Erik Hauth

Kümmert euch doch um die Elbchaussee

Gut gemeint, dass an den Elbstrand in Altona ein Radweg gebaut werden soll. Letztlich weicht die Stadt damit aber einem größeren Konflikt aus.

Als Blankeneser, der seit zwanzig Jahren in Ottensen lebt, stürzt mich die Diskussion um den geplanten Fahrradweg am Oevelgönner Elbstrand in ein Dilemma. Einerseits halte ich die Idee des Bezirksamtes Altona, einen Fahrradhighway aus den Vororten in die Stadt zu bauen, für zeitgemäß und längst überfällig.

Ich sehe jeden Morgen bei Facebook ein Foto einer guten Freundin, die im Treppenviertel wohnt, sie macht es immer am Beginn ihrer Fahrradtour zur Arbeit in die Innenstadt. Bei jedem Wetter knipst sie den Blankeneser Anleger und den Fahrradweg am Elbufer, ihren Startpunkt. Und oft muss ich daran denken, was ihr danach bevorsteht: Nachdem sie den ganzen Weg bis an die Grenze von Othmarschen nach Ottensen an der Elbe gefahren ist, muss sie in Oevelgönne bis zum Anleger Neumühlen schieben. Erst danach kann sie sich wieder für den Rest der Strecke in den Sattel schwingen. Weiter"Kümmert euch doch um die Elbchaussee"

 
Frank Drieschner

Verkehr

Es grünt so grün

Die Regierung prüft ein neues Verkehrsschild – soll Radfahrern erlaubt werden, was Autofahrer nicht dürfen?

Wie sehr die Kräfteverhältnisse im Straßenverkehr sich gerade ändern, sieht man am Grünen Pfeil für Radfahrer. Ein Vorschlag des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) und der Linkspartei, der dem Hamburger Regierungslager noch vor einem Jahr zu radikal erschien, kommt nun aus dem CSU-geführten Bundesverkehrsministerium. Auch als Wähler haben Radfahrer offenbar inzwischen eine kritische Masse erreicht: Wer regieren will, muss sich um sie bemühen. Weiter"Es grünt so grün"

 
Ana und Urs Willmann

FC St. Pauli - Hannover 96

Mehr Papier bitte!

Unentschieden gegen den kleinen HSV: Beim Spiel gegen Hannover 96 haben diesmal die St.-Pauli-Fans gezeigt, wie man gegen solche Mannschaften Punkte holen kann.

Als erfahrene Supporter wissen St.-Pauli-Fans, wie man gegen einen HSV zu handeln hat: mit viel Zellulose. 2009 eliminierte der Stoff den Hamburger SV aus der Europa League. Im Halbfinale gegen Werder Bremen missriet seinerzeit HSV-Verteidiger Michael Gravgaard eine Rückgabe, weil eine von Fans auf den Rasen geworfene Papierkugel sich ins Spiel eingemischt hatte. Es gab Ecke und ein alles entscheidendes Tor für Bremen.

Wir erinnern uns auch daran, dass wenige Tage nach jenem Ereignis die schadenfreudigen St.-Pauli-Fans eine überdimensionale Papierkugel 90 Minuten lang über den Köpfen durch das Millerntor wandern ließen: Als ein Hoch auf alles, was den Stadtrivalen HSV irgendwie aus dem Tritt bringt.
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Oliver Hollenstein

Schule

Weniger sind mehr

Die Lehrer unterrichten heute weniger Schüler pro Klasse? Stimmt. Aber durch die Inklusion ist die Arbeit trotzdem gewachsen.

Wer in Hamburger Schulen nach der aktuell größten Herausforderung fragt, hört immer wieder ein Wort: Inklusion. Kinder aller Leistungsstufen gemeinsam zu unterrichten, inklusive jenen mit Behinderungen, Sprach- und Lernschwierigkeiten oder psychischen Problemen, gilt unter pädagogischen Theoretikern als höchste Form des Unterrichts – und bei vielen Praktikern wahlweise als unmöglich oder unter derzeitigen Bedingungen als mindestens sehr schwierig.

Es ist daher keine Überraschung, dass die Volksinitiative »Gute Inklusion« bereits nach sechs Wochen die erforderlichen 10 000 Unterschriften gesammelt hat. Für die Schulbehörde und die Koalition aus SPD und Grünen sollte der schnelle Erfolg eine Aufforderung sein, die Sorgen aus den Schulen ernster zu nehmen. Weiter"Weniger sind mehr"

 
Aimen Abdulaziz-Said

Hamburger SV

Fast wie Barcelona gegen Paris

Der HSV gewinnt gegen Gladbach und bleibt im Volksparkstadion seit November ungeschlagen. Für Spannung sorgte auch Schiedsrichter Deniz Aytekin.

"Ach, guck mal, Deniz Aytekin pfeift das Spiel", sagte mein Kumpel Tim vor dem Anpfiff. "Hoffentlich lässt er wieder so lange spielen, bis die Heimmannschaft führt." Aytekin hatte unter der Woche das unglaubliche Champions-League-Spiel zwischen dem FC Barcelona und Paris Saint-Germain gepfiffen, in dem sich Barcelona erst in der fünften Minute der Nachspielzeit das Ticket zum Viertelfinale gesichert hatte. Die Partie zwischen dem HSV und Borussia Mönchengladbach wurde zwar nicht ganz so dramatisch, aber ebenfalls hochspannend. Und auch Schiedsrichter Aytekin sollte seinen Anteil daran haben.

