Ein Blog über Religion und Politik

Warum Al-Kaida Angst vor Obama hat

Von 24. November 2008 um 17:26 Uhr

Auf der Website von Newsweek schreibt der marokkanische Kollege Achmed Benchemsi, Herausgeber von TelQuel und Nichane, warum Ayman Al-Zawahiri so nervös ist angesichts des kommenden amerikanischen Präsidenten:

Al Qaeda and all its followers badly need to perpetuate Samuel Huntington's "clash of civilizations" paradigm. The West and Islam are deadly enemies, in the radicals' view. The more irreconcilable the former, the happier the latter. In this regard, the agenda of Bush and the neocons was a true blessing for the terrorists. Consider this: after 9/11 and the U.S. strike on Afghanistan, Al Qaeda was badly hit and its leaders were piteously hiding in caves. Later, by attacking Iraq for no valid reason–which caused, as a direct or indirect consequence, hundreds of thousands of deaths among innocent civilians–Bush's administration provided Al Qaeda leaders with a new rationale. They reinvigorated, prospered and recruited hundreds, if not thousands, of brand-new adeptsfollowers, infused with a strong willingness for jihad. "War on terror"? If they could, they would just keep it on forever.

Al Qaeda's true problem with Obama has indeed nothing to do with the color of his skin. By proposing to meet Iran's Ahmadinejad without preconditions instead of just bombing him out, the American president-elect thinks outside of the confrontation box. The radicals just hate that. And above all, they hate the idea of the United States resuming the chase of Al Qaeda operatives in the mountains of the Pakistan-Afghanistan borders. He's coming to them, how could they not react fiercely?

There is something else, which I witness everyday in the streets of Casablanca, where I live: Muslims tend to claim Obama as their own—because he's black, because he comes from an oppressed minority, because his middle name is Hussein. I presume this holds true for all the nonradical Muslims (the vast majority of them) throughout the world. Not that they think Obama is a Muslim himself—he made clear that he was not. Yet he could have been. His father was. Anyway, this man looks like a "brother" to many Muslims, which is indeed a good thing for the prospect of global peace.

Not surprisingly, Zawahiri's video message targeted this specific point: "Obama is not a Muslim, he's a renegade who abandoned his ancestor's religion to embrace the 'crusaders faith' and the 'Zionists' ideology'," Zawahiri suggests. The genuine message being: please don't like him!

Well, too bad for them: we do. We will like him more, of course, if he keeps his promise of backing out of Iraq within 16 months and putting the Israeli-Palestinian peace process back on track. Meanwhile, let's all of us, Muslims and Westerners, take advantage of the honeymoon period. And let's enjoy the terrorists' embarrassment: it's a rare occasion.

Hier ein Interview mit dem klugen und mutigen Benchemsi (frz), dessen Zeitschriften schon verboten wurden, weil er das Königshaus kritisiert hatte.

Hier sieht man Benchemsi (rechts) beim Betreten des Gerichts in Casablanca. Er mußte sich im letzten Jahr dort verantworten wegen "mangelnden Respekts vor dem Königshaus".

Achmed Benchemsi  Foto: AFP - Abdelhek Senna

Leser-Kommentare
  1. 1.

    „Muslims tend to claim Obama as their own—because he’s black,…“

    Ausgerechnet die Araber!
    „Schwarzer“ und „Sklave“ sind nicht zufällig Synonyme im Arabischen.

    Sehr lesenswert:

    http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/aktuell/geduldet_verdraengt_und_beschoenigt_1.1095056.html

    Arte-Doku in fünf Teilen, sehr sehenswert:

    http://de.youtube.com/watch?v=qrYzmxq39Bw

    „…because he comes from an oppressed minority,…“

    Moslems als unterdrückte Minderheit! Das glauben die wirklich?

    • 24. November 2008 um 18:46 Uhr
    • word
  2. 2.

    @ word

    „Moslems als unterdrückte Minderheit! Das glauben die wirklich?“

    Ja, das glauben viele von ihnen.

    • 24. November 2008 um 19:16 Uhr
    • Joachim S.
  3. 3.

