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Wie man eine iranische Prostituierte erkennt

 

Der ehemalige Teheraner Polizeichef Reza Zarei hat im Gefängnis einen Selbstmordversuch unternommen. (So wird es jedenfalls gemeldet.) Zarei war vor einem Monat mit 6 (!) nackten Frauen zusammen erwischt worden. Besonders pikant daran: Der Mann, der hier die Dienste von Prostituierten in Anspruch nahm, war verantwortlich für die Tugendterror-Kampagne unter dem Präsidenten Machmud Achmadinedschad im letzten Jahr, über die ich verschiedentlich berichtet habe.
Diese unglaubliche Geschichte – sie erinnert ein wenig an die republikanischen Politiker in Amerika, die als schwul geoutet wurden oder außereheliche Affären einräumen mußten – wirft eine kniffelige Frage auf, die spezifisch iranisch ist: Wie erkennt man eigentlich in einem Land mit Zwangsverschleierung eine Prostituierte?
Die Antwort liefert freundlicherweise ein Artikel in Slate: Die meisten Prostituierten finden sich in Ghom, der theologischen Hauptstadt Irans mit ihren vielen Seminaren und Moscheen. Das Publikum besteht in starkem Maß aus Pilgern und den Theologie-Studenten der dortigen Seminare. Man erkennt die Frauen daran, daß sie sich an bestimmten Orten aufhalten. Zuhälter ermöglichen es, trotz Schleiergebot einen Blick auf die Frau werfen zu können. Zwar sind die Strafen für Prostitution hoch – von Peitschenhieben bis zur Exekution. Doch es gibt auch ein theologisches Konstrukt – die Ehe auf Zeit, genannt Sigheh (kann auch für eine halbe Stunde eingegangen werden) – , das die Prostitution (schiitisch-)islamisch korrekt absegnet. Viele der jungen Frauen sind Junkies und Ausreißerinnen, die am Ende eines verzweifelten Weges in der Prostituion landen.

34 Kommentare

  1.   PBUH

    >Diese unglaubliche Geschichte – sie erinnert ein wenig an die republikanischen Politiker in Amerika, die als schwul geoutet wurden oder außereheliche Affären einräumen mußten

    Manche Leute erinnert eben alles an Amerika, ihr Psychater kann ihnen da sicher helfen.

  2.   Rafael

    Aber PBUH, die Parallelen sind doch unübersehbar. Ist es denn nicht so, dass in Amerika republikanische Tugendwächter durch die Städte streifen, auf der Suche nach Homos und Nippeln? Wer erinnert sich nicht mit Grausen an die öffentliche Steinigung von Frau Jackson

    http://www.max.de/pop-kultur/musik/janet-jackson/4400,1,,Nipplegate+und+kein+Ende.html

    oder das Zusammentreiben von Homosexuellen in San Francisco vor dem Rathaus zum Zwecke ihrer Registrierung und Sonderbehandlung.

    http://www.zeit.de/2004/11/Schwulenehe

    Der Iran ist zugegebenermassen schlimm. Sehr schlimm. Fürchterlich. Ein bisschen erinnert es mich an Amerika.

    So, jetzt muss ich meine rosa Pillen nehmen.

  3.   tati

    @Rafael

    Der Vergleich USA und Iran in dieser Hinsicht hinkt gewaltig.
    Um es sehr einfach auszudrücken.

    Die Machthaber im Iran sind religiös fundiert FRAUENFEINDLICH.

    Ein Großteil der Gesellschaft in den USA ist sicherlich auch religiös fundiert, aber nicht frauenfeindlich sondern PRÜDE bis hin zur bigotten PRÜDERIE.

    Prüderie und Frauenfeindlichkeit kann man nicht in einen Topf werfen.

  4.   Rafael

    Prostitution ist kein iranisches Problem. Die gibt es überall. Auch Kinderprostitution.

    „Auf Nachfragen sagen die Zehnjährigen, sie seien zwölf und die Zwölfjährigen geben an, vierzehn zu sein. Auf den hohen Plateauschuhen können die wenigsten richtig laufen, aber ohne die hohen Schuhe würde man noch deutlicher erkennen, wie klein und kindlich viele von ihnen noch sind. Die jungen Nutten sind herausgeputzt wie Prinzessinnen aus orientalischen Märchen, alle tragen dickes, dramatisches Make-up, das ihre Mütter ihnen hinter der Bühne aufmalen, alle haben ausgestopfte Push-up-Büstenhalter, darüber tragen sie hautenge Polyesterkleider mit viel Gold, Silber und Glitzer. Die Mütter sitzen in dunklen Ecken des Clubs und beobachten die Gäste, Männergruppen aus Saudi-Arabien, Kuwait oder anderen Golfstaaten. Wenn die Mütter, die allesamt Kopftuch tragen, einen potenziellen Freier für ihre Töchter entdeckt haben, zielen sie mit einem Laserpointer auf ihre kleinen Goldstücke und schicken sie zu den Herren an den Tisch.“

    http://www.taz.de/1/politik/nahost/artikel/1/wie-hoch-ist-der-preis/?src=SE&cHash=329d2df6ca


  5. @ Alle: Meine Güte, Leute, dies ist ein Post über iranische Bigotterie. Ich habe nirgendwo Iran mit den USA verglichen. Nur die Ähnlichkeiten bei der Verlogenheit bestimmter politischer Eliten habe ich betont. Es macht mich langsam irre, wie hier immer vom Thema abgelenkt wird und jede Gelegenheit benutzt wird, irgend jemanden zu bashen, in diesem Fall mich als notorischen Antiamerikaner.

  6.   PBUH

    @Jörg Lau

    Ich jedenfalls glaub nichtmal das sie einer sind, ein notorischen Antiamerikaner, ich frag mich nur warum sie immer (fast zwanghaft) relativieren wenn sie den Iran kritisieren.

    >Nur die Ähnlichkeiten bei der Verlogenheit bestimmter politischer Eliten habe ich betont.

    Wenn sie sowas unbedingt machen müssen, warum fallen ihnen da eigentlich keine deutschen Beispiele ein ?

    Möglicherweise ist das ja verstecket Kritik an ihren Kollegen 🙂


  7. @ PBUH: (Den letzten Satz verstehe ich nicht.)
    Es gibt bei uns nicht d i e s e Form der politischen Bigotterie. Und das mag ich an Deutschland.
    „Zwangshaft relativieren“, das ist gut. Lesen Sie einfach mal ein bischen herum, sie Schlaumeier.
    Dieses Blog ist entstanden (damals noch auf Blogger), weil ich dokumentieren wollte, was die Mullahs mit meinem Freund Ramin Jahanbegloo im Evin-Gefängnis anstellten. Können Sie alles hier nachlesen.

  8.   PBUH

    @Jörg Lau

    Ja klar, wenn es gar keine Moral gibt, dann kann es natürlich auch keine Doppelmoral geben.

    „das mag ich an Deutschland.“

    So sieht es aus, das Deutschlandbild der Linksmedien.


  9. @ PBUH: „gar keine Moral“ – das erinnert mich an meinen alten Onkel, der sagte immer: Mensch, heute ist aber auch wieder mal gar kein Wetter.
    Was machen Sie eigentlich hier bei einem „Linksmedium“? Brauchen Sie den Schmerz?


  10. Lau: „Was machen Sie eigentlich hier bei einem “Linksmedium”? Brauchen Sie den Schmerz?“

    🙂