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Döpfner will Öffentlich-Rechtliche abschaffen

Von 28. Dezember 2009 um 11:32 Uhr

Mathias Döpfner hat also was gegen die iPhone-App von tagesschau.de und spannt dafür seine Zeitungen und die Bundesregierung ein. Verstehen kann ich das schon, Konkurrenz ist Mist, noch dazu gute. Verlogen ist die Debatte trotzdem.

Denn was heißt es, wenn der Chef des Springer-Konzerns – der sich allein um den Shareholder Value sorgt und nicht um fundierte Informationen für eine kritische Öffentlichkeit – warnt, eine Tagesschau-App gefährde das neue Geschäftsmodell der Medien? Es heißt in der Konsequenz, dass Mathias Döpfner öffentlich-rechtliche Angebote abschaffen will. Nicht nur im Netz, auch im Radio und im Fernsehen. Es heißt, dass er wünscht, dass der Markt allein das Thema Information regeln solle und damit, zynisch gesagt, die Informationsfreiheit beschneidet.

Das kann man fordern. Aber dann sollte man es bitte auch mit diesen Worten tun. Und nicht mit der Keule “tausende Arbeitsplätze” kommen, die dadurch in der Verlagsbranche verloren gingen. Um die geht es bei dem Thema nicht.

Europa hat sich als Erfahrung aus der Vergangenheit für einen Sonderweg entschieden und im 20. Jahrhundert durch Gebühren finanzierte öffentlich-rechtliche Medien geschaffen. Sie gelten bis heute als der einzige Weg, Informationen so unabhängig wie möglich von politischen und wirtschaftlichen Einflüssen zu verbreiten.

Gut möglich jedoch, dass es bald einen weiteren Weg geben wird – dank des Internets und seiner technischen Vorraussetzungen. In Zukunft könnten auch verteilte Netzangebote diese weitgehende Unabhängigkeit garantieren. Wikipedia ist ein Beispiel dafür. Viele Menschen, die an einer Sache arbeiten, können im Mittel ein ziemlich neutrales Ergebnis produzieren. Das ist, wie die Debatten um Wikipedia zeigen, nicht leicht, aber möglich.

In der Zukunft wäre es damit vorstellbar, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu beerdigen. Die Idee, sich irgendwo neutral informieren zu können, würde aber ganz bestimmt nicht sterben. Sie würde sich nur ein neues Werkzeug suchen. Wahrscheinlich ein kooperatives, das auf der Möglichkeit basiert, dass jeder mitmachen kann.

Ob Mathias Döpfner diese Konsequenz seiner Forderung gefällt? Ich bezweifle es. Könnte ein solches Werkzeug doch noch viel mächtiger werden, als der öffentlich-rechtliche Rundfunk es jemals war. An Döpfners Stelle würde ich nicht zu sehr darauf dringen, ARD und ZDF klein zu machen. Andere Begehrlichkeiten könnten dadurch erst groß werden.

Kategorien: Allgemein
Leser-Kommentare
  1. 9.

    Zur Ergänzung:
    Der Parteienstaat BRD hat den ÖR “erfunden” um den Bürger auch noch für die Berieselung und die technischen Grundlagen zahlen zu lassen.

    Nun entfällt das Fundament der Technik. Er verbleibende Rest wird durch rechtswidrige Absprachen weiter alimentiert.

    Da der Informationsgehalt des ÖR sich dem der AK annähert kann auch gleich darauf verzichtet werden.

    “Gebühr” ist übrigens ein Hohn um eine ggf. nicht vereinbarte Leistung einzuziehen.

    Karl Müller

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  2. 10.