    Ziemlich absurd was dieser Achmed Benchemsi da schreibt.
    „Website von Newsweek“ deutet darauf hin das die Amerikaner die Zielgruppe sind.
    Es geht wohl darum einen Abzug der (ungläubigen) US-Truppen aus dem (islamischen Kernland) Irak in den USA zu promoten.
    So nach dem absurden Motto: ein Abzug wäre eine Niederlage für Al-Kaida.

    • 24. November 2008 um 19:59 Uhr
    • J.S.
  4. 4.

    „Ja, das glauben viele von ihnen.“

    Diese Menschen sind offenbar in einem krankhaften Verfolgungswahn gefangen.

    „Die Meldungen über Verfolgung und Diskriminierung von Christen und anderen religiösen Minderheiten nähmen ständig zu. Berichten zufolge würden in mindestens 50 von etwa 200 Staaten der Welt tagtäglich Kirchen und Gebetshäuser zerstört. Unter den religiös Verfolgten weltweit mache allein die Gruppe der verfolgten Christen 80 Prozent aus.“

    http://www.bundestag.de/aktuell/hib/2006/2006_365/05.html

    Was ich vermisse ist die Solidarität mit Andersgläubigen in moslemischen Ländern, z.B. Armenier in der Türkei, die Kopten in Ägypten und vor allem die Baha’i im Iran.
    Oder mit Frauen, die der Scharia geopfert werden, wie das 13-jährige Mädchen in Somalia, das zuerst von drei Männern vergewaltigt und dann als Strafe für ihr Fehlverhalten gesteinigt wurde! Im Namen des Propheten…

    Wenn die Muslime unterdrückt werden, dann hauptsächlich von ihren eigenen Despoten.

    • 24. November 2008 um 20:01 Uhr
    • word
  5. 5.

    Islam heisst Unterwerfung.
    Deshalb unterdrücken sich die Muslime sozusagen selbst.
    Eine Ideologie wie der Islam, in denen die Hälfte der Menschheit quasi automatisch mindere Rechte inne hat, nämlich die Frauen, ist bereits Unterdrückung pur.
    Die grösste Unterdrückung von Muslimen findet zwischen den Muslimen untereinander statt.
    Am wenigsten unterdrückt werden Muslime in nichtmuslimischen Gesellschaften, paradox aber wahr.
    Muslime müssen vor der Unterdrückung durch andere Muslime in nichtmuslimische Gebiete auswandern.
    In diesen Gebieten wiederum beklagen die Muslime, daß sie nicht die gleichen Verhaltensweisen pflegen können, vor denen sie Jahre zuvor geflüchtet sind, ebenfalls paradox.
    Das grösste Paradoxon allerdings ist das vehemente Eintreten von Nichtmuslimen für muslimische Belange, deren Umsetzung in historisch-gesellschaftlicher Konsequenz der Wegbereiter für die Flucht vor eben diesen Belangen war.
    Einfacher gesagt – Islamapologeten unterstützen Dinge, vor denen die Unterstützten dann 50 Jahre später fliehen.

    • 24. November 2008 um 20:03 Uhr
    • tati
  6. 6.

    Aber im nicht zitierten Bereich steht:
    „The video message from Al Qaeda’s No. 2, Ayman al-Zawahiri, in which he called Barack Obama a „house Negro,“ demonstrates, if anything, that the terrorists are always damn good in PR.“
    Da hat er recht!
    „spreading hate is the terrorists‘ job.“
    Stimmt, aber daraus zu folgern das man nur nett sein müsse um den Terroristen einen Strich durch die Rechnung zu machen ist und bleibt falsch.
    Al-Kaida wird den Abzug der US-Truppen aus dem Irak als eigenen Erfolg darstellen. Genau wie damals den Abzug der Russen aus Afghanistan. Solche „Erfolge“ verschaffen Al-Kaida Zulauf.

    • 24. November 2008 um 20:24 Uhr
    • J.S.
  7. 7.

    Herr Al-Zawahiri hat übrigens noch einen weiteren Grund, nervös zu sein. Hier erfährt er fundierten Widerspruch, der islam-rechtlichen argumentierend, die Al-Qa’ida-Ideologie zerpflückt.

