Online und Offline – über das Leben in zwei Welten

Überzeugungsarbeit statt Demonstrationen

Von 27. Januar 2010 um 18:33 Uhr

Zuerst der Disclaimer: Falk Lüke hat hier mal gearbeitet. Wäre es möglich, Ironie auf sympathische Weise in einem Text auszudrücken, würde ich schreiben: Und ich finde seine Meinung trotzdem interessant. Geht aber nicht, daher lasse ich das und schreibe einfach, dass er, – wie ich glaube – einen Punkt hat, wenn er fordert, Internetaktivisten sollten innehalten im Schimpfen auf Politik und Politiker. Denn es habe sich etwas geändert:

Politik hört derzeit zu. Politik will zuhören.

Das heißt nicht, dass sich sofort auch etwas an der Politik zum Thema Internet ändert. Aber es heißt, dass die Chance dafür besteht. Und damit könnte er Recht haben.

Natürlich kann man über fluekes Haltung auch wieder schimpfen. Schließlich arbeitet er inzwischen selbst viel mit Politikern und der Verband, der ihn bezahlt, macht Politik. Außerdem impliziert sein Blogeintrag auch die Forderung, nun eher leise Überzeugungsarbeit einzusetzen statt lauter Demonstrationen.

Dafür könnte man ihm Naivität vorwerfen, da sich Politik nie ändern werde und nur durch Machtdemonstrationen überzeugt werden könne, nie durch Argumente und… Aber halt, genau solche Meinungen braucht es ja nun nicht mehr, denn:

…im neuen Bundestag sitzen viele auch jüngere Menschen, die längst nicht mehr so Internet-inkompetent sind wie ihre Amtsvorgänger. (…) Klar, natürlich gibt es noch viele Entscheidungsträger, deren Affinität zu den neueren Medienformen, freundlich formuliert, distanziert ist. Aber auch das wird sich erledigen – entweder werden die Borg sie schon kriegen, oder sie werden sich nicht dauerhaft halten können.

Hoffen wir das Beste.

Kategorien: Allgemein
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Ich sehe es anders herum. Ein funktionierendes Internet ist für jeden Politiker und Lobbyisten (also jeder öffentlichen Person, auch denen der aus der Netzpolitk oder aus den Medien) unbequem.

    Sollte es dies nicht so sein, ist wirklich etwas falsch gelaufen.

    Was hier aber auch durchscheint, ist die Angst vor dem organisierten, apoltischen, da mono-thematischen „Netzpöbel“. Eine Einstellung die – wenn ich mich richtig erinnere – FL früher noch bei der Zeit selber kritisiert hat.

    Zur Warnung sollte sich Herrn Lücke mal die Debatten, Taktiken und Versprechungen der Politik aus dem letzten Jahr ansehen und überlegen welche Treffen und Debatten –„Dialogveranstaltungen“– mit welchen Leuten wirklich auch zu neuen Ergebnissen geführt haben und nicht nur für alle Beteiligten Zeitverschwendung waren.

    Wer sich nicht engagiert nimmt an Politik nicht teil. Dies ist richtig. Aber manchmal wäre das Fernbleiben von bestimmten PR-Veranstaltungen auch mal ein Zeichen, dass das Fachwissen und die Zeit vieler engagierter Leute etwas wert ist.

    Infosammlungen für die Haltung einer Partei/Lobbygruppe zu einem bestimmten Thema sind im Vorfeld oft der bessere Weg. So hat es die VZ oftmals auch gemacht. Ich halte dies für den richtigen Weg.

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  2. 2.

    Wie ich bereits in @fluekes Blog kommentierte:

    Das Problem liegt nicht bei den Politikern und Parteien. Die Internet-Kultur stellt einige grundlegenden Aspekte unseres gesellschaftlichen und insbesondere wirtschaftlichen Denken und Handelns in Frage. Dies geschieht dann auch noch quer zu überkommenen ideologischen Linien. Die Internet-Kultur fordert und fördert sowohl den Einzelnen, als sie auch gleichzeitig an der (korrupten und überkommenen) Basis des Kapitalismus aktueller Couleur heftigst rüttelt.

    Kurz: Durch das Internet stellt sich die Machtfrage zwischen den Menschen auf vielen Ebenen neu – und das ist es was verkommene Politiker und ihre Puppenspieler fürchten. Und nur weil sie uns zum Tee einladen, heisst noch lange nicht, dass sie verstehen (wollen), was das Internet für einen freien Menschen bedeuten kann.

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    • 31. Januar 2010 um 11:30 Uhr
    • Jens Best
  3. Kommentar zum Thema

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