Ein Blog über Religion und Politik

Warum Al-Kaida Angst vor Obama hat

Von 24. November 2008 um 17:26 Uhr

Auf der Website von Newsweek schreibt der marokkanische Kollege Achmed Benchemsi, Herausgeber von TelQuel und Nichane, warum Ayman Al-Zawahiri so nervös ist angesichts des kommenden amerikanischen Präsidenten:

Al Qaeda and all its followers badly need to perpetuate Samuel Huntington’s “clash of civilizations” paradigm. The West and Islam are deadly enemies, in the radicals’ view. The more irreconcilable the former, the happier the latter. In this regard, the agenda of Bush and the neocons was a true blessing for the terrorists. Consider this: after 9/11 and the U.S. strike on Afghanistan, Al Qaeda was badly hit and its leaders were piteously hiding in caves. Later, by attacking Iraq for no valid reason–which caused, as a direct or indirect consequence, hundreds of thousands of deaths among innocent civilians–Bush’s administration provided Al Qaeda leaders with a new rationale. They reinvigorated, prospered and recruited hundreds, if not thousands, of brand-new adeptsfollowers, infused with a strong willingness for jihad. “War on terror”? If they could, they would just keep it on forever.

Al Qaeda’s true problem with Obama has indeed nothing to do with the color of his skin. By proposing to meet Iran’s Ahmadinejad without preconditions instead of just bombing him out, the American president-elect thinks outside of the confrontation box. The radicals just hate that. And above all, they hate the idea of the United States resuming the chase of Al Qaeda operatives in the mountains of the Pakistan-Afghanistan borders. He’s coming to them, how could they not react fiercely?

There is something else, which I witness everyday in the streets of Casablanca, where I live: Muslims tend to claim Obama as their own—because he’s black, because he comes from an oppressed minority, because his middle name is Hussein. I presume this holds true for all the nonradical Muslims (the vast majority of them) throughout the world. Not that they think Obama is a Muslim himself—he made clear that he was not. Yet he could have been. His father was. Anyway, this man looks like a “brother” to many Muslims, which is indeed a good thing for the prospect of global peace.

Not surprisingly, Zawahiri’s video message targeted this specific point: “Obama is not a Muslim, he’s a renegade who abandoned his ancestor’s religion to embrace the ‘crusaders faith’ and the ‘Zionists’ ideology’,” Zawahiri suggests. The genuine message being: please don’t like him!

Well, too bad for them: we do. We will like him more, of course, if he keeps his promise of backing out of Iraq within 16 months and putting the Israeli-Palestinian peace process back on track. Meanwhile, let’s all of us, Muslims and Westerners, take advantage of the honeymoon period. And let’s enjoy the terrorists’ embarrassment: it’s a rare occasion.

Hier ein Interview mit dem klugen und mutigen Benchemsi (frz), dessen Zeitschriften schon verboten wurden, weil er das Königshaus kritisiert hatte.

Hier sieht man Benchemsi (rechts) beim Betreten des Gerichts in Casablanca. Er mußte sich im letzten Jahr dort verantworten wegen “mangelnden Respekts vor dem Königshaus”.

Achmed Benchemsi  Foto: AFP – Abdelhek Senna

Leser-Kommentare
  1. 1.

    “Muslims tend to claim Obama as their own—because he’s black,…”

    Ausgerechnet die Araber!
    “Schwarzer” und “Sklave” sind nicht zufällig Synonyme im Arabischen.

    Sehr lesenswert:

    http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/aktuell/geduldet_verdraengt_und_beschoenigt_1.1095056.html

    Arte-Doku in fünf Teilen, sehr sehenswert:

    http://de.youtube.com/watch?v=qrYzmxq39Bw

    “…because he comes from an oppressed minority,…”

    Moslems als unterdrückte Minderheit! Das glauben die wirklich?

    • 24. November 2008 um 18:46 Uhr
    • word
  2. 2.

    @ word

    “Moslems als unterdrückte Minderheit! Das glauben die wirklich?”

    Ja, das glauben viele von ihnen.

    • 24. November 2008 um 19:16 Uhr
    • Joachim S.
  3. 3.

    Ziemlich absurd was dieser Achmed Benchemsi da schreibt.
    “Website von Newsweek” deutet darauf hin das die Amerikaner die Zielgruppe sind.
    Es geht wohl darum einen Abzug der (ungläubigen) US-Truppen aus dem (islamischen Kernland) Irak in den USA zu promoten.
    So nach dem absurden Motto: ein Abzug wäre eine Niederlage für Al-Kaida.

    • 24. November 2008 um 19:59 Uhr
    • J.S.
  4. 4.

    “Ja, das glauben viele von ihnen.”

    Diese Menschen sind offenbar in einem krankhaften Verfolgungswahn gefangen.

