Ein Blog über Religion und Politik

Was der Terroranschlag gegen israelische Urlauber über Iran, Syrien und Hisbollah sagt

Von 20. Juli 2012 um 13:06 Uhr

Sowohl israelische als auch amerikanische Geheimdienstquellen halten die Hisbollah verantwortlich für den Terroranschlag gegen israelische Urlauber in Burgas.

Und in der Verlängerung bedeutet dies, dass hier “der lange Arm Irans” (Netanjahu) zugeschlagen hat.

Zwar liegen Beweise noch nicht vor, und die Identität des Attentäters scheint noch nicht eindeutig geklärt. Aber die Tatsache, dass das Attentat zum 18. Jahrestag der Attacke auf die Jüdische Gemeinde in Buenos Aires (durch iranische Terroristen) geschah, lenkt die Ermittlungen in Richtung Hisbollah/Teheran.

Es wird vermutet, dass der Anschlag eine Racheaktion für die israelischen Erfolge im Kampf gegen das Atomprogramm des Iran darstellt – und seitens der Hisbollah für die Ermordung des Hisbollah-Kommandeurs Imad Mughniyeh 2008 in Damaskus. Teheran war es lange nicht gelungen, für die gezielte Tötung einer Reihe seiner Nuklearforscher Rache zu nehmen. Der israelische Geheimdienst hatte eine ganze Serie von Anschlägen verhindern können. Nun ist man offenbar auf “weiche Ziele” übergegangen, nachdem es nicht möglich war, Israels Repräsentanten direkt zu treffen.

Hisbollah und Teheran sind durch die Eskalation in Syrien und die soeben in Kraft getretenen Ölsanktionen existenziell gefährdet. Anders ist nicht zu erklären, dass der Hisbollah-Führer Nasrallah am Mittwoch eine außergewöhnlich erhellende Solidaritätsadresse an seinen Paten Assad geschickt hat.

Mit dieser Adresse hat er sich nun aber öffentlich auf Gedeih und Verderb an ein todgeweihtes Regime gekettet. Die Hamas hat sich bereits vor Monaten aus Damaskus abgesetzt und kann in Kairo auf neue Sponsoren rechnen (wenn auch nicht mit der gleichen Radikalität gegen Israel).

Hisbollah aber hat wegen ihrer konfessionellen Ausrichtung keine Alternative zu den Alawiten und Schiiten, die nun im innerislamischen Vormachtkampf vor einer entscheidenden Schwächung stehen.

Nasrallah sagte:

In a televised address on Wednesday night, the Hezbollah leader, Hassan Nasrallah, offered eloquent condolences for the deaths of the three high-ranking Syrian officials killed earlier in the day. “These martyr leaders were comrades in arms in the conflict with the Israeli enemy, and we are confident that the Arab Syrian Army, which overcame the unbearable, will be able to persist and crush the hopes of the enemies,” he said.

He credited Mr. Assad and his government with the victory that Hezbollah claimed against Israel in the 2006 war in Lebanon and with saving Gaza during the 2009 Israeli incursion. “The most valuable weapons we had in our possession were from Syria,” he said. “The missiles we used in the second Lebanon war were made in Syria. And it’s not only in Lebanon but in Gaza as well. Where did these missiles come from? The Saudi regime? The Egyptian regime? These missiles are from Syria.”

It was a stunning testament, said Fawaz A. Gerges, director of the Middle East Center at the London School of Economics. “For Hezbollah, it is a point of no return now,” he said. With the speech, “Hezbollah made it very clear that there is an umbilical cord between the Syrian regime and Hezbollah, and this umbilical cord is existential. They are, as he said, comrades in arms.”

Auch der Iran unterstützt weiter Assad, aber die klügeren Leute im System wissen, dass der Preis dafür ist, dass Teheran seine Glaubwürdigkeit auf  der “arabischen Straße” verliert. Kurzzeitig hatte man in Teheran ja versucht, den Arabischen Frühling als Fortsetzung der iranischen Revolution durch die sunnitischen Brüder zu verkaufen. Vorbei:

“We are supporting some uprisings and ignoring others,” said Mashallah Shamsolvaezin, a Middle East analyst based in Tehran. “Arab people do not believe us anymore. We come across as antagonists, following our political agenda.”