    Die öffentlich rechtlichen werden natürlich auch von unseren neoliberalen “Freunden” überall beschnitten, aber sie sind der Blödzeitung in Sachen Qualitätsjournalismus immer noch um Lichtjahre vorraus und das, obwohl sich die CDU redlich bemüht, Leute wie Brender aus ihren Positionen zu ekeln um eine möglichst reibungsarme Kuschelpresse in Duetschland zu etablieren. Biermann hat völlig recht, wenn er das, was Springer Chef Döpfner hier von sich gibt als dreiste Propaganda entlarvt. “Tausende von Arbeitsplätzen” wieder mal die Angstmachkeule? Für wie blöd hält uns die Springerpresse eigentlich? Die haben doch bloß Angst, dass ihr blödes Bild App kein Mensch haben will, wenn es im Gegensatz zu richtigen Nachrichten dann auch noch Geld kostet und Döpfner fürchtet nur eine Sache, seine Shareholder und vielleicht noch die mächtigste Frau in Deutschland, Friede Springer! Allen vorran bläst die Welt dann auch noch fleissig mit in das selbe Horn und tut auch noch so, als würde sie ja so gar nicht wirklich zur Springer Presse gehören und als ob der Widerstand gegen dieses App, dass ich persönlich sehr gerne hätte, ja nur von der Bundesregierung kommt http://www.welt.de/die-welt/kultur/article5650211/Bundesregierung-gegen-ARD-Dienst-fuer-das-iPhone.html .
    Ihr werdet schon sehen, wie sehr uns richtige und kritische Nachrichten fehlen werden, wenn wir in den Nachrichten nur noch zu hören bekommen, welches Starlet gerade Herpes hat und welcher Promi gerade heiratet oder geil Krebs hat.
    Jedenfalls ist die Debatte die hier seitens Springer geführt wird wieder mal scheinheilig und verlogen und wer Döpfner das Argument mit den Arbeitsplätzen abkauft der glaubt warscheinlich auch daran, dass die Mehrwertsteuersenkung für die Hotellobby nur zu unserem besten war. Der kann genausogut gleich unreflektiert Bild Lesen.
    Andererseits fürchte ich natürlich auch, dass die ARD hier andere Motive für so ein App hat, als die reine Nächstenliebe und Dankbarkeit gegenüber dem deutschen Michel, der seit Jahren brav GEZ berappt. Wollten die nicht ab 2013 für jeden, der z.B. über sein Handy eine Internetanbindung hat, (was bei jedem der so ein app verwendet der Fall ist)zusätzliche/erhöhte GEZ Gebühren verlangen und nebenbei die Unschuldsvermutung umkehren? So ein App wäre gute argumetative Munition für so eine Schutzgelderpressung. Vielleicht braucht man wirklich neue Werkzeuge, die sich Lobbyisten und Shareholdern entziehen können, um neutrale Berichterstattung zu gewährleisten, nur wie sollten diese Aussehen? Ideen? Irgendwer?

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    • 28. Dezember 2009 um 15:19 Uhr
    • Zingtoh
  3. 11.

    @Kai Biermann: Wenn ich mir so die Wikipedia-Relevanz Debatte ansehe habe ich so meine Zweifel… Bisher gibt es kaum gute Erklärungsartikel von der Admin-Seite.

    Alle neuen Modell-Dienste (twitter, Blogs) basieren zudem oft auf Anbietern von Data Mining Diensten (z. B. google) oder werden oft von diesen aufgekauft (Free, aber nicht ohne Kosten…). Die Daten müssen dann nur noch für die geeignete PR-Aktion gekauften werden, wenn man das Ganze mal negativ sehen will.

    Ich finde 6€ im Monat für den Deutschlandfunk und Co. sehr angemessen. Nur möchte ich nicht für Doping-Sport oder Shows/Sternchen und Serien zahlen. So bleibt noch Geld für ein Abo einer Zeitung, aus der dann auch wieder im ÖR zitiert werden kann. Alles gut.

    Wird dies Gleichgewicht gestört (Apps werden zur sinnfreien Begründung für neue GEZ-Gebühren), sehe ich eine Menge Probleme, die einen Erdrutsch auslösen könnten.

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    • 28. Dezember 2009 um 19:15 Uhr
    • rakeller
  4. 12.

