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Aus fünf Dollar wurden fünf Millionen

 

Es scheint, als beweise die digitale Welt im Angesicht der Katastrophe in Haiti gerade ihren Kritikern, dass gleich zwei Grundannahmen über sie falsch sind. Die Vorurteile nämlich, dass erstens in Netzwerken wie Facebook oder Twitter eh nur gequatscht aber nichts getan wird – bekannt unter dem Kunstwort Slacktivismus. Und dass zweitens die vielen kleinen Nischenlösungen keine große Wirkung entfalten könnten.

Small is the new big, schrieb Seth Godin 2005 erst in einem Blog und dann in einem Buch. Belege für diese These gibt es inzwischen einige, einen weiteren liefert gerade das Erdbeben in der Karibik.

In Netzwerken wurde schon kurz nach den ersten Meldungen darüber massiv zu Spenden aufgerufen, nichts Großes, lediglich kleine Beträge sollten es sein, fünf oder zehn Dollar meist. Inzwischen meldete das Rote Kreuz, dass man durch diese Kampagne mehr als fünf Millionen Dollar eingenommen habefast genauso viel also wie das, was die gesamte Europäische Union an Hilfsgeldern zur Verfügung stellt.

Offensichtlich finden sich auch im Netz viele Menschen, die etwas tun wollen – wenn die Hürden dazu nur niedrig genug sind. Klassische Spendenkampagnen, für die per Hand Überweisungsträger ausgefüllt und zur Bank getragen werden müssen, erreichen hierzulande nur noch Über-60-Jährige. Wohl vor allem, weil das Verfahren aufwändig ist.

Für die Internet-Spende dagegen genügt – wenn die Hilfsorganisation es eingerichtet hat – eine SMS mit einem bestimmten Stichwort an eine bestimmte Nummer. Abgebucht wird von der Mobiltelefonrechnung.

Ähnliche Kampagnen von Stars wie Wyclef Jean brachten bereits mehrere hunderttausend Dollar. Er wirbt unter anderem mit dem Satz: „Every1 has $5 every1 got a phn! – Jeder hat ein Mobiltelefon und jeder hat fünf Dollar übrig.“ In Deutschland sammelt beispielsweise Johnny Häusler vom Blog Spreeblick.

Nebenbei: Suchten nicht Zeitungsverlage nach simplen Möglichkeiten, damit Online für Abos und Texte bezahlt werden kann?