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Warum Ölsanktionen gegen Iran nicht funktionieren

Von 25. Januar 2012 um 11:48 Uhr

Paul Stevens vom britischen Think Tank Chatham House glaubt nicht an den Sinn der soeben von der EU beschlossenen Ölsanktionen gegen Iran:

“History has shown that since the Iranian nationalization of 1951 and the events leading to the overthrow of Dr Mossadegh in 1953, oil embargoes simply do not work.21 The international oil market is too complex, with too many players and too many options, to disguise transactions. History is littered with failed oil embargoes ranging from Cuba, Rhodesia and South Africa to the Arab oil embargo and the embargo against Iraq after 1990.
However, history appears to have passed by the decision-makers of the EU. It is also worth pointing out that an EU oil embargo would greatly strengthen the Ahmadinejad regime at a time when it is under considerable pressure, especially with  parliamentary elections looming in March. Unemployment remains very high, as does inflation. The latter has been greatly aggravated by the removal of many price subsidies in the last twelve months. Moreover, in the last few weeks the value of the Iranian rial against the dollar has fallen dramatically (at one point reaching a devaluation of over 30 per cent, before recovering somewhat). This has damaged the credibility of the government and will fairly quickly aggravate the problem of inflation. Given the crucial role of oil in Iran’s deepest political DNA, an EU embargo would put the population solidly behind the current regime.
A more effective means of putting pressure on Iran would be for the United States to persuade the EU to extend sanctions to financial transactions.”

Anmerkung: Es sind nun aber zugleich Sanktionen gegen die Iranische Zentralbank beschlossen worden.

Jetzt wüßte man gerne: Machen die Ölsanktionen diese Bank-Sanktionen, die Stevens befürwortet, effektiver, oder unterminieren sie deren Wirkung?

Entscheidend finde ich Stevvens’ Hinweis auf die Wahlen im Iran. Kaum denkbar, dass irgendeine Fraktion des iranischen Establishments in dieser Situation für ein Einknicken gegenüber dem Westen plädieren kann.

Daher denke ich, die Sanktionen werden zu einer Eskalation des Konflikts führen, aber wohl kaum zu einer neuen Gesprächsbereitschaft (höchstens taktischer Natur).

 

Kategorien: Iran
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Dass die Sanktionen funktionieren, sieht man an der nervösen Reaktion des Iran – der Drohung, die Straße von Hormuz zu sperren.
    Wenn diese Drohung wahr gemacht wird, ist das für die USA ein Kriegsgrund und das wäre dann das vorläufige Ende für das iranische Atomprogramm.

    • 25. Januar 2012 um 12:21 Uhr
    • Hans Joachim Sauer
  2. 2.

    Given the crucial role of oil in Iran’s deepest political DNA, an EU embargo would put the population solidly behind the current regime.

    @ Jörg Lau

    Woher weiß der Mann das?

    Entscheidend finde ich Stevvens’ Hinweis auf die Wahlen im Iran. Kaum denkbar, dass irgendeine Fraktion des iranischen Establishments in dieser Situation für ein Einknicken gegenüber dem Westen plädieren kann.

    Und bei Nicht-Sanktionen, wie in mehreren Jahren zuvor, würde schon eine Fraktion des iranischen Establishments für Einknicken plädieren?

    • 25. Januar 2012 um 12:43 Uhr
    • N. Neumann
  3. 3.

    @ NN

    Woher weiß der Mann das?

    Professor Paul Stevens was awarded the 2009 OPEC Award in recognition of his outstanding work in the field of oil and energy research. The award was established in 2004 by OPEC to honour individuals who have made an outstanding contribution to the petroleum industry and oil-related issues. The award honours those who have demonstrated a high level of independence and integrity in their work and who have persistently presented a critical, yet impartial view on oil-related issues in debates.

    http://www.chathamhouse.org/about-us/directory/70680

    • 25. Januar 2012 um 12:54 Uhr
    • marriex
  4. 4.

    Stimmt der Vergleich mit den früheren misslungenen Embargos?

    • 25. Januar 2012 um 13:01 Uhr
    • FreeSpeech
  5. 5.

    @ FS

    Cuba, Rhodesia and South Africa

    Der vergleich von einem Export- mit einem Importembargo kann eigenltich nie stimmen.

    Arab oil embargo

    Das sollte höhere Preise durchsetzen, was zumindest zeitweise gelang.

    against Iraq after 1990

    Dies hat zumindest die Wiederaufrüstung Iraks verhindert, weshalb die Linken ja auch stets dagegen gehetzt haben.

    Arab oil embargo

    • 25. Januar 2012 um 13:23 Uhr
    • marriex
  6. 6.

    @ marriex

    Danke.

    • 25. Januar 2012 um 13:51 Uhr
    • FreeSpeech
  7. 7.

    Entscheidend finde ich Stevvens’ Hinweis auf die Wahlen im Iran. Kaum denkbar, dass irgendeine Fraktion des iranischen Establishments in dieser Situation für ein Einknicken gegenüber dem Westen plädieren kann.

    Dass ein gemeinsamer Feind eine Nation zusammenschweißt, bedeutet nicht, dass man im Umkehrschluss den Feind sprengen kann, indem man ihn umarmt.

    • 25. Januar 2012 um 14:29 Uhr
    • Arjen van Zuider
  8. 8.

    Die Sanktionen werden doch funktionieren – Der Wert des US-Dollars wird fallen. Warum? Weil China und Indien ihre Ölimporte mit Gold bezahlen können.

    Dann heißt es, die Sanktionen haben nichts Gutes gebracht, jetzt müssen wir den Iran militärisch angreifen, wetten?

    Es wird – nach sehr viel verbrannter Erde – herauskommen, daß Iran keine Kernwaffen besessen hat, aber ein Ausmaß von “dual use” in seiner Kernforschung betrieben hat, das für viele auch Nicht-Atomwaffenstaaten typisch ist. Man hätte viele, unfriedlichere, Länder zu bombardieren …

    Die USA, China und Rußland sollten sich endlich zusammentun um eine gemeinsame Sicherheitsgarantie für Israel UND Iran abzugeben und den nötigen Druck auf Israel auszuüben, seine Atomwaffen zu verschrotten.

    Der Iran will keine Atomwaffen _anwenden_, hat aber ganz heftig etwas dagegen, daß Israel mit seinen Atombomben in der Region den starken Max macht.

    • 26. Januar 2012 um 06:56 Uhr
    • hirmer
  9. Kommentar zum Thema

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