    Was soll der Quatsch?
    Herr Biermann hat vollkommen richtig argumentiert.
    Es ist doch “normal”, wenn ein Unternehmer seiner Konkurrenz den Dreck unter den Fingernägeln nicht gönnt.
    Man mag über die öffentlich-rechtichen Anstalten denken wie man will, aber ohne?
    Der Wettbewerb und der Einfallsreichtum der Menschen werden über die Zukunft entscheiden!
    Und das ist gut so!

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    • 29. Dezember 2009 um 10:50 Uhr
    • Vergin
  5. 13.

    Wer über dieses Thema schreibt, sollte nicht die Tatsachen verdrehen.

    Gründung des ÖR:
    In Deutschland wurde nach dem Zweiten Weltkrieg und im Zuge der Demokratisierung von den West-Alliierten der öffentlich-rechtliche Rundfunk nach britischem Vorbild (BBC) unter der Leitung von Hugh Greene eingeführt. Die Sender sind als gebührenfinanzierte Körperschaften (bzw. Anstalten des öffentlichen Rechts) gegründet.
    Übrigens wohl in der Eile RAI, SVT, NPO vergessen?

    Wer für die Zeitung mit den großen Buchstaben ist, sollte dies klar sagen und keine, noch dazu falschen Nebelkerzen, werfen.

    Allerdings ist unbestreitbar, dass die Parteien in der geltenden Struktur immer versuchen Einfluss zu gewinnen. In Zukunft werden die Redakteure vom ZDF erst im Kanzleramt anrufen, um die Tageslosung zu empfangen. TRAURIG, aber somit ist dann der Gleichschritt mit BILD doch gewährleistet. Deshalb ist die Aufregung des Hr.Döpfner nicht nachvollziehbar.

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    • 29. Dezember 2009 um 14:20 Uhr
    • Jürgen Beil
  6. 14.

    Die Welt hat sich weiter gedreht, die Medienlandschaft in Deutschland aber noch nicht.

    In der Nachkriegszeit war öffentlich rechtlicher Rundfunk vielleicht eine sinnvolle Idee. Sendeplätze waren mit der damaligen Technik stark begrenzt, die “TV-Marktzutrittsschwelle” aufgrund exorbitanter Kosten sehr hoch, der potentielle Kundenkreis (TV-Besitzer) dafür aber noch sehr klein.

    Zudem war man sich unter den Alliierten noch nicht sicher, ob wirklich ohne massive Steuerung eine für eine Demokratie brauchbare Medienlandschaft entsteht. Auch ein Axel Springer oder Gerd Bucerius unterlagen alliierter Kontrolle, da auch der Zeitungsmarkt lange streng reguliert war.

    Beim TV kam dann das Problem dazu, dass es in der Nachkriegszeit keine Verschlüsselung o.ä. zwecks Abrechnung gab und daher ein Umlagesystem per Gerätegebühr das einzig praktikable System war.

    Aus diesem System ist dann mit der Zeit ein anachronistischer Dinosaurier mit massiver politischer Einflussnahme und regelmäßigen Korruptionsskandalen geworden.

    Der ÖRR wurde zum einen Teil zum Staatsfunk, zum anderen Teil eine Gelddruckmaschine für fast feudal anmutende “Senderkönigreiche”. Auch Intendanten haben versteckte Interessen, die mit Bürgerinteressen kollidieren.

    Spätestens mit dem Internet ist jegliche technische ÖRR Legitimation weggefallen. Senderverschlüsselung macht pauschale Gerätegebühren unsinnig. Die Unabhängigkeit des ÖRR ist eher ein theoretischer Traum, der mit der Realität nichts zu tun hat. Das mit der angeblichen Qualität der Inhalte wage ich auch zu bezweifeln. ÖRR- Informationsangebote sind entweder gleichgeschalteter Mainstream mit Infotainment- Charakter oder ideologische Indoktrination.

    Bleibt der Staatsfunk. Wenn man den jedoch möchte, dann sollte man ihn aber gleich aus dem Steuertopf finanzieren.

