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Die Energiewende passiert – im Ausland

Von 25. März 2014 um 12:55 Uhr

So viel Euphorie ist man ja beim Thema Energiewende gar nicht mehr gewohnt: Siemens investiert im großen Stil in eine Fabrik für Offshore-Windräder in Großbritannien. Sogar Premier David Cameron gratuliert: “Das ist ein riesiger Vertrauensbeweis in unsere langfristige Wirtschaftsstrategie”, sagt er. Das Projekt gebe den Familien vor Ort eine Perspektive und mache die britische Wirtschaft widerstandsfähiger. Was für ein Überschwang.

Rund 1.000 direkte Arbeitsplätze will Siemens zusammen mit einem Hafenbetreiber in Hull und einem Nachbarort an der Ostküste Großbritanniens schaffen. Rund 190 Millionen Euro investiert der Münchner Konzern. In dem Nachbarort Paull wird eine Rotorblattfabrik entstehen, in denen Siemens Sechs-Megawatt-Anlagen bauen will. Es sind die modernsten und leistungsfähigsten Windkraftanlagen auf dem Markt, allein ein Rotorblatt misst 75 Meter. Die Hafenlage ist für Siemens perfekt, schließlich sollen hier vor der Küste gleich mehrere Offshore-Windparks entstehen. In zwei Jahren soll die Produktion beginnen, 2017 soll sie komplett ausgelastet sein. Seit Jahren schon wird über das Investment verhandelt, immer wieder war auch im Gespräch, ob Siemens nicht Dänemark den Zuschlag für den Standort gibt.

Mit seiner Produktion vor Ort könne Siemens Kostenvorteile heben, sagt Energiespezialist Roland Vetter von CF Partner in London. Siemens spart sich den aufwändigen Arbeitsschritt, die Megaanlagen andernorts zu bauen und dann nach Großbritannien zu verschiffen. Zwar ist Offshore-Strom immer noch teurer als Onshore-Windkraft. “Doch Großbritannien hat Probleme, große Onshore Windanlagen zu bauen, da es viel Widerstand in der lokalen Bevölkerung gibt.” Um seine Ökostromziele zu erreichen, verstärke Großbritannien daher sein Offshore-Engagement (und seine Investitionen in Atomstrom). Allein bis 2020 sollen auf See Windräder mit einer Kapazität von 14 Gigawatt entstehen, das entspricht etwa 14 großen Atommeilern.

Die Bundesregierung sollte sich die Pressemitteilung aufmerksam durchlesen. Denn indirekt bekommt sie auch ihr Fett weg: “Wir investieren in Märkte mit verlässlichen Konditionen, die gewährleisten, dass unsere Fabriken ausgelastet sind”, schreibt Siemens da.

Glaubt man den Verbänden der deutschen Offshore-Branche, dann ist genau das in Deutschland zurzeit nicht der Fall. Die aktuellen Überarbeitungspläne zum wichtigsten Förderinstrument, dem Erneuerbare-Energien-Gesetz, würden vielmehr dafür sorgen, dass es noch mehr Unsicherheiten und Investitionsstau geben wird, warnen sie in einer Stellungnahme.

Siemens Entscheidung vor allem in Großbritannien zu investieren, ist offenbar eine direkte Folge der aktuellen Verunsicherung. Zwar stand nie zur Debatte, die Fertigung an der deutschen Nordseeküste
aufzuziehen. Aber die aktuellen Debatten über Strompreisbremsen und Ökostromausnahmen sorgen bei Öko-Investoren für Unbehagen.

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Deutschland importiert Giftmüll – und zwar gerne

Von 21. März 2014 um 08:42 Uhr

Dieser Container hatte gefährliche Ladung: Gleich 20 Tonnen giftige Blei-Säurebatterien sind vergangene Woche via Schiff in Deutschland angekommen, meldet das Öko-Institut. Auf den ersten Blick habe ich, wie Sie vielleicht auch, gedacht: So what?

