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Wie Nasser einmal einen Witz über die Muslimbrüder machte

 

Dieses Video ist sehr erhellend über den Wandel in Ägypten. Gamal Abdul Nasser erzählt hier, dass er mit den Muslimbrüdern einmal habe zusammenarbeiten wollen, “um sie auf den rechten Weg zu bringen”. Die erste Forderung des Führers sei gewesen, das Kopftuch zwingend einzuführen. Daraufhin lacht SPONTAN das Publikum. Kann man sich etwas Absurderes vorstellen! Die Frauen unters Kopftuch zwingen! Einer ruft gar: Soll er es doch selber tragen!
Dann kommt Nassers trockene Pointe: Er habe dem Führer der MB geantwortet: Haben Sie nicht eine Tochter, die Medizin studiert? Die trägt aber nicht Kopftuch! (Gelächter, abermals) Und wenn es nicht möglich ist, eine Frau unters Kopftuch zu zwingen, wie soll ich dann 10 Millionen Ägypterinnen dazu zwingen? (Gelächter).
Gut gegeben. Aber gewonnen hat die MB. Heute gibt es in Ägypten so gut wie keine Frau mehr ohne Kopftuch. Es sei denn, sie ist eine sehr mutige Christin, oder sehr privilegierte Frau, die sich zu schützen weiß und die Straße meidet. Und alles selbstverständlich völlig freiwillig.
Wer sich trauen würde, in Ägypten öffentlich über die MB in dieser Weise zu scherzen wie es Nasser tut, müsste hingegen mit einem Blasphemieprozess rechnen.

49 Kommentare

  1.   Bellfruta87

    Faschisten sind selten humorvoll und können über Witze lachen, egal ob sie nun einer säkularen oder religösen Ideologie folgen. Ich denke die besonders korantreuen Moslems im Führungszirkel der Moslembrüder haben mittlerweile ähnliche Reden gehalten wie diese hier: http://www.youtube.com/watch?v=_ooPYulJtN0 Auch wenn ihre Macht noch nicht so absolut ist.


  2. @ JL – Großartig – magnifique – Merci!

  3.   Mamas Liebling

    Und Sie, Herr Lau, haben trotzdem noch nicht begriffen, wie die Islamisierung läuft. Traurig.

  4.   ernsthaft

    3 ML
    Ich weiß nicht was herr lau begriffen hat, finde es aber toll, daß er soetwas veröffentlicht. Danke.


  5. PS – @ JL – es ist bedauerlich, wie weit Ägypten sich von hoffnungsvollen Anfängen einer, wenn auch begrenzten, religiösen Neutralität und staatsbürgerlichen Rationalität in der Moderne*) hin auf den Abweg zum Obskurantismus sektiererisch-spalterischer Repressionstendenzen der Gegenwart heute begeben hat.

    _____________________________

    *) Die Revolution 1919 prägte den Slogan “religion for God, the country for all”. Damals ließen die Ägypter ihre religiösen Differenzen hinter sich und verbündeten sich gegen die britische Herrschaft. Die Flagge der Revolutionäre zeigte einen Halbmond und ein Kreuz auf grünem Hintergrund.
    Das Kreuz wurde unter der darauffolgenden Monarchie dann allerdings durch drei Sterne ersetzt,
    während der Halbmond – ein altes Symbol der Osmanen und des Islams – blieb.


  6. 1953 … ein paar Jahre später – und lange vor dem Kopftuchboom – zog FGM wieder ein in Ägypten.

    Alle paar Monate halte ich es für vertretbar, FGM zu erwähnen.

    Unter Nasser gab es sogar mal ein Gebilde namens

    http://de.wikipedia.org/wiki/Vereinigte_Arabische_Staaten

    mit Syrien und dem Nordjemen.

    Ist in der christlich-muslimischen Gemengelage Ägyptens: ‘Syrien’ ein Thema – oder eher das Ende der Freundschaft ?


  7. PS – insbesondere über die ungewöhnlich freiheitliche, liberale und kreative Epoche Ägyptens in den Jahren vor der Revolution (coup d’etat) 1952 sowie die Unterdrückung demokratisch-parlamentarischer Impulse und Initiativen einige Zeit nach der Revolution (coup d’etat) von 1952 informiert ‘en detail’ Sandmonkey in seinem Essay “January vs. July” vom 28.08.2012


  8. der Essay “January vs. July” von Sandmonkey (28.08.2012):
    http://www.sandmonkey.org/2012/08/28/january-vs-july/

  9.   Bellfruta87

    Ach und Lau, Sie sollten sich an Nasser ein Beispiel nehmen, denn heute gehören Sie zu einer Klicke von Leuten, die lachen und witzeln wenn es um die Gefahren und Konsequenzen geht, welche ein sich ausbreitender Islam in Europa in Zukunft mit sich bringt. Und so wie Nasser einer Fehleinschätzung unterlag, so unterliegen Leute wie Sie heute einer Fehleinschätzung.
    Moslembrüder, Salafisten und andere besonders korantreue Moslems, sind im Grunde eine reformatorische Bewegung, welche gegen die falsche islamsisch Lehre und gegen unislamisches Verhalten und Praktiken vorgeht. Bei der christlichen Reformation war Ablasshandel, Käuflichkeit von Kirchenämtern etc. unchristliches Verhalten und dagegen ging man vor. Bei der islamsichen Reformation sind es westliche Kultureinflüsse und Freiheiten die als unislamisch betrachtet und bekämpft werden. Reformation ist back to the roots, und da kommt bei einer Ideologie wie dem Islam eben nichts gutes bei raus.
    Die Kernaussagen einer Ideologie, erst recht einer religösen Ideologie, lassen sich nunmal nicht verändern, und daher wird es dauerhaft niemals einen friedlichen, integrativen, demokratischen und auf menschenrechten beruhenden Islam geben, denn all diese Dinge haben nichts mit dem Inhalt von Koran und Sunna zu tun. Durchsetzen und prägend werden daher immer korantreue Moslembewegungen sein, ob sie sich nun Wahabiten, Moslembrüder oder Mili Görüs nennen.

    Erinnert sei in diesem Zusammenhang nochmal an die sehr passende und sehenswerte norwegische Reportage über Moslembrüder, Islam und Europa. Eine Reportage über die Lau vermutlich immer noch lacht und witzelt und die er als abwegiges Werk von “Islamhassern” abtut. Darin wird am Ende übrigens ein führender Moslembruder mit den Worten zitiert: “Du bist naiv, ich will nicht Ägyptens Führer werden, aber wenn jede Frau Kopftuch trägt und jeder Mann Bart, dann werden sie mich bitten sie zu führen.” http://www.youtube.com/watch?v=zPu6-iZQgaI


  10. Als hier noch alles leer war, habe ich mir das Video zunächst einmal mit freudigem Interesse angesehen und mich vage an Wochenschauen in den 60er Jahren erinnert, in denen dieser eindrucksvolle Mann gelegentlich auftauchte.
    Dann habe ich mir den Wikipedia-Eintrag zu Nasser angesehen und von einer “Laudatio” Abstand genommen, da Nasser wie die meisten bei allen Verdiensten ja auch dem ein oder anderen Irrtum unterlag.
    Aber ein interessantes Dokument ist das allemal.