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Afghanistan: Die potemkinsche Wahl

 

Angesichts dieser Meldung wiederhole ich meine Frage von letzter Woche: Was eigentlich unterscheidet die afghanische Wahl noch – was ihre (Il)Legitimität angeht, von der iranischen?

DPA: Neue Vorwürfe über massiven Wahlbetrug in Afghanistan: Nach einem Bericht der «New York Times» haben Anhänger von Präsident Hamid Karsai bei der Abstimmung am 20. August bis zu 800 «Phantom-Wahllokale» eingerichtet, in denen in Wirklichkeit niemand seine Stimme abgab. Aus den fiktiven Wahllokalen seien aber jeweils tausende Stimmen für Karsai registriert worden, berichtete das Blatt am Montag unter Berufung auf Diplomaten. «Wir gehen davon aus, dass 15 Prozent der Wahllokale am Wahltag niemals geöffnet hatten», zitiert die Zeitung einen westlichen Diplomaten. «Dennoch meldeten sie tausende Stimmen für Karsai.» Bereits zuvor hatte es immer wieder Berichte über Wahlbetrug zugunsten Karsais gegeben, der nach offiziellen Auszählungen in Führung liegt.

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67 Kommentare

  1.   docaffi

    Heißt im Klartext, dass die Wahlbeteiligung in Wirklichkeit noch viel niedriger war, als angegeben wurde.


  2. Ja, wenn nicht andernorts Stimmzettel vernichtet wurden.

  3.   christian aka tati

    Der Lack ist endgültig ab.
    Dieses Afghanistan ist schlicht durch und durch islamisch-feudalistisch strukturiert.
    Auf der einen Seite hochgradig mafiös – auf der anderen Seite
    fanatisch religiös.
    Der puppet-master USA hat die Fäden seiner Marionetten nicht mehr in der Hand.
    Was nun?
    Mir fällt da letzlich nur noch das nicht mehr zeitgemäße Protektorat als Lösung ein – die Entmündigung sämtlicher afghanischer Eliten von politischen Führungsrollen.
    Bestenfalls die Bestallung von Exil-Afghanen, die wenigstens eine Generation gelebte Demokratie verinnerlicht haben.

    Die Bekämpfung der Taliban zur Stabilisierung einer korrupten Mafia-Clique
    kann nicht wirklich Ziel der demokratischen Welt sein.
    Somit verkümmert der Kampf gegen die Gotteskrieger zum reinen
    Selbstzweck.

  4.   docaffi

    @Tati

    Ich bitte dich, was heißt denn hier „die Stabilisierung eine korrupten Mafia-Clique“?? Wenn es alleine um die Vernichtung von Taliban gehen würde, hätte man es auch einfacher erledigen können.

  5.   PBUH

    Man sollte endlich die zivile Komponente des Afghanistan Einsatzes stark zurückfahren.

    In dem Land versickern Milliarden westlicher Steuergelder in Strukturen die man offensichtlich nicht unter Kontrolle hat.

    Der Westen sollte einen Zeitplan fixieren und sich nach und nach komplett aus den zivilen Strukturen zurückziehen und sich auf die Islamistenjagd beschränken.

    Das ist wesentlich billiger und bringt Soldaten und Aufbauhelfer weniger in Gefahr.

  6.   lebowski

    @PBUH
    Das größte Problem bei der Islamistenjagd ist, dass die alle so aussehen wie Ahmed Normalverbraucher. Es ist nicht so wie in Winnetoufilmen, wo die Schurken schwarze Anzüge tragen. Sie können die Islamisten ruhig aus einem Ort vertreiben, am nächsten Tag sind die wieder da.
    Nach westlicher Auffassung ist ein Krieg dann beendet, wenn man den Gegner von der Macht vertrieben hat. Denn die Leute von der Macht zu vertreiben bedeutete natürlich auch, dass man die Armeen der Gegner besiegt hatte. Die Taliban haben keine Armeen und eine institutionelle Macht haben sie in dem Sinne auch nicht ausgeübt.

  7.   docaffi

    @PBUH
    „Der Westen sollte einen Zeitplan fixieren und sich nach und nach komplett aus den zivilen Strukturen zurückziehen und sich auf die Islamistenjagd beschränken.“

    Der Angriff auf die Tanklaster hat gezeigt, wie genau und erfolgreich Islamistenjagd sein kann.

  8.   Hans Joachim Sauer

    @ tati

    „Mir fällt da letzlich nur noch das nicht mehr zeitgemäße Protektorat als Lösung ein“

    Das würde bedeuten, dass der Westen auf Dauer in Afghanistan bleibt. Das kann’s ja wohl nicht sein.
    Ich sehe das wie die neue US-Regierung, wie Schröder und Rühe: In nächster Zeit muss der Kampfeinsatz verstärkt werden, verbunden mit einer Strategie, die die Zivilbevölkerung im Kampf gegen die Taliban unterstützt. D.h. die westlichen Truppen dürfen sich nach den Einsätzen nicht zurückziehen und die Zivilisten dem Terror der Taliban überlassen, sondern müssen vor Ort bleiben.
    Nachdem die Lage stabilisiert ist, muss es eine konkrete Exit-Strategie geben wie derzeit im Irak.

    Wenn die afghanischen Wahlen nicht gefälscht worden wären, hätte mich das mehr als verwundert. Für bedenklicher als die Fälschungen halte ich die Tatsache, dass sich viele Afghanen von ihren Stammesführern vorschreiben lassen, wen sie wählen sollen.
    Das Problem mit Karzai ist, dass seine Macht im Grunde kaum über Kabul hinausreicht und er seinen Einfluss durch Bündnisse und Verträge mit den dubiosesten Stammesführern und Warlords zu sichern versucht.

    Vielleicht sollte man versuchen, in Afghanistan die Monarchie wieder einzuführen. Erfahrungsgemäß funktioniert die in traditionellen Staaten des Orients besser als Demokratie, wie Marokko, Jordanien, Oman, übrigens auch Saudi-Arabien beweisen. Monarchen werden vom Volk respektiert, solange sie sich halbwegs ordentlich benehmen, und garantieren daher ein höheres Maß an politischer Stabilität.

    Hat Zahir Schah keine Nachkommen???

  9.   AM

    @ tati
    „Mir fällt da letzlich nur noch das nicht mehr zeitgemäße Protektorat als Lösung ein – die Entmündigung sämtlicher afghanischer Eliten von politischen Führungsrollen.“
    Lol! Manch ein Afghane würde das sicherlich als neue Ehrlichkeit begrüßen und die Taliban dann unter der Maske der Kooperation mit den Protektoren noch aktiver unterstützen. Die verschwiegene Wahrheit ist doch, dass es jetzt schon ein Drittel der Afghanen tun.
    Retro-Träume ins Kolonialzeitalter werden das schmachvolle Ende in Afghanistan nicht abwenden, wenn nicht verantwortliche Politiker rechtzeitig den Sieg erklären und abziehen:
    http://preview.tinyurl.com/ln8xe5

  10.   PBUH

    >Der Angriff auf die Tanklaster hat gezeigt, wie genau und erfolgreich Islamistenjagd sein kann.

    Ja, finde ich auch, bisher der grösste Erfolg der BW in Afghanistan.

    @lebowski

    Der Westen kümmert sich nichtmehr um die Tagespolitik der Regierung, zieht sich in die afghanische Einöde zurück, beschränkt sich darauf den Taliban ab und an einen Schlag zu versetzen und unterbindet den Aufbau von Terrorcamps.

    Das ist alles sehr gut möglich und wesentlich billiger zu haben als der aktuelle Ansatz.