Der Clou ist: Eigentlich wären diese Batterien aus alten Autos und Lastwagen auf irgendwelchen illegalen Müllkippen in Ghana entsorgt worden. Die Säure wäre einfach in den Boden abgelassen worden, über dem offenen Feuer hätten Menschen versucht, noch Metalle herauszulösen. Das ist der typische Umgang mit Altbatterien in Afrika – mit all seinen fatalen, gesundheitlichen Folgen für Menschen und Umwelt.

Das Pilotprojekt “Best of two worlds “zwischen der Bundesregierung und Ghana will das ändern. Zum ersten Mal wurde der Batterieschrott in Afrika eingesammelt, sorgfältig verpackt und nach Europa, genauer: ins rheinland-pfälzische Krautscheid, zum Recycling geschafft. Sicher, man sorgt sich um Umwelt und Gesundheit in Afrika. Aber vor allem geht es auch um die wertvollen Ressourcen, die in den Plastikkästen stecken. In Deutschland hat Johnson Controls, ein großer Hersteller von Autobatterien, den Giftschrott aus Afrika umweltgerecht entsorgt – und das Blei zu fast 100 Prozent zurückgewonnen. Man könne die Batterien insgesamt zu 99 Prozent recyceln, wirbt das Unternehmen.

Am Ende soll es eine klassische Win-win-Situation sein: Afrika schont seine Umwelt, Europa gewinnt Rohstoffe. Und vor allem soll in Afrika die lokale Wirtschaft beim Einsammeln und Verschicken eingebunden sein, bislang passiert viel ja auf improvisiertem Weg. Die Idee ist, dass hochgefährliche Substanzen wie Blei und Säure am Ende in den Hightech-Industrien in Europa entsorgt werden.

Was Batterien angeht, macht das zumindest Sinn. Denn sicherlich stammt ein Großteil des Giftschrotts auch aus Europa. Gerade unsere Schrottautos sind ein beliebtes Importgut für Afrika. Jedes Jahr exportiert Deutschland laut Umweltbundesamt eine Million Autos. Der Großteil von ihnen landet zwar in der EU, aber ein Teil geht eben vor allem auch nach Afrika, wird dort ausgeschlachtet oder repariert. Wenn nun also Giftmüll-Batterien wieder in Deutschland zum Recycling landen, dann ist das eigentlich nur vor allem ein Beispiel für eine erfolgreiche Kreislaufwirtschaft.

 

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Weniger Strom, weniger Netz, weniger Kosten

Von 19. März 2014 um 15:31 Uhr

Leider ist mir immer noch kein besseres Wort für Energieeffizienz eingefallen. Stromsparen? Hmpf! Energieeffizienz killt ja leider jegliches Leserinteresse gnadenlos (Danke, dass Sie es bis hierhin schon geschafft haben).

Die Politik agiert leider ähnlich: In Berlin und Brüssel scheint es inzwischen Usus zu sein, dass sämtliche Vorschläge zu einem effektiveren Einsatz von Energie im Papierkorb laden. Zu Unrecht, wie heute eine Studie der Agora Energiewende zeigt. Der Think Tank in Berlin ist einflussreich, der ehemalige Chef Rainer Baake ist inzwischen als Staatssekretär einer der engsten Berater von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel.

Das Agora-Team kommt zu dem Schluss, dass Deutschland Milliarden sparen könnte, wenn es seine Energie sorgsamer einsetzt. Eine Reduktion des Stromverbrauchs um zehn bis 35 Prozent gegenüber heute, senke die Kosten im Jahr 2035 um zehn bis zwanzig Milliarden Euro. Deutschland spart Geld, weil es weniger für Öl und Gas ausgeben muss und daher weniger neue Kraftwerke braucht – egal ob fossil oder erneuerbar. Erstmals beziffert das Team auch die Effizienz in Euro: Eine eingesparte Kilowattstunde kann die Kosten des Stromsystems um elf bis 15 Cent im Jahr 2035 senken.

