Ein Blog über Religion und Politik

Starke Argumente für ein Burkaverbot

Von 6. Mai 2010 um 11:16 Uhr

In der Herald Tribune von heute begründet der Mehrheitsführer im französischen Parlament, Jean-Francois Copé, warum er ein Verbot der Vollverschleierung in Frankreich durchsetzen will.

Nächste Woche wird das französische Parlament über den Entwurf der konservativen UMP abstimmen.

Hier die entscheidenden Argumente:

A) Sicherheit:

“Our debate is not about a type of attire or the Islamic head scarf that covers the hair and forehead. The latter is obviously allowed in France. The ban would apply to the full-body veil known as the burqa or niqab. This is not an article of clothing — it is a mask, a mask worn at all times, making identification or participation in economic and social life virtually impossible.

This face covering poses a serious safety problem at a time when security cameras play an important role in the protection of public order.”

B) Reziprozität im öffentlichen Leben

“The permanent concealment of the face also raises the question of social interactions in our democracies. In the United States, there are very few limits on individual freedom, as exemplified by the guarantees of the First Amendment. In France, too, we are passionately attached to liberty.

But we also reaffirm our citizens’ equality and fraternity. These values are the three inseparable components of our national motto. (…)

Let’s take one example: The fact that people are prohibited from strolling down Fifth Avenue in the nude does not constitute an attack on the fundamental rights of nudists. Likewise, wearing headgear that fully covers the face does not constitute a fundamental liberty. To the contrary, it is an insurmountable obstacle to the affirmation of a political community that unites citizens without regard to differences in sex, origin or religious faith. How can you establish a relationship with a person who, by hiding a smile or a glance — those universal signs of our common humanity — refuses to exist in the eyes of others?”

C) Individualität und Verantwortung

“We are free as long as we are responsible individuals who can be held accountable for our actions before our peers. But the niqab and burqa represent a refusal to exist as a person in the eyes of others. The person who wears one is no longer identifiable; she is a shadow among others, lacking individuality, avoiding responsibility.

From this standpoint, banning the veil in the street is aimed at no particular religion and stigmatizes no particular community.”

Leser-Kommentare
  1. 1.

    Danke.

    Argument B beantwortet auch eine Frage, die ich zum Verschleierungsverbot hatte: Braucht man dann zu Karneval/Fasnacht nun eine Maskenbewilligung.

    Das ist mit Nein zu beantworten, denn Fasnacht/Karneval etc ist ein anderer Kontext und solche Maskierung ist Spiel, Ironie, Spass und damit Kommunikation, und eben nicht Verweigerung der Kommunikation.

  2. 2.

    Argument C gilt auch zur Karnevalsfrage, denn Masken sind dort Individualisierung, Aussage, und nicht Anonymisierung.

  3. 3.

    @ FS

    Fasnachtsmasken dienen sehr wohl der Anonymisierung. Wenn eine Fassnachtshexe (traditionell ein Mann) eine hübsche Frau in den Po zwickt, kann dies aufgrund der Maskierung keine Anzeige (allenfalls gegen unbekannt) nach sich ziehen.

    • 6. Mai 2010 um 14:25 Uhr
    • Hans Joachim Sauer
  4. 4.

    Hans Joachim Sauer

    Kann er sich auf seine religösen Gefühle berufen, um die Maske aufbehalten? Kann er sie wegen Rassenhass anzeigen, wenn sie ihm die Maske abreisst?

    Ausserdem ist’s ja wohl ein Unterschied, ob sie sagen kann, es war der mit der Schröder-Maske in der Gruppe der Politikermasken, oder wenn man nur sagen kann, es war die mit der Burka in der Gruppe mit den Burkas.

    Letzteres tönt nach Monty Python.

    Mal abgesehen davon, dass dass die gewzickte Frau das, wenn sie denn am Karneval teilnimmt, wohl eher als Kompliment nimmt und nicht den Mann ruft, damit der per Handy die Männer der erweiterten Familie ruft um die Sache zu rächen.

  5. 5.

    FS, Sie kennen als Schweizer die schwäbisch-alemannische Fasnacht nicht? Die Mitglieder einer Zunft tragen alle die selbe Maske. Jede Hexe einer Zunft sieht aus wie die andere.

    • 6. Mai 2010 um 14:45 Uhr
    • Hans Joachim Sauer
  6. 6.

    Zum Thema Hexenmasken und Identifizierbarkeit der Träger: soweit ich mich erinnern kann, tragen die meisten Hexenzünfte Nummern an ihren Masken.

    Jedenfalls erreicht ein Burkaverbot nur, dass die betreffenden Frauen nun gar nicht mehr in die Öffentlichkeit können. Aber aus den Augen, aus dem Sinn, und unsere Welt ist wieder heil.

    • 6. Mai 2010 um 14:56 Uhr
    • maldoror
  7. 7.

    “Jede Hexe einer Zunft sieht aus wie die andere.”

    Und sie dürfen aus religiösen Gründen die Maske nicht abnehmen.

    Ich lach mich weg.

  8. 8.

    Wenn wir schon bei den Cliquen sind: Sie spielen Instrumente. Da kann man sie identifizieren, man sagt es war diejenige, die falsch gespielt hat. :-)

  9. Kommentar zum Thema

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