Der HSV kam wie schon vor knapp zwei Wochen im DFB-Pokal besser in die Partie als die Gladbacher, nutzte seine Chancen zunächst jedoch nicht. Die größten Gelegenheiten ließen Kyriakos Papadopoulos und Gideon Jung nach knapp zehn Minuten verstreichen. Ganz anders die Gladbacher: In der 22. Spielminute nutzen sie ihre erste richtige Torchance und gingen mit 1:0 in Führung. Es folgte ein Wechselbad der Gefühle. Weiter"Fast wie Barcelona gegen Paris"

 
Ana und Urs Willmann

FC St. Pauli

Bitte keine Gegner auf der Südtribüne

Der FC St. Pauli verliert gegen Union Berlin. Damit enden zwei Serien. Eine neue, abseits des Rasens, hat dagegen begonnen.

Wer am Freitag auf der Gegengeraden stand, brauchte beim Anblick der Südkurve eine Schweißerbrille, um nicht geblendet die Anfangsphase des Spiels zu übersehen. So schön hell wie noch nie illuminierten die Ultras pyrotechnisch das Millerntor vor dem Spiel; man hätte sich die Stadionbeleuchtung sparen können. Und umgehend fragten wir uns zwei Dinge: Erstens natürlich, was das wieder kosten würde – vermutlich 20.000 Euro. Und zweitens: Ob die Lichtshow ein Vorgeschmack auf die bevorstehende Soliparty am Samstagabend im Centro Sociale sein sollte. Da wollte man Kohle sammeln für die Braun-Weiße Hilfe. Diese Organisation unterstützt Fans, denen infolge eines Stadionverbots der Genuss st.-paulianischer Fußballkultur vorenthalten bleibt.

Nach dem hübschen Intro ging es in der Partie darum, ob zwei Serien anhalten würden. Wir dürfen vorweg nehmen: Sie taten es beide nicht. Wir hatten fünf Spiele lang nicht verloren, Union Berlin noch nie am Millerntor gewonnen. Am Ende stand es 1:2. Nach großartigem Spiel. Ein leider verdienter Sieg der Gäste. Weiter"Bitte keine Gegner auf der Südtribüne"

 
Ana und Urs Willmann

FC St. Pauli

Wir Seriensieger

Gegen 1860 München dreht der FC St. Pauli ein schwieriges Spiel und bringt seine Fans in eine ungewohnte Situation. Wie umgehen mit fünf Spielen ohne Niederlage?

Es wird zu viel des Guten. Erst brauchen wir ein Dutzend Partien, um überhaupt mal wieder zu gewinnen, dann legen wir gleich eine Serie mit fünf Spielen ohne Niederlage auf den Rasen. Und jetzt will dieser positive Lauf einfach nicht mehr abbrechen. Wie soll man als St.-Pauli-Fan plötzlich mit so einer Situation umgehen können? Eine Identitätskrise droht. Es sei denn, wir schaffen es, uns mental auf eine Zukunft als Seriensieger einzustellen.

Am Samstag ging es auswärts gegen 1860 München. Besonders gut lief es in der ersten halben Stunde nicht, die Partie nahm eher den traditionellen Gang. Die Löwen setzten uns von Anfang an mit Pressing unter Druck. Das 1:0 in der 27. Minute: verdient. Bei so einem Rückstand im fremden Stadion in der ersten Hälfte lehnt sich der erfahrene St.-Pauli-Fan normalerweise zurück. Er versucht, sich innerlich mit der Tatsache vertraut zu machen, dass die Siegesserie nun wohl leider vorbei sei. Weiter"Wir Seriensieger"

 
Frank Drieschner

Strafjustiz

Ausbrechender Wahlkampf

In Hamburg entkommt ein gefährlicher Straftäter – und wer hat angeblich Schuld? Der Justizsenator. Ein Unsinn!

Erinnert sich noch jemand an Oleg Buchilov? Er war ein Untersuchungshäftling, der 2007 aus dem Hamburger Gefängnis am Holstenglacis entkam. Die Wachttürme der Anstalt waren "im Interesse eines bedarfsgerechten Personaleinsatzes" nicht besetzt worden, wie die Justizbehörde später erklärte, und die Wachen hatten die automatischen Warnsignale für einen Fehlalarm gehalten. Oder an "Milliarden-Mike", der sich 2010 während eines Hafturlaubs durch ein Toilettenfenster in der Wohnung seiner Mutter zwängte und verschwand?

2007 leitete der CDU-Mann Carsten Lüdemann die Justizbehörde, 2010 war es der heutige Justizsenator Till Steffen, damals unter Bürgermeister Ole von Beust. Auch die SPD-Senatorin Jana Schiedek, die 2011 ins Amt kam, hatte ihren Ausbruch. Und 2004, als innerhalb von zehn Monaten fünf Häftlinge aus dem gerade neu in Betrieb genommenen "Schweizer-Käse-Knast" Billwerder ausbrachen, war der CDU-Hardliner Roger Kusch im Amt.
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Ana und Urs Willmann

FC St. Pauli - Karlsruher SC

Fast ein 8:0

Der Rübenacker ist fort, prompt geschieht am Millerntor etwas höchst Ungewöhnliches: Der FC St. Pauli gewinnt nicht nur – er tut es hoch.

Endlich wieder Rasensport! Am Montagabend durften wir neues Grün am Millerntor bewundern. Von oben herab sah man die frisch verlegten Bahnen. Ein erfreulicher Anblick – doch die Vorfreude auf gepflegtes Kurzpassspiel war gepaart mit der Angst, Chefabräumer Bernd Nehrig könnte mit seinen gefürchteten Grätschen die perfekte Spielmatte in wenigen Minuten in den Rübenacker zurückverwandeln, mit dem sich unsere Fußballer eine halbe Saison lang haben herumschlagen müssen.
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