Spannend sind vor allem die Folgen für den Netzausbau. Denn die Kausalkette ist ja klar: Wird weniger Strom verbraucht, muss auch weniger transportiert werden – also kann man sich den Netzausbau sparen. (Das wird sicherlich Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer gern hören, der ja bekanntlich gegen jeden neuen Netzmeter wettert.)

Zieht man die bisherige Energiewendepolitik weiter durch, dann benötigt Deutschland bis zum Jahr 2050 rund 8.500 Kilometern neue Leitungen im Übertragungsnetz. Je nach Einsparehrgeiz lässt sich der Bedarf mehr als halbieren, teilweise auf sogar nur 1.750 Kilometer, wenn man von einer Reduzierung des Strombedarfs um bis zu 40 Prozent in 2050 ausgeht.

Das ist natürlich ein Extremszenario. Wenn sich die Bundesregierung allein an ihr bislang selbst gesetztes Ziel hält und das Stromsparziel aus dem Energiekonzept umsetzt (zehn Prozent weniger Stromverbrauch im Jahr 2020 und 25 Prozent weniger im Jahr 2050) spart sich Deutschland im Jahr 2035 rund zwölf Milliarden Euro, im Jahr 2050 sogar 21 Milliarden Euro.

Das Problem ist nur: Gerade die EU verpasst zurzeit die Chance, das Thema auf die Agenda zu setzen und im Rahmen der neuen Energie- und Klimaziele 2020 gesetzlich verbindliche Ziele zu setzen. In den aktuellen Entwürfen sind wieder keine gesetzlich verbindlichen Ziele genannt. Die schwarz-gelbe Vorgänger-Bundesregierung hatte das Thema ebenfalls erfolgreich verbaselt, weil das damals noch FDP-geführte Wirtschaftsministerium sämtliche Ambitionen in diesem Bereich immer abgeblockt hatte. Jetzt hat Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) die Energieeffizienz geerbt. Sie wird vor allem auf das Thema Stromsparen im Bausektor achten, schließlich lässt sich vor allem beim Heizen in deutschen Häusern noch viel Energie einsparen.

Verrückterweise bekommt das Thema aber zurzeit eine aktuelle Brisanz. Das Krisenland Ukraine belegt in Europa einen der letzten Plätze, wenn’s um den sparsamen Einsatz von Energie geht. Hier ließen sich Milliarden sparen, wenn das System reformiert wird. Viel mehr noch als in Deutschland.

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Offshore-Windparks könnten Fischfarmen werden

Von 6. Januar 2014 um 17:17 Uhr
Offshore-Windpark, Copyright: RWE

Offshore-Windpark, Copyright: RWE

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bela Buck nennt es das “Billy-Prinzip”, angelehnt an den Regale-Renner von Ikea. Buck will im großen Stil Steinbutte in Aquakultur züchten – und zwar in Käfigen. Weil aber der Plattfisch nun mal gerne am Boden liegt und nur zum Fressen sein Plätzchen verlässt, braucht man ein spezielles Käfigdesign. Am besten könnte man die Steinbutte in Etagenkäfigen unterbringen, glaubt Buck. Gestapelter Steinbutt aus der Nordsee sozusagen.

Buck denkt unkonventionell – und wirbelt damit gerade die Fischzucht in Deutschland auf. Der Wissenschaftler arbeitet am Alfred-Wegner-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven und will mit vielem Althergebrachten aufräumen. Weiter…

Kategorien: Allgemein, Fischerei

Der Luna Ring soll Solarstrom vom Mond liefern

Von 12. Dezember 2013 um 12:49 Uhr

Was ich an den Japanern mag, ist ihre extreme Technikbegeisterung. Jüngstes Beispiel ist Shimizu, einer der größten Baukonzerne Japans (operativer, geplanter Gewinn: 90 Millionen Euro in 2013). Das Unternehmen will – ernsthaft – einen riesigen Solaranlagen-Gürtel namens Luna Ring entlang des Mond-Äquators bauen. Hier ein Video des Chefs des Entwicklungssparte von Shimizu, Tetsuji Yoshida, der die Pläne ganz seriös erklärt:

Die Idee in Kurzform: Ein bis zu 400 Kilometer und 11.000 Kilometer breites Band aus Solaranlagen soll einmal komplett den sich drehenden Mond umspannen. Es produziert auf der sonnenzugewandten Seite Solarstrom, der mithilfe von Kabeln auf die der Erde zugewandte Seite transportiert wird.