    Für Nischenprodukte (Kika, Arte, Phoenix, Senioren-TV) mag es da sogar eine gewisse Legitimation zu einem Bruchteil der heutigen Kosten geben. Das heutige ÖRR- System hat jeoch keinerlei Legitimation mehr. Das absurde GEZ-Finanzierungssystem schon gar nicht mehr.

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    • 29. Dezember 2009 um 15:29 Uhr
    • Julia09
  7. 15.

    Hmm, ist nicht auch die Unabhängigkeit der Medien gefährdet, wenn die öffentlich – rechtlichen Sender “Kooperationen” mit privaten Unternehmen eingehen ? Wenn da mal keine Interessenkonflikte drohen … wer soll denn da z.B. noch über die ÖR-Sender und ihre Kumpaneien mit der Politik unbefangen berichten ?
    Ein, hier jetzt vollkommen willkürlich herangezogenes, Beispiel wäre die Zusammenarbeit der ZEIT mit dem ZDF.

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    • 30. Dezember 2009 um 04:55 Uhr
    • Jakob Apfelböck
  8. 16.

    So ist das nunmal in einer menschlichen Gesellschaft. Es gründen sich immer wieder Subsysteme, die je größer umso unkontrollierbarer werden. Dann wäre da noch das Vitaminchen B, eigentlich müsste es Vitamin M für Macht heißen, denn die Machtverhältnisse lassen sich nur erahnen, doch aus ihnen zehren diese Subsysteme.

    Herr Biermann und Herrn Döpfner sind sich nicht wirklch uneinig :-) Sie benennen ihre Werte entsprechend ihrer Argumentationsstruktur. Auf der einen Seite haben wir die Wirtschaftlichkeit und auf der anderen die Kultur. Kommt es ihm nützlich wird Herr Döpfner den Wert des Kulturbegriffs in unserer Gesellschaft sicher auch nutzen, ebenso Herr Biermann den Wert der Wirtschaftlichkeit. Ich persönlich würde sagen, dass unser aller sein das Wesen der Kultur darstellt.

    Herr Döpfner’s Modell und Herr Biermanns Liebelei schröpfen beide und das nicht zu knapp.

    Aber durchleuchten Sie doch einmal das worüber Sie sprechen und dann wirbeln Sie die Federn (Tastatur). Ein guter Job beim WDR ist extrem hoch datiert. Wer da unterkommt wird zum Kulturattachee. Viel Geld für wenig Arbeit! (das merken wir uns)..

    Die GEZ belegt Geräte mit Gebühren, die nicht in der Lage sind Fernsehen zu konsumieren (Fernseher, DVD Abspieler etc.). Die Industrie produziert Geräte mit denen man zwangsläufig GEZ Gebühren zahlen muss. Woher kommen Politiker, wieviel verdienen sie und wo gehen sie hin?

    Wissen Sie woher das Wort Faschismus stammt? Aus dem italienischen von Bündniss, Bündelei. Für mich ist es schlicht Faschismuss Menschen gegen ihren klaren Willen zu Dingen zu zwingen, die sie nicht wollen.

    Unser aller Problem liegt in unseren Werten. Die halten uns von Eigeninitiative und Motivation komplett ab und wie lassen und lieber vom Leichten einspannen. Et hät ja noch alles jotjange (Kölsche Weisheit).

    Es hat sich seit Jahrhunderten nie eines geändert. Der Unterschied zwischen Plebejern und Patriziern.

    Ich würde dennoch gerne Herrn Biermann recht geben. Dieser heere Gedanke der Kultür.. aber Sie haben da auch ein Thema angeschnitten :-) RTL, Bildzeitung, Springerverlag usw. usw. Würde das die Sender ersetzen, die sich ÖR nennen, schönen Dank Peter Pank.

    Es gibt nur ein Modell. Transparenz, Kontrolle und Machtausgleich, als kleines leckeres Gewürz Bildung Bildung Bildung.

    Ein Gruss aus Shirakawa-go

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    • 30. Dezember 2009 um 08:48 Uhr
    • Hiro Protagonist
  9. Kommentar zum Thema

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