    Before I get into Zawahiri’s jurisprudential mistakes, I want to say that this is not merely about the errors of one man on some jurisprudential issues. It is the attempt to establish a corrupt, wayward school (madhhab) to justify excess in shedding blood. I will detail how this school was established, examine its fundamentals, and refute them. This corrupt school has been called by some, “the al-Qaeda concept.”

    http://www.jihadica.com/the-denudation-of-the-exoneration-part-2/

    dazu auch:

    http://www.jihadica.com/the-denudation-of-the-exoneration-part-1/

    http://www.jihadica.com/the-denudation-of-the-exoneration-part-3/

    http://www.jihadica.com/the-denudation-of-the-exoneration-part-4/

    Über den Autor, ein islamistischer Ideologe, der in Ägypten inhaftiert ist.

    http://www.guardian.co.uk/world/2007/jul/27/alqaida.egypt

    Und dazu auch:
    http://www.independent.co.uk/news/world/asia/special-report-is-al-qaida-in-p.htmls-850606.html

    • 24. November 2008 um 20:24 Uhr
    • Andreas
  8. 8.

    @ 5. Tati
    Bingo Tati.

    • 24. November 2008 um 20:35 Uhr
    • Theodor
  9. 9.

    tati #5 : zustimmung auch meinerseits !

    • 24. November 2008 um 21:59 Uhr
    • mathilde
  10. 10.

    >which caused, as a direct or indirect consequence, hundreds of thousands of deaths among innocent civilians

    Islamische Märchenstunde!

    • 24. November 2008 um 23:38 Uhr
    • PBUH
  11. 11.

    which caused, as […] indirect consequence

    in Zahlen:

    „89,163 – 97,339 Documented civilian deaths from violence“

    http://www.iraqbodycount.org/database/

    • 24. November 2008 um 23:47 Uhr
    • Andreas
  12. 12.

    PBUH hat recht. Schon längst gehen wieder die meisten Toten im Irak aufs Konto islamischer Täter.
    Das war übrigens auch vor 2003 so.
    Achmed Benchemsi plappert da antiwestliche Propaganda nach.

    • 25. November 2008 um 01:52 Uhr
    • J.S.
  13. 13.

    @Andreas

    „civilian deaths“

    Islamische Märchenstunde, die Zweite.

    • 25. November 2008 um 02:11 Uhr
    • PBUH
  14. 14.

    @tati:5
    > Am wenigsten unterdrückt werden Muslime in
    > nichtmuslimischen Gesellschaften, paradox
    > aber wahr.
    > Muslime müssen vor der Unterdrückung durch
    > andere Muslime in nichtmuslimische Gebiete
    > auswandern. In diesen Gebieten wiederum
    > beklagen die Muslime, daß sie nicht die
    > gleichen Verhaltensweisen pflegen können,
    > vor denen sie Jahre zuvor geflüchtet sind,
    > ebenfalls paradox

    Der Sozialwissenschaftler Fouad Ajami hat das mal sehr poetisch auf den Punkt gebracht: „They flee the burning grounds of Islam, but carry the fire with them.“

    An der irren Rennerei sind natürlich nur die die Wahabis schuld, denn eigentlich ist der Islam ja was Feines und ausbaufähig – fragen Sie Herrn Lau.

  15. 15.

    @1

    „Muslime als unterdrückte Minderheit“

    Ja das glauben die tatsächlich.

    Das geht soweit das sogar Genozidphantasien als Realität vertreten werden.

    Das wirklich interessante ist allerdings das es selbst solche glauben denen man anhand des Bildungsniveaus (Universitätsstudium im Westen) Objektivität unterstellen könnte.
    Im Kollegenkreis konnte ich da noch keine einzige Ausnahme finden.

    Interessant auch das die Fähigkeit zur Reflektion trotz Universitätsstudium und zum Teil jahrzentelangem Aufenthalt im Westen immer noch der Überlebensökonomie einer Nomadenkultur folgt.

    • 25. November 2008 um 08:28 Uhr
    • Mattes
  16. 16.

    Mal eine dumme Frage @ Andreas

    Sind Sie Driss oder sind Sie eine andere Person?

    • 25. November 2008 um 11:51 Uhr
    • Joachim S.
  17. 17.

    @ Joachim

    ja, ich nahm eine Anregung von vor einigen Tagen auf.

    @ puhb

    natürlich handelt es sich um „civilan deaths“, Sie können sich ja mal die Mühe machen, die dokumentierten Todesfälle im Einzelfall zu widerlegen. Andernfalls ist Ihr Einwand nicht besonders glaubhaft.

