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Bin Laden ist tot! (Bouazizi lebt.)

Von 2. Mai 2011 um 11:15 Uhr

Die Nachricht vom Tod bin Ladens passt in den arabischen Frühling. Al-Kaida hatte seit Monaten Schwierigkeiten, die arabischen Revolten für sich zu vereinnahmen.

Zwar ist es sehr im Sinn des Netzwerks, die Autokraten stürzen zu sehen, die mit dem Antiterrorkrieg kooperiert haben. Auch dass die Herrscherhäuser wanken, die die Kriege der Amerikaner gegen Saddam Hussain gestützt und “ungläubige Truppen” auf heiligem Boden geduldet haben, kommt Al-Kaida entgegen.

Doch der Wunsch der arabischen Völker nach Demokratie traf die Jihadi-Salafisten im Mark: Denn ihr Projekt war die Theokratie in einem wieder zu errichtenden Kalifat. Und jede Form der Herrschaft von Menschen widerspricht dem salafistischen Islam. Um eben diese geht es aber in den Aufständen gegen die Tyrannei von Marokko bis Damaskus.

Mit den Aufständen ist eine Alternative zu dem antihumanen, antiwestlichen, antisemitischen Dschihadismus entstanden: Eine andere Möglichkeit der arabischen Völker, ihr Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen. Auch andere Formen des terroristischen Kampfes als der Dschihadi-Salafismus (Hisbollah, Hamas) sind nun unter Druck, seit Syriens Regime schwankt: Der arabische Frühling hat die Selbstverbrennung an die Stelle des Selbstmordattentats gesetzt – ein historischer Moment in der arabischen Kultur.

Dazu passt, dass nun der schlimmste Feind der friedliebenden Muslime weltweit tot ist. Er war ein Feind der Menschheit, aber vor allem ein Fluch für die islamische Welt. Niemand hat so viel Elend über Afghanistan, Irak und Pakistan gebracht wie Osama bin Laden. Zu befürchten ist, dass seine mörderische Ideologie seinen Tod noch eine Weile überleben wird. Mit Racheakten ist zu rechnen. Aber der Tod des Führers könnte doch ein entscheidender Schlag sein. Die Amerikaner haben ihn auf See bestattet, nach islamischem Ritus, wie inoffizielle Quellen betonen. Es ist vorbei.

Al-Kaida hat versucht, sich in Marokko durch ein schändliches Attentat in einem Café wieder ins Spiel zu bringen (und offenbar in Deutschland durch die Planungen, die am Wochenende durch die Verhaftungen vereitelt wurden). Solche Taten führen nirgendwohin. Sie machen den Menschen nur klar, wie sich die Bewohner Israels während der zweiten Intifada gefühlt haben, als die Diskotheken und Cafés mit Bomben angegriffen wurden. Solche Taten können eine freie Gesellschaft nicht besiegen, und sie könne eine Tyrannei nicht zum Einsturz bringen.

Eine Selbstverbrennung hat die Diktatur besiegt. Möglich ist immerhin, dass freiere Gesellschaften daraus entstehen.

Es lebe Mohammed Bouazizi. Osama bin Laden ist tot.

Kategorien: Islamismus und Terror
Leser-Kommentare
  1. 1.

    @ JL

    sehr pathetisch – gerade auch ihr schlusswort:

    Es lebe Mohammed Bouzizi. Osama bin Laden ist tot.

    erinnert etwas an: “ Der König ist tot! Es lebe der König!

    Aber ich glaube, sie machen sie da möglicherweise einige Illusionen.
    Zum einen glaube ich nicht, daß der Tod von Osama bin Laden große auswirkungen haben wird – er war großtenteils nur noch als eine Symbolfigur aktiv, und das könnte sie auch sein nach seinem tode (die amis versuchen zumindest dem etwas vorzubeugen, indem sie die leiche auf see – also ohne grab, zu dem man ‘pilgern’ kann – bestatteten).
    (“Niemand hat so viel Elend über Afghanistan, Irak und Pakistan gebracht wie Osama bin Laden.” der satz ist unsinnig, wenn sie es auf die person von osama beschränken und nicht den weiten bogen der menschen, die prinzipiell ideologisch hinter ihm stehen, mit einbeziehen. Die talibans in pakistan z. b. mögen mit al-quida wenig zu tun haben, aber ideologisch versuchen sie deren programm umzusetzen z. b.)

    Zum anderen schießen sie sich viel zu sehr auf die “djihadisten-salafisten” ein – und merken dabei meienr meinung nach nicht, daß diese leute nicht wirklich ein problem sind.
    Es sind relativ wenige und sie sind relativ gut als ‘feind’ erkennbar –> sie predigen udn übern gewalt aus.
    Die wirkliche Gefahr, das ‘echte’ Problem, sind vielmehr all jene ‘Muslime’, die den islam oder bestandteile davon in “zivilisatorischer Hinsicht” gebrauchen (in anlehnung an die unterscheidung von Ludin, auf die der Link verweist). Lesen sie mal das – da steht nichts von irgendwelchen djihadisten-salafisten, trifft aber das problem deutlich:

    http://www.welt.de/print/die_welt/debatte/article13317626/Ideologie-der-Macht.html

    Zudem würde ich bei den gerade ablaufenden revolutionen in Nordafrika/Naher Osten aufpassen und sie nicht einfach so als ‘große revolution in richtung “Freiheit, Demokratie und Fortschritt” sehen – der schuß kann allzuleicht nach hinten losgehen, da einfach auch diverse religiöse gruppieurngen da mitmischen.
    Wir hoffen alle, daß es gut geht – aber es könnte uns auch de facto ein zweiter iran entstehen. Auch die russische revolution, wenn ich es damit vergleiche, war erst einmal eine demokratische – die Bolschewiken haben sich später erst durchsetzen können.
    Will sagen: wir haben in diesen ländern (noch) keine gefäßtigten Zustände, die es ermögliochen zu sagen: ‘so sieht es dort auch für die nächsten jahre udn jahrzehnte aus – die sache ist stabil’.

