Ein Blog über Religion und Politik

Al-Kaida ist sauer auf Iran

Von 29. September 2011 um 09:52 Uhr

In dem Al-Kaida-Hochglanzmagazin “Inspire” (das sich vor allem an englischsprachige Dschihadis im Westen richtet) setzt sich die Propagandatruppe des Terrornetzwerks mit den Verschwörungstheorien des iranischen Präsidenten über 9/11 auseinander.

So etwas kann sich kein Satiriker ausdenken: Al-Kaida ist verschnupft, dass Achmadinedschad dem Netzwerk die Autorschaft an den Attentaten abspricht. Machmud A. ist bekanntlich der Überzeugung, die auch viele Politparanoiker im Westen teilen, dass die Amerikaner selber die Türme gesprengt haben, um einen Vorwand für die folgenden Kriege zu haben.
Die Dschihadisten drehen nun den Spieß um und attestieren dem Iraner Neid auf den tätigen Antiamerikanismus der Al-Kaida. Ihr quatscht nur, aber wir handeln, und wir haben die “größte Spezialoperation aller Zeiten vollbracht”. Das könnt ihr Schiiten nicht aushalten. Im übrigen habt ihr (Schiiten) den Amerikanern im Nordirak gegen Saddam geholfen. Und jetzt kommt ihr mit Verschwörungstheorien, um uns unsere größte Leistung kaputtzumachen:

The Iranian government has professed on the tongue of its president Ahmadinejad that it does not believe that al Qaeda was behind 9/11 but rather, the U.S. govern- ment. So we may ask the question: why would Iran ascribe to such a ridiculous be- lief that stands in the face of all logic and evidence?
Since the start of the Iranian revolution, Iran wanted to project an image of anti- Americanism. This would serve as a rally- ing call for the millions of Muslims around the world who despise America for its aggression against them. Iran played this card very well and garnered a lot of support among the Muslims as being the country that is willing to stand up to America.
If Iran was genuine in its animosity towards the U.S., it would be pleased to see another entity striking a blow at the Great Satan but that’s not the case. For Iran, anti-Americanism is merely a game of politics. It is anti-America when it suits it and it is a collaborator with the U.S. when it suits it, as we have seen in the shameful assistance Iran gave to the U.S. in its invasion of Afghanistan and in the Shi`a of Iraq, backed by Iran, bringing the American forces into the country and wel- coming them with open arms.
Therefore with 9/11, the Iranians saw a great operation that had brought dam- age to the U.S. like nothing they had ever dreamed of causing during their two decades in power. For them, al Qaeda was a competitor for the hearts and minds of the disenfranchised Muslims around the world. Al Qaeda, an organization under fire, with no state, succeeded in what Iran couldn’t. Therefore it was necessary for the Iranians to discredit 9/11 and what better way to do so? Conspiracy theories.
Iran and the Shi`a in general do not want to give al Qaeda credit for the greatest and biggest operation ever committed against America because this would expose their lip-service jihad against the Great Satan.

Ich fürchte, dass auch diese Intervention unsere westlichen Crazies nicht überzeugen wird, dass es nicht doch die Amis oder der Mossad waren.

Jedenfalls: Mit diesem Al-Kaida-Beitrag hat die Wirklichkeit die Satire eingeholt. Onion hat vor Jahren dieses Video veröffentlicht:

Leser-Kommentare
  1. 1.

    Cool, das Video. Aber war’s nun CIA oder der Mossad?

    • 29. September 2011 um 11:03 Uhr
    • FreeSpeech
  2. 2.

    Das ist wirklich Lustig. Vor allem weil Al Qaida mit der US Regierung mal einer Meinung ist. Und noch lustiger ist, dass Al Qaida ohne Probleme Hochglanzmagazine für ihre westliche Kundschaft herausbringt und man das ja nicht zurückverfolgen kann um dies zu stoppen.

    • 29. September 2011 um 11:40 Uhr
    • Irani
  3. 3.

    Saukomisch. Ich will ein Abo von “Inspire”!

  4. 4.

    Ein paar Punkte fehlen in der Betrachtung:

    Iran blockiert mit seiner tatkräftigen Unterstützung Assads die Machtübernahme der sunnitischen Opposition in Syrien. Eine islamische Revolution hat sich Al-Kaida -ebenso wie die Ayatollahs- auf die Fahnen geschrieben.