    @ js

    Der Punkt ist „indirect consequence“. D.h. ohne amerikanischen Überfall/Invasion hätte es den latenten Bürgerkrieg und die Gewalt nicht gegeben.
    Nebenbei bemerkt haben Sie eine Aufschlüsselung nach Verantwortlichen der Todesfälle und Anschläge? Woher wollen Sie wissen, dass „Islamisten“ die meisten Toten verantworten?

    • 25. November 2008 um 13:20 Uhr
    • Andreas
  18. 18.

    @Andreas

    Wachleute, Kriminelle,… würde ich nicht gerade als Zivilisten bezeichnen.

    Wie auch immer, Achmed Benchemsi operiert vorsätzlich mit falschen Zahlen und ist deswegen absolut unseriös, wie fast alle „Journalisten“ aus dieser Region.

    • 25. November 2008 um 14:11 Uhr
    • PBUH
  19. 19.

    Falls es Pflicht werden sollte, hier unter Klarnamen zu schreiben, sehe ich mich gezwungen mich zu verabschieden. Als Murtadd müsste ich sonst Personenschutz beantragen, den mir Herr Lau wohl kaum bezahlen dürfte.

    • 25. November 2008 um 14:11 Uhr
    • Joachim S.
  20. 20.

    @ Joachim, wer hat denn von Pflicht gesprochen?

    • 25. November 2008 um 14:16 Uhr
    • Andreas
  21. 21.

    @Driss

    Schon mal was von latentem Bürgerkrig und Gewalt von vor dem Eingreifen der Willigen gehört?

    Ist ja in Ordnung, dass Sie meinen, der Irakkrieg sei ein Fehler gewesen. Das glaube ich ganz genauso. Ich bin aber nicht so naiv zu glauben, dass es ohne den Krieg weniger Gewalt und Unterdrückung im Irak gegegen hätte. Ehr im Gegenteil.

    Und ich, der ich politisch gegen den Krieg gestimmt und gesellschaftlich gegen den Krieg protestiert habe, hätte jetzt eine Mitverantwortung für all die Opfer, die Saddams Regime noch verursacht hätte. Nur gekostet hätte es meinen Staat und meine Gesellschaft nicht so viel. Wär halt mehr für Kinderkrippen übrig geblieben.

    • 25. November 2008 um 14:39 Uhr
    • Rafael
  22. 22.

    @ Rafael
    „Schon mal was von latentem Bürgerkrig und Gewalt von vor dem Eingreifen der Willigen gehört?“

    Gewalt durch Unterdrückung ja, aber latenter Bürgerkrieg nein. Vor diesem ist ja gerade gewarnt worden.
    Viel mehr Opfer hatte es in den Jahren zuvor als Folge der Sanktionen gegeben.

    • 25. November 2008 um 14:54 Uhr
    • Andreas
  23. 23.

    Der Punkt ist “indirect consequence”.

    @ Andreas

    Richtig.

    D.h. ohne amerikanischen Überfall/Invasion hätte es den latenten Bürgerkrieg und die Gewalt nicht gegeben.

    Gewalt hätte es bei weitem nicht in diesem Ausmaß gegeben, dass ein Frieden a la Saddam Hussein ab 2003 eine gewaltfreie Veranstaltung geworden wäre, kann allerdings als sehr unwahrscheinlich gelten.

    Nebenbei bemerkt haben Sie eine Aufschlüsselung nach Verantwortlichen der Todesfälle und Anschläge? Woher wollen Sie wissen, dass “Islamisten” die meisten Toten verantworten?

    Ich könnte mir vorstellen, dass Sie es gerne sähen, wenn die meisten zivilen Opfer Kollateralschäden der US-Army (oder mehr noch: Opfer intendierten Beschusses durch dieselbe) wären; es kann jedoch (auch wenn J.S. es sagt) als evident gelten, dass Selbstmordattentate und „nachbarschaftliche Säuberungsaktionen“ (latenter Bürgerkrieg) auf das Konto von Sunniten und Schiiten mit entsprechend radikaler religiöser Gesinnung gehen.

    Sieht man einmal von den kurdischen Irakern ab, ist es im Irak wohl kaum möglich, die ethnische Zugehörigkeit von der religösen abzukoppeln.

