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Wie Nasser einmal einen Witz über die Muslimbrüder machte

Von 5. November 2012 um 18:25 Uhr

Dieses Video ist sehr erhellend über den Wandel in Ägypten. Gamal Abdul Nasser erzählt hier, dass er mit den Muslimbrüdern einmal habe zusammenarbeiten wollen, “um sie auf den rechten Weg zu bringen”. Die erste Forderung des Führers sei gewesen, das Kopftuch zwingend einzuführen. Daraufhin lacht SPONTAN das Publikum. Kann man sich etwas Absurderes vorstellen! Die Frauen unters Kopftuch zwingen! Einer ruft gar: Soll er es doch selber tragen!
Dann kommt Nassers trockene Pointe: Er habe dem Führer der MB geantwortet: Haben Sie nicht eine Tochter, die Medizin studiert? Die trägt aber nicht Kopftuch! (Gelächter, abermals) Und wenn es nicht möglich ist, eine Frau unters Kopftuch zu zwingen, wie soll ich dann 10 Millionen Ägypterinnen dazu zwingen? (Gelächter).
Gut gegeben. Aber gewonnen hat die MB. Heute gibt es in Ägypten so gut wie keine Frau mehr ohne Kopftuch. Es sei denn, sie ist eine sehr mutige Christin, oder sehr privilegierte Frau, die sich zu schützen weiß und die Straße meidet. Und alles selbstverständlich völlig freiwillig.
Wer sich trauen würde, in Ägypten öffentlich über die MB in dieser Weise zu scherzen wie es Nasser tut, müsste hingegen mit einem Blasphemieprozess rechnen.

Kategorien: Ägypten
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Faschisten sind selten humorvoll und können über Witze lachen, egal ob sie nun einer säkularen oder religösen Ideologie folgen. Ich denke die besonders korantreuen Moslems im Führungszirkel der Moslembrüder haben mittlerweile ähnliche Reden gehalten wie diese hier: http://www.youtube.com/watch?v=_ooPYulJtN0 Auch wenn ihre Macht noch nicht so absolut ist.

    • 5. November 2012 um 21:24 Uhr
    • Bellfruta87
  2. 2.

    @ JL – Großartig – magnifique – Merci!

  3. 3.

    Und Sie, Herr Lau, haben trotzdem noch nicht begriffen, wie die Islamisierung läuft. Traurig.

    • 5. November 2012 um 21:39 Uhr
    • Mamas Liebling
  4. 4.

    3 ML
    Ich weiß nicht was herr lau begriffen hat, finde es aber toll, daß er soetwas veröffentlicht. Danke.

    • 5. November 2012 um 22:02 Uhr
    • ernsthaft
  5. 5.

    PS – @ JL – es ist bedauerlich, wie weit Ägypten sich von hoffnungsvollen Anfängen einer, wenn auch begrenzten, religiösen Neutralität und staatsbürgerlichen Rationalität in der Moderne*) hin auf den Abweg zum Obskurantismus sektiererisch-spalterischer Repressionstendenzen der Gegenwart heute begeben hat.

    _____________________________

    *) Die Revolution 1919 prägte den Slogan “religion for God, the country for all”. Damals ließen die Ägypter ihre religiösen Differenzen hinter sich und verbündeten sich gegen die britische Herrschaft. Die Flagge der Revolutionäre zeigte einen Halbmond und ein Kreuz auf grünem Hintergrund.
    Das Kreuz wurde unter der darauffolgenden Monarchie dann allerdings durch drei Sterne ersetzt,
    während der Halbmond – ein altes Symbol der Osmanen und des Islams – blieb.

  6. 6.

    1953 … ein paar Jahre später – und lange vor dem Kopftuchboom – zog FGM wieder ein in Ägypten.

    Alle paar Monate halte ich es für vertretbar, FGM zu erwähnen.

    Unter Nasser gab es sogar mal ein Gebilde namens

    http://de.wikipedia.org/wiki/Vereinigte_Arabische_Staaten

    mit Syrien und dem Nordjemen.

    Ist in der christlich-muslimischen Gemengelage Ägyptens: ‘Syrien’ ein Thema – oder eher das Ende der Freundschaft ?

  7. 7.

    PS – insbesondere über die ungewöhnlich freiheitliche, liberale und kreative Epoche Ägyptens in den Jahren vor der Revolution (coup d’etat) 1952 sowie die Unterdrückung demokratisch-parlamentarischer Impulse und Initiativen einige Zeit nach der Revolution (coup d’etat) von 1952 informiert ‘en detail’ Sandmonkey in seinem Essay “January vs. July” vom 28.08.2012

  8. 8.

    der Essay “January vs. July” von Sandmonkey (28.08.2012):
    http://www.sandmonkey.org/2012/08/28/january-vs-july/

  9. Kommentar zum Thema

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