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Die Zukunft des Buches ist digital

Von 15. Oktober 2009 um 14:51 Uhr

Auf der Frankfurter Buchmesse wird gerade die Zukunft des Buches diskutiert. Vor allem geht es um eine Frage: “Was kann die Verlagsbranche von der Musikindustrie lernen?” Lernen kann sie viel, aber schaut man sich die Strategien verschiedener eBook-Hersteller und die Online-Strategien der Verlage an, kommen Zweifel, ob sie die richtigen Fragen stellt.

Die Musikindustrie wurde als erste von der Digitalisierung erwischt. In den ersten Jahren nach Napster galt Kopierschutz mit Digital Rights Management als die Erlösung. Doch scheiterte man damit grandios und seit dem sind Kopierschutztechnologien auf dem Rückzug.

Hauptgrund war die fehlende Akzeptanz. DRM entmündigte die Nutzer. Sie konnten nicht mehr selbst entscheiden, auf welchen Geräten sie ihre erworbene Musik hörten. Weiterverkaufen oder verleihen ließen sich die digitalen Musikstücke auch nicht. Krönung waren DRM-Standards wie “Plays for Sure” von Microsoft, die dank Marktmacht suggerierten, dass die erworbenen Inhalte selbstverständlich überall nutzbar seien. “Überall” meinte dabei aber “nur auf Microsoft-Plattformen”. Mit der Nachhaltigkeit und dem “Plays for sure” war es irgendwann auch vorbei: Bald kündigte man an, die Kopierschutzserver abzuschalten.

Und die Buchbranche im Jahre 2009? Die träumt dieselben Träume wie die Musikindustrie vor einigen Jahren. Anbieter wie Amazon schmeißen eBook-Reader wie den Kindle auf den Markt, die nur mit dem eigenen, natürlich geschützten Format funktionieren. Die Verlage hoffen, künftig nur noch Nutzungslizenzen zu verkaufen, nicht mehr richtige Bücher. Und die Nutzer werden bald feststellen, dass irgendetwas nicht stimmt: Für einen ähnlich hohen Preis wie das gedruckte Buch erwirbt man lediglich ein Nutzungsrecht. Das eBook ist weder weiter verkaufbar, noch kann man das Exemplar einem Freund leihen. Unterschiedliche Kopierschutz-Standards sorgen dafür, dass man an einzelne Anbieter gefesselt wird. Wechselt man in einem Jahr vom Amazon-Kindle zur Konkurrenz, kann man wahrscheinlich die gekauften Bücher nicht mitnehmen.

Aber wie sieht die Zukunft des Buches aus?

Ich glaube, sie wird ganz anders aussehen, als wir uns das vorstellen können. Das alte Verständnis eines linearen Aufbaus der Erzählstruktur war dem analogen Medium Buch geschuldet. In den meisten eBook-Konzepten wird derzeit das analoge System nur 1:1 auf einen digitalen Vertrieb übersetzt.

Wo bleiben die Visionen, dass Literatur auch nichtlinear und multimedial sein kann? Gerade die Verschmelzung von Text, Audio und Videoinhalten zu etwas Neuem bietet Chancen. Allerdings, auf den gerade vorgestellten eBook-Readern wird so etwas nicht möglich
Sein. Die Geräte wirken technologisch wie Urgesteine aus den achtziger Jahren.

Vielleicht wird diese Technologie ja bald von Smartphones überholt. Diese verfügen auch über einen Browser und den passenden Rückkanal: So könnte die Zukunft des Buches viel vernetzter sein… Wenn ich Special-Interest-Bücher lese, interessiert mich doch, wer das gleiche Buch noch liest. Und ich hätte gerne Kontakt zu diesen Menschen. Selbst bei Beststellern kann es interessant sein, direkt im Lesefluss mit anderen Menschen darüber
zu kommunizieren.