    Auch glaube ich, daß sie damit einfach falsch liegen:
    Und jede Form der Herrschaft von Menschen widerspricht dem salafistischen Islam. Um eben diese geht es aber in den Aufständen gegen die Tyrannei von Marokko bis Damaskus.

    Erst einmal ist rein logisch genommen der erste satz falsch – er ist nämlich eine metapher. “dem salafistischen Islam” wiederspricht nichts, das ist einfach nur eine ideologie – korrekt wäre: es widerspricht menschen, die einem salafistischen islam anhängen. Diese menschen wollen, daß de facto menschen herrschen, die diese ideologie zur grundlage ihrer herrchaftsentscheidungen machen. Es wären also menschen die herrschen, und somit sehr wohl eine herrschaft von menschen. Ihr punkt dabei wäre doch: die ihre handlungen eben aus dieser ideologie heraus begründen, also als ‘gott-gewollt’ darstellen.
    Und da frägt sich schon auch,wieweit sie ‘Salafistisch’ nehmen wollen. Sind es nur die Hard-core-salafisten, die gemeint sind, oder sind es alle, die irgendwelche zwischenmenschliche Handlungen (Belange) als von gott vorgegeben bestimmen und darum auf deren so vorgegebenen einhaltung insistieren?
    Also würden sie einen ‘normalen Typen’, der z. B. glaubt, daß es gottes unveränderlicher Wille sei, daß Frauen nur halbsoviel erben wie männer, und das im politischen bereich (z. b. durch sein wahlverhalten) durchzusetzen versucht, auch unter ‘salafist’ zählen?
    Der also dezitiert religiöse Regelwerke (= die er als von gott gesandt wertet) in seiner Gesellschaft durchgesetzt sehen will – ist sojemand ein Salafist für sie?

    Ich denke, daß sind sehr wichtige fragen – und je nach antwort wird etwas anderes bei der beurteilung der ‘revolutionäre’ in den nordafrikanischen und Nahe-osten-staaten heraus kommen.

    • 2. Mai 2011 um 11:52 Uhr
    • Zagreus
  2. 2.

    “Zum anderen schießen sie sich viel zu sehr auf die “djihadisten-salafisten” ein – und merken dabei meienr meinung nach nicht, daß diese leute nicht wirklich ein problem sind.”

    Zaggy, Sie sind mal wieder völlig gaga.

    • 2. Mai 2011 um 12:01 Uhr
    • Hans Joachim Sauer
  3. 3.

    @ hans Joachim sauer

    können sie mich nicht einfach in ruhe lassen – anstatt mich nicht bei jeder sich gelegenheit zu beleidigen?
    Ich will mit ihnen wirklich nichts zu tun haben – denn sie sind nicht einmal in der lage eine begründung für ihre ansicht zu liefern, sondern beleidigen nur.
    Also bitte lassen sie mich in ruhe!

    • 2. Mai 2011 um 12:09 Uhr
    • Zagreus
  4. 4.

    Ein erfreulicher Tag.

    • 2. Mai 2011 um 12:10 Uhr
    • Bergpalme
  5. 5.

    Osama bin Laden ist nicht tot, er trinkt zur Zeit gerade Tee zusammen mit Elvis.

    • 2. Mai 2011 um 12:17 Uhr
    • FreeSpeech
  6. 6.

    Ich dachte eher Mate auf Hitlers finca in der Pampa.

    • 2. Mai 2011 um 12:22 Uhr
    • M. Riexinger
  7. 7.

    Ich finde merkwürdig, dass:

    1. OBL in einem Bezirk gewohnt haben soll, wo es für pakistanische Verhaeltnisse sehr luxuriös war und ehemalige Armeeangehörige auch lebten.

    2. Dass OBL trotz seiner Wichtigkeit als Informant für eventuelle weitere Terrorakte mit EINEM Schuss in den Kopf hingerichtet wurde, obwohl kein Grund zur Eile gegeben war, denn man war eigentlich in einer ungefaehrlichen Zone.

    3. Dass seine Leiche klangheimlich im Meer “entsorgt” wurde, obwohl bei seiner Denkrichtung als Salafist keine Gefahr eines Pilgerortes für seine Grabstaette bestand.

    4. Dass dies alles vor den neuen Praesidentschaftswahlen passiert, obwohl Osama schon im Juni 2010 dort eingezogen haben soll.

    5. (werden wir noch sehen, noch ist die Tat zu frisch…)

    • 2. Mai 2011 um 12:53 Uhr
    • Mete
  8. 8.

    @ Jörg Lau

    >Zu befürchten ist, dass seine mörderische Ideologie seinen Tod noch eine Weile überleben wird.

    Tja, der radikale Islamismus ist nicht die Erfindung von Bin Laden. Der Krieg gegen Westen wird weiter gehen.

    Allerdings hat Amerika in diesem Kampf nun einen wichtigen psychologischen Teilsieg errungen.

    >Solche Taten können eine freie Gesellschaft nicht besiegen[...]

    Die Terroristen glauben das aber.

    • 2. Mai 2011 um 13:03 Uhr
    • Serious Black
  9. Kommentar zum Thema

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