    Iran war auch mehr an einer dauerhaften Destabilisierung Iraks (und einer Bindung westlicher Kräfte) interessiert, als an einer erfolgreichen Revolution.

    Der arabische Ableger der Revolutionsgarden (Hizb’Allah) hält eine trügerische Waffenruhe mit Israel und ist nach Verständnis der Kaida mehr an der eigenen Machtkonsolidierung im Libanon interessiert, als einer Konfrontation mit den Üngläubigen.

    Kein Wunder, daß Al-Kaida die ‘Partei Gottes’ verächtlich als Hizb’Al-Lat bezeichnet.

    • 29. September 2011 um 12:12 Uhr
    • Serious Black
  5. 5.

    Noch komischer als “Inspire” ist das vermeintliche Frauenmagazin der Qaida mit dem Namen “al-Shamikha”:

    wissen.dradio.de/zeitschriften-frauenmagazin-fuer-die-islamistin.36.de.html?dram:article_id=12350

    archive.org/stream/AlshamikhaMagazine/AlshamikhaM#page/n0/mode/2up

    Dass die Magazine tatsächlich von einer Propagandaabteilgung der Terrorgruppe stammen, darf allerdings zumindest bezweifelt werden (und zwar unabhängig davon, dass viele Artikel – “How to make a bomb in your mom’s kitchen” – schlicht absurd sind).

    Der folgende Artikel listet einige Punkte auf, die Zweifel an der qaidaistischen Urheberschaft von “inspire” zulassen (bzgl. der 1. Ausgabe):

    http://www.theatlantic.com/international/archive/2010/07/5-reasons-to-doubt-al-qaeda-magazines-authenticity/59035/

    und bzgl. al-Shamikha:

    Is al-Shamikha for real?
    slate.com/blogs/xx_factor/2011/03/14/is_alqaida_really_behind_alshamikha_the_magazine_of_women_and_jihad.html

    • 29. September 2011 um 13:06 Uhr
    • M. Mustermann
  6. 6.

    Die Analyse bezieht sich auf die erste Ausgabe von “Inspire”:

    (1) Bin Laden and Zawahiri are extremely secretive and issue statements rarely and directly to the media. It would be unusual for them to write for a third-party publication, especially one put out by the Yemen-based AQAP, with which they have little or no direct ties. However, it is possible that the magazine’s producers simply copied old statements they had made.

    (2) The language of the magazine, such as “Make a bomb in the kitchen of your mom,” reflects either a poor command of English or a light-hearted sense of self-parody. AQAP is not known for either. Awlaki, whose location in Yemen makes his participation very plausible, is a native, fluent, and very articulate English speaker. His fiery English-language sermons are not funny.

    (3) The magazine includes an essay by Abu Mu’sab al-Suri. But Suri, whose connection to al-Qaeda is uncertain, has been locked up in Guantanamo–and possibly a CIA black site–since 2005. However, as with bin Laden, it is possible the magazine simply copied old statements.

    (4) Analysts tell me that the magazine PDF file either does not load properly or carries a trojan virus. This is unusual because al-Qaeda and AQAP have produced and disseminated such PDF publications many times without such problems. If the report was produced by U.S. counterintelligence, or if the U.S. operatives attached the virus to the original file, would the trojan really be so easily detectable by simple, consumer-grade virus scanners? Surely U.S. counterintelligence has less detectable viruses at their disposal.

    (5) The web-based “jihadi” community itself seems suspicious. The report has received little attention on web forums, especially given its apparent importance. A publication including such high-profile figures would normally receive far more attention than it has so far.

    http://www.theatlantic.com/international/archive/2010/07/5-reasons-to-doubt-al-qaeda-magazines-authenticity/59035/

    PS:

    Sehr geehrter Herr Lau, auch wenn der Unterhaltungswert dieses Blog-Beitrags ein hoher ist und der “10. Jahrestag” der Anschläge von NY für Erwähnenswertheit (furchtbares Wort) sorgt;
    war da nicht was im Jemen, oder in Syrien, oder in Bahrain (und btw womöglich sehr bald in Mauretanien)? Kämpft da nicht derzeit eine junge Bevölkerung in Tunesien und Ägypten für einen (ihrigen) zukünftigen zivilen Staat? Und hätte dies nicht (etwas) mehr unsere Beachtung und Aufmerksamkeit verdient, als ein zwar wahrlich komisches, aber doch eher irrelevantes Magazin nicht verifizierbaren Ursprungs?

