Ein Gespräch mit dem bekanntesten iranischen Blogger

Von 26. Februar 2007 um 14:24 Uhr

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Hossein Derakshan (aka Hoder), letzte Woche im “Good Friends”, Berlin. Foto: JL

Letzte Woche war Hossein Derakshan, der bekannteste iranische Blogger, wieder einmal in Berlin. Wir trafen uns, um über die Lage zu debattieren. Vor fast zwei Jahren hatte ich Hoder (so sein nom de plume) in der Zeit vorgestellt. Er hat für uns auch einen Kommentar zur Wahl Achmadinedschads geschrieben.

Hossein hat das Bloggen im Iran populär gemacht und ist bis heute eine Legende (sein Blog hier). Er lebte einige Jahre in Toronto, zur Zeit ist er ein veritabler Nomadeder immer wieder bei Freunden unterkommt.
Im letzten Jahr hatten wir uns über den Fall des Philosophen Ramin Jahanbegloo zerstritten, der im Iran verhaftet worden und zu einem Geständnis gezwungen worden war. Hossein hatte dieses Geständnis als ein Zeichen wirklichen Umdenkens gedeutet und damit letztlich dem Regime Recht gegeben, das Jahanbegloo subversive Umtriebe und Kontakte zu feindlichen westlichen Agenturen unterstellte.

Wir haben uns auch diesmal nicht über den Fall und seine Implikationen einigen können: Hossein hält es für illegitim für Iraner, sich in der angespannten Lage mit irgendeiner ausländischen Organisation einzulassen, die für eine Änderung des iranischen Regimes eintritt – selbst auf friedlichem Weg.

Ich finde dies falsch, weil es am Ende darauf hinausläuft, die iranische Zivilgesellschaft ihrem Schicksal zu überlassen und jede Unterstützung aus dem Westen als “Einmischung in die inneren Angelegenheiten” auszuschliessen.

Hossein halt selbst einmal anders argumentiert.

Er wird mittlerweile wegen seines neuen Kurses, angesichts eines drohenden Krieges die Legitimität des iranischen Regimes zu verteidigen, im Internet als Agent des Iran denunziert. Ich halte es für sehr unwahrscheinlich, dass dieser unabhängige Kopf sich derart einspannen lassen würde.

Er meint was er sagt, wenn er ankündigt, er werde notfalls den Iran verteidigen, wenn es zum Krieg kommt. Er ist nicht der einzige Iraner, der mit dem Regime in Konflikt steht und dennoch so denkt. Das sollte im Westen zur Kenntnis genommen werden.

Hossein war kürzlich zum wiederholten Mal in Israel, um dort klarzumachen, dass es viele Iraner gibt, die jeden Antisemitismus ablehnen und doch zu ihrem Land stehen. Ich finde dieses Engagement mutig und fast heldenhaft, denn er weiss, dass ihm dies die Rückkehr in den Iran so lange unmöglich machen wird, wie dort der Antizionismus/Antisemitismus Staatsdoktrin ist.

Zugleich verteidigt Hossein heute im Prinzip das Recht Irans nicht nur auf ein ziviles Atomprogramm, sondern sogar auf eine Atombombe, weil dies schlicht den unleugbaren Sicherheistinteressen des Landes entspreche. In der westlichen Öffentlichkeit ist das eine tabuisierte Position, was uns vielleicht darüber hinwegtäuscht, wie viele Iraner sie unterstützen (ohne dabei notwendigerweise die Mullahs zu unterstützen). Ich finde diese Position falsch, aber ich denke, sie sollte zur kenntnis genommen werden. Jedenfalls wäre es falsch zu glauben, demokratisch gesinnte junge Iraner seien durchweg “gegen die Bombe”.

Vor einem Jahr hat Hossein immerhin noch argumentiert, nicht die Bombe per se sei das Problem, sondern die undemokratische, tyrannische Natur des Regimes, das nach ihr strebt. Jetzt ist solcher Vorbehalt aus seinen Thesen verschwunden.