    “Die Meldungen über Verfolgung und Diskriminierung von Christen und anderen religiösen Minderheiten nähmen ständig zu. Berichten zufolge würden in mindestens 50 von etwa 200 Staaten der Welt tagtäglich Kirchen und Gebetshäuser zerstört. Unter den religiös Verfolgten weltweit mache allein die Gruppe der verfolgten Christen 80 Prozent aus.”

    http://www.bundestag.de/aktuell/hib/2006/2006_365/05.html

    Was ich vermisse ist die Solidarität mit Andersgläubigen in moslemischen Ländern, z.B. Armenier in der Türkei, die Kopten in Ägypten und vor allem die Baha’i im Iran.
    Oder mit Frauen, die der Scharia geopfert werden, wie das 13-jährige Mädchen in Somalia, das zuerst von drei Männern vergewaltigt und dann als Strafe für ihr Fehlverhalten gesteinigt wurde! Im Namen des Propheten…

    Wenn die Muslime unterdrückt werden, dann hauptsächlich von ihren eigenen Despoten.

    • 24. November 2008 um 20:01 Uhr
    • word
  5. 5.

    Islam heisst Unterwerfung.
    Deshalb unterdrücken sich die Muslime sozusagen selbst.
    Eine Ideologie wie der Islam, in denen die Hälfte der Menschheit quasi automatisch mindere Rechte inne hat, nämlich die Frauen, ist bereits Unterdrückung pur.
    Die grösste Unterdrückung von Muslimen findet zwischen den Muslimen untereinander statt.
    Am wenigsten unterdrückt werden Muslime in nichtmuslimischen Gesellschaften, paradox aber wahr.
    Muslime müssen vor der Unterdrückung durch andere Muslime in nichtmuslimische Gebiete auswandern.
    In diesen Gebieten wiederum beklagen die Muslime, daß sie nicht die gleichen Verhaltensweisen pflegen können, vor denen sie Jahre zuvor geflüchtet sind, ebenfalls paradox.
    Das grösste Paradoxon allerdings ist das vehemente Eintreten von Nichtmuslimen für muslimische Belange, deren Umsetzung in historisch-gesellschaftlicher Konsequenz der Wegbereiter für die Flucht vor eben diesen Belangen war.
    Einfacher gesagt – Islamapologeten unterstützen Dinge, vor denen die Unterstützten dann 50 Jahre später fliehen.

    • 24. November 2008 um 20:03 Uhr
    • tati
  6. 6.

    Aber im nicht zitierten Bereich steht:
    “The video message from Al Qaeda’s No. 2, Ayman al-Zawahiri, in which he called Barack Obama a “house Negro,” demonstrates, if anything, that the terrorists are always damn good in PR.”
    Da hat er recht!
    “spreading hate is the terrorists’ job.”
    Stimmt, aber daraus zu folgern das man nur nett sein müsse um den Terroristen einen Strich durch die Rechnung zu machen ist und bleibt falsch.
    Al-Kaida wird den Abzug der US-Truppen aus dem Irak als eigenen Erfolg darstellen. Genau wie damals den Abzug der Russen aus Afghanistan. Solche “Erfolge” verschaffen Al-Kaida Zulauf.

    • 24. November 2008 um 20:24 Uhr
    • J.S.
  7. 7.

    Herr Al-Zawahiri hat übrigens noch einen weiteren Grund, nervös zu sein. Hier erfährt er fundierten Widerspruch, der islam-rechtlichen argumentierend, die Al-Qa’ida-Ideologie zerpflückt.

    Before I get into Zawahiri’s jurisprudential mistakes, I want to say that this is not merely about the errors of one man on some jurisprudential issues. It is the attempt to establish a corrupt, wayward school (madhhab) to justify excess in shedding blood. I will detail how this school was established, examine its fundamentals, and refute them. This corrupt school has been called by some, “the al-Qaeda concept.”

    http://www.jihadica.com/the-denudation-of-the-exoneration-part-2/

    dazu auch:

    http://www.jihadica.com/the-denudation-of-the-exoneration-part-1/

    http://www.jihadica.com/the-denudation-of-the-exoneration-part-3/

    http://www.jihadica.com/the-denudation-of-the-exoneration-part-4/

    Über den Autor, ein islamistischer Ideologe, der in Ägypten inhaftiert ist.

    http://www.guardian.co.uk/world/2007/jul/27/alqaida.egypt

    Und dazu auch:
    http://www.independent.co.uk/news/world/asia/special-report-is-al-qaida-in-p.htmls-850606.html

    • 24. November 2008 um 20:24 Uhr
    • Andreas
  8. 8.

    @ 5. Tati
    Bingo Tati.

    • 24. November 2008 um 20:35 Uhr
    • Theodor
  9. Kommentar zum Thema

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