    Als interessierter, fleißiger Leser Ihres Blogs und Ihrer Beiträge möchte ich damit keine Kritik üben, aber vll. einen kleinen Input geben.

    Beste Grüße

    • 29. September 2011 um 13:28 Uhr
    • M. Mustermann
  7. 7.

    Dass die Magazine tatsächlich von einer Propagandaabteilgung der Terrorgruppe stammen, darf allerdings zumindest bezweifelt werden (und zwar unabhängig davon, dass viele Artikel – “How to make a bomb in your mom’s kitchen” – schlicht absurd sind).

    @ MM

    Nur auf Basis des Atlantic-Artikels: Al Qaida ist bekanntlich ein organisatorisch eher lose assoziiertes Netzwerk mit regionalen Knotenpunkten. Das heißt, Taten und auch Worte werden bei weitem nicht immer von ranghöheren Mitgliedern angeordnet oder im Vorlauf explizit abgesegnet. Anders und gängiger formuliert: Al Qaida ist ein ideologisches Label, dass jeder für sich in Anspruch nehmen kann. Was einerseits die Möglichkeit eröffnet, propagandistische Fakes zu produzieren. Andererseits besteht so aber auch für überzeugte Dilettanten, die es persönlich noch nie mit einem kampferfahrenen Dschihadisten zu tun hatten und allenfalls über indirekte Kontakte in die Hardcore-Szene verfügen (was auch persönliche Risiken minimiert), die Möglichkeit, von der Norm bzw. von “offiziell zertifizierten Produkten” abweichendes Propagandamaterial zu produzieren.

    So könnte es sich demnach auch um ein Mittelding handeln. Die beiden Magazine sind keine Fakes (Counterinsurgency oder ein aufwändig-bizarrer Privatspaß), aber die Urheber sind Personen, die, wie gesagt, nicht über nähere Verbindungen zum Netzwerk verfügen. In diesem Zusammenhang wäre es interessant, zu erfahren, ob auf bekannten Dschihadseiten, auf denen beispielsweise authentische Videos gezeigt wurden und werden, etwas zu den Magazinen gesagt wird, und wenn ja, was. Auch wäre es interessant, was sehr kompetente Al-Qaida-Experten wie z.B. Yassin Musharbash, der im Besonderen ein Experte für die Netzszene ist, dazu sagen.

    Ich möchte in diesem Zusammenhang noch darauf hinweisen, dass der Alkaidaismus zwar eine bierernste und (intrinsisch) ironiefreie Angelegenheit, aber nicht durchgehend frei von unfreiwilliger Komik ist. Es sei in diesem Zusammenhang etwa an die doch sehr speziell-bizarr anmutenden Reden des mittlerweile umgekommenen Bekkay Harrach erinnert. Wenn Harrach nicht bei den deutschen Sicherheitsbehörden einschlägig bekannt gewesen wäre, hätte man meinen können, dass es hier jemandem ausschließlich darum gegangen wäre, sich wichtig zu machen. Auf seine Drohungen folgten zwar keine Taten, aber der Mann befand sich tatsächlich mit bewaffneten Kollegen irgendwo im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet und kam in der Gefahr, in die er sich begeben hat, um.

    Daneben war ich mir eine Weile nicht sicher, ob die inzwischen abgeschaltete Website der “Islambrüderschaft” eine authentische Seite war. Allein schon der Name schien mir zu bescheuert, und dann bekam (unfreiwllig) ironischerweise noch irgendein ganz und gar nicht pro-westlicher sowie unwichtiger Verschwörungshansel, der in einem linksextremen Verlag publiziert, eine Morddrohung, weil er eine auch aus islamistischer Sicht vergleichsweise harmlose Unbotmäßigkeit über den Propheten abgesondert hat. Allein – der Urheber der “Islambrüderschaft” ist kein besonders bizarrer Spaßvogel, sondern sitzt seit ein paar Monaten im Knast.

    • 29. September 2011 um 14:22 Uhr
    • N. Neumann
    • 29. September 2011 um 14:31 Uhr
    • N. Neumann
  8. Kommentar zum Thema

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