Ana und Urs Willmann

Bielefeld - St. Pauli

Vergolden statt jammern

Der FC St. Pauli kassiert gegen Arminia Bielefeld in der Nachspielzeit ein unverdientes Gegentor – und zeigt, wie man dem verlorenen Sieg Gutes abgewinnen kann.

Am Ende stehen wir da mit zwei geschossenen Abseitstoren, aber nur einem regulärem. Mit nur einem statt den verdienten drei Punkten, weil ein Bielefelder den Ball in der 93. Minute über die Torlinie stocherte. Man müsste sich ärgern, weil wir in einem durchwachsenen Spiel die deutlich bessere Mannschaft waren. Oder man weigert sich, dem Frust nachzugehen, so wie Ewald Lienen. Versuchen  wir's. Weiter"Vergolden statt jammern"

 
Aimen Abdulaziz-Said

Sergejs Erben

Verschenkte Punkte

Der HSV unter Druck, zwei Offensivspieler fehlen – unter den Umständen ist doch ein 2:2 gut, oder? Nein, es wären drei Punkte möglich gewesen.

Der HSV stand vor dem Spiel gegen Freiburg - mal wieder - unter Druck. Zwar hatten die Hamburger zuvor zwei Ligaspiele in Folge gewonnen, doch der Abstand auf den Relegationsplatz betrug trotzdem nur drei Punkte. Nachdem die beiden größten Konkurrenten im Abstiegskampf, Bremen und Ingolstadt, ihre Spiele am Nachmittag gewonnen hatten, wäre der Vorsprung im Falle einer Niederlage auf null Punkte zusammengeschmolzen. Weiter"Verschenkte Punkte"

 
Ana und Urs Willmann

FC St. Pauli – Dynamo Dresden

Brauner Matsch

Zweiter Sieg in Folge: Nach dem 2:0 gegen Dynamo Dresden verlässt der FC St. Pauli endlich das Tabellenende. Nur: Geredet wird über anderes.

Fußballerisch läuft es wieder bei St. Pauli. Den Schwung aus dem siegreichen Spiel gegen Eintracht Braunschweig hat die Mannschaft mitgenommen. Im Heimspiel gegen die sächsische SG Dynamo aus Dresden trat sie genauso dynamisch auf wie in Niedersachsen. In Kombination mit dem maladen Rasen am Millerntor machte sich dies folgendermaßen bemerkbar: ein hochfrequentiges Hin und Her, das den Boden in Rekordzeit vom letzten Grün befreite und in braunen Brei verwandelte. Dresdens Trainer Uwe Neuhaus konnte sich auf der Pressekonferenz nach dem Spiel – Gründe für die kurz zuvor kassierte Niederlage zusammenlesend – eine Bemerkung zum Matsch am Millerntor nicht verkneifen. Weiter"Brauner Matsch"

 
Erik Hauth

FC St. Pauli

Der Winterschlaf ist vorbei

St.-Pauli-Fans sind mit einem Banner im Spiel gegen Dresden weit über die Grenzen des Anstands hinausgegangen. Die Aktion zeigt aber auch: Die Politik ist zurück.

In Hamburg herrschen Minustemperaturen – doch davon merkt man beim FC St. Pauli gerade nicht besonders viel. Sportlich wie politisch.
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Aimen Abdulaziz-Said

Es fällt schwer, nicht abzuheben

Drei HSV-Siege in einer Woche machen unseren Kolumnisten euphorisch. Zumal mit Papadopoulos der ersehnte Führungsspieler gefunden zu sein scheint.

Es gibt im Fußball eine Reihe von ungeschriebenen Gesetzen. Zum Beispiel jenes, wonach die Spieler sich beim Torjubel gefälligst zurückzuhalten haben, wenn sie gegen einen ihrer Ex-Klubs treffen. Vor dem Spiel gegen den RB Leipzig stand HSV-Verteidiger Kyriakos Papadopoulos daher besonders im Fokus. Der Grieche, der vom HSV aus Leipzig ausgeliehen wurde und noch bei Bayer Leverkusen unter Vertrag steht, hatte bereits am vergangenen Wochenende beim 1:0-Sieg gegen die Leverkusener gezeigt, was er von diesem Verhaltenskodex hält: nichts. Papadopoulos bejubelte seinen Siegtreffer, als hätte er dem HSV gerade den vorzeitigen Klassenerhalt gesichert. Weiter"Es fällt schwer, nicht abzuheben"

 
Aimen Abdulaziz-Said

Hamburger SV

Der HSV braucht einen Tom Brady

Erst kämpferisch, dann spielerisch: Der HSV hat gegen Leverkusen und Köln überzeugt. Weil ein bestimmter Spielertyp fehlt, kann es aber schnell wieder anders aussehen.