Katar und die Saudis investieren auch deshalb so sehr in die syrische Revolte, weil sie damit auf eine Einhegung des iranischen Einflusses in der arabischen Welt hoffen. Der Libanonkrieg und der Gazakrieg, vom Zaun gebrochen von den Teheraner Proxies Hisbollah und Hamas, schienen damals eine Wende zu markieren: Teheran entschied über Krieg und Frieden im Nahen Osten, nicht mehr die klassischen arabischen Patrone der Palästinenser. Nun scheint das Pendel zurück zu schwingen.

Die Gefahr einer sunnitischen Islamisierung Syriens ist nicht von der Hand zu weisen. Aber zugleich scheint sich anzubahnen, dass Iran in den Augen der Araber diskrediert ist, und zugleich mit Iran und Syrien der gemeinsame terroristische Subunternehmer Hisbollah. Und das ist in all dem Horror von Burgas eine gute Nachricht.

Leser-Kommentare
  1. 113.

    @ SB

    “ethnische Säuberungen den unblutigsten Ausgang des Bürgerkriegs darstellen könnten”

    Tabu, Tabu …

    Dieser Punkt trifft auch genau den Kern der Differenz im westlich-moralischem Politikverständnis zu demselben im – Rest de Welt.

    Mit Ausnahme des Dalai Lamas vielleicht – oder zumindest bei dessen
    Auftritten vor pensionierten Oberstudienrätinnen in Wiesbaden, etc.

    Mit dem (hier: exemplarisch) türkischen Geschichtsverständnis gibt es meist nur einen Zusammenstoss bei der Armenierfrage; aber nehmen Sie mal:

    hxxp://en.wikipedia.org/wiki/Exchange_of_populations_between_Greece_and_Turkey

    “leaders of both Greece and Turkey, as well as some circles in the international community, saw the resulting ethnic homogenization of their respective states as positive and stabilizing since it helped strengthen the nation-state natures of these two states.”

    Die Levantiner-Bosse kennen ihre Papenheimer.

    Den Artikel gibt es natürlich nicht auf deutsch.

    Das Regime verbreitet Siegesmeldungen und tiumphal aufgemacht Leichenfotos:

    “Inflicting heavy losses among terrorists …”

    http://www.sana.sy/eng/337/2012/07/24/432903.htm

    Und prompt verbreiten die Hoffnungsgeblendeten ein schwüles Brießchen.

    hxxp://www.zeit.de/politik/ausland/2012-07/syrien-uebergang-nationalrat/komplettansicht

    So schummelt man sich tapfer über die Runden.

    @ MRX

    “eine nicht geringe schwule Fan-Gemeinde.”

    Die anale Schnittmenge quasi.

  2. 114.

    Überblick über die Ramadan “Sunni offensive against shiites” im Irak.

    http://www.youtube.com/watch?v=FsM0VdeY70U&feature=plcp

    @ Academia

    “The Politics of Sectarian – Insecurity: Alawite ‘Asabiyya and the
    Rise and Decline of the Asad Dynasty of Syria …

    thesis submitted to the University of Otago in fulfilment of the requirements of the degree of Doctor of Philosophy in Politics
    University of Otago* 2012″

    *”Die University of Otago (Māori: Te Whare Wānanga o Otāgo) ist die älteste Universität Neuseelands und befindet sich in Dunedin, der Hauptstadt der Region Otago. Ihr Wahlspruch: “sapere aude” ziert das Wappen und Symbol der Universität.”

    hxxp://de.wikipedia.org/wiki/University_of_Otago

    371 Seiten brutto; netto nur 358. Zusammenfassung hat bis heute abend Zeit …

    Bitte mit kurzgefasster und allgemeinverständlicher Begründung, warum Verwechselungsgefahr mit Aleviten ausgeschlossen ist und Auswirkungen auf die Türkei reine Panikmache sind. Im voraus vielen Dank.

    In freudschaflicher Verbundenheit und dringender Sorge,

    Ihr Zentralausschuß für Beruhigungspillendosierung beim Bundesverband der Liberal-pazifistischen Edelfedern.

    hxxp://otago.ourarchive.ac.nz/bitstream/handle/10523/2232/GoldsmithLeonT2012PhD.pdf

  3. 115.

    Für schmerzliche Wahrheitsprobleme hat man mainstream-muslimischerseits durchaus Verbindungen zu Ungläubigen, die in Repressions- und Tyranneifragen als so einigermassen passabel beleumundet gelten können.