Im Licht eines möglichen Angriffs auf Iran, im Licht der Rückkehr einer zynischen westlichen Realpolitik, die sich mit den Lumpenregimen der Region verbündet, hat die Islamische Republik Iran für Hossein Derakshan plötzlich wieder so viel Legitimität, dass er sie mit der Waffe in der Hand verteidigen würde. Und das sagt jemand, der ins Land nicht einmal einreisen dürfte, ohne verhaftet und verhört zu werden.

Kategorien: Iran
Leser-Kommentare
  1. 9.

    I do partly agree with him. Especially when he writes:

    “But the events of the past two years — most notably with what’s happening in Iraq, along with last year’s presidential election and other unfortunate events in the region — has left no doubt in my mind, and in the minds of lots of secular Iranians, that the U.S. is behaving more and more like a reckless imperial force in search of new sources of energy and new markets to expand to economically. Therefore, even if Iran becomes the most peaceful, secular and progressive, yet still independent state on the planet, the U.S. would be unable to tolerate it. The U.S. would seek new excuses to topple Iran’s government and install their favorite instead.”

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    • 27. Februar 2007 um 02:22 Uhr
    • Mehran
  2. 10.

    @Mehran
    It is the US that bans Energy Imports from Iran to the US, not the other way around.
    Consequently your argument about energy ist plain wrong. You will have to face reality. Which mens, you can not shout “death to america” and develop nuclerar weapons at the same time. You can not sponsor Anti Western Terrorism and think you get away with it, after 9/11.
    And Iran is not a “peaceful, secular and progressive” state but an islamofashist terror sponsoring regime. So if you think this is about “imperialism” you just repeat what antidemocrats lie since about 100 years.

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    • 27. Februar 2007 um 02:53 Uhr
    • J.S.
  3. 11.

    Eigentlich ist es vollkommen Wurst, was ein Blogger über das iranische Atomprogramm hält. Wie Egmont Koch jüngst für die ARD dokumentiert hat, läuft das Nuklearprogramm seit 25 Jahren, bisher völlig unbehelligt und wohlwollend von einem duzend Geheimdiensten beobachtet. Jetzt ist es schlicht zu gross um noch abgebrochen zu werden. Es militärisch ausschalten zu wollen ist mal wieder eine völlig abwegige Phantasie durchgeknallter US-Neocons. Aber diese Halbaffen hatten ja auch den regime-change im Irak mit 5000 troops im Jahr 2002 geplant, wie wir alle mittlerweile wissen.

    Klar, der Iran wird früher oder später seine Bombe bekommen, und ich bin mit Chirac der Meinung “wen interessiert sowas”.

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    • 27. Februar 2007 um 12:32 Uhr
    • Josef G
  4. 12.

    Nun, es gibt eine Bedrohung der Menschheit dadurch dass überlebte und gescheiterte Kulturen nicht abtreten wollen, um den notwendigen Wandel zu ermöglichen. Der gottlose Kommunismus war gescheitert seine Machtfiguren waren weise genug das einzusehen, der christlich abendlänische und atlantische Kapitalismus ist auch gescheitert aber seine Eliten klammern sich an die Macht und ihre Pfründe und ihre Machtbasis ist das Strohfeuer des Ölbooms und die Atomwaffen über die sie sich durch durch Missbrauch der Demokratie der Medien , und der Wissenschaft und Militär die Kontrolle verschafft haben. Deshalb geht es in diesem Krieg, dass die Menschheit einen weiteren Schritt tun kann, weshalb jeder der guten willens ist seinen Teil beitragen muss, auch über ideologische und kulturelle Grenzen .

    Deshalb ist es verständlich dass die Opposition in Iran , trotzdem zur Verteidigung zur der Zivilisation und des Rechts bereit ist.