"Wir sind eine Truppe der Extreme." Diesen Satz hat HSV-Torwart René Adler vor ziemlich genau einem Jahr gesagt. Dass diese Aussage nichts an Aktualität eingebüßt hat, zeigen die vergangenen Tage: erst die katastrophale Leistung bei der 1:3-Niederlage in Ingolstadt, dann der erkämpfte Sieg gegen Leverkusen, und schließlich der souverän herausgespielte Sieg im Pokal gegen Köln. Abstiegskampf in der Liga, Viertelfinale im Pokal. Heute so, morgen so.

Wo der Ursprung dafür liegt, ist naheliegend: Spielzeiten, wie sie der HSV in den vergangenen Jahren erlebt hat, gehen an keiner Mannschaft spurlos vorbei. Als Markus Gisdol im vergangenen September Trainer wurde, traf er auf den vermutlich labilsten Bundesligisten. Seine Hauptaufgabe bestand von Anfang an darin, seinen Spielern gut zuzureden, sie an sich selbst glauben zu lassen. Nun, nach einer ganzen Weile des guten Zuredens, stellt sich allerdings die Frage, warum sie das nur manchmal tun. Weiter"Der HSV braucht einen Tom Brady"

 
Ana und Urs Willmann

Eintracht Braunschweig - FC St. Pauli

Das war immer so

Ein Auswärtssieg des FC St. Pauli beim Tabellenführer Braunschweig ist der Startschuss zum Nichtabstieg. Exakt wie vor zwei Jahren.

Jan-Philipp Kalla, genannt "Schnecke", wusste es. Auswärtsspiele bei Eintracht Braunschweig, so orakelte unser rekonvaleszentes Urgestein, bedeuten die Wende. Gefühlt war das immer so, statistisch immerhin einmal, vor zwei Jahren: "Das war damals eine Art Brustlöser für uns." Das Gastspiel bei den Niedersachsen im Frühjahr 2015 rettete eine Saison, die bis zu dem Zeitpunkt eine Grottensaison war. Keiner hatte mehr Pfifferlinge auf uns gesetzt, doch wir gewannen mit 2:0. Am Ende der Saison stand der Nichtabstieg. Und wer traf damals in die Maschen? Lasse Sobiech.

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Justus Ledig

Kreator

Schön schreien

Vom hanseatischen Kuttenkumpel in den 50ern bis zum Nachwuchsfan im Baseballcap: Die Thrash-Metaller Kreator haben ihre Hamburger Freunde auf Touren gebracht.

Es muss für die Musical-gewohnten Mitarbeiter der Halle am Großmarkt eine gewisse Belastung sein, sich den ganzen Abend sägende Gitarren, peitschende Drums und zornige Schreie durch die Gehörgänge jagen zu lassen. Doch das erst vor zwei Jahren entstandene Mehr!-Theater, in dem ab Sommer das Ballett-Musical Billy Elliot laufen soll, wird immer häufiger zum Schauplatz von Konzerten härterer Gangart. Alles an diesem Abend wirkt professionell. Die Ruhrpott-Metaller Kreator sind zu Gast und teilen sich die Bühne mit Sepultura aus Brasilien, den Schweden von Soilwork und den multinationalen Aborted.

Letztere machen mit kompromisslosem und sensationell brutalem Death-Metal-Geknüppel den Auftakt in der eindrucksvollen Halle des Hamburger Architekten Hermkes. Das Konzert ist nicht ganz ausverkauft und so bleibt es über den ganzen Abend den Umständen entsprechend gemütlich. Von Kuttenkumpels in ihren 50ern bis zu Baseballcap-tragenden Nachwuchsfans ist alles anwesend, ein typisches Metal-Konzert in Hamburg eben. Der äußerliche Kontrast der Chaos-Horden zum Barpersonal in feinen Hemden ist groß.
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Kilian Trotier

Bundesligafußball

Lieber mal zum Handball

Der Hamburger Fußball ist ein Trauerspiel. Wer Sport liebt, muss sich neu orientieren. Zum Glück gibt es in der Stadt tolle Möglichkeiten.

Katastrophe. Der HSV tritt mit großen Erwartungen und noch größerer Zuversicht beim Abstiegskandidaten FC Ingolstadt an, liegt nach 20 Minuten mit 0 : 2 zurück und verliert am Ende völlig verdient mit 1 : 3.

Bitter. Der FC St. Pauli ringt dem VfB Stuttgart 84 Minuten lang ein 0 : 0 ab. Dann zirkelt ein Spieler der Gäste den Ball schön in den Winkel, der FC St. Pauli verliert mit 0 : 1, und der Rückstand auf die Konkurrenz im Abstiegskampf wächst.

Es gibt Zittern, es gibt Fluchen, es gibt Pleiten, es gibt Angst. Vorsichtig formuliert ist es gerade keine Freude, in Hamburg Sportfan zu sein.

Oder?
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