephanie Töwe.

27 Kommentare

  1.   katherine436@yahoo.de

    Das Hauptproblem wird McD damit leider nicht lösen können: Das unschöne Image als marktbeherrschenden US-Giganten, bei dem man das beste Gefühl erlebt, wenn man ihn wieder verlässt und sich vornimmt, nicht so schnell wiederzukommen. Will man hochwertige Burger in gepflegter Atmosphäre, dann ist McD schlichtweg keine Option.

  2.   Max201305

    Eine artgerechte Tierhaltung ist schon wichtig. Ansonsten wird Bio völlig überbewertet.
    Was mich besonders an Bio stört ist die Zertifizierungslobby der ach so guten Biovereine, die den Preis ohne wirklichen Mehrwert in die Höhe treibt. Sind den Bio-Bauern wirklich solche „Schweine“ die ständig kontrolliert werden müssen?

  3.   Max Murks

    Ich könnte mir vor allem vorstellen, dass ein Riesenkonzern wie McD einen ziemlichen Preisdruck auf die Biobranche ausüben könnte…

  4.   eræra

    Ein Bio Burger von MCDonalds wäre Hohn.

  5.   eræra

    Ein Bio Burger von McD wäre Hohn.

  6.   ave

    Ein ernsthafter Versuch ist das m.E. nicht. Jedenfalls nicht der, Bio-Fleisch in irgendeiner Art und Weise zu etablieren. nur ein weiterer Versuch, das Image eines angeschlagenen, weil sehr gestrigen Riesen aufzupolieren.
    Ich habe eine Testmenge von 2, das ist zugegebenermaßen empirisch nicht belastbar, doch beide sind wackere McDo-Wiedergänger, die gerne einen Euro mehr für ein gutes Gewissen aufgegeben hätten, es jedoch nicht wieder tun werden, weil beide der Meinung sind, dass dieser Burger so schlecht schmeckt, dass man dabei bei einem Burgerbräter Absicht unterstellen muss. So kann McDo am Ende der sieben Wochen sagen: Schade, wir meinten es so gut, doch der Verbraucher zog leider nicht mit – und damit nebenbei noch ein verheerendes Signal für Andere setzen.

  7.   Edelreservist

    Ein weiterer guter Grund nicht zu McDonalds zu gehen!

  8.   Albrich21

    Biologisch anzubauen oder zu produzieren sollte eine Lebensanschauung sein, keine rein ökonomisch zu betrachtende Größe.
    „Oh, dieses Jahr geht Bio gut, also machen wir in Bio.“ – „Nächstes Jahr ist der Absatz nicht so gut, also stellen wir wieder auf schnelle und preiswerte, konventionelle Landwirtschaft um“
    Und mittenmang immer die Großbetriebe, die ihre Marktchancen ausloten und entsprechend teilweise oder ganz umstellen….so lange der Bedarf halt da ist.
    Innere Haltung und Überzeugung? Null!

  9.   MCDonalds ist out, sie zucken noch

    Gibt MCDonalds halt überall, aber niemand findet die mehr gut. Das Firmenimage ist verbraucht, wie bei den ganz grossen oft so werden sie es meiner Meinung nach auch nicht schaffen, den Konzern zu drehen.
    Sie sind jetzt schon uncool, also auf die Seite legen und sterben.
    Facebook wird dasselbe passieren.

  10.   Vielfrass

    Entschuldigung, was ist daran noch BIO? Zig zehntausende Tonnen Fleisch jährlich. Massentierhaltung mit BIO Futter … ich muss leider feststellen, dass sich die BIO Produktion immer weiter von Nachhaltigkeit verabschiedet und sich den konventionellen Industriebedingungen unterwirft. Keine Frage, für Kunstdüngerhersteller und Hersteller von genmanipuliertem Saatgut eine Hiobsbotschaft, doch hinter BIO steckt mehr als nur ein BIO Label!