    • 25. November 2008 um 14:55 Uhr
    • N. Neumann
  24. 24.

    Wenn eine sunnitisch arabische Herrscherclique kurdische Dörfer vergast und ganze Sümpfe trockenlegt, um schiitische Stämme auszurotten, ist das schon irgendwie ein Bürgerkrieg, ob latent oder nicht. Und wenn ein Despot eine abtrünnige Provinz seines Landes annektieren will, die gerade von einem anderen Despoten unterdrückt wird, dann ist das auch so eine Art Bürgerkrieg, wobei den Bürgern die Fehden ihrer Unterdrücker wahrscheinlich ziemlich egal waren.

    • 25. November 2008 um 15:01 Uhr
    • Rafael
  25. 25.

    @ Neumann

    „Ich könnte mir vorstellen, dass Sie es gerne sähen, wenn die meisten zivilen Opfer Kollateralschäden der US-Army“

    Da würden Sie sich etwas falsches vorstellen. Über den Charakter der Gewalt und die Akteure bin ich mir sehr wohl im klaren. Ich würde beispielsweise nie auf die Idee kommen, der amerikanischen Armee ein Vorgehen wie der äthiopischen in Mogadischu vorzuwerfen. Es ist aber nicht von der Hand zu weisen, dass die letztendliche Verantwortung für die Entwicklung im Irak seit 2003 bei der derzeitigen amerikanischen Regierung und ihren „Vordenkern“ liegt. Und vor den Entwicklungen ist zuvor ausgiebig gewarnt worden.

    • 25. November 2008 um 15:05 Uhr
    • Andreas
  26. 26.

    @ Rafael, da haben Sie sicherlich recht. Aber zum einen sind das Ereignisse aus verschiedenen Perioden und zum anderen darf man von einer demokratisch gewählten Regierung, die selbst hohe moralische und ethische Ansprüche für sich in Anspruch nimmt, fordern, auch nach diesen Ansprüchen zu handeln. Und ein Überfall auf ein anderes Land einschliesslich der vorhergesagten Folgen, widerspricht einfach diesen Ansprüchen. Um es noch einmal klar zu sagen: durch die Entscheidung der amerikanischen Regierung, 2003 den Irak zu überfallen, sind unzählige Leben zerstört worden.

    • 25. November 2008 um 15:12 Uhr
    • Andreas
  27. 27.

    Es ist aber nicht von der Hand zu weisen, dass die letztendliche Verantwortung für die Entwicklung im Irak seit 2003 bei der derzeitigen amerikanischen Regierung und ihren “Vordenkern” liegt.
    Kommentar von Andreas

    Das ist Unsinn.
    Genau so gut könnte man behaupten, der polnische Revanchismus gegen die verbliebenen Deutschen in Oberschlesien nach 1945 wäre eine historische Verantwortung der USA und ihrer Vordenker.
    Denn diese hätten ja bereits 1944 wissen müssen, was die ehemals von den Deutschen besetzten Osteuropäer im Anschluss an den Sieg mit denen machen würden.

    Andreas, mit solchen Simplifizierungen der „Schuld“ kann man keinen Blumentopf gewinnen.
    Diese vereinfachte und sehr tendenziöse Argumentation negiert das Hauptproblem in dieser Weltregion.
    Die Menschen dort kennen keine Demokratie.
    Sie waren deshalb en gros auch nicht in der Lage, sich auf eine gesellschaftliche Ordnung einzupendeln, die dem Vakuum der Saddam Despotie hätte folgen müssen.
    Dieses Einpendeln auf neue Ordungen ist eine Eigenschaft, die den Menschen dieses Kulturkreises noch nie jemand beigebracht hat.
    Die Europäer haben diesbezüglich bereits ihr „Aha-Erlebnis“ hinter sich. Das war nach dem verheerenden 30-Jährigen Krieg, der 1/3 der Europäer ausgelöscht hatte – in einem völlig sinnlosen Gemetzel um die rechte christliche Gesinnung.
    Am Ende dieses Desasters entstand die ERSTE Konferenz, bei der Frieden ohne Waffen, sondern mit Worten und Verträgen vereinbart wurde.
    Dies bedeutete zwar für Europa nicht automatisch das Ende aller Kriege, aber es war eine wichtige Option zur Bendigung von Konflikten hinzugekommen.
    Es ist der einzige Fehler, den ich den USA anlasten kann – die leichtfertige Annahme, man könne europäisch-westliche Politikoptionen in die arabische Welt übertragen.