Dabei könnte die Verlagsbranche viel von innovativen Konzepten der Musikindustrie lernen: Wer neue Wege geht, hat eher Erfolg als die dröge Masse. Der kanadische Science Fiction Autor und Blogger Cory Doctorow beschrieb auf der vergangenen re:publica´09 (Offenlegung: Der Autor veranstaltet die re:publica-Konferenzen) seine Strategie, Bücher zusätzlich zum Verkauf zu verschenken. Alle seine Werke sind unter einer Creative Commons Lizenz kostenfrei verfügbar. Das führt nicht nur dazu, dass seine Fans die Bücher freiwillig und kostenlos in Sprachen übersetzen, die von seinem Verlag als unrentabel angesehen werden. Die Fans sind auch glücklich über den Vertrauensvorschuss, verlinken auf seine Bücher und weisen andere auf sie hin. Doctorow profitiert dabei von Netzwerkeffekten im Marketing. Sein Geld verdient er weiter mit dem Verkauf der gedruckten Bücher und der eBooks, denn auch sie gibt es für Geld. Selbstverständlich ohne Kopierschutz. Die Frage, was wäre, wenn er keine gedruckten Bücher mehr verkaufen würde, antwortet er, dass Autoren heute ständig innovativ sein und neue Wege gehen müssten. Die Zeiten seien vorbei, wo man jahrzehntelang mit derselben Idee Geld verdienen könnte. Im Zweifel müsse er eben sein Geschäftsmodell anpassen.

Einige Musiker versuchen das schon und binden ihre Fans in die Wertschöpfungskette ein. Angefangen bei der Finanzierung der Produktion. Der Vorschuss, den früher die Verlage zahlten, kommt so von denen, die die Musik dann hören wollen.

Auch die Buchbranche braucht Mut für neue Wege. Kopierschutz und geschlossene DRM-Systeme sind keine nachhaltige Lösung, die die Kunden zufrieden stellen wird.

Kategorien: Allgemein
Leser-Kommentare
  1. 9.

    Mobile Geräte müssen nicht auf E-ink basieren. Es gibt genug Alternativen, … mit einem größeren Bildschirm als das iPhone.

    siehe z.B. http://www.archos.com

    das 5 Zoll Tablet hat sogar einen Nacht-Modus mit invertierter Schrift, damit meine Frau in Ruhe schlafen kann. Das Gerät liegt in der selben Preis-Klasse wie die E-ink Reader, hat aber noch Video, Musik, Internet, etc…. und die Batterie hält selbst beim Film gucken 5 bis 6 Stunden….

    und nein, ich arbeite nicht für diese Firma, ich finde nur das Gerät gut. Es gibt solche Multimedia-Player auch noch von Cowon, Technisat, Vosonic…..

    Leider berichtet die Zeit immer nur über Apple. Dabei kopieren die Macies ziemlich viel, die haben nur das beste Marketing.

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  2. 10.

    [...] Die Zukunft des Buches ist digital « Kulturkampf Auf der Frankfurter Buchmesse wird gerade die Zukunft des Buches diskutiert. Vor allem geht es um eine Frage: “Was kann die Verlagsbranche von der Musikindustrie lernen?” Lernen kann sie viel, aber schaut man sich die Strategien verschiedener eBook-Hersteller und die Online-Strategien der Verlage an, kommen Zweifel, ob sie die richtigen Fragen stellt. (tags: zukunft printbuch Buch Digitalisierung zeit-blog drm digital_rights_management 10/2009 2009) [...]

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  3. 11.

    Ich bin mit 61 Jahren wahrscheinlich einfach noch zu jung … (Referenz zu wawerka, heinzschmidt ) um eBooks als Boten der Unkultur zu begreifen.

    Für mich ist ein eBook eine willkommen Darbietungsform sofern ich es auf vorhandenen Gerätschaften lesen und hin- und herschaufeln kann (z.B. PC, Notebook, Smartphone) – ansonsten bin ich Format-Agnostiker. Meine “Engpässe” sind in erster Line Zeit, dann Interesse und manchmal auch der aufzuwendende Preis.

    Allerdings erinnern mich eBooks doch eher an die Anfänge des Fernsehens, als man Hörspiele im Studie mit angeschalteter Kamera übertragen hat. Die Möglichkeiten und Chancen des eBooks in der Kultur- und Wissensvermittlung und der Unterhaltung sind sowohl für Leser/Nutzer, als auch für die Autoren und die „Verleger“ noch nicht einmal im Ansatz genutzt.

