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Leaks im Longtail – Exlusivität der Depeschen endgültig aufgehoben?

 

Streit gab es von Beginn an. Warum sollten die Redaktionen von New York Times, Guardian, Spiegel und im Fall der US-Botschaftsdepeschen auch die Redaktionen von El País und Libération einen exklusiven Zugriff auf das Wikileaksmaterial genießen? Diese Frage ist fundamental und wird die Zukunft des Whistleblowings massiv beeinflussen. Wann geht wer wie mit dem prekären Material um, dessen Veröffentlichung Menschenleben gefährden oder ganze Gesellschaften in Unruhe versetzen kann (Tunesien: Erste Wikileaksrevolution?).
Mittlerweile scheint jedenfalls eines klar. Wikileaks hat, beabsichtigt oder nicht, keine Kontrolle mehr über die 250.000 US-Botschaftsdepeschen. Nach dem die norwegische Zeitung Aftenposten bereits vor Wochen den Besitz aller 250.000 Depeschen behauptete, scheint nun auch Die Welt alle Depeschen einsehen zu können. Erst am Wochenende war bekannt geworden, dass auch das niederländische NRC Handelsblad nach Überlassung durch die norwegische Aftenposten in den Besitz von mindestens 3000 US-Depeschen aus der Botschaft in Den Haag gelangt ist. In diesen Depeschen geht es unter anderem um die Bedeutung der Niederlande als enger Verbündeter der USA, den äußerst umstrittenen Kauf eines US-Kampfflugzeugs durch die Regierung in Den Haag und den fragwürdigen Islam-Kritiker Geert Wilders.

Crowdleak.net

Die Proliferation der Depeschen ist nicht mehr aufzuhalten. Und das ist eine Chance, für ihre noch bessere Auswertung, da sie vielfach Details enthalten, die nur für Kenner vor Ort in ihrer Brisanz sichtbar sind. Mit Blick auf diese Vorgänge und das Beispiel  Tunesien fragt dementsprechend die Herausgeberin des New Yorker, Amy Davidson, wie man die Nutzung der Depeschen optimieren kann. „Wer weiß schon genug über die einzelnen Länder, auf die sich die Botschaftsdepeschen beziehen.“ Oder anders gefragt: Wie können wir den Menschen, Experten, Redaktionen weltweit einen adäquaten Zugang gewähren, damit sie die für sie relevanten Depeschen suchen und bewerten können. Bei gleichzeitiger Gewährleistung eines sensiblen Umgangs mit dem Material? Die Beteiligung weiterer Redaktionen ist ein erster Schritt. Auch Konzepte wie die des Portals Crowdleak.net, die Fülle mit den Mitteln des Crowdsourcings erschließen wollen, sind ein weiterer Schritt. Aber welche Schritte könnten folgen? Ein Bewerbungssystem für Redaktionen weltweit? Wer entscheidet dann den Zugriff? Ein geheimer Rat bei Wikileaks? Assange persönlich? Eine UN-Organisation? Oder einfach der, der am meisten zahlt?

29 Kommentare

  1.   Whampa

    @Zeitredaktion: beim Link nach Crowdleak.net fehlt die Protokollangabe „http://“. So führt der Aufruf zu einem 404-Fehler auf zeit.de.

  2.   Observer

    „Wer entscheidet dann den Zugriff? Ein geheimer Rat bei Wikieleaks? Assange persönlich? Eine UN-Organisation? Oder einfach der, der am meisten zahlt?“

    Kein Wunder, dass ZEIT bei den Depeschen leer ausgegangen ist.

    Nach den Verleumdungen der Wikileaks Akteure und der offensichtlichen Obrigkeitshörigkeit ihrer Redakteure ist keine objektive Berichterstattung oder ein irgendwie geartetetes Interesse an investigativem Journalismus zu erwarten.

    Also heult ruhig weiter. Niemand der sich mehr Demokratie und Transparenz in Deutschland wünscht, wird Euch bemitleiden und auch das „Leistungsschutzgesetz“ wird Eure Propagandamaschine auf Dauer nicht retten.