    • 25. November 2008 um 15:40 Uhr
    • tati
  28. 28.

    Viel mehr Opfer hatte es in den Jahren zuvor als Folge der Sanktionen gegeben.

    @ Andreas

    Dieses humanitäre(?) Schlaumeiertum fasziniert mich immer wieder.

    Einerseits wurde immer wieder behauptet, dass sich die medizinische Versorgung und Ernährung der Bevölkerung durch die Sanktionen verschlechtert hätte. Das bedeutet implizit, dass sich der Staat des [rachsüchtigen] Saddam Hussein ohne die Sanktionen schon besser um die [vor allem: schiitische] Bevölkerung gekümmert hätte.

    Andererseits wurde kurz vor dem Krieg immer wieder behauptet, dass die Gesundheitsversorgung im Irak ganz gut funktionieren würde.

    Widersprüchlich war daneben auch die Bewertung des Oil for Food Programms (die Korruption dabei einmal außen vor): Einerseits meinten manche Gegner des Irakkriegs, dass es die meisten Sanktionsfolgenopfer zwischen 1991 und 1995 (dem Beginn des Programms) gegeben hätte, andererseits meinten manche Gegner des Irakkriegs, dass es wenig gebracht hätte und die Sanktionen daher völlig aufgehoben gehörten.

    Die einen meinten also implizit, dass sich der Staat des Saddam Hussein mit Beginn des Programms schon im zumindest ausreichenden Maße medizinisch und versorgungstechnisch um die Bevölkerung gekümmert hätte, die anderen meinten implizit, dass sich der Staat des Saddam Hussein dem Programm zum Trotz nicht ausreichend um die Bevölkerung gekümmert hat, dies aber täte (wenn die Sanktionen völlig aufgehoben würden).

    Und alle sind sie, obwohl sie wussten, dass Saddam Hussein ein besonders mieser Diktator war, nicht auf die Idee gekommen, dass das Wohl und Elend der Bevölkerung unabhängig vom Handeln und Nicht-Handeln der internationalen Gemeinschaft in aller erster Linie von Saddam Hussein abhing, der nach dem Golfkrieg von 1991 kein Interesse mehr daran hatte, einen Großteil der Bevölkerung mit zivilen Gütern zu versorgen und sich vielmehr, noch einseitiger als vorher, auf das Funktionieren seines Unterdrückungsapparates konzentrierte.

    • 25. November 2008 um 15:43 Uhr
    • N. Neumann
  29. 29.

    @Jörg Lau
    Mit der neuen Zuneigung der islamischen Welt zu Obama könnte es ganz schnell vorbei sein, wenn er gezwungen wird, den harten Hund zu spielen.

    „..and putting the Israeli-Palestinian peace process back on track.“

    Wo gibt es denn einen Friedensprozess, den man zurück in die Spur bringen könnte? Der hat nie existiert.
    Der Frieden kommt entweder von einer Grassroot-Bewegung oder er kommt gar nicht. Politisch vermittelt werden kann er nicht.

    • 25. November 2008 um 17:05 Uhr
    • lebowski
  30. 30.

    @ Neumann, ich bezieh mich bezüglich der Sanktionsfolgen auf die Autoren Sponeck und Zumach (Irak – Chronik eines gewollten Krieges, Kiepenheuer & Witsch, Februar 2003). Dass in aller erster Linie Saddam für die Lage im Irak während seiner Regierungszeit verantwortlich war, stelle ich gar nicht in Abrede. Bloss die Folgen der Sanktionen für die Bevölkerung sind hinlänglich dokumentiert worden und u.a. von der damaligen US-Aussenministerin auch zugegeben worden. Eine Verantwortung für diese Folgen seitens der betreffenden Veto-Mächte im Sicherheitsrat ist also klar ersichtlich.
    Übrigens: Eine Hypothese lautet sogar, dass das Regime ohne die Sanktionen viel früher gekippt wäre.

    • 25. November 2008 um 17:08 Uhr
    • Andreas
  31. 31.

