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Handelskammer Hamburg

Reeder und Rebellen

 

Die Opposition in der Hamburger Handelskammer wird jetzt von traditioneller Seite unterstützt – und deswegen für die derzeitige Kammerführung richtig gefährlich.

Konservative reihen sich bei Rebellen ein, so kann man die jüngste Wendung im Kampf um die Macht in der Hamburger Handelskammer beschreiben. Eine, die viele nicht erwartet hätten. Und eine, die klarmacht, dass es jetzt ums Ganze geht.

Seit dieser Woche haben die oft als »Kammerrebellen« bezeichneten Unternehmer um den Berater Tobias Bergmann einflussreiche Unterstützer aus der maritimen Wirtschaft. Die Gruppe kämpft unter dem Namen »Die Kammer sind Wir« für mehr Transparenz in der Kammer und die Abschaffung der Pflichtbeiträge. Es ist eine Art Opposition gegen die derzeitige Kammerführung.

Ihre neusten Anhänger kommen nun also ausgerechnet aus einem Geschäft, das so konservativ ist wie kein anderes. Wo Unternehmer bis heute den dunkelblauen Blazer mit Goldknopf tragen. So wollen unter anderem die Schiffsmakler Walter und Christian Hinneberg, mit Adresse am Ballindamm, bei den Reedern für das Wir-Bündnis werben.

Reeder und Rebellen eint nicht viel, sollte man meinen. Aber wenn es um Geld und Einfluss geht, finden sich immer Koalitionen. In der maritimen Wirtschaft gibt es Unmut über die Pflichtbeiträge, die die Handelskammer erhebt – und dieser Unmut wird umso größer je tiefer die Firmen in die Krise rutschen. Auch der politische Alleinvertretungsanspruch der Kammeroberen missfällt den Unternehmern. Die Kammer sei ein »selbstgefälliges Eitelkeitsbiotop«. Mit der »Selbstbedienungsmentalität« müsse Schluss sein, fordern die gut vernetzten Brüder Hinneberg.

Am Freitag will die Wir-Gruppe ihre Kandidaten für das Plenum der Handelskammer bekannt geben. 58 sollen es insgesamt werden. Die Zahl macht den Anspruch klar: Es sind genauso viele Kandidaten, wie das Plenum gewählte Mitglieder hat. Darunter Johann Killinger, Inhaber des Hafenlogistikers Buss, oder Torsten Teichert, Chef des Lloyd-Fonds.

Aus strategischer Perspektive sind das kluge Personalien. Bergmanns Bündnis zeigt, dass es nicht nur aus grünen Spinnern und Schanzenhipstern besteht, sondern in der konservativen Mitte der Hamburger Gesellschaft angekommen ist. Von der Schanze bis zum Ballindamm, lautet wohl das neue Motto.

Für die Idealisten unter Bergmanns Anhängern ist das hart. Schließlich hat sich die maritime Branche selbst nie durch die von seiner Gruppe geforderte Transparenz ausgezeichnet, durch Bescheidenheit fielen die meisten auch nicht auf. Für die Kammerchefs dagegen heißt es, dass Bergmann jetzt Realpolitik macht – und das könnte ihnen wirklich gefährlich werden.

2 Kommentare

  1.   Gemkue

    Handelskammern sind in Deutschland ok fuer die, die sie unbedingt brauchen oder haben wollen. Fuer all die anderen aber, sind diese Kammern mit ihren widerlichen Zwangsbeitraegen so ueberfluessig wie ein Kropf. Gaebe es diesen Zwang nicht, gaebe es auch keine Handelskammern. Mich und viele tausende andere Kaufleute haben diese zwielichtigen Vereine noch nie ueberzeugen koennen.

  2.   DasImperiumSchlägtZurück

    Viel Erfolg! Den Allmachtsansprüchen und der Selbstbedienungsmenalität muß endlich eine Grenze aufgezeigt werden.