    Gott sei Dank gibt es in der betreffenden Generation nicht nur solche zynischen Frustbolzen, wie Peter Scholl-Latour, so eine Art katholischen Nestor-Mega-Horst, der seine Grandseigneur-haft frömmelnde antiwestliche Bigotterie auch durch gelegentliche Aufreiß-Zoten aufzuschrillen versteht.

    http://islam.de/20735

    “Neudeck: … Wut und Angst … Die Angst hindert sie immer noch, offen zu sprechen, weil sie immer noch denken, dass das System ihres Landes auch über die Grenze hinaus gilt. Es ist bekannt geworden, dass Assad eben auch in die Türkei einige seiner Geheimdienstleute – er hat ja eine Armee von 250.000 Geheimdienstleuten -, es sollen auch einige eingeschleust sein in die Türkei. … Aber die Wut ist unglaublich groß … die Wut auf die Unterstützer von Assad, die Wut auf Russland, China, Iran.”

    Diese Wut hat ein Recht auf westliche Solidarität.

    Wenn sie danach ein paar arabische Talibanemirate, phönizische und kurdische Volksrepubliken und Spielcasinoenklaven mit Dauerkleinkriegstreß in alle Richtungen und häßlichen Scharia-Hinrichtungen aufziehen – dann ist das halt deren Sache.

    Die Leute einfach verrecken zu lassen, weil sie sich halt vermutlich nicht ordentlich selbst werden regieren können, ist auch keine so ganz Backlash-freie Option.

    Muslime sterben zu lassen, weil sich ihre Befreitheit von einem Tyrannen allzu häßlich für ein westliches Religionsidylle-Bild ausnehmen könnte, ist ein Gipfelpunkt von Dekadenz, alles in einem Bestreben: ‘bloss nicht den Feinden des Islam’ zuarbeiten zu wollen.

    Hauptsache das Vorzeichen vom Salafismus bleibt umgekehrt normativ –
    und wird um Himmels Willen nicht autoritativ im sunnitischen Islam.

    Wie sollten wir dann auch jemals einen integrativen Wohlfühl-Religionsunterricht hinkriegen, bei dem auch wirklich kein Schüler befürchten muss, der Staat mißtraue dem Glauben in seiner Familie ?

    Ob Islam irgend etwas anderes, als die eine oder andere Gangster-Asabiyya sein kann, das wird in Damaskus und von Damaskus aus ab jetzt bis zu einem historisch-vorläufigen lehramtlichen Endergebnis in Riyadh und/oder Teheran ausgekegelt.

  4. 116.

    Unwillkürlich fragt man sich: Können die das Ticket zahlen?

    15:27 Greece was preparing to close its embassy in Damascus, the Foreign Ministry said Tuesday, after last week warning about the deteriorating security situation there.

    http://www.nowlebanon.com/NewsArticleDetails.aspx?ID=253828#ixzz21XvR6tn2

    • 24. Juli 2012 um 15:36 Uhr
    • MRX
  5. 117.

    @ MRX

    “Können die das Ticket zahlen?”

    Bis zum 6.August fliegt Aeroflot noch kommerziell; danach müßten sich Evakuierungsplätze in Militärmaschinen finden lassen, wo man vielleicht auf ‘verarmter Patriot und Internationalist’ machen kann.

    Jihad-Dementi-twitter von Ramzan Kadyrow persönlich:

    “the leader of Russia’s Chechen republic in his Twitter micro-blog denied … that Chechens were fighting in Syria. …
    video had a comment saying that among the volunteers who were fighting against Bashar Assad were people from … and Chechnya. … under the flag of al-Qaeda. Later the Saudi newspaper al-Sharq referring to the sources in Jordan’s special services reported that the total number of al-Qaeda insurgents who were fighting on the side of the Syrian opposition was not less than 6,000.”

    http://english.ruvr.ru/2012_07_24/No-Chechens-among-soldier-of-fortunes-in-Syria/

    Entweder die Saudis führen das an – oder sie sind als nächste ‘dran.

    Und über den nahen Kaukasus – da kurvt so mancher Jihadistenbus.

    Vielleicht wird das alles deutlicher, wenn ich zur Gedichtsform greife.

  6. 118.

    - Syrien – Gefängnisunruhen in Aleppo –

    … a man claiming to be a prisoner in Aleppo who witnessed the mutiny. He said that up 20 people were killed and that the rebel Free Syrian Army responded to the prisoner’s call for help.
    “People from inside the prison contacted members of the [rebel] Free Syrian Army to try and get some help. The FSA fighters responded to the phone call and surrounded the prison. The FSA fought with the army around the prison and called the general of the prison warning him to stop [the violence …
    The prisoners feel that there is hope and that the FSA will free us.”

    http://www.guardian.co.uk/world/middle-east-live/2012/jul/24/syria-crisis-aleppo-clashes-live

  7. 119.