    @ tati Selbstverständlich sind letztendlich die USA für die Lage im Irak verantwortlich. Diese Entwicklungen sind vorausgesagt worden. Die US-Regierung konnte wissen, was sie lostreten würde und welche Folgen die Aktion für die Bevölkerung des Irak haben würde. Entweder wollte man es nicht wissen, oder man wollte es nicht wahrhaben. Ihre kulturalistischen Einwürfe in allen Ehren, aber darum geht es hier nicht.

    • 25. November 2008 um 17:14 Uhr
    • Andreas
  32. 32.

    @ Neumann, ich bezieh mich bezüglich der Sanktionsfolgen auf die Autoren Sponeck und Zumach (Irak – Chronik eines gewollten Krieges, Kiepenheuer & Witsch, Februar 2003).

    Ja, beide sind für ihren antiamerikanischen Bias bekannt. Und Sponeck zudem noch dafür, dass das Regime ihm so dankbar war, dass es ihm nach seinem Rücktritt als UN-Koordinator im Jahr 2000 Geld angeboten hat.

    Dass in aller erster Linie Saddam für die Lage im Irak während seiner Regierungszeit verantwortlich war, stelle ich gar nicht in Abrede.

    Doch, wenn Sie sagen, dass

    Bloss die Folgen der Sanktionen für die Bevölkerung… hinlänglich dokumentiert worden [sind]

    dann tun sie das für den Zeitraum von 1991 bis 2003.

    und u.a. von der damaligen US-Aussenministerin auch zugegeben worden.

    Ja, der tausendfach zitierte Interview-Ausschnitt mit den 2 Millionen Toten Babys und Allbrights „worth it“.

    Eine Verantwortung für diese Folgen seitens der betreffenden Veto-Mächte im Sicherheitsrat ist also klar ersichtlich.

    Nein.

    Übrigens: Eine Hypothese lautet sogar, dass das Regime ohne die Sanktionen viel früher gekippt wäre.

    Das kann als sehr unwahrscheinlich gelten.

    • 25. November 2008 um 17:56 Uhr
    • N. Neumann
  33. 33.

    @ Neuman haben Sie eigentlich auch mal so etwas wie Quellen Literaturhinweise oder ähnliches, oder tun Sie einfach Ihre Überzeugung kund?

    • 25. November 2008 um 19:11 Uhr
    • Andreas
  34. 34.

    @ Andreas

    Zunächst, damit bei Ihnen keine Missverständnisse aufkommen: Ich war gegen diesen Krieg. Doch dazu habe ich jedoch weder Sponeck noch Zumach gebraucht.

    Die beiden sind mir aus mehreren Artikeln und Interviews bekannt. Sie müssen mir (ohne meine Einwände zu teilen) schon vertrauen, dass dem so ist, und ich selber denke. Mir fehlt die Zeit das alles zu verlinken.

    Daneben habe ich das von Ihnen erwähnte Buch seinerzeit in Augenschein genommen. Etwas später habe ich mich im Rahmen meines Studiums mit dem Irak beschäftigt.

    Zwei Interviews habe ich herausgesucht:

    taz: Im Bericht heißt es unter Bezugnahme auf einen Ex-Regierungsmitarbeiter Iraks, die Regierung habe Ihnen Ölbons zum Geschenk angeboten; Sie hätten wütend abgelehnt. Sie selbst werden mit der Aussage zitiert, es habe so ein Angebot nie gegeben. Woher der Widerspruch?

    Sponeck: Nach meinem Ausscheiden kam ein Mitarbeiter des irakischen Außenministeriums zu mir und fragte: „Können wir Ihnen helfen?“ Ich fragte, was er meine, er sagte: „Finanziell.“ Da bin ich tatsächlich böse geworden. Bloß das Wort „Öl“ ist halt nicht gefallen.

    http://www.taz.de/index.php?id=archivseite&dig=2005/10/29/a0128

    Es scheint ihn offenbar gewundert zu haben, dass ihm das Regime dankbar war.

    Einer der sachgerechtesten Einwände gegen die Neocons lautete, dass sie den Irak retten wollten, aber mit militärischen Mitteln eben nicht retten könnten. Das in mehrerlei Hinsicht desaströse Zwischenergebnis ist bekannt.