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  4. 12.

    Verlinkung und Kommunikation sind bei Special-Interest Büchern sicher interessant. Den größten Teil des Buchmarktes macht aber noch die Belletristik aus. Ob es irgendwann mal Hyperlink-Bücher, die interessanter sind als die wenn du A willst gehe auf Seite 20, wenn du B willst auf Seite 30-Entscheidungsbücher, bleibt abzuwarten. Hier ist sicher viel Spielraum zum experimentieren gegeben.

    @Drudenfuss
    Ich kann die große Begeisterung über UGC nicht so wirklich verstehen. Nenn mich elitär, aber wenn Barbara aus Buxtehude Erzählungen über die Abenteuer ihrer Katzen schreibt, dann hat das für mich nicht den kulturellen Wert eines Max Frisch.

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    • 16. Oktober 2009 um 11:38 Uhr
    • cure
  5. 13.

    Wie hier richtig bemerkt, stecken wir in einer Umbruchphase, was die Formate von Büchern angeht. Das gedruckte Buch wird sicher noch lange fortbestehen. Es ist jedoch zu erwarten, dass gedruckte Ausgaben an Bedeutung verlieren werden, während gleichzeitig andere Formate wie e-Books an Gewicht gewinnen. Digitale Buchformate eröffnen neue Möglichkeiten für Autoren. Erzählungen können in mehreren alternativen Strängen entwickelt werden und Leser wählt nach seinem Geschmack einen davon aus. Anmerkungen, Bilder, Filme, Töne, Quellen, etc. lassen sich direkt in den Erzählfluss einbinden, und wer mag, kann innehalten und diese Zusatzmaterialen nutzen. Vieles ist hier denkbar, manches nur zu ahnen oder vielleicht noch nicht vorstellbar.
    Dass e-Book Reader in den vergangenen Jahren von der Leserschaft abgelehnt wurden hat viele Gründe. Preise, Qualität und Angebot an Lesematerial gehören sicherlich dazu. Jetzt haben e-Book Reader eine Stufe erreicht, wo sie interessant werden für ein breiteres Publikum. Sie stellen jedoch ganz sicher noch nicht der Weisheit letzten Schluss dar. Heute stehen e-Book Reader vermutlich auf einer Stufe, die Nadeldruckern vergleichbar sind. Bis zu den Laserdruckern ist es noch ein weitere Weg. Schon heute ist jedoch abzusehen, dass es weitaus bessere Geräte geben wird, Geräte, die in Farbe abbilden, schneller sind, mehr Speicher haben und mehr können.
    Vielleicht wird das in Kürze zu erwartende Barnes & Noble Gerät schon einen Schritt weiter sein oder das fabulöse iTablet (falls es denn jemals auf den Markt kommt und tatsächlich als Reader zu nutzen ist).

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    • 16. Oktober 2009 um 15:16 Uhr
    • Donald Townsend
  6. 14.

    [...] future of the book isn’t necessarily digital. A linear narrative structure has little or nothing to do with the hitherto analog medium (”analoges Medium Buch”). [...]

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  7. 15.

    Ich sehe das Thema nicht so verspannt: Ich finde ein Buch schön, einen e-Book-Reader à la Kindle fände ich praktisch. Praktisch daran ist, dass ich mehrere Bücher dabei haben kann, ohne schweres Gepäck (Urlaub, Reisen). Bei Fachbüchern oder Bedienungsanleitungen (davon habe ich immer ein paar dabei) kann man auch im Text suchen.
    Ich finde es nur völlig daneben, dass die digitalen Varianten teils dasselbe kosten, wie das gedruckte Exemplar (besonders krass: Thalia – dort waren bei 300 Euro Gerätepreis die Inhalte sogar noch teurer!). Für mich ist das -neben dem geringen Titelangebot – DER Grund, warum das bisher nicht läuft.
    Viele Grüße
    tjs

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    • 18. Oktober 2009 um 12:10 Uhr
    • Thomas Schlosser
  8. 16.

    [...] dem Thema findet Ihr HIER einen Blog-Eintrag des [...]

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  9. Kommentar zum Thema

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