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    • 27. Februar 2007 um 13:06 Uhr
    • Fritzfernando
  5. 13.

    also leute,ich find es echt lächerlich was teilweise hier von sich gegeben wird.es ist doch mittlerweile klar das die amerikaner den krieg gegen den irak nur(oder zumindest hauptsächlich)wegen dem erdöl.der afghanistan,ok das versteh ich einerseits wegen den taliban aber anderseits muss man bedenken warum es zuerst afghanistan dann irak war,weil iran der dritte sein soll.man hat sich 2fronten geschaffen,dazu die ganzen stützpunkte und die flugzeugträger im persischen golf.ich bin mir sicher das die amerikaner in der lage sind sehr viel zu zerstören aber so gut wie ich die iraner kenne,würd es für amerikanische soldaten wie der weg in die todeszelle wenn sie versuchen den iran zu invasieren denn wie derakshan sagte im notfall kämpfen auch die mit die eigent. gegen das regime sind denn schließlich reden wir von iranern(perser) die lieben ihr land und sind stolz drauf

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    • 27. Februar 2007 um 15:16 Uhr
    • david
  6. 14.

    Realpolitik heisst, nicht nur zu traeumen, an seiner Ideologie feilen, sondern sich mit Gegebenheiten auseinandersetzen, die bestimmten Gesetzen gehorchen!

    Die Unnachgiebigkeit Irans, sein Nuklearwaffenprogramm aufzugeben, ueber das wir uns nicht streiten sollten, der Artikel macht ja auch keinerlei Hehl mehr daraus, wird militaerische Schritte, so oder so, zur Folge haben!

    Man braucht aber sein Land nicht fuer etwas zu verteidigen, was man doch nicht bekommen wird: naemlich Nuklearwaffen!

    Ich kann es nicht als Willkuer empfinden, wenn man weitere Staaten daran hindert, Nuklearwaffen zu bekommen!

    Es ist immer noch Zeit fuer das iranische Volk, diese Versuche aufzugeben!

    Die Welt waere doch sofort bereit, bei wirtschaftlich Engpaessen, Naturkatastrophen oder technologisch zu helfen, wenn man nur bitte die A-Bomben sein laesst!

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    • 27. Februar 2007 um 18:11 Uhr
    • Gerhard Stenkamp
  7. 15.

    ohh jaa gerhard,die welt erstens, hat insgesamt eh nichts zu melden,die,die was zu melden haben sind eh immer die amerikaner aber die würden selbst wenn der iran sein gesamtes atomprogramm aufgeben würde eh immer wieder einen grund suchen um sie letztenendes zu invasieren hier gehts nicht um sicherheit-isreal oder unterstützer-terrorismus hier geht nur um ressourcen ,ums erdöl. die amis haben mit iran ne scheiß karte gezogen und jetzt wo iran noch petroeuro berechen will haben sie einen grund mehr.europa ist ja auch nicht viel besser ich bin mir sicher das eine ganze reihe politiker wissen und auch unterstützten.überleg doch mal was die große frage momentan ist”Die ressourcen der welt sind in sehr vielen hinsichten erschöpft,top thema das alle beschäftigt energie,zufällig hat iran die 2.größten erdgasreserven auf dieser welt und davon wird nicht viel preisgegeben,also ist ja im prinzip auch kein wunder wenn iran echt ne bombe will,dann wirds wie im fall nordkorea sein:die amis greifen nciht an und erzähl mir bitte nichts das die welt bereit wäre…

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    • 27. Februar 2007 um 22:03 Uhr
    • david
  8. 16.

    @ David
    Schauen sie mal bei Wikipedia unter “Erdöl” nach, der Anteil des Irans an der weltweiten Ölproduktion liegt nur bei 5%.
    Der Iran produziert weniger Öl als Mexiko!
    Ausserdem kann es sich der Iran ein Ölembargo gar nicht leisten
    (80% der Einnahmen aus dem Export kommen aus dem Ölgeschäft), und deshalb geht es auch nicht darum, an das Öl ranzukommen – das hat der Westen schon.
    Es geht nur um Atomwaffen.

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    • 27. Februar 2007 um 22:08 Uhr
    • iceman
  9. Kommentar zum Thema

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