    - Sandmonkey: soziologisch-politische Prognose-Analyse der Morsi-Wahl –

    … The Elite dynamics in Egypt has very little to do in terms of personal achievement or fame …, but more to do with how connected you are with the people in power and the families to which they belong,
    which are some thirty-odd families that have intermingled and inter-married for the past one hundred years.
    Those families have survived with their status intact a revolution and three presidencies, but they have always suspected that this new revolution might be what finally kicks them in.
    The moment Shafiq lost, their last vestige of hope to maintain their status was lost as well … But … What’s so different this time?

    … when a new Elite comes into Power through a revolution,
    the old Elite have one of three options:
    1) leave the Country,
    2) intermarry with the new Elite and assimilate them, or
    3) stay in the country, bid your time with the risk of withering out.

    … on the onset of the 1952 revolution, when the Army Officers became the new Elite. Some fled the country, some sat on the sidelines in bitterness awaiting a comeback that came for some and not for others, while others went ahead and intermarried with them to keep their social status, and assimilated them into their existing social dynamics and thus survived till this day.

    Unfortunately for them, that last option won’t exactly work this time, due to the very special nature of the Muslim Brotherhood and how their social circle operates.
    Unlike the army officers, the MB have two things:
    1) Money and
    2) An already semi-closed existing social structure (with its own culture, schools, social values, dress-code, mannerisms, even wedding style),
    where the leading families are all intermarried.

    For example, our new President’s daughter is married to the son of Ahmed Fahmy, the speaker of the Shura Council,
    who in turn is related by Marriage to Saad El-Katatny, the speaker of the People’s Assembly,
    who in turn is related by Marriage to Khairat El-Shater, the MB’s de-facto leader,
    who is also related by marriage to a number of very powerful figures inside the Brotherhood Supreme Council.

    This semi-tribal structure, which exists all over the MB’s inner social classes, signifies two things:
    1) We have a rising and complete new Aristocracy in town,
    2) Our checks and balances system will not be carried on in public, but rather over familial dinner-table discussions …:
    The revolution that sought to remove Mubarak for desiring to keep power within his family through only his son, has handed over power over the country to a budding aristocracy …

    Hence the level of panic that has pervaded through the old Elite families, and why so many of them are considering leaving the country. They don’t fear that this country will turn islamist, but rather that in the new social order, they don’t have a place anymore. Very few of them would be able to marry into this new elite, and even fewer would want to given the huge chasm in their social values, which unlike the last revolution has little to do with social class and more to do with piety and priorities, which are vastly different than their own … the implications of this new social order are far more reaching than that and it will also affect the revolutionaries.

    Take art and culture for example: … The Muslim Brotherhood may have many virtues, but being fans of cultural diversity was never really one of them … as opposed to the old Elite, who may have had many short-comings and negatives, but they were very proud and supportive of the Egyptian arts and culture scene …

    … many of the old elite, whether pro or anti the revolution … realise and intend to capitalize on the one major difference that differentiates this revolution from the one before.
    Power could be seized through democratic process and
    so they intend to stay and continue to fight this fight.
    There are still new parliamentary elections coming by year’s end, and
    thus a chance for survival, co-existence and offering competing visions over the course this country can take.

    Unlike the past year and a half, one should expect a surge of many of the old elite joining existing or new political parties as members, financiers or even political candidates,
    because they finally realise
    that relying on decades-old connections will no longer cut it, and
    that the only way for them to survive is through participation in the political process …

    http://www.sandmonkey.org/2012/07/18/the-new-elite/

  8. 120.

    @ Publicola
    Auf Memri.tv gibt’s derzeit Mitschnitte einer ägyptischen ‘Verstehen-Sie-Spaß’-Serie und der Spaß besteht darin die Ausraster zu belachen, die regelmäßig angesagt sind wenn ägyptischen TV-Studiogästen die fingierte Mitteilung gemacht wird, sie befänden sich gerade in einem israelischen TV-Studio.
    Am schlimmsten ist die Einigkeit, die herrscht, nachdem die Verarsche zum Schluss aufgeklärt worden ist und sich alle in geradezu faschistischer Einigkeit in den Armen liegen. Noch mal Glück gehabt, was haben wir gelacht.
    Das ist der Sumpf auf dem die Demokratie entstehen soll.

    • 24. Juli 2012 um 17:05 Uhr
    • Bredow
  9. Kommentar zum Thema

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