    Sponeck für seinen Teil war und ist ein egomanischer Moralathlet, der den Irak auf seine Weise retten wollte. Dabei hat er Saddam Husseins Regime verharmlost und die Potenziale der Diplomatie überschätzt. Als ob alles gut geworden wäre, wenn von Sponeck der personifizierte Sicherheitsrat gewesen wäre und er Saddam noch besser hätte in den Arsch kriechen können.

    Müller: Dann wäre es doch inszeniertes Theater gewesen.

    Von Sponeck: So kann man es nennen. Ich glaube, das ist eine Reaktion, eine typisch westliche Reaktion. Ich glaube, im Irak, selbst wenn diese Nationalversammlung keine in unserem Sinne gewählte Versammlung ist, ist es eine Gruppierung von 350 Abgeordneten, die eben in ihrer Tradition tief verwurzelt sind, und da geht es um Würde, da geht es um Standhaftigkeit, man will zeigen, dass man Stolz hat. Das ist vielleicht im Augenblick nicht angebracht, wenn es um Krieg oder Frieden geht, aber das ist die soziologische Realität.

    http://www.zeit.de/2002/47/interviewammorgen

    Mit dieser scheinbar deskriptiven Masche kann man jede miese Diktatur mitsamt ihres Pseudoparlaments verklären. Wenn Sie wollen, bastel ich Ihnen z.B. eine Soziologie des Parlaments von Myanmar, erkläre Ihnen die burmesische Würde (auf die bei Resolutionen des Sicherheitsrates geachtet werden muss!) sowie die typisch westliche Reaktion darauf.

    Dieser Sponecksche Schrott wird durch die unzähligen Opfer in Folge des Kriegs um keinen Deut besser.

    Noch augenfälliger und unästehtischer wird das Ganze, wenn der Mann seinen Sermon im Sammelbandes eines Verlags für DDR- und Verschwörungsliteratur* oder auf irgendwelchen entsprechenden Irak-Tribunalen zum Besten gibt. Dort treten dann auch so antiimperialistische Sauergurken wie Arrundhati Roy auf, die so sehr gegen den Irak-Krieg war, dass sie sich in einem Spiegel-Interview kurz vor Kriegsbeginn „einen möglichst langen und brutalen Krieg“ wünschte, damit die USA bloß eine blutige Nase bekommen.

    * http://www.kai-homilius-verlag.de/vp/8.7/index.php

    • 25. November 2008 um 21:13 Uhr
    • N. Neumann
  35. 35.

    @Andreas
    „D.h. ohne amerikanischen Überfall/Invasion hätte es den latenten Bürgerkrieg und die Gewalt nicht gegeben.“
    Wie kommen Sie denn auf so eine wirre Idee?
    Der Bürgerkrieg lief schon lange vorher!
    Lesen Sie doch mal etwas über die Anfal-Operation. Sunniten (damals unter Saddam Hussein) kämpfen gegen Kurden und Schiiten. Damals zum Teil sogar mit Giftgas!
    http://de.wikipedia.org/wiki/Anfal-Operation
    Sie müssen einfach mal ein bisschen mehr seriöse Quellen über die jüngere Geschichte des Irak lesen.

    • 26. November 2008 um 01:24 Uhr
    • J.S.
  36. 36.

    Den meisten fehlt einfach das Hintergrundwissen zum Irak. Zwei Dinge sollte man wissen.
    1.) Der Bürgerkrieg lief schon lange. Der Hass zwischen den Bevölkerungsgruppen existiert ebenfalls seit langem. Der Hass wurde vom Saddam Hussein Regime verstärkt.
    2.) Der Bürgerkrieg wäre sowieso eskaliert. Spätestens Saddams natürlicher Tod hätte ein Machtvakuum geschaffen das zu so einer Eskalation geführt hätte.( Siehe Bürgerkrieg in Ex-Jugoslawien nach Titos Tod)

    Höchstens das Opfer der westlichen Soldaten im Irak wäre vielleicht vermeidbar gewesen. Aber selbst das ist schon eine gewagte These. Hätte man einer Eskalation nach Saddam Husseins Tod tatenlos zusehen können? Oder hätte man einer iranischen Expansion in den Irak zusehen können?

    • 26. November 2008 um 02:19 Uhr
    • J.S.
  37. 37.

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