  3.   Markus Heidmeier

    @whampa: Link repariert. Danke für den Hinweis.


  4. Immer, wenn hier ein Wikileaks-Artikel erscheint, muss man solch Gesülze lesen. Beantworten können Sie die Frage aber anscheinend auch nicht, warum nur einzelne Zeitungen von Wikileaks Zugriff auf die Depeschen u.a. Material bekommen haben. Versuchen Sie doch einfach mal, diese Frage sachlich und nachvollziehbar zu beantworten, dann fallen Sie hier nicht so als Troll auf.


  5. Es wäre an der Zeit, dass sich die sogenannten Qualitätsmedien endlich mal weniger selbst bemitleiden weil sie nicht die auserwählte Braut waren, die exklusiven Zugriff auf das Material bekamen.

    Ihr könnt noch so sehr dagegen anschreiben, es ist schlichtes Geweine was Ihr vom Stapel lasst.

    Hört endlich mit dem Selbstmitleid auf und fangt damit an, worüber Ihr so gerne schreibt: mit der inhaltlichen Aufarbeitung der Depeschen.

    Sonst kann man nur im Slang antworten: get a life, emo!


  6. „Tunesien: Erste Wikileaksrevolution?)“.
    Sucht die Schuld bei den Diktatoren!

  7.   tja

    Leider muss ich „Observer“ recht geben der gesamte Umgang der ZEIT mit dem Thema WikiLeaks ist mehr als dürftig und enttäuschend!
    (Vom Thema Leistungsschutzrecht mal abgesehen)

    Ich frage mich auch seit Wochen, warum die ZEIT kein Dossier zu WikiLeaks und den Themen rund herum macht, kann mir die Frage dann aber kurze Zeit später immer wieder an Hand der Berichterstattungsqualität selbst beantworten.

    Schade!

  8.   Markus Heidmeier

    Ah. Oh. Hier ist Leben. Wunderbar. Selbstmitleid? Das Wikileaks bestimmte Redaktionen ausgewählt hat, ist erstmal das gute Recht der Wikieaks-Macher und sollte eigentlich nicht beklagt werden.
    Mir scheint jedoch die Frage wichtig, wie Redaktionen in Tunesien, Algerien, Nicaragua oder Kenner im Iran, in Weißrussland etc. zukünftig einen adäquaten Zugang zu den Daten bekommen könnten. Da sie evtl. mehr entdecken als Redakteure, die hunderte Kilometer entfernt sind oder die für einen kompletten Kontinent zuständig sind.
    Hier die Adresse des Wikileaks Dossiers: http://www.zeit.de/wikileaks

  9.   Observer

    Wenn es nicht so langweilig wäre, lavalampe, müßte man antworten: „Wer lesen kann bla bla….“

    Meine Einschätzung noch einmal [kommentiert] für Sie:

    „Nach den Verleumdungen der Wikileaks Akteure [„Oder einfach der, der am meisten zahlt?“] und der offensichtlichen Obrigkeitshörigkeit ihrer Redakteure [„dessen Veröffentlichung Menschenleben gefährden“, eine Behauptung, die immer wieder von Regierungsseite vorgetragen wird, bislang aber in keiner Weise bewiesen ist] ist keine objektive Berichterstattung oder ein irgendwie geartetes Interesse an investigativem Journalismus zu erwarten.“

    Von Ihnen habe ich außer persönlichen Angriffen und Beschimpfungen nicht inhaltlich Erhellendes gelesen. Zufall? Wohl eher nicht.

  10.   ToJToJ

    Vanityfair (http://www.vanityfair.com/politics/features/2011/02/the-guardian-201102) hat Hintergründe über einen Streit zwischen Assange und Guardian veröffentlicht: Assange soll eine Klage gegen den Guardian wegen Verletzung seiner finanziellen Interessen angekündigt haben indem der Guardian ohne Zustimmung Assanges Dokumente veröffentlicht hat.