Mithilfe von Mikrowellen und Lasern wird der Strom wiederum zur Erde geschickt und dort in riesigen Konvertern umgewandelt. Nach Angaben des britischen Telegraphs ließen sich so 13.000 Terawattstunden Solarstrom produzieren. In welchem Zeitraum ist allerdings unklar (zum Vergleich der deutsche Strombedarf: rund 500 Terawattstunden im Jahr). Spätestens im Jahr 2035 lasse sich, so Shimizu, ein solches gigantisches Energieprojekt realisieren.

Nun lässt sich das alles leicht als Humbug abtun. Spielt man die Pläne einmal durch, stößt man nur auf Probleme: Wie soll sich der Mond in eine gigantische Energiewenden-Baustelle verwandeln? Werden künftig Astronauten-Bautrupps im Schichtdienst auf dem Mond Betonmischer rühren? Wie steht es um die Eigentumsrechte? Und überhaupt: Die letzte bemannte Mondmission war im Jahr 1972. Damals haben wir dort oben das Sammeln von Gesteinsbrocken perfektioniert. Eine Baustelle im Weltall zu unterhalten und ein Technikprojekt zu warten, das ist wohl eine andere Liga.

Mir gefällt allerdings an dem Projekt, an dem Shimizu bereits seit Jahren feilt, das Visionäre. Shimizu präsentiert den Luna Ring gleich zu Beginn auf seiner Homepage unter der Rubrik “Träume”. Dort gibt es noch andere abgefahrene Ideen wie etwa eine künstliche, schwimmende Öko-Insel.

Auch wenn das Konzept extrem unrealistisch ist und vielleicht auch einfach gar keinen Sinn macht: Wann haben deutsche Konzerne mal nicht über die Energiewende geklagt, sondern einfach mal unkonventionelle Ideen präsentiert? Das kann gerne als Aufruf verstanden werden: Her mit den Präsentationen: marlies.uken@zeit.de

Altmaier und Kraft planen Trip nach Brüssel

Von 5. November 2013 um 17:10 Uhr

Man könnte es eine Fortbildungsreise nennen. Am Donnerstag wollen Peter Altmaier (CDU) und Hannelore Kraft (SPD), die für eine mögliche Große Koalition gerade die Energiethemen verhandeln, gemeinsam nach Brüssel reisen. Über den Besuch aus Berlin darf sich EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia freuen. Der kleine Spanier spielt inzwischen eine Schlüsselrolle, wenn es um die Förderung und Nicht-Förderung erneuerbarer Energien geht. Also um das, was Kraft und Altmaier zurzeit verhandeln.

Das deutsche Duo will bei der EU-Kommission – salopp gesagt – die Lage abchecken. Deutschland muss sein Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) reformieren, denn die Kosten drohen langsam aus dem Ruder zu laufen. Da ergibt es Sinn, einmal in Brüssel nachzufragen, was denn an möglichen neuen Regelungen auf die nächste Bundesregierung zukommt. Und wie man eine Reform des EEG möglichst wasserdicht hinbekommt.

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Friesen lassen das Bürgerstromnetz floppen

Von 17. Oktober 2013 um 10:50 Uhr

Gerade einmal 100 Bürger in Schleswig-Holstein wollen sich an einer Stromleitung vor ihrer Haustür beteiligen. Das hat der Stromkonzern Tennet, der die Anleihe ausgegeben hat, am Mittwoch mitgeteilt. Er hatte rund 160.000 Haushalte in den Landkreisen Dithmarschen und Nordfriesland eingeladen, in die sogenannte Bürgerleitung zu investieren. Sie beteiligen sich an der Westküstentrasse, einer rund 150 Kilometer langen Stromleitung, die Ökostrom aus dem Norden Richtung Süden abtransportieren soll. Im Gegenzug erhalten sie eine Rendite von anfangs drei, später fünf Prozent.

