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Politischer Islam an der Macht – was nun?

 

Letzte Woche habe ich eine Debatte bei Außenpolitischen Jahrestagung der Böll-Stiftung in Berlin moderiert. Teilnehmer waren Binnaz Toprak, Istanbul (CHP), Radwan Masmoudi (CSID, Washington/Tunis), Adul Mawgoud Dardery (MP FJP, Cairo/Luxor):

809 Kommentare


  1. Ich habe mir das sehr aufmerksam angehört, mir Notizen gemacht, zurückgespult, und wieder angehört und mein Befund ist:

    Ein abscheulich verantwortungsloser, nihilistisch-selbstgefälliger Showlauf von anti-westlichen, orientalischen* Eitelkeiten mit nichtssagenden mal selbstbeweihräucherischen, mal wehleidigen Kitsch-Anekdoten, billigen Gemeinplätzen und hohlen Phrasen.

    *ausgewählt orientalischen; wenn ein Ägypter meint, der Iran sei gescheitert und die Taliban keine Muslime – das ist dann schon etwas: ausgewählt

    min 27: Modell: Einzigartige Suppe (Ethnogebräu; Differenz zu min 44 ); Nationalsynkretismus, eine perfekte Unterlegung und Beweihräucherung für alle möglichen schmutzigen Konflikte; die syrische Suppe kocht gerade etwas über …

    min 38.30 … keine Kultur von Demokratie; wir bitten um Verständnis, wenn wir trotzdem schon mal anfangen ..

    min 44: Modell “Salatschüssel”; skandalöse Anbiederung an westlichen Hippie-Kitsch zur Bemäntelung von Konzeptionslosigkeit

    min 42: Jetzt machen wir alle Idschtihād, nachdem wir die letzten 400* Jahre nicht durften … hallo, schon mal mit Irshad Manji Rücksprache gehalten … für Idschtihād braucht man schusssichere Fenster und einen explosionsgeschützen Briefkasten, sonst klagt Sie die Nachbarschaft aus dem Stadtviertel …

    min: 47 Kopten sind gar keine Minderheit, sondern integraler part and parcel … genauso, wie

    min: 49 Säkulare auch fromm sind, nur vielleicht etwas anders

    min 61.11 von Rom habe man überhaupt die Kopten befreit …
    (mal Rücksprache mit dem frühen Bischof Thomas halten …)

    Noch zehr solche Hämmer, das wird mir aber zu nervig.

    Wieder Schlägerei unter türkischen Parlamentariern, die sind wenigstens ehrlich:

    http://todayszaman.com/news-298347-opposition-chp-lawmakers-use-pepper-spray-in-parliament.html

  2.   Serious Black

    @ TH

    Ein abscheulich verantwortungsloser, nihilistisch-selbstgefälliger Showlauf von anti-westlichen, orientalischen* Eitelkeiten mit nichtssagenden mal selbstbeweihräucherischen, mal wehleidigen Kitsch-Anekdoten, billigen Gemeinplätzen und hohlen Phrasen.

    Alles andere hätte mich überrascht.

  3.   Serious Black

    Noch jemand, der es besser wissen müßte:

    Another big question, of course, is, will Hamas use its longer-range rockets to bring Tel Aviv into the fight? I don’t think this is overly likely, because this would put immense pressure on Netanyahu to launch a massive retaliation, even invasion. Hamas doesn’t want an Israeli invasion of Gaza right now.

    http://www.theatlantic.com/international/archive/2012/11/what-does-the-gaza-attack-mean/265240/

    Ob Goldbergs Feindbild irgendwann von der Realität eingeholt wird?

  4.   MRX

    Ein abscheulich verantwortungsloser, nihilistisch-selbstgefälliger Showlauf von anti-westlichen, orientalischen* Eitelkeiten mit nichtssagenden mal selbstbeweihräucherischen, mal wehleidigen Kitsch-Anekdoten, billigen Gemeinplätzen und hohlen Phrasen.

    Wohl recht lau. Hatte aber bisher keine Zeit (und ehrlich gesagt auch keine Lust), mir das anzutun.


  5. @ Publicola

    Ihr link ist inhaltsgleich mit

    http://de.qantara.de/Ernuechternde-Bilanz/20144c21906i1p496/index.html

    Die Verwertungsgemeinschaft dw-qantara-kara-ben-nemsi, oder:
    ich erklär’ Dir die Welt; hat eine blues-edition aufgelegt.

    Ich komme mir kolonialistisch hofiert vor, wenn ich mir anhören soll, dass die Kopten überhaupt keine Minderheit seien, etc. Da könnte man doch mal spontimässig dazwischenrufen: “Sind Sie hergekommen, um uns das zu sagen ?” oder so.

    Bei min 51 war eine Sternstunde mit der kritischen Schilderung des Ex-Kommunikations- und Zwangsscheidungsfalles von

    hxxp://de.wikipedia.org/wiki/Nasr_Hamid_Abu_Zaid

    Mal ist die Scharia die Rache der Identität an der Demütigung durch den Kolonialismus mal ist sie untauglich zur Fundierung einer Verfassung – Min 56 – wegen substanzieller Umstrittenheiten.

    Gleichwohl seien die letzten 1.000 Jahre prima gelaufen, als jede Gruppe ihre eigene Scharia gehabt hätte – Min. 57 – (wie kam da eigentlich die schwule Scharia so ‘rüber ? hätte man da doch mal zwischenfragen können).