Doch die Bürger sind zurückhaltend. Insgesamt konnte der Konzern nur eine Million Euro einsammeln. Nun sind alle zerknirscht, wenn nicht gar abgeklärt: Bei Tennet heißt es, dass die hohen Erwartungen immer nur von außen an den Konzern herangetragen worden seien, man selbst habe das weitaus realistischer gesehen. Tennet-Chef Lex Hartman sagte:

Der Erfolg des Projekts bemisst sich für uns nicht in der Anzahl der gezeichneten Anleihen. Im Vordergrund steht die Erweiterung unseres intensiven Dialog-Verfahrens um ein weiteres Element.

Die Erwartungen an die Bürgerleitung waren enorm und politisch aufgeladen. Es geht schließlich um die Energiewende und inwiefern die Politik die Bürger eigentlich mitnimmt. Die Bürgerleitung sollte die Lösung sein. Wenn sich Menschen aus der Region an den Gewinnen aus dem Stromnetzbetrieb beteiligen können, dann leisten sie vielleicht weniger Widerstand gegen den Bau der neuen Strommasten, die gerade in Schleswig-Holstein dringend benötigt werden. Selbst Noch-Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) hatte sich für die Idee stark gemacht und betont, dass die Bürgeranleihe “erheblich dazu beitragen (könne), die Akzeptanz für den überregionalen Netzausbau zu stärken”.

Warum also war das Interesse sogar so gering, dass selbst die Zeichnungsfrist Ende August noch einmal verlängert werden musste? Ich glaube, es lag einfach an der Konstruktion des Wertpapiers. Tennet hatte es als Hybrid-Anleihe an der niederländischen Tennet Holding gestaltet – und das war sicherlich den Bürgern einfach zu kompliziert. Eine Hybridanleihe ist, vereinfacht gesagt, ein Mix aus Fremdkapital und Eigenkapital. Geht Tennet pleite, dann werden Inhaber des Bürgerleitungspapiers nur nachrangig bedient. Man ist eben kein Premiumgläubiger. Will man vorher verkaufen, ist unklar, wie hoch der Verkaufspreis sein wird, zumal es sich um einen extrem kleinen, kaum liquiden Markt handelt.

Die Verbraucherzentralen hatten daher im Vorfeld die Bürgeranleihe scharf kritisiert und sie wegen der Risiken als “ungeeignet” für Verbraucher bezeichnet. Die NordLB, die in ihrer Analyse zum Urteil “fair” kommt, betont auch, dass die Renditen entscheidend vom Baubeginn der Trasse abhängen. Tennet verspricht, anfangs drei Prozent Zinsen zu zahlen. Sobald allerdings der Bau losgeht, sollen es fünf Prozent sein. Anleger müssten sich, so die NordLB, bewusst sein, dass der Zinssatz vom Baubeginn, aber auch von den Bedingungen der Bundesnetzagentur abhänge, die den Stromnetzbetrieb reguliert.

“Die Anleihe war nur für risikofreudige Anleger interessant”, sagt Peter Ahmels vom Forum Netzintegration, der seit Monaten den Stromnetzausbau im Norden mitbegleitet. Den “Normalbürger”, der ja Zielgruppe gewesen sei, habe sie eindeutig nicht erreicht. Trotzdem bleibt Ahmels gelassen. “Ein Versuch war es wert.”

Und der nächste Schritt? Tennet will jetzt einen “intensiven Dialog” mit allen Beteiligten starten. In den nächsten Wochen werden nun die Anfragen der Bürger sowie Umfragen ausgewertet. Was war falsch, was richtig? Es wird spannend, ob sich bis dahin die Politik, respektive der Bundesumweltminister, zu dem gescheiterten Pilotprojekt äußern werden. Und ob es nicht einfachere Alternativen zu einer Hybridanleihe gibt.

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Warum Biobauern aufgeben

Von 10. September 2013 um 12:00 Uhr

Vielleicht kennen Sie das: Man kommt aus dem Urlaub zurück, der Kühlschrank ist leer und es ist prinzipiell Sonntag. Erst am Wochenende trieb mich diese Notlage in einen Lidl – und ich war einmal mehr baff, wie groß doch das Bioangebot der Billigbilligbilliger ist. Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft bestätigt den Eindruck: Allein in den vergangenen vier Jahren hat das Handelsvolumen mit Bioprodukten um 21 Prozent zugelegt, so der BÖLW. Der Sieben-Milliarden-Euro-Markt in Deutschland wächst stetig, immer mehr Verbraucher wollen Bio.

Das Verrückte ist nur: Das Angebot kommt nicht hinterher. Zahlreiche Biobauern in Deutschland geben ihre Betriebe auf. Warum viele nicht durchhalten, hat das Von-Thünen-Institut, das Forschungsinstitut des Landwirtschaftsministeriums, erstmals umfassend untersucht. Mehr als 600 Biobauern geben demnach jährlich auf, das sind fünf Prozent der Biobauern. Die Autoren sprechen von einer “nicht unerheblichen Zahl” von Betrieben, die aus der Ökoproduktion aussteigen. Der Großteil von ihnen baut wieder klassisch an (3,4 Prozent), darf also wieder Pestizide einsetzen und genverändertes Futter in den Trog schütten. Manche geben den Betrieb ganz auf. Das hat zur Folge, dass im vergangenen Jahr die Ackerfläche, die ökologisch bewirtschaftet wird, nur um 1,8 Prozent zunahm – ein Rekordtief.

Auf mehr als 300 Seiten analysieren die Wissenschaftler ausführlich, warum die Biobauern einknicken. Es ist immer ein Mix aus Gründen: fehlende Wirtschaftlichkeit; strenge Vorgaben der Ökorichtlinie, die gerade für kleine Betriebe nicht erfüllbar sind; manchmal ist es auch einfach pure Desillusion. Oder Frustration darüber, dass man ein Einzelkämpfer ist. Dass die Direktvermarktung nicht klappt oder Bundesländer – wie etwa Brandenburg – Umstellungsprämien für neue Biobauern einfach aussetzen.

Spannend daran ist, dass die finanziellen Spritzen des Staates, also etwa die Umstellungsprämien der Bundesländer und ihre Planbarkeit, für Biobauern weniger wichtig sind als die Marktpreise, die sich am Ende für Bioprodukte erzielen lassen. Der Vorwurf, dass nur Förderprämien die wirtschaftliche Grundlage für Biobauern sind, läuft also ins Leere.

Die Studie stellt die Politik vor ein Problem. Denn Deutschland hat sich zum Ziel gesetzt, dass mindestens 20 Prozent der deutschen Äcker ökologisch bewirtschaftet werden. Aktuell sind es laut BÖLW gerade einmal 6,2 Prozent. Zwar nimmt netto die Zahl der Biobetriebe immer noch zu. Aber was ist sinnvoller, als zumindest die Biobauern, die man schon an Bord hat, auch dort zu behalten und so das Ziel einfacher zu erreichen?

Hiltrud Nieberg, Mitautorin der Studie, sieht sowohl die Politik also auch die Biobauern in der Pflicht. Sie empfiehlt, dass Biobetriebe am Anfang einen regelmäßigen Betriebscheck durchlaufen müssen. “Wenn die Politik die Ökolandwirtschaft unterstützen will, dann muss sie selbst nicht nur verlässliche finanzielle Rahmenbedingungen gewährleisten, sondern darf auch von den Biobetrieben verlangen, sich zu den Voraussetzungen, Chancen und Risiken der Umstellung beraten zu lassen.” Das gelte vor allem in den ersten Jahren nach der Umstellung.

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Sommerhitze treibt den Strompreis

Von 26. Juli 2013 um 15:14 Uhr

Hier in Berlin sind es aktuell 30 Grad Celsius, ein perfekter Einstieg ins Wochenende. Nein, ich werde jetzt garantiert nicht über die Hitze jammern. Stattdessen war ich kurz auf der Internetseite der Leipziger Strombörse. Und da gibt es einige ganz spannende Entwicklungen zu entdecken: Der Börsenstrompreis auf dem Spotmarkt, der die kurzfristigen Entwicklungen abzeichnet, zieht nämlich seit ein paar Tagen kräftig an. Am Donnerstag kostete die Megawattstunde mehr als 51 Euro, so viel wie seit Ende Mai nicht mehr.

Warum das so ist, zeigt folgende Grafik von Agora Energiewende, einem Berliner Think Tank.

Sie haben die Daten der EEX und den Übertragungsnetzbetreibern grafisch aufbereitet. Daran sieht man: Deutschland erlebt gerade schönsten Sonnenschein (viele gelbe Kegel über Tag) und eine Windflaute (wenig Blaues). Den Großteil der Stromnachfrage decken zurzeit also konventionelle Kraftwerke.

Stromangebot und Nachfrage © Agora Energiewende

Stromangebot und Nachfrage © Agora Energiewende

Die Windproduktion liegt laut EEX bei gerade einmal rund 500 Megawatt. Für Tobias Federico, Geschäftsführer von Energy Brainpool, ist das sehr wenig: “4.000 Megawatt wären normal”, sagt er.

Und nun wird der Strompreis natürlich durch Angebot und Nachfrage gebildet: Die Nachfrage ist wegen des hohen Kühlbedarfs relativ hoch (wobei die Ferienzeit ein wenig dämpfend wirkt). Auf der anderen Seite ist das Angebot zumindest an Ökostrom nicht gerade richtig groß: Es ist zwar heiß, aber nicht unbedingt sonnig. Eigentlich sind in Deutschland rund Solaranlagen mit 32.000 Megawatt Leistung installiert. Laut EEX werden aber aktuell nur etwa 14.000 Megawatt eingespeist, also nur die Hälfte.

Warum? Den Solaranlagen ist es einfach zu heiß. Je heißer es wird, desto schlechter arbeitet eine Solaranlage, sie mag es eben sonnig, aber nicht zu heiß.

Auf eine Zahl werden die Stromkonzerne nun in den kommenden Tagen besonders schauen: die Wassertemperatur der Flüsse. Denn ob AKW oder Kohlekraftwerk: Die Meiler müssen gekühlt werden. Und irgendwann sind Elbe oder Rhein einfach zu warm, 28 Grad gilt als Grenzmarke. Dann müssen die Betreiber in der Regel ihre Kraftwerke noch besser kühlen oder eben zurückfahren. Noch aber ist Federico gelassen: “Wir haben keine Versorgungsengpässe”, sagt er. Die Elbe ist aktuell 23 Grad warm.

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Weltgrößte Förderbank wendet sich von Kohle ab

Von 24. Juli 2013 um 17:46 Uhr

Die Europäische Investmentbank (EIB), nach eigenen Angaben die weltgrößte staatliche Förderbank, hat am Dienstag eine kleine Revolution beschlossen. In ihren neuen Förderrichtlinien, welche die Bank heute bekannt gab, findet sich de facto das Aus für die Finanzierung von Kohlekraftwerken. Zukünftig will die EIB, die so etwas ist wie die KfW für Europa, nur noch Kraftwerke mitfinanzieren, die maximal 550 Gramm Kohlendioxid je Kilowattstunde emittieren. Damit will die Bank die 28 EU-Mitgliedsstaaten bei der Umsetzung der europäischen Klimastrategie unterstützen. Die neuen Emissionsstandards würden garantieren, dass die Bank durch ihre Förderpolitik im Energiebereich einen nachhaltigen und positiven Beitrag zu mehr Wachstum leiste, sagt Vizepräsident Mihai Tanasescu.

Was die neuen Richtlinien für die einzelnen Energieträger bedeuet, zeigt diese Grafik:

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