    Min 58 heute; voll die Herausforderung: Gleichheit vor dem Gesetz.
    min. 59 in Tunesien würden die Salafisten 30%, obwohl sie nur 30 -50.000 Leute seien.

    ‘Das sind ja Zustände, wie im Petrograder Sowjet der Arbeiter- und Soldatendeputierten’ hätte man da mal anmerken können (wegen des Publikums der Vergleich).

    Ein paar wirren Wuselwichten fällt gleich ein Drittel der ganzen Veranstaltung in den Schoss; Leuten, die es erst wegen der ganzen Freiheit jetzt überhaupt gibt. –

    Na’, ‘Nachtigall ick hör’ Dir trapsen'; am Gewaltregiment von fanatischen Minderheiten ist also die Freiheit schuld; sofort Co-Finanzierung bei der Seidel-Stiftung beantragen.

    Min 60 – aber Obacht bei der Verteidigung von Freiheiten – They will retaliate !

    Ich höre mir das jetzt zum Dritten mal an, er wird immer schlimmer.

  6.   Arjen van Zuider

    @SB:

    Hamas doesn’t want an Israeli invasion of Gaza right now.

    War der Grund für die israelische Offensive nicht eben gerade, dass die Hamas in verschiedene Gruppen zerfällt, die sich nicht einig sind, was sie wollen?


  7. @ SB

    “will Hamas use its longer-range rockets to bring Tel Aviv into the fight? I don’t think this is overly likely, because this would put immense pressure on Netanyahu to launch a massive retaliation, even invasion.”

    Doch, wird die Hamas, denn was sie jetzt nicht verschießen, von dem was sie noch haben, das fliegt ihnen als Sekundär-Detonation um die Ohren, wenn die Israelis es zerdeppern.

    Die Israelis zerstören – wie viel auch immer von dem Zeug – aber genug, dass die Hamas alles verschießen muss, weil sie nicht darauf rechnen kann, genug zurückgebunkert zu halten und wieder nachzurüsten, wie noch die Hisbollah 2006. Also schießen sie, soweit sie können und kriegen als Quittung, dass sie angeschlagen werden – eben auch in Sachen Stabilität.

    Für Ägypten entsteht damit eine Lage: Nix mehr mit Hamas, entweder die Salatkisten teilen sich den Laden mit den Perser-Proxies, oder Ägypten übernimmt selbst die Kontrolle über den Gaza-Streifen, das eine davon: müsste vielleicht wohl etwas weniger toxisch sein, als das andere.

    Nur halt: welche von beiden Möglichkeiten ?

    http://www.idfblog.com/2012/11/14/live-updates-idf-terror-targets-gaza/


  8. @ AVZ

    “War der Grund für die israelische Offensive nicht eben gerade, dass die Hamas in verschiedene Gruppen zerfällt, die sich nicht einig sind, was sie wollen?”

    Widerspricht sich nicht. Die Hamas hat die Kontrolle über die: Libyen- und Iran-bedingt eingeschleppten Potentiale verloren, oder betreibt ein doppeltes Spiel, wahrscheinlich Mischung von beidem; MB-Borderline halt; Pakistanisierung bei Arabern.

    Diese Potentiale werden jetzt zerdeppert, bzw. Not-verschossen, was in der Wirkung dieses mal wohl eher überwiegend zulasten der Hamas-Zustände im Gaza-Streifen als Skandal ‘rüberkommt.

    Darum geht es jedenfalls bei dem Medienkrieg.

    Die Amis verordnen den Kindern der Mitarbeiter ihrer Tel Aviver Botschaft schulfrei wegen Raketenanfluges.

    Auf so etwas kommt es an, in unseren modernen Zeiten.

    Irgendjemand wird in Gaza jetzt ‘den Noske’ machen müssen; für Musharaffs soll kein Spielraum mehr bleiben.

    Ob mit, oder ohne Bodenoffensive ist wohl nur eine technische Frage.

    Ich habe Bedenken gegen eine Optik, dass man Fallschirmjäger und die Giviati-Brigade losschicken muss, um in so einem besseren Neukölln aufzuräumen; da sieht irgendwie nach einem ‘zuviel der Ehre’ aus.

  9.   Bellfruta87

    “Ein abscheulich verantwortungsloser, nihilistisch-selbstgefälliger Showlauf von anti-westlichen, orientalischen* Eitelkeiten mit nichtssagenden mal selbstbeweihräucherischen, mal wehleidigen Kitsch-Anekdoten, billigen Gemeinplätzen und hohlen Phrasen.”

    Kann mich Holms Urteil nur anschließen. Der Ägyptische Islamist von den Moslembrüdern bot ein typisches Beispiel für das wachsweiche, nichtssagende Taqiyyagelaber was man von diesem Typus Islamist kennt. Ein Highlight für mich war als er bekundete wie gut er es fand das Ägypten jetzt endgültig, nach Mubaraks Sturz, von europäischem Kolonialismus befreit ist, was ja der wahre Grund allen Übels ist. Er aber gleichzeitig die islamische Besatzung und Kolonisation Spaniens positiv hervorhob. Und er gar nicht verstehen konnte warum die spanischen Reconquistadore nicht gut auf die islamischen Besatzer zu sprechen waren.

    Der tunesische Typ fiel mir vorallem durch eines auf. Demokratie scheint für ihn vorallem ein religöses Projekt zu sein. Und das kann natürlich nur gutgehen, vorallem wenn die Religion der Islam ist.

    Die Dame aus der Türkei war ein Lichtblick, auch wenn es teilweise recht